Champions League - Achtelfinale, Rückspiel

Pjanic zerstört den Traum von Real Madrid

Von Thomas Gaber / Felix Maier-Lenz
Mittwoch, 10.03.2010 | 22:41 Uhr
Perfekte Schusshaltung bei Cristiano Ronaldo. In der 6. Minute schoss er Real Madrid in Front
© Getty
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Real Madrid ist nach dem 1:1 (1:0) gegen Olympique Lyon zum sechsten Mal in Folge im Achtelfinale der Champions League ausgeschieden. Das Hinspiel hatten die Franzosen mit 1:0 gewonnen.

Vor 80.000 Zuschauern im ausverkauften Estadio Santiago Bernabeu brachte Cristiano Ronaldo Real in Führung (6.), Miralem Pjanic schoss Lyon in der 75. Minute ins Viertelfinale. Real dominierte die erste Halbzeit, Lyon verdiente sich das Weiterkommen mit einer deutlichen Leistungssteigerung nach der Pause.

Video von ran: Real - Lyon: Die Highlights

Unmittelbar nach dem Abpfiff schrieb "Marca.com": "Adios Champions, adios Pellegrini." Der Rauswurf des Trainer gilt nach dem erneut frühen Aus als sicher, fraglich ist wohl nur der Zeitpunkt.

So diskutierten die mySPOX-User während des Spiels

Der SPOX-Spielfilm:

Vor dem Anpfiff: Für die Gelb-gesperrten Marcelo und Xabi Alonso stellt Pellegrini Guti und Granero in die Startelf. Lass Diarra spielt neben Guti vor der Abwehr. Davor die Dreierkette mit Ronaldo, Granero und Kaka hinter Higuain. Lyon im 4-1-4-1 mit der gleichen Elf wie im Hinspiel.

1.: Keine 20 Sekunden gespielt. Higuain weicht auf die linke Seite aus und schickt Kaka auf die Reise. Boumsong kommt nicht hinterher, Kaka hat nur noch Lloris vor sich. Der Winkel ist spitz, Lloris wehrt den Schuss aus elf Metern mit dem linken Knie ab.

6., 1:0, Ronaldo: Guti wird auf Höhe der Mittellinie nicht angegriffen. Ronaldo läuft zwischen Reveillere und Cris in Position. Guti schlägt den Ball mit links perfekt in den Lauf. Cris hechelt hinterher, Ronaldo zieht mit links aus spitzem Winkel ab. Durch die Beine von Lloris und rein ins Glück.

28.: Granero wird von Toulalan attackiert, steckt aber im perfekten Moment auf den einlaufenden Higuain durch. Lloris stürmt aus dem Kasten, Higuain umkurvt den Keeper und setzt die Kugel aus 15 Metern von halbrechts an den rechten Pfosten.

30.: Kaka dringt links in den Strafraum ein, wird von drei Mann attackiert und legt zurück auf Higuain. Der schlenzt mit rechts Richtung langes Eck, aber Lloris streckt sich und kratzt den Ball aus der Ecke.

37.: Aus dem Nichts die Großchance für Lyon. Govou flankt von der rechten Strafraumgrenze, alle Weißen schlagen über den Ball, der Makoun vor die Füße fällt. Der ist aber überrascht und tritt aus sechs Metern frei vor Casillas ebenfalls über die Kugel.

Halbzeit-Fazit: Lyon war Reals Sturmlauf nicht gewachsen. Madrid müsste aber höher führen als 1:0. Higuain ließ zwei Großchancen liegen.

54.: Källström mit dem guten Auge, bringt den Ball von links in den Rücken der Abwehr auf Govou, der an der Strafraumgrenze wartet. Der hat aber nur einen starken rechten Fuß und haut den Ball mit dem linken in die Wolken.

67.: Källström mit der nächsten guten Aktion. Er nimmt Kaka im Mittelfeld den Ball ab. Aus dem Gegenzug resultiert nun ein Freistoß für Lyon aus dem Halbfeld. Den Schuss aus gut 40 Metern hält Casillas aber fest.

75., 1:1 Pjanic: Starkes Direktspiel zwischen Källström, Delgado und Lopez, die sich über links in den Strafraum kombinieren. Lopez legt schließlich vom Elfmeterpunkt für Pjanic auf, der aus acht Metern trocken ins kurze, linke Eck abzieht. Casillas ohne Chance.

Fazit: Real Madrid verpasste eine Vorentscheidung durch eine fahrlässige Chancenverwertung. Lyon kam wie verwandelt aus der Kabine und riss die Partie an sich. Real hatte nach dem 1:1 nichts mehr zuzusetzen.

Der Star des Spiels: Guti. Der Real-Kapitän bestimmte den Rhythmus. Fast jeder Angriff ging von ihm aus, in Bedrängnis fand Guti dank seines sicheren Passspiels und seiner Übersicht fast immer eine Lösung. Guti zog das Spiel mit Diagonal-Bällen auf Sergio Ramos auseinander oder machte es mit vertikalen scharf wie bei Ronaldos 1:0. In der zweiten Halbzeit nicht mehr so dominant. Nach dem Ausgleichstor fehlten auch Guti die Mittel.

Die Gurke des Spiels: Jean-Alain Boumsong. Kaka, Ronaldo, Higuain - egal, mit welchem Real-Angreifer es Lyons Innenverteidiger aufnahm, er war der Verlierer. Teilweise verlor er komplett die Orientierung und war gedanklich wie physisch zu langsam. Nebemann Cris erging es in der ersten Halbzeit nicht besser. Während Boumsong in der Kabine bleiben musste, steigerte sich Cris nach der Pause erheblich.

Die Pfeife des Spiels: Nicola Rizzoli. Note 1 für den Italiener. War jederzeit auf Ballhöhe, auch seine Assistenten lagen bei einigen kniffligen Abseitsentscheidungen immer richtig.

Die Lehren des Spiels: Das Champions-League-Finale findet in diesem Jahr im Santiago Bernabeu statt und die Hausherren wollten ihr Wohnzimmer nur ungern für Fremde hergeben.

Dementsprechend zielstrebig ging Real Madrid in der ersten Halbzeit zu Werke. Die erste Chance gab's nach 18 Sekunden, das erste Tor nach sechs Minuten. Guti drückte den Starterbutton, Ronaldo, Kaka und Higuain brachten den Motor auf Touren.

Lyon bekam anfangs überhaupt keinen Zugriff. Toulalan bekam als einziger Sechser keine Unterstützung seiner Mittelfeldkollegen. Die Viererkette hielt wie beim 1:0 die Abstände nicht und ging naiv in die Zweikämpfe. Sämtlichen Defensivspielern fehlte die geistige Frische. Doch Real bekam auch gegen Lyon das alte Problem nicht in den Griff - die Chancenverwertung. Higuain hätte zwei Tore schießen müssen.

In der Pause brachte Lyon-Trainer Claude Puel zwei neue Leute. Källström und Gonalons kamen für Boumsong und Makoun und mit ihnen ganz neue Kräfte. Lyon war plötzlich im Spiel. Vor allem Källström machte mächtig Musik. Real ließ den Schwung in der Kabine, es sollte mit etwas weniger Tamtam ins Viertelfinale gehen.

Lyon wurde immer selbstbewusster und Pjanic traf mitten ins Real-Herz. Erschreckend, wie inspirationslos das so hoch talentierte, große Real Madrid versuchte, dem Spiel nach dem Ausgleich die entscheidende Wendung zu geben.

Valladolid, Sevilla und Co. sind Real nicht gewachsen, doch Real ist offenbar gleichwertigen Gegnern nicht gewachsen. Lyon, Milan, Barcelona - gegen keines dieser Teams gewann Real in dieser Saison auch nur ein Spiel.

Der Traum vom Finale im eigenen Stadion ist ausgeträumt.

Real Madrid - Olympique Lyon

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