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"Einige Mannschaften enteilen"

Von Stefan Rommel
Donnerstag, 27.02.2014 | 11:03 Uhr
Horst Heldt war nach der Klatsche gegen Real bedient
© getty
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Die Mixed Zone im Bauch der Schalker Arena platzte beinahe aus allen Nähten. Real Madrid verursachte einen Andrang wie selten zuvor. Mittendrin im Durcheinander versuchte Horst Heldt das 1:6 seiner Mannschaft gegen den übermächtigen Gegner zu erklären. Nicht immer mit Erfolg.

Frage: Die Vorfreude auf Real Madrid war groß. Am Ende steht ein 1:6 - sind Sie froh, dass es nicht noch schlimmer gekommen ist für Ihre Mannschaft?

Horst Heldt: Es gab Situationen, bei denen man enttäuscht sein konnte und sich geärgert hat. Wir hatten in den ersten Minuten vom Publikum berauscht eine gute Phase. Dann bekommen wir die ersten beiden Tore, die definitiv vermeidbar waren. Da haben wir Madrid eingeladen. Wir hatten nach dem 0:1 aber schnell die riesen Chance zum Ausgleich. Ich gehe nicht so weit zu behaupten: Hätte, wenn und aber und wie das vielleicht hätte weitergehen können. Dafür war der Unterschied zwischen beiden Mannschaften zu groß. Real Madrid hat teilweise berauschend gespielt.

Frage: Am Ende stand die höchste Europapokal-Heimniederlage aller Zeiten.

Heldt: Das ist bitter. Aber das Ergebnis ist so, wie es ist. Und es lässt sich jetzt auch nicht mehr rückgängig machen.

Frage: Was war das größte Problem Ihrer Mannschaft?

Heldt: Wir haben schlicht zu viele Fehler produziert über die gesamten 90 Minuten. Das ist gegen eine Weltklassemannschaft wie Real Madrid tödlich. Natürlich war es ärgerlich zu sehen, dass da nichts zu holen war. Aber das ist ein Lernprozess für unsere junge Mannschaft.

Frage: Sie sind nicht sauer auf Ihre Mannschaft?

Heldt: Wir müssen das Ergebnis jetzt schnell abhaken. Aber wir müssen uns ankreiden, dass wir während des Spiels nicht gelernt haben. Wir hätten nicht so offensiv bleiben dürfen, das müssen wir uns vorwerfen. Es braucht keiner bei 0:5 noch weiter nach vorne zu rennen und weiter zu riskieren. So etwas muss die Mannschaft erkennen und umsetzen. Das war schade, dass das so gelaufen ist. Aber diese Erkenntnisse müssen wir mitnehmen.

Frage: Was sagen Sie zu den Fans?

Heldt: Unser Publikum war weltklasse - ähnlich wie die Spieler von Real Madrid. Das muss man auch mal ansprechen und wir müssen uns bei den Fans auch bedanken. Die Leute sind bedingungslos hinter der Mannschaft und dem Verein gestanden. Das ist es, was Schalke 04 auszeichnet und was diesen Verein so besonders macht. Das war eine grandiose Leistung unserer Fans. Dafür kann ich mich nur nochmal bedanken. Den Rest müssen wir in Ruhe aufarbeiten und sehen, dass wir uns im Rückspiel ordentlich aus der Champions League verabschieden.

Frage: Am Wochenende wartet nach der zweitbesten Mannschaft der Welt die beste Mannschaft der Welt.

Heldt: Wir dürfen in der Bundesliga gegen eine noch bessere Mannschaft nicht so auftreten. Wir müssen ganz schnell aus diesem Spiel lernen und uns wieder auf das Wesentliche konzentrieren, und das ist die Bundesliga.

Frage: Einige Spieler waren angeschlagen. Sind schlimmere Verletzungen dabei?

Heldt: Darüber kann man jetzt noch nicht viel sagen. Es gibt einige Verletzte. Neustädter, Kolasinac und Santana hatten Probleme, auch Boateng musste angeschlagen raus. Die Liste wird wieder länger.

Frage: Was kann Schalke ganz konkret aus so einem Spiel lernen?

Heldt: Wir hätten kompakter stehen müssen und uns noch mehr gegenseitig unterstützen. Real ist gespickt mit Weltklassespielern, besonders in der Offensive. Ein Bale kostet nicht umsonst 100 Millionen Euro. Ronaldo ist im Eins-gegen-Eins zu stark, der macht vor seinem Tor noch einen achtfachen Übersteiger. Das kann man dann nicht mehr verteidigen. Wir hätten während des Spiels einen Haken dran setzen müssen und uns darauf beschränken, kein weiteres Gegentor mehr zu kassieren. Real hatte auch ein paar Probleme in der Defensive, das hätten wir besser ausnutzen und zielstrebiger agieren müssen, vor allem in der Anfangsphase. Wir hatten unsere Möglichkeiten über die rechte Seite, wir wussten ja auch, dass Ronaldo nicht der Defensivkünstler ist. Dann muss man so eine Chance wie die von Julian Draxler auch nutzen. Wenn das nicht gelingt, dann geht man auch mal unter. Das ist schade und ärgerlich, aber wir müssen das jetzt so annehmen.

Frage: Kann man so ein Debakel so einfach abschütteln oder wird das nicht auch Spuren hinterlassen?

Heldt: Das ist mir nicht so wichtig, wie das jetzt von den Medien eingeordnet wird. Debakel, Desaster oder eine andere Beschreibung. Das ist nicht das, woran ich mich orientiere. Wir müssen das jetzt über uns ergehen lassen, es aushalten und ertragen. Aber natürlich arbeiten wir die Partie gründlich auf.

Frage: Enteilen drei oder vier Klubs selbst in der Champions League jetzt dem großen Rest? Im Achtelfinale gab es teils klare Ergebnisse...

Heldt: Wir hatten das Pech, auf einen der großen Topfavoriten zu treffen. Das haben wir zu spüren bekommen. Ihre Vergangenheit (mit nur einem Sieg aus 25 Spielen in Deutschland, Anm. d. Red.) hat uns nicht gut getan. Sie waren unheimlich fokussiert und hatten ein Ziel vor Augen, das hat man bereits beim Aufwärmen gespürt. Es einteilen einige Mannschaften in Europa. Da gibt es andere Voraussetzungen als bei uns. Der Kader von Real Madrid ist besser besetzt als unserer. Allerdings drücken die auch ein paar Verbindlichkeiten. Ich weiß nicht, wie sie das geregelt bekommen haben. Bei 580 Millionen Euro Verbindlichkeiten kaufen die weiter munter ein für 100 Millionen. Das ist schon ein Phänomen. Aber es regt sich keiner auf, weil sich jeder an dem Glanz erfreut. Ich lese darüber wenig Kritisches, was in Ordnung ist und was vielleicht nicht.

FC Schalke - Real Madrid: Daten zum Spiel

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