Finalniederlage der Bayern

Ein deutsches Phänomen?

Von Für SPOX in Tourrettes: Stefan Rommel
Montag, 21.05.2012 | 17:42 Uhr
Hängende Köpfe gab es auch bei der deutschen U 17 - das EM-Finale ging verloren
© Getty
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Die Niederlage des FC Bayern München im Champions-League-Finale gegen den FC Chelsea setzt eine unheimliche Serie deutscher Mannschaften fort. Wieder einmal steht die Frage nach einer verlorengegangenen Qualität im Raum.

Früher ging das so: Deutsche Mannschaften spielen oft mäßig bis schlecht, drängeln sich aber doch irgendwie in die Finals und gewinnen diese auch in schöner Regelmäßigkeit. Heute geht das so: Deutsche Mannschaft spielen oft schön und überlegen, kommen ab und zu noch in ein Finale und verlieren dieses dann. Immer.

Seit dem letzten großen Titelgewinn einer deutschen Mannschaft sind mittlerweile elf Jahre vergangen. 2001 entrissen die Bayern dem FC Valencia in einem ausgeglichenen Finale die Champions-League-Trophäe auf die gemeinste Art, im Elfmeterschießen.

Seitdem gab es auf Vereins- und Verbandsebene im Seniorenbereich sieben Endspiele mit deutscher Beteiligung. Aber weder die deutsche Nationalmannschaft (2002 und 2008), der FC Bayern (2010, 2012), Borussia Dortmund (2002), Bayer Leverkusen (2002) oder Werder Bremen (2009) haben es erfolgreich bis ins Ziel geschafft.

Deutsche Tugenden

Pech? Zufall? Matthias Sammer befehligt seit sechs Jahren die Juniorenmannschaften des Deutschen Fußball Bundes. Hier wurden vor einigen Jahren die letzten Titel gefeiert, bei der U 17, U 19 und der U 21. Sammer hat die Ausbildungskonzeption unterteilt in fünf Bereiche: Konstitution, Kondition, Technik, Taktik, Persönlichkeitsentwicklung.

Der Sportdirektor bedient mit seinen Forderungen leicht das Klischee des Ewig-Gestrigen, der auch in Zeiten rasanter spielerisch-taktischer Weiterentwicklung deutscher Mannschaften auf die ureigenen Tugenden hinweist, die früher großen Raum einnahmen. Er kann damit leben, oft genug der warnende Buhmann zu sein. Denn auf unangenehme Weise geben ihm die nackten Zahlen immer wieder Recht.

"Wir haben 2006 in unseren Leitfaden 'Die Seele unseres Spiels' geschrieben: Wir wollen auch Titel gewinnen!", erzählte Sammer. "Da hieß es: 'Ihr seid aber mutig, im Jugendbereich spielen Ergebnisse doch keine Rolle!' Ich habe dann provokativ gesagt: 'Okay, dann bilden wir eben konstitutionell, konditionell, technisch-taktische Verlierer aus.'"

Die Elfmeter-Verweigerer

Niemand kann Spielern wie Philipp Lahm, Bastian Schweinsteiger oder Miroslav Klose ihre Persönlichkeit absprechen. Nur fehlen ihnen die internationalen Titel. Und die sind elementarer Bestandteil und Ziel des Spiels.

Der stolze FC Bayern bekam im Elfmeterschießen am Samstag keine fünf Feldspieler zusammen, die sich einen Versuch zugetraut hätten. Von zehn Feldspielern verweigerten sich sechs. Also musste Torhüter Manuel Neuer den dritten Elfmeter der Bayern schießen. Auch das sagt einiges aus.

Generell müsse man sich fragen, "ob das die Spieler sind, die das erzwingen, ob wir genug davon haben", fragte Uli Hoeneß in der Nacht nach dem Desaster, ob es genügend Typen gebe in seiner Mannschaft, die so einen Titel erzwingen wollen. "Vielleicht haben wir nicht genug davon..."

Auf der Suche nach Balance

Seit 2006 freuen sich die deutschen Fans wieder über die Spiele der Nationalmannschaft. Der deutsche Fußball nimmt seitdem eine gute Entwicklung, ohne sich bisher aber selbst zu krönen. Die Dogmen des DFB haben längst die Klubs erreicht, in der anderen Richtung profitiert die Nationalmannschaft unter anderem von der hervorragenden Ausbildung junger Spieler in den Nachwuchsleistungszentren der Profiklubs.

Es fehlte bisher aber die richtige Balance zwischen neuen Ideen und alten Tugenden, um endlich auch wieder erfolgreich zu sein. Dass die grundsätzliche Tendenz richtig ist, zeigt nicht nur Sammers beißende Kritik am Champions-League-Sieger FC Chelsea. "Wenn das die Zukunft des Fußballs ist, wie diese Mannschaft spielt, dann ist das eine Katastrophe", zürnte Sammer unmittelbar nach dem Spiel.

Trotzdem dürfte ihm zumindest die kühle Effizienz der Londoner imponiert haben. In der Spitze ein nahezu unverzichtbares Gut, das dem deutschen Fußball aber irgendwann abhanden gekommen scheint.

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Unvollendete Generationen

Bundestrainer Joachim Löw hat sich spätestens nach dem verlorenen EM-Finale von 2008 am Bezwinger Spanien orientiert, weil diese Spanier etwas erreicht hatten, das in der Geschichte nur ganz wenigen Mannschaften gegönnt war: Einen Titel mit dem schönsten Fußball zu gewinnen.

Unzählige Male waren bei Turnieren diejenigen Teams gescheitert, die dem Rest stilistisch voraus waren. Nicht zuletzt auch an deutschen Teams. Ganze Generationen blieben so unvollendet, das Holland der 70er Jahre oder die Brasilianer der 80er, Ungarns Wunderteam aus den 50er Jahren. Dazu auch Spanien fast ein halbes Jahrhundert lang, bis vor vier Jahren der Fluch endlich besiegt wurde.

Diesen Mannschaften fehlte es in letzter Instanz an etwas kaum Greifbarem, an Glück, Siegeswillen, Killerinstinkt oder einer gewissen Mentalität. "Die Spanier haben schon Mitte der Neunziger begriffen, dass die ersten vier Säulen nichts bringen, wenn die fünfte fehlt", sagte Sammer deshalb. "Schauen Sie nach Holland: Die haben einen einzigen großen Titel geholt, 1988 bei der EM - diese überragenden Fußballer! Da muss man sich doch fragen, woran das liegt..."

"Nur wer schön spielt, holt den Titel"

Sammer tut das schon lange, selbst seine Junioren sind dann trotz teilweise starker Leistungen vor seinem Groll nicht gefeit. Die U 17 schied im letzten Jahr bei der Weltmeisterschaft im Halbfinale durch zwei Gegentore in den Schlussminuten aus, beide nach Standardsituationen. Sammer tobte.

Vor einigen Tagen war der neue U-17-Jahrgang bei der Europameisterschaft unterwegs, die Mannschaft von Trainer Stefan Böger war rund zwei Jahre ungeschlagen, lief ohne Gegentor bis ins Finale. Da fing sich das Team nach einer 1:0-Führung in der Nachspielzeit gegen die Niederlande noch den Ausgleich und verlor dann im Elfmeterschießen.

Bundestrainer Löw sorgte vor ein paar Wochen für ein bisschen Aufsehen, als er in einem Interview mit "11Freunde" behauptete: "Nur wer schön spielt, holt den Titel." Generell ging es Löw dabei um die Wahrscheinlichkeit, den Ausgang eines Spiels - und damit letztlich auch eines Turniers - mit eigener Offensivinitiative besser beeinflussen zu können als mit einem destruktiv ausgelegten Spiel.

Dass die These aber auch Lücken aufweist, zeigt jetzt nicht nur Chelseas Triumph in der Königsklasse, durch dessen K.o.-Phase sich die Londoner förmlich durchgemogelt hatten und selbst im Endspiel deutlich unterlegen waren. Am Ende aber dennoch siegreich. Griechenlands Sensationsgewinn der Euro 2004 war ähnlich angelegt.

Bierhoff: Ein Warnschuss!

Oliver Bierhoff widersprach angesichts der dramatischen Ereignisse von München seinem Kompagnon Löw, als er am Sonntag auf der Pressekonferenz betonte, auch die deutsche Mannschaft müsse "lernen, effizient zu sein. Das Ausland hat immer noch Respekt vor uns. Das Finale hat aber gezeigt, dass es gefährlich sein kann, der Favorit zu sein. Schön spielen alleine reicht nicht, wir brauchen auch eine gewisse Effizienz."

Wobei damit nicht nur die Kaltschnäuzigkeit in der Offensive gemeint ist: Wann hat eine deutsche Mannschaft zuletzt in einem wichtigen Spiel keinen Gegentreffer zugelassen?

"Bei der EM wird es andere Mannschaften geben, die vielleicht über weniger Mittel verfügen als wir oder die Spanier, aber trotzdem gefährlich sein können. Da müssen wir aufpassen", warnte Bierhoff. "Das Spiel der Bayern kann ein Warnschuss für uns sein."

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