Leverkusener unter Joachim Löw nicht mehr gesetzt

Simon Rolfes: Opfer der Euphorie

Von Für SPOX bei der Nationalmannschaft: Stefan Rommel
Dienstag, 06.09.2011 | 13:43 Uhr
Simon Rolfes (M.) ist derzeit in der Nationalmannschaft nur Reservist
© Imago
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Bayer Leverkusens Simon Rolfes war im deutschen Mittelfeld einst gesetzt, jetzt fristet er ein Dasein als Reservist. Löws taktische Umstellung macht den Weg zurück nur noch schwerer. Trotzdem bleibt Rolfes optimistisch.

Fast unbehelligt bahnte sich Simon Rolfes am vergangenen Freitag den Weg hinaus in die Nacht. Nur ein paar Autogrammwünsche begleiteten Rolfes die Rolltreppe hinauf, die von Kabinentrakt in der Arena auf Schalke nach oben ins Foyer führt.

Nach dem 6:2-Sieg der deutschen Nationalmannschaft waren andere Spieler gefragt. Die Offensiv-Virtuosen, die sich gegen Österreich im kreativen Chaos voll entfalten durften. Die Hüter der Ordnung gingen dabei unter, bis auf Hobby-Literat Philipp Lahm gab keiner aus der Defensivabteilung ein längeres Interview.

Was hätte Rolfes auch groß erzählen sollen? Er hatte 90 Minuten auf der Bank gesessen. Sein Platz auf dem Platz wurde von Bastian Schweinsteiger zur vollen Zufriedenheit ausgefüllt. Daneben gibt es für einen Spieler wie Rolfes derzeit keine Planstelle mehr im deutschen Team.

2009: Rolfes' Sternstunde dank Systemumstellung

Vor fast zwei Jahren hatte der mittlerweile 29-Jährige seine Sternstunde bei der Nationalmannschaft, eine Systemumstellung spielte ihm dabei in die Karten. In Moskau bestritt Deutschland das wichtigste Länderspiel der damaligen Qualifikationskampagne für die WM in Südafrika.

Es war die Geburtsstunde des 4-2-3-1, dem Joachim Löw gegen die Russen Vertrauen schenkte. Von da an war das bis dato praktizierte 4-4-2 verschwunden, das neue System ermöglichte der Mannschaft eine bessere Raumaufteilung in der Breite und in der Tiefe. Vorne macht Miro Klose das Tor, hinten hielt Rene Adler dicht - und in der Mitte räumte Simon Rolfes auf. An der Seite von Michael Ballack machte Rolfes sein bestes von mittlerweile 23 Länderspielen.

Diese Partie war es, die dem Bundestrainer zeigte, auf wen er wich verlassen kann: Auf Adler, Rolfes, auch Heiko Westermann in der Innenverteidigung. Und der junge Jerome Boateng war eine Option auf der rechten Seite der Viererkette.

Am Ende kam alles anders. Weder Adler, noch Westermann oder Rolfes waren Teil der Südafrika-Fahrer. Sie alle verletzten sich im Vorfeld des Turniers schwer. Seitdem haben alle drei große Probleme, wieder in die Mannschaft zu finden.

Das Martyrium des Simon Rolfes

Simon Rolfes erlebte nach der triumphalen Nacht von Moskau ein Martyrium, nur wenige Tage später musste er sich nach einem Eingriff im Juli erneut am Knie operieren lassen. Das endgültige WM-Aus bedeutete eine dritte Operation am Knorpel Anfang letzten Jahres.

Dabei schien Rolfes sehr lange Zeit vor solchen Rückschlägen gefeit. 131 Bundesligaspiele absolvierte er vor seiner Odyssee durch die Krankenhäuser am Stück, ein unglaublicher Wert im modernen Spitzenfußball.

Die Zeit in den Reha-Zentren und auf dem heimischen Sofa hat ihn nachdenklich gemacht, aber er hat sie auch genutzt. "Meine Leidenszeit war sehr lehrreich", sagt er, "ich habe mir die Spiele angeschaut und dabei darauf geachtet, was andere Spieler besonders gut machen, was ich selbst an meinem Spiel verändern könnte."

Im Verein ist er längst wieder der Chef. Bayer-Trainer Robin Dutt setzt auf Rolfes im defensiven Mittelfeld, für Kontrahent Ballack bleibt kein Platz. Hier hat er den Konkurrenzkampf vorerst für sich entschieden. Bei der Nationalmannschaft sieht es weniger rosig aus.

Neues System und härtere Konkurrenz auf der Sechs

Bei der WM im letzten Jahr hat sich Sami Khedira festgespielt, mit Toni Kroos wartet noch ein hoffnungsvoller Kandidat für die Position vor der Abwehr.

Seit dem Moskau-Spiel hat Rolfes noch genau einmal von Beginn an spielen dürfen: Beim Test gegen Uruguay Ende Mai, als der Bundestrainer eine ganze Reihe von Stammspielern für die anstehenden Qualifikationsspiele in Österreich und Kasachstan geschont hat.

Und jetzt auch noch die schleichende Umstellung auf eine Ausrichtung mit nur einem Sechser. Für Rolfes fallen dadurch 50 Prozent seines Einsatzgebiets weg. Und mit Schweinsteiger, Khedira, Kroos und den Bender-Zwillingen ist die Konkurrenz enorm.

Dabei kennt Rolfes das Gefühl, alleine vor der Abwehr für Ruhe und Ordnung sorgen zu müssen. Unter dem Bruno Labbadia spielte Bayer vor drei Jahren ein 4-1-3-2, Rolfes war der Abfangjäger für die Wirbler weiter vorne.

Das Wichtigste: gesund bleiben

Allein diese Erfahrungswerte dürften aber nicht reichen. Trotzdem bleibt Rolfes gelassen, er nimmt die Rolle des Herausforderers an, "mit dem Selbstvertrauen, dass ich mein Ziel auch erreichen kann."

Immerhin erscheint die Konstellation gar nicht so ausweglos: Bis zur EM im kommenden Juni hat Deutschland im Prinzip nur noch Testspiele, der Bundestrainer hat bereits angekündigt, alle seine Kandidaten noch ausgiebig zu prüfen.

Dazu schätzt Löw seinen stillen Reservisten auch als Persönlichkeit neben dem Platz. Rolfes' Wort hat in der Mannschaft Gewicht, auch wenn er nicht dem Spielerrat angehört.

Für Rolfes ist es immer noch am wichtigsten, einfach nur gesund zu bleiben. Alles andere regelt sich schon von allein. "Die schwerste Zeit liegt hinter mir", sagt er. "Eine schöne Zeit liegt vor mir."

Kaum Platz für Rolfes: Der DFB-Kader

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