Wird Alaba der neue Müller?

Von Florian Bogner
Freitag, 20.08.2010 | 10:44 Uhr
Seit 2002 wurde der FC Bayern immer auch DFB-Pokalsieger, wenn er die Meisterschaft gewann
© Getty
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Wenige Tage vor dem Start der Bundesliga stellt SPOX alle 18 Klubs in der großen Vorschau-Serie vor - mit allen Transfers, Hintergründen und der Saison-Prognose. Diesmal: den FC Bayern München.

Armer Louis van Gaal. Der gute Mann hat es in der Saison 2010/11 wirklich schwer. Nicht, dass sich die Voraussetzungen beim FC Bayern irgendwie geändert hätten, im Gegenteil. Auch in die neue Saison geht der FCB als haushoher Favorit.

Allerdings wird es schwer, die Erfolge der Vorsaison, als die Münchner beinahe das Triple an die Isar holten, zu wiederholen. "Das wichtigste ist, dass wir dominant und attraktiv spielen", sagt van Gaal deshalb. Meisterschaft und Pokalsieg sind schon fast wieder Pflicht, die Champions League die Kür.

Das ist neu

Mit Rouven Sattelmaier hat der FC Bayern nur einen echten Neuzugang - der kam auch noch vom Drittligisten Jahn Regensburg und wird in der kommenden Saison wohl keine Minute auf dem Patz stehen. Eine solche Zurückhaltung auf dem Transfermarkt gab es in München seit über 30 Jahren nicht mehr.

Eine Fluktuation im Kader gibt es dennoch: Zum einen trennte sich der FCB von den perspektivlosen Luca Toni, Christian Lell, Andreas Görlitz und Michael Rensing, zum anderen wurde Nachwuchskraft Mehmet Ekici an den 1. FC Nürnberg verliehen. Im Gegenzug nahm man fünf Leihspieler wieder im Kader auf.

Während Breno und vor allem Toni Kroos als "Neuzugänge" (Sportdirektor Christian Nerlinger) gesehen werden, müssen sich Edson Braafheid und Andreas Ottl im zweiten Glied auf Kurzeinsätze einstellen - Jose Ernesto Sosa darf jederzeit wechseln.

Neu ist in jedem Fall das deutlich gestiegene Vertrauen in Linksverteidiger Diego Contento. Die Bayern liebäugelten mit Portugals Fabio Coentrao, gehen nun aber mit dem 20-jährigen Youngster als Stammspieler in die Saison. Ein Geheimtipp für die Saison ist David Alaba, dem van Gaal dasselbe Entwicklungspotenzial wie Thomas Müller zutraut.

Altlasten abstreifen will hingegen Franck Ribery, der nach einer Saison voller Verletzungen, negativer Presse und privater Verwicklungen endlich wieder nach Spaß auf dem Platz dürstet. Auch seine Wechselgedanken sind passé - der 27-Jährige verlängerte seinen Vertrag unlängst bis 2015 und kann sich plötzlich vorstellen, diesen auch zu erfüllen.

In aller Stille hat van Gaal zudem sein "Oranje-Team" ausgebaut: Der renommierte Frans Hoek (Ajax, Barca, Polen) hat Walter Junghans als Torwarttrainer abgelöst, Marcel Bout verstärkt als Spiel-Analyst die Abteilung "Analyse und Trainingssteuerung". Hermann Gerland trainiert wieder die zweite Mannschaft, hält aber weiter engen Kontakt zu van Gaal.

Die Taktik

Van Gaal hat sich auf ein 4-4-1-1 festgelegt, das man - je nach Gusto - auch als 4-2-3-1 oder 4-3-3 auffassen kann. Sechs Positionen sind dabei in Stein gemeißelt: Jörg Butt steht im Tor, Philipp Lahm verteidigt rechts, Bastian Schweinsteiger bildet mit Kapitän Mark van Bommel die Doppel-Sechs und die Außen Ribery und Arjen Robben sind gesetzt, wenn sie fit sind.

Dazu darf sich WM-Held Thomas Müller auch in der neuen Saison berechtigte Hoffnungen machen, dass van Gaals Credo aus der vergangenen Saison ("Müller spielt immer") weiterhin gilt - auch wenn der Trainer stets betont, dass alle Offensivspieler wieder "bei Null" anfangen.

Dass Contento kurzfristig links hinten verdrängt wird, ist kaum zu erwarten. Heißt im Umkehrschluss: Der Rest des Kaders balgt sich um 3-4 Plätze im Team.

In der Innenverteidigung ist Daniel van Buyten weiter Abwehrchef, Holger Badstuber und Martin Demichelis streiten um die Position neben ihm. Badstuber hat dabei leichte Vorteile, da van Gaal Demichelis' Schlendrian ein Dorn im Auge ist und er für die linke Innenverteidigerposition sowieso einen Linksfuß favorisiert.

In der Offensive hat van Gaal ein Luxus-Problem. Wenn alle fit sind - wohin mit Toni Kroos? Wohin mit dem wieder erstarkten Miroslav Klose? Da passt es einigermaßen bequem, dass die Bayern zu Saisonstart auf Robben (Oberschenkel) und Ivica Olic (Knie) verzichten müssen und Kroos/Klose damit erstmal gesetzt sind.

Sind alle fit, könnte van Gaal trotzdem mit Kroos und Müller operieren - der WM-Torschützenkönig würde dann in vorderster Front spielen. Ribery, Robben, Kroos, Müller - das wäre eine spielgewaltige Offensive, die schon fast ein wenig an Barcelona bzw. Spanien erinnert.

Bitter ist die Konstellation allerdings für Hamit Altintop, der eigentlich fest damit gerechnet hatte, Robbens Backup zu sein. Lässt van Gaal jedoch zum Saisonstart Müller, Kroos und Klose spielen, ist für den Türken kein Platz. Auch Danijel Pranjic und Anatolj Tymoschtschuk, die in der Vorbereitung einen guten Eindruck hinterließen, müssen auf der Bank Platz nehmen.

Dort werden sie oft in Gesellschaft von Mario Gomez sein, der endlich seine Joker-Qualitäten unter Beweis stellen muss, will er mittelfristig wieder in der Startelf stehen. Im DFB-Pokal gegen Germania Windeck (4:0) klappte das zumindest schon ganz gut. Klar ist: Die Schonfrist für Gomez ist abgelaufen, beim FCB erwartet man nun mehr vom 30-Millionen-Mann.

Der Spieler im Fokus

David Alaba. Der Ende Juni erst volljährig gewordene Österreicher ist jüngster Meister-Spieler der Bayern aller Zeiten und genießt unter van Gaal eine Art Sonderstellung. Nicht, dass der Trainer den Wiener Jungen im Training nicht ordentlich ran nimmt - der Linksfuß genießt vielmehr das Privileg, der nächste Youngster zu sein, den der Niederländer an die Startelf heran führen will.

Alaba ist ein exzellenter Techniker und eigentlich im halblinken bzw. defensiven Mittelfeld zuhause. Van Gaal sieht dessen Stärken jedoch vor allem auf der Linksverteidiger-Position. In der vergangenen Saison stand Alaba dort im Champions-League-Spiel beim AC Florenz (2:3) seinen Mann, erlebte später dann gegen Eintracht Frankfurt (1:2) mit zwei groben Fehlern allerdings sein Waterloo.

Das ist mittlerweile vergeben und vergessen. Alaba wird in der kommenden Saison als Wandler zwischen den Welten bei den Profis trainieren, dann und wann in der Zweiten aushelfen, primär aber in der Bundesliga auf Kurzeinsätze hoffen. Und van Gaal wird sie ihm mit ziemlicher Sicherheit öfter gewähren.

Das Interview

SPOX: Ivica Olic, was muss sich im Vergleich zum Vorjahr noch verbessern?

Ivica Olic: Wir haben immer noch Phasen im Spiel, in denen wir unter Druck geraten. Florenz, Manchester, Inter - das sind Beispiele. Es darf nicht mehr passieren, dass wir in einem Spiel eine halbe Stunde lang in ein Loch fallen. Daran arbeitet der Trainer.

Das ganze SPOX-Interview mit Ivica Olic

Die Prognose

Bayerns Vorbereitung war für die 13 WM-Fahrer kurz und holprig, zudem lauern in der Bundesliga-Hinrunde auswärts einige Stolperfallen. Dennoch führt am FC Bayern München auch 2010/11 kein Weg vorbei.

Die Mannschaft hat van Gaals Spielweise mittlerweile verinnerlicht, mit Kroos sogar eine Offensiv-Waffe mehr dazu bekommen. Außerdem wird Ribery - sollte er fit bleiben - wieder voll angreifen. Der deutsche Meister 2011 wird erneut aus München kommen.

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