Champions League - Viertelfinal-Hinspiel

BVB und die Chancenverwertung: Alles Idioten

Von Für SPOX in Malaga: Jochen Tittmar
Donnerstag, 04.04.2013 | 11:00 Uhr
Jürgen Klopp und der BVB sind in der laufenden Champions-League-Saison weiter ungeschlagen
© getty
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Borussia Dortmund trauert nach dem 0:0 im Viertelfinal-Hinspiel der Champions League beim FC Malaga natürlich den vielen vergebenen Chancen hinterher. Trainer Jürgen Klopp wertet den Umgang damit aber als weiteren Entwicklungsschritt des BVB. Doch die mangelnde Klarheit und Kaltschnäuzigkeit im Abschluss ist ein Ärgernis, das längst kein temporäres Problem mehr darstellt.

Es bleibt einem Fußballtrainer ja kaum Zeit zum Nachdenken und Durchschnaufen. Das 0:0 von Borussia Dortmund beim FC Malaga im Viertelfinal-Hinspiel der Champions League hatte erst seit ein paar Zeigerumdrehungen Bestand, da musste Jürgen Klopp schon zu den deutschen Fernsehsendern hetzen und seine Meinung abgeben.

Kaum war das Mikrofon abgelegt und die Verkabelung gelöst, ging es schnellen Schrittes zur offiziellen Pressekonferenz. Klopp hüllt ja gerne seine soeben 90 Minuten lang durchlebten Emotionen in blumige Worte, muss dabei aber immer auch aufpassen, dass keine Aussage zu flapsig herüberkommt.

Klopps wahres Gefühlsleben

In Malaga stand Klopp dann sichtlich erleichtert von der hinter sich gebrachten Medienarbeit neben "Sky"-Experte Michael Oenning im Off der Mixed Zone. Hier konnte er abseits des Scheinwerferlichts der Kameras im Smalltalk drauflos quatschen, wie es ihm beliebte.

Natürlich ging es auch dort um die zahlreichen Großchancen, die seine Mannschaft an der Costa del Sol fahrlässig liegen ließ. "Alles Idioten", entfuhr es Klopp gegenüber dem ehemaligen Trainerkollegen. Ein Ausspruch, der zwar sichtlich nicht ernst gemeint war, aber dennoch ein wenig sein wahres Gefühlsleben beschrieben haben dürfte.

Wie man mit vergebenen Chancen nicht umgeht

Es war ja auch zum Ausrasten an der Seitenlinie, wenn man quasi hilflos mit zusehen musste, wie ein begnadeter Kicker wie Mario Götze drei Gelegenheiten vergab, die unterm dem Strich zumindest eines der so wichtigen Auswärtstore hätten einbringen müssen.

Doch Klopp schob diesmal die Emotionen problemlos beiseite. Er ordnete das Thema des Abends in den Gesamtkontext der Dortmunder Entwicklung unter seiner Regie ein.

"Die erste Halbzeit war für uns ein ganz, ganz wichtiger Hinweis darauf, wie man mit vergebenen Chancen nicht umgeht. Denn das hat dazu geführt, dass der Unterschied zwischen uns und dem Gegner geringer wurde, bis er sich völlig aufgelöst hat. Wer uns länger verfolgt, weiß, dass wir dann auch schon mal aus dem Nichts ein Gegentor kassiert haben", analysierte er.

Erinnerungen an Marseille

Es gab während Klopps Zeit beim BVB tatsächlich schon einen bunten Strauß an Begegnungen, in denen seine Mannschaft beste Chancen liegen ließ, man am Ende aber nicht über ein ärgerliches Unentschieden sprach, sondern die Gründe für eine unerwartete Niederlage.

Auf internationaler Ebene sei hierbei das Hinspiel bei Olympique Marseille vor Augen geführt. Auch dort war es unter anderem Götze, der vor dem Kasten scheiterte. Doch damals, im September 2011, holte man die Franzosen durch die eigene Reaktion auf die mangelnde Chancenverwertung ins Spiel zurück, verlor den Faden und ging nach dem ersten abrupten Gegentor sogar noch unter.

Daran fühlte sich wohl auch der Borussen-Coach erinnert, als er zur Pause in der Kabine nach eigener Aussage in elf enttäuschte Gesichter blickte.

Klopps Pauseneingriff

"Wir haben das in der Halbzeitpause angesprochen. Nachdem wir unsere Chancen nicht genutzt haben, ist es dann ein weiterer Entwicklungsschritt von uns, die Ruhe zu bewahren und das Ergebnis mitzunehmen", sagte Klopp.

Der Trainer wertet die Tatsache, dass sein Team im zweiten Abschnitt am Drücker blieb, sich nicht von der hitzigen Atmosphäre in einem sagenhaft engen Stadion beeindrucken ließ und trotz der Nadelstiche des Gegners stabil blieb, als nächsten Entwicklungsschritt in einem Wettbewerb, in dem es eben tatsächlich auf solche oft besprochenen Kleinigkeiten ankommt.

Neben dem 0:0, welches als nacktes Ergebnis den Einzug ins Halbfinale weiterhin möglich macht, fahren die Dortmunder aber auch mit der Gewissheit nach Hause, dass die fehlende Kaltschnäuzigkeit vor dem Kasten längst nicht mehr als ein temporäres Problem abgehandelt werden darf.

"Zum Entwicklungspotenzial zählt Klarheit im Abschluss"

Natürlich muss berücksichtigt werden, dass auch Malaga gut und gerne einen Treffer hätte erzielen können. Dass man ein Auswärtsspiel im Viertelfinale der Königsklasse nach solch vielversprechenden Möglichkeiten ohne eigenes Tor zu Ende spielt, ist grundsätzlich jedoch als grobe Fahrlässigkeit einzustufen.

Eine Fahrlässigkeit, die sich noch rächen könnte und dann an Bitterkeit kaum zu überbieten wäre. So ist es Stand jetzt möglich, dass der BVB ohne eine einzige Niederlage aus der Champions League ausscheidet.

"Bei allem Entwicklungspotenzial, das meine Mannschaft noch hat, zählt sicher die Klarheit im Abschluss. Wir haben heute bis zum letzten Ball oder zum Abschluss alles richtig gemacht. Aber das ist der nächste Schritt", scheint Klopp das Thema verstärkt auf die Agenda nehmen zu wollen.

Zu verspielt, zu unklar

Neben der in Marseille gab es in den vergangenen Spielzeiten eine Unzahl an Partien, die Dortmund trotz drückender Überlegenheit vor dem gegnerischen Tor nicht gewann. Von Pech kann da keine Rede mehr sein, wenn im Abschlussdrittel nach zuvor blitzsauberen Kombinationen bisweilen zu verspielt und ohne die nötige Klarheit agiert wird.

So scheint auch das Stilmittel des Distanzschusses im Dortmunder Kader nur noch Sebastian Kehl oder Sven Bender, die sonst vermehrt fürs Grobe zuständig sind, etwas zu sagen.

BVB nach 0:0 auswärts immer weiter

Unter dem Strich bleibt somit ein Ergebnis, dass die Spieler als "sehr bitter" (Götze) und "definitiv gefährlich" (Kehl) einschätzten. "Es ist ganz gut, dass jeder weiß, wie viel Arbeit noch auf uns wartet", befand Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke.

So ist wohl zumindest gesichert, dass keine Schludrigkeiten im Bereich der Konzentration aufkommen werden. Einen Umstand, den am Vortag auch Bayern München nach dem gefühlt um einen Treffer zu niedrig ausgefallenen Sieg über Juventus Turin positiv bewertete.

"Es wird mit Sicherheit nicht noch einmal 90 Minuten geben, in den wir so überlegen sind und keine Tore schießen", war ausgerechnet von Berufspessimist Watzke zu hören. Inwiefern auch auf diesem Gebiet eine Entwicklung eintritt, kann frühestens das Rückspiel belegen.

Vielleicht hatte ihm zu diesem Zeitpunkt aber bereits jemand ein Stück Statistik mit auf den Weg zu den Journalisten gegeben. Dortmund kam nämlich nach einem 0:0 im Auswärtsspiel in europäischen Hauptrunden immer weiter.

FC Malaga - Borussia Dortmund: Daten zum Spiel

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