Löws Aufstellung in der Kritik

Die eigene Identität geopfert

Von Für SPOX bei der Nationalmannschaft: Stefan Rommel
Freitag, 29.06.2012 | 22:57 Uhr
Ungläubige Blicke: Die Nationalelf war gegen Italien schon früh auf der Verliererstraße
© Getty
Advertisement
Copa Sudamericana
Libertad -
Independiente
Championship
Ipswich -
Sheffield Wed
Copa Libertadores
Gremio -
Lanus
Indian Super League
Chennai -
NorthEast United
Copa Sudamericana
Flamengo -
Junior
Indian Super League
Kerala -
Jamshedpur
Ligue 1
St. Etienne -
Straßburg
Premiership
Dundee -
Rangers
Premier League
West Ham -
Leicester
Primera División
Celta Vigo -
Leganes
A-League
FC Sydney -
Brisbane
Primera División
Alaves -
Eibar
Championship
Barnsley -
Leeds
Serie A
Bologna -
Sampdoria
Championship
Norwich -
Preston
Primera División
Real Madrid -
Malaga
Ligue 1
Rennes -
Nantes
Serie A
Chievo Verona -
SPAL
Serie A
Sassuolo -
Hellas Verona
Premier League
Liverpool -
Chelsea
Primera División
Real Betis -
Girona
Championship
Sheff Utd -
Birmingham
Ligue 1
Caen -
Bordeaux
Ligue 1
Dijon -
Toulouse
Ligue 1
Metz -
Amiens
Ligue 1
Montpellier -
Lille
Ligue 1
Troyes -
Angers
Premier League
Tottenham -
West Bromwich (DELAYED)
Primera División
Levante -
Atletico Madrid
Premier League
Swansea -
Bournemouth (DELAYED)
Premier League
Crystal Palace -
Stoke (DELAYED)
Premier League
Man United -
Brighton (DELAYED)
Premier League
Newcastle -
Watford (DELAYED)
J1 League
Cerezo Osaka -
Kobe
J1 League
Kashima -
Kashiwa
Primera División
La Coruna -
Bilbao
Eredivisie
Excelsior -
PSV
Premier League
Southampton -
Everton
Super Liga
Cukaricki -
Roter Stern
Ligue 1
Nizza -
Lyon
Serie A
Genua -
AS Rom
Serie A
AC Mailand -
FC Turin
Serie A
Udinese -
Neapel
Primera División
Real Sociedad -
Las Palmas
Ligue 1
Marseille -
Guingamp
Premier League
Huddersfield -
Man City
Serie A
Lazio -
Florenz
Primera División
Villarreal -
Sevilla
Premier League
Burnley -
Arsenal (DELAYED)
First Division A
Brügge -
Zulte-Waregem
Primera División
Valencia -
Barcelona
Serie A
Juventus -
Crotone
Ligue 1
Monaco -
PSG
Primeira Liga
Benfica -
Setubal
Superliga
River Plate -
Newell's Old Boys
Premier League
Spartak -
Zenit
Serie A
Atalanta -
Benevento
Championship
QPR -
Brentford
Primera División
Espanyol -
Getafe
Ligue 1
Amiens -
Dijon
Ligue 1
Straßburg -
Caen
Coppa Italia
Sampdoria -
Pescara
Ligue 1
Bordeaux -
St. Etienne
Premier League
Watford -
Man United
Copa del Rey
Real Madrid -
Fuenlabrada
Premier League
Brighton -
Crystal Palace (DELAYED)
Premier League
West Bromwich -
Newcastle (DELAYED)
Premier League
Leicester -
Tottenham (DELAYED)
Copa Sudamericana
Independiente -
Libertad
Coppa Italia
Chievo Verona -
Hellas Verona
Ligue 1
Angers -
Rennes
Ligue 1
Guingamp -
Montpellier
Ligue 1
Lyon -
Lille
Ligue 1
Metz -
Marseille
Ligue 1
Nantes -
Monaco
Ligue 1
Toulouse -
Nizza
Copa del Rey
Barcelona -
Murcia
Premiership
Rangers -
Aberdeen
Cup
Anderlecht -
Lüttich
Ligue 1
PSG -
Troyes
Premier League
Stoke -
Liverpool
Copa del Rey
Atletico Madrid -
Elche
Premier League
Bournemouth -
Burnley (DELAYED)
Premier League
Arsenal -
Huddersfield (DELAYED)
Premier League
Man City -
Southampton (DELAYED)
Premier League
Everton -
West Ham (DELAYED)
Premier League
Chelsea -
Swansea (DELAYED)
Copa Libertadores
Lanus -
Gremio
Indian Super League
Goa -
Bengaluru
Copa del Rey
Villarreal -
Ponferradina
Cup
Zulte-Waregem -
Brügge
Coppa Italia
Genua -
Crotone
Copa Sudamericana
Junior -
Flamengo
Indian Super League
Jamshedpur -
Kalkutta
Serie A
AS Rom -
SPAL
Primeira Liga
Sporting -
Belenenses
Ligue 1
Dijon -
Bordeaux
Serie A
Neapel -
Juventus
Championship
Leeds -
Aston Villa
Primera División
Malaga -
Levante
Primeira Liga
Porto -
Benfica
J1 League
Iwata -
Kashima
J1 League
Kobe -
Shimizu
A-League
Newcastle -
Melbourne City
Primera División
Barcelona -
Celta Vigo
Premier League
Chelsea -
Newcastle
Premier League
Lok Moskau -
Kasan
Championship
Millwall -
Sheffield Utd
Primera División
Atletico Madrid -
Real Sociedad
Ligue 1
Straßburg -
PSG
Premier League
Arsenal -
Man Utd
Primera División
Sevilla -
La Coruna
Championship
Bristol City -
Middlesbrough
Ligue 1
Lille -
Toulouse
Ligue 1
Monaco -
Angers
Ligue 1
Nizza -
Metz
Ligue 1
Rennes -
Amiens
Ligue 1
Troyes -
Guingamp
Premier League
Watford -
Tottenham (DELAYED)
Eredivisie
Feyenoord -
Vitesse
Primera División
Bilbao -
Real Madrid
Serie A
FC Turin -
Atalanta
Premier League
West Brom -
Crystal Palace (DELAYED)
Primera División
Leganes -
Villarreal
Serie A
Benevento -
AC Mailand
Premiership
Aberdeen -
Rangers
Eredivisie
PSV -
Sparta
Premier League
Bournemouth -
Southampton
Ligue 1
St. Etienne -
Nantes
Serie A
Bologna -
Cagliari
Serie A
Florenz -
Sassuolo
Serie A
Inter Mailand -
Chievo Verona
Primera División
Getafe -
Valencia
Ligue 1
Caen -
Lyon
Premier League
Man City -
West Ham
Primera División
Eibar -
Espanyol
First Division A
Zulte-Waregem -
Gent
Primera División
Las Palmas -
Real Betis
Serie A
Sampdoria -
Lazio
Ligue 1
Montpellier -
Marseille
Superliga
Boca Juniors -
Arsenal
Serie A
Crotone -
Udinese
Championship
Birmingham -
Wolverhampton
Primera División
Girona -
Alaves
Serie A
Hellas Verona -
Genua

Das deutsche Aus gegen Italien hat tiefe Wunden hinterlassen, nicht nur bei der Mannschaft. Bundestrainer Joachim Löw und dessen Maßnahmen stehen im Kreuzfeuer der Kritik. Zu Recht? Eine Einordnung.

Es ist manchmal ein schmaler Grat zwischen gesundem Selbstverständnis und der Reaktion auf das, was einem der Gegner an Spielmöglichkeiten anbietet. Gerade gegen Italien war das eine besonders heikle Situation, können die Azzurri scheinbar mühelos zwischen zwei grundlegenden Systemen (3-5-2 und 4-4-2) switchen und demnach die Ausgangslage für einen Trainer elementar verändern.

Im Vorfeld der Partie sprach Joachim Löw aber noch explizit davon, in erster Linie das eigene Spiel durchdrücken zu wollen und sich erst danach am Gegner oder dessen wichtigen Protagonisten zu orientieren.

Löws Wechsel für die Statik zu viel

Die Idee, dass sich ein Spieler, in diesem Falle Toni Kroos, um die Kreise von Andrea Pirlo kümmern sollte, war für sich selbst betrachtet sicherlich absolut nachvollziehbar. Für die Statik in der eigenen Mannschaft aber schon schwierig umzusetzen und in der Gesamtheit - also mit den Wechseln von Mario Gomez für Miro Klose und Lukas Podolski für Andre Schürrle - an diesem Abend zu viel für die deutsche Mannschaft.

Löw warf somit ein großes Stück seiner auch in diesem Turnier schon erfolgreich gezeigten Identität weg: Die Heatmaps der UEFA zeigen, wie sehr sich Mesut Özil und Kroos letztlich in der ersten Halbzeit fast im selben Raum bewegten, zwischen dem Zentrum und dem rechten Flügel.

Der Effekt war zwar, dass Pirlo immer mal wieder Druck verspürte, aber eben nicht permanent. Eine Aufgabenverteilung nach den Richtlinien der Raumdeckung - gemäß: der am nächsten stehende Spieler geht sofort und im Tempo auf Pirlo - wäre eine Alternative gewesen.

Kaum Druck auf italienische Außen

So entwickelte sich eine halbherzige Raumdeckung, die weder Kroos noch Özil, der sich ebenso oft im Dunstkreis Pirlos aufhielt, zur Zufriedenheit erfüllen konnten. Der eigentlich schlimmere Effekt war aber, dass das deutsche Angriffsspiel einer seiner wichtigsten Komponenten beraubt war.

Das deutsche Spiel hatte Breite, nur so konnten die kleinen Lücken zwischen den gegnerischen Linien gerissen und in sie eingelaufen werden. So ging es auch durch die Mitte mit flüssigen Kombinationen.

Gegen die Italiener, die ihre Probleme mit den keinesfalls beständigen Chiellini und Balzaretti auf den Außen hatten, fehlte die permanente Penetration eben jener Schwachstellen. In großen Phasen des deutschen Spiels war die rechte Seite unterrepräsentiert, auch wenn Özil die Lücke einige Male auffüllen wollte.

Cassano weicht auf den linken Flügel aus

Das wiederum hatte zur Folge, dass Jerome Boateng als Rechtsverteidiger ohne Bezugspunkt war, nicht wusste, wann er wie anlaufen sollte, schlicht: Sehr oft verloren im Raum stand.

Offenbar erkannte Cesare Prandelli diese Unwucht recht schnell, nach gut zehn Minuten beorderte er Antonio Cassano raus auf den linken italienischen Flügel, um Druck auf Boateng zu bekommen und in einigen Fällen sogar den Raum hinter dem zu hoch stehenden Deutschen zu besetzen. Cassano trieb sich entweder im Zentrum, bevorzugt aber bis zur Pause fast nur noch links herum und entwischte sowohl den deutschen Innenverteidigern, als auch Boateng.

Löw ging ein gewisses Risiko, als er Kroos und Podolski brachte. Allerdings wurde er bisher von seinen Ergänzungsspielern auch noch nicht enttäuscht. Zumindest nicht in dem Maße, wie am Donnerstag in Warschau. Podolski war nach seinem Bankdasein gegen Griechenland eine Menge Motivation oder sogar Wut zugetraut worden, die er als positive Energie auf den Platz bringen sollte.

Löw wurde von Tiefe des Kaders enttäuscht

Leider fand er gar nicht in die Spur und machte die linke Seite letztlich ebenso wirkungslos wie die rechte. Gomez hatte in der Rückwärtsbewegung nicht das Timing, das Klose in einigen Szenen auszeichnet. Immerhin konnte er ein paar Mal mithelfen, einen schnellen Angriff der Italiener zu verhindern. Von einem Ballgewinn war er aber weit entfernt.

Vor der Partie hatte Löw auch gemutmaßt, dass Pirlo von vorne nur schwer bis kaum effektiv zu verteidigen sei. Pirlo bieten sich in seiner zentralen Position einfach zu viele Möglichkeiten, auch unter großem Druck noch einen Ausweg zu finden. Wenn man ihn gut stören könne, dann mit der Attacke aus seinem Rücken. Klose wäre hierfür wohl die bessere Alternative gewesen.

Um einen konsequenten Mittelweg zu finden zwischen der Reaktion auf das Spiel des Gegners und der Wahrung der eigenen Identität, hätte Löw wohl entweder Kroos konsequent im Zentrum gegen Pirlo und Özil damit auf dem Flügel bringen müssen - oder, ganz revolutionär: Kroos im Zentrum gegen Pirlo, Marco Reus rechts auf dem Flügel und Özil zunächst gar nicht. Das alles unterstützt vom emsigen Klose.

So hat er der Tiefe seines Kaders vertraut und wurde dieses Mal enttäuscht. Vielleicht ging er auch eine Spur zu pragmatisch, technisch an die Sache. Reus hatte eine enorm starke Saison gespielt und gegen die Griechen in seinem ersten Einsatz auch bewiesen, dass er sich in einem Turnierspiel auf hohem Niveau schnell zurechtfinden kann. Der emotionale Faktor beim Bald-Dortmunder war extrem hoch, Kroos kam dagegen nach einer soliden Saison und mit dem Eindruck des verlorenen Champions-League-Finales zur Mannschaft, fand auch im bisherigen Turnierverlauf nicht zu der Form, die er bringen kann.

Probleme mit Zwei-Stürmer-System

Die beiden Innenverteidiger hatten sehr große Schwierigkeiten mit dem Zwei-Stürmer-System der Italiener. Bisher war aus dem defensiven Mittelfeld für die Innenverteidigung kaum Unterstützung notwendig, weil sich immer einer um den einen gegnerischen Angreifer direkt kümmern konnte, während der andere absichert.

Die Rolle der defensiven Mittelfeldspieler war in Anbetracht der geänderten Aufgabenstellung bereits vor dem 0:1 schwer definierbar, schon da boten sich große Lücken für die Italiener, die diese mit ihren Fernschüssen nur noch nicht zu nutzen wussten.

Im Grunde hat die deutsche Mannschaft in einem wichtigen Spiel gegen einen starken (aber dieses mal nicht unbezwingbaren) Gegner ihre Prinzipien schon vor dem Anpfiff so stark geändert, dass es danach in einer kaum mehr zu ändernden Konstellation endete - in diesem Fall einem 0:2-Rückstand zur Pause.

Die Wechsel vor der zweiten Halbzeit waren überfällig und letztlich dann nur noch die Korrektur dessen, was vorher nicht aufgegangen war. So minutiös in den letzten beiden Jahren und erst recht in den sechs Wochen der Vorbereitungsphase alles geplant wurde, so einfach wurde all dies in 90 Minuten und "dank" einer Sternstunde von Mario Balotelli eingerissen.

Löw würde erneut so aufstellen

Das forsche nach Vorne-verteidigen war gegen Italien kaum zu sehen, sehr gut illustriert vor dem 0:1. Pirlo war im Mittelkreis in Bedrängnis, löste sich aber durch eine Drehung vielleicht auch ein wenig glücklich aus der Umklammerung und ging dem Ball Richtung eigenes Tor in verhältnismäßig ruhigem Tempo nach.

Özil war dem Italiener am nächsten, hätte schnell anlaufen können - blieb aber auf Sicherheitsabstand. Chiellini zog ein paar Meter die offene rechte deutsche Flanke nach vorne, Cassano band Boateng und später auch Hummels. Kroos und Özil standen beide zu zentral, weil sie Pirlo vorher bedrängt hatten. Der hatte aber genügend Zeit und keinen Druck am Ball, um einen unspektakulären, aber effektiven Diagonalpass auf Chiellini zu spielen.

Löw würde noch einmal so aufstellen, sagte er nach dem Spiel. Von der theoretischen Idee blieb er bis zum Schluss überzeugt, auch wenn ihn die Realität da schon lange überholt hatte.

Die wirklich schmerzhafte Erkenntnis lautet: Bei dieser EM hat die deutsche Mannschaft nicht über ihre Verhältnisse gut gespielt, wie es vielleicht 2006 und 2010 der Fall war oder sich wie 2008 mit ein wenig Glück bis ins Finale gespielt. Sondern sie hat im entscheidenden Moment aus ihrem riesigen Potenzial wenig gemacht und deutlich unter ihren eigenen Fähigkeiten gespielt.

Joachim Löw im Steckbrief

Werbung
Werbung
Werbung
Werbung