Mittwoch, 15.08.2012

U-21-Kapitän Lewis Holtby im Interview

"Wir müssen als Nation zusammenrücken"

Beim 6:1 der U21 gegen Argentinien gingen zwei Treffer auf das Konto von Kapitän Lewis Holtby. Im Interview spricht der Schalker über die EM-Qualifikation, seine Rolle bei den Knappen und in der Nationalmannschaft sowie seinen neuen "Arbeitgeber".

Ein 6:1 gegen Argentinien schafft man nicht alle Tage: Lewis Holtby jubelt
© Getty
Ein 6:1 gegen Argentinien schafft man nicht alle Tage: Lewis Holtby jubelt

Frage: Herr Holtby, Glückwunsch zum klaren Sieg gegen Argentinien.

Lewis Holtby: Wer hätte das gedacht? 6:1 gegen eine Fußballnation wie Argentinien. Wir haben sehr viel Selbstvertrauen. Es war nicht alles perfekt, aber dennoch war es ein sehr schöner Abend.

Frage: Die Qualifikation für die Playoffs zur EM ist längt geschafft, die letzten beiden Gruppenspiele sind quasi nur noch bessere Testspiele. Ist die Gefahr gegeben, dass man an Spannung verliert vor den dann entscheidenden Spielen?

Holtby: Das ist ausgeschlossen! Der Hunger ist groß, wir freuen uns jedes Mal richtig drauf, wenn wir uns zu den Lehrgängen und Spielen zusammenfinden. Wie wir die verletzten Spieler kompensieren konnten, war schon stark. Da fügen sich alle nahtlos ein. Das macht uns aus, dieser Teamgeist ist ganz groß.

Frage: Sie haben in der Sommerpause freiwillig Extraschichten eingelegt.

Holtby: Das war in Homburg, bei Christian Titz (Trainer von Regionalligist FC Homburg-Saar, Anm. d. Red.). Wir sind sehr enge Freunde, ich bin von seinem fußballerischen Wissen absolut überzeugt und dankbar, dass ich in meiner Freizeit bei ihm trainieren darf.

Frage: Haben Sie das Einzeltraining in Angriff genommen, weil die Pause so lang war?

Holtby: Ich habe teilweise auch während der Saison schon mit ihm trainiert. Aber jetzt hatte ich einfach mehr Zeit und die habe ich genutzt.

Frage: Um welche Schwerpunkte ging es genau?

Holtby: Um die Ballannahme und -mitnahme, das Passspiel, raumübergreifendes Spiel - viele Dinge, die im fußballerisch-taktischen Bereich wichtig sind.

Frage: Sie wirken sehr frisch, optimistisch, voller Spielfreude und Selbstbewusstsein.

Holtby: Als Kapitän ist es für mich klar, dass ich bestimmte Dinge in die Mannschaft einbringen muss. Gerade auch, weil man immer wieder neue Spieler mit ins Boot nehmen muss und nicht einfach stehen lassen kann.

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Frage: Auf Schalke könnten Sie nach Rauls Weggang bald noch mehr in eine tragende, zentrale Rolle rücken.

Holtby: Das Gefühl aus der U 21 nehme ich gerne mit auf Schalke. Da haben wir auch eine geile Truppe. Das Lächeln, das ich momentan im Gesicht habe, ist nicht aufgesetzt. Das ist echt.

Frage: Wie sehen Ihre Ambitionen für die A-Nationalmannschaft aus?

Holtby: Wir haben eine Aufgabe mit der U 21 zu erledigen. Wir wollen aus meiner Sicht ganz klar Europameister werden. Das ist das Ziel und der Traum von jedem Einzelnen hier. Vorher muss man sich aber erst dafür qualifizieren. Man hat ja gesehen, wie viele der 2009-Europameister jetzt bei der A-Mannschaft spielen. Man darf die Geduld nicht verlieren und auch nicht vergessen, dass wir eine wahnsinnig starke A-Mannschaft haben, die auf jeder Position doppelt oder dreifach besetzt ist.

Frage: Geht die deutsche U 21 als einer der Favoriten in die Playoffs?

Holtby: Wenn man acht Siege in acht Spielen feiert, verschafft man sich einen gewissen Respekt. Die anderen schauen ja auch auf die Tabelle. Aber wir werden weiter versuchen, demütig Fußball zu spielen und nicht arrogant zu werden.

Frage: Haben Sie das Gefühl, dass bei Ihnen persönlich nochmal ein Schub nach vorne ansteht in der kommenden Saison?

Holtby: Ich freue mich wahnsinnig auf jedes einzelne Spiel. Ich bin dankbar dafür, dass ich gesund bin und eine gute Vorbereitung hinter mir habe. Ich will einfach nur Fußball spielen. Alles andere kommt dann von alleine.

Frage: Ist für Ihre lockere Art auch Ihre Herkunft ein wenig verantwortlich, als Engländer und Deutscher in einem?

Holtby: Ich bin stolz auf meine zwei Nationen. Natürlich steht für mich die deutsche im Vordergrund. Ich bin dankbar dafür, dass ich für dieses schöne Land die Binde tragen darf. Wir müssen einfach als Nation zusammenrücken, dann können wir die ganz großen Ziele auch erreichen. Da bin ich mir absolut sicher.

Frage: Sieh haben in Robin Dutt ja gewissermaßen einen neuen Vorgesetzten. Gab es schon einen ersten Kontakt?

Holtby: Herr Dutt hat zur Mannschaft noch nicht gesprochen, es gab noch keinen Kontakt. Ich denke aber, er wird sich vor einem der nächsten Spiele an uns wenden. Er muss sich ja auch erst einen Überblick verschaffen über die ganzen Mannschaften, die er jetzt verantwortet.

Lewis Holtby im Steckbrief

Aufgezeichnet von Stefan Rommel

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