Manuel Neuer im Interview

"Wir sind hungrig und motiviert"

Von Für SPOX in Südafrika: Stefan Rommel
Montag, 21.06.2010 | 23:33 Uhr
Manuel Neuer wurde 2009 zum NRW-Fußballer des Jahres gewählt
© Getty
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Gegen Ghana gibt es ein echtes Endspiel für die junge deutsche Nationalmannschaft. Im Interview spricht Keeper Manuel Neuer über die Partie gegen Ghana, den Torwartfehler von Robert Green, unaufgepumpte WM-Bälle und das Duell der Boateng-Brüder.

SPOX: Manuel Neuer, Sie sind zu bedauern. Zwei WM-Spiele sind gespielt, und Sie mussten noch keinen Ball wirklich halten, keine einzige Parade zeigen.

Manuel Neuer: Ich kann mich an keine Torschüsse erinnern, das ist nicht so gut für einen Torwart. Wir haben einmal zu Null gespielt und haben gut verteidigt. Aber es stimmt, eine richtige Torwartparade war nicht dabei. Nur im Australien-Spiel war ich am Anfang ein wenig gefragt, gegen Serbien im Grunde gar nicht.

SPOX: Leiden Sie unter der Unterforderung?

Neuer: Nein, würde ich nicht sagen. Aber es ist ärgerlich, wenn man sich gut vorbereitet, im Training auf hohem Niveau arbeitet und gut drauf ist und es dann nicht zeigen kann. Für einen Torhüter ist das nicht so einfach. Dennoch: Der Mannschaftsgedanke steht im Vordergrund. Je weniger ich im Spiel aufs Tor bekomme, desto besser.

SPOX: Wie beurteilen Sie ganz allgemein die Torwartleistungen bisher bei der WM? Da waren ja einige Slapstick-Momente dabei.

Neuer: Ich habe auch sehr gute Torwartleistungen gesehen. Ich bin noch nicht in der Position, dass ich mich über andere äußern kann.

SPOX: Dennoch: Hatten Sie etwa Mitleid mit Englands Keeper Robert Green, als ihm der Ball gegen die USA durch die Finger flutschte?

Neuer: Man kann sich natürlich ganz gut hineinversetzen in einen anderen Torhüter und weiß, was dann in einem vorgeht. Da tut es dann natürlich auch nicht gut, wenn einem dann wie im Fall Green vom Trainer das Vertrauen für das nächste Spiel entzogen wird.

SPOX: Wie gehen Sie mit solchen Fehlern um?

Neuer: In der Fußball-Schule auf Schalke hat Helmut Schulte immer Theorie-Unterricht gemacht und uns gesagt, ein Torhüter fängt immer wieder bei Null an, egal wie es steht. Auch wenn du 0:3 zurückliegst und zwei Fehler gemacht hast, du musst dir verinnerlichen, dass du von vorne anfängst.

SPOX: Was glauben Sie, was gegen Ghana auf Sie zukommt?

Neuer: Die Ghanaer haben sehr viel Kraft, das sieht man in deren Veranlagung, sie haben in den ersten Spielen auch schon einige Weitschüsse abgelassen. Da gilt es immer, hochkonzentriert und sehr wachsam im Tor zu sein.

SPOX: Was für einen Stellenwert hat das Ghana-Spiel für Sie?

Neuer: Für mich gibt es in der Gruppenphase einer WM drei K.o.-Spiele, nicht nur eins. Der Druck gegen Ghana wird sehr hoch sein, das wissen wir. Aber wir können damit umgehen und sind uns sicher, dass wir das Spiel gewinnen werden.

SPOX: Sie sind ein junger Torwart in einer jungen Mannschaft. Können Sie trotzdem die nötige Sicherheit ausstrahlen?

Neuer: Ja, ich denke schon, dass ich der Mannschaft Sicherheit geben kann. Sie wissen, dass sie mich immer anspielen können. Ich bin immer für sie da, ich strahle Ruhe aus.

SPOX: Sie haben nur fünf Länderspiele. Was entgegnen Sie Kritikern, die behaupten, Sie wären zu unerfahren für solch ein Turnier?

Neuer: So alt waren die deutschen Torhüter bei Turnieren auch nicht immer: Bodo Illgner ist mit 23 Jahren Weltmeister geworden, vielleicht klappt's auch mit 24. Ich bin jetzt 24.

SPOX: Hatten Sie während der WM hier Kontakt zu Rene Adler, hat er sich mal gemeldet, eventuell per SMS Glückwünsche gesendet?

Neuer: Nein, wir hatten kein Kontakt.

SPOX: Woher nehmen Sie die Sicherheit, dass die Mannschaft das Spiel gegen Ghana gewinnen wird?

Neuer: Wir wissen, was wir drauf haben. Wir sind hungrig, wir sind motiviert, daraus ziehen wir auch die Kraft für das dritte Spiel. Gewinnen wir, wäre das eine Riesenerleichterung, da würde der ganze Druck von einem abfallen.

SPOX: Sie spielen am Mittwoch im Soccer-City-Stadium in Johannesburg auf über 1700 Metern Höhe. Ändert sich da etwas im Torwartspiel?

Neuer: Am Torwartspiel wird sich nichts ändern. Manche Torhüter meckern über den Ball, aber wenn man da negativ ins Spiel geht und sagt, der Ball ist schlecht, bekommt man Probleme. Beim Spiel gegen Serbien waren zwei der Bälle nicht richtig aufgepumpt.

SPOX: Sie hatten das im Spiel moniert. Hat das Schiedsrichter-Team reagiert?

Neuer: Nein, im ganzen Spiel nicht. Das hat mich ein bisschen aufgeregt, weil das nicht sein kann, dass bei einer WM ein Ball nicht richtig aufgepumpt ist, das war nicht WM-würdig.

SPOX: Sie haben einen sehr weiten und präzisen Abwurf. Woher kommt das?

Neuer: Ich habe mir das schon in der Jugend angeeignet, da hatten wir viele Hallenturniere. Bei der Spieleröffnung musste man immer abwerfen. Außerdem habe ich viel Tennis gespielt, beim Aufschlag braucht man ja auch viel Zugkraft.

SPOX: Es könnte am Mitwoch auch zum Duell der beiden Boateng-Brüder kommen. Spricht man innerhalb der Mannschaft darüber?

Neuer: Ich werde keine Zweikämpfe mit ihm führen. Wir als Mannschaft konzentrieren uns nicht auf einen Spieler, um irgendwelche Rechnungen zu begleichen. Viel wichtiger ist es, dass wir das Spiel gewinnen, da zählt ein einzelner Spieler des Gegners nicht.

SPOX: Sie spielen nicht nur gegen Ghana, sondern auch gegen die meisten afrilkanischen Fans und deren Stimmungsinstrument. Ist da Vuvuzela-Alarm?

Neuer: In Durban war es schon extrem. Ein Beispiel: Als eine Flanke kam, stand ich hinter Per Mertesacker und habe 'Torwart' gerufen. Ich stand direkt hinter ihm, er hört mich nicht in dem Lärm und köpft den Ball zur Ecke. Solche Dinge können eben passieren, da muss man als Torwart noch lauter schreien als sonst.

SPOX: Unabhängig vom Abschneiden bei der WM. Wie sehen Sie die Perspektive der Mannschaft?

Neuer: Der Grundstein wird hier gelegt, dann kann man sich für die nächsten Jahre Selbstbewusstsein und Respekt verschaffen. Wir wissen, dass wir was können und gehören immer zum Favoritenkreis.

SPOX: Was ist mit Bundestrainer Jogi Löw? Soll er weitermachen?

Neuer: Er ist ein guter Trainer. Er vermittelt uns, dass wir immer an uns glauben sollen. Wir haben eine gute Harmonie im Team, das ist ja - wie wir sehen können - nicht bei allen Mannschaften so.

SPOX: Wo haben Sie eigentlich vor vier Jahren das letzte Gruppenspiel der DFB-Elf gegen Ekuador verfolgt?

Neuer: Da war ich an der Glückaufkampfbahn in Gelsenkirchen mit Freunden beim Public Viewing.

SPOX: Im Trikot?

Neuer: Ja, klar. Im Deutschland-Trikot.

SPOX: Mit der Nummer eins drauf?

Neuer: Nein, Nummer zehn (lacht). War nur ein Spaß...

Keine Zeit für Panik und Hysterie

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