Fussball

BVB - Manuel Akanji im Interview: "Meine Mutter hat mich immer gewinnen lassen"

Von Niklas König
Manuel Akanji (l.) und Mats Hummels sollen in der neuen Saison Dortmunds Defensivzentrum bilden.

Manuel Akanji spricht im Interview über seine Vorbilder, seine Freundschaft zu Embolo, seine Ausbildung und sein Faible für Zahlen.

Der Supercup zwischen Borussia Dortmund und dem FC Bayern am Samstag ab 20.30 Uhr LIVE auf DAZN!

Manuel Akanji macht einen entspannten Eindruck in seiner Heimat. SPOX und Goal trafen den Innenverteidiger von Borussia Dortmund vor dem Supercup-Spiel gegen den FC Bayern München (Samstag, 20.30 Uhr live bei DAZN) im Trainingslager in Bad Ragaz.

Ein Gespräch über Filme, Freundschaft und Vorbilder. Außerdem: Wie Akanji mit 17 Jahren zum Verteidiger umgeschult wurde, woher sein Kopfrechentalent kommt und wie er über die Verpflichtung von Mats Hummels denkt.

Manuel, Sie benutzen bei Instagram oft die Hashtags Vatos Locos und Brigante. Was hat es damit auf sich?

Manuel Akanji: Vatos Locos kommt aus dem Film Blood in Blood Out. Da geht es um eine mexikanische Gang, eine Bruderschaft. Als ich nach Basel gekommen bin, hat mir Breel Embolo viele seiner Kumpels vorgestellt. Durch diese Clique habe ich den Film kennengelernt - und seitdem benutzen wir dieses Hashtag. Ähnlich ist es mit Brigante.

Das heißt?

Akanji: Brigante bedeutet Bandit. Das hat sich mit einem anderen Freundeskreis aus Zürich so entwickelt. Eines Tages sind wir darauf gekommen, dieses Wort als Hashtag zu benutzen. Das sind die Kollegen, die meine Nummer 16 tragen. Die 16 steht für Brigante und die 36 (Akanji und Embolo trugen beide die 36 bei Basel, Anm. d. Red.) für Vatos Locos.

Haben Sie einen Lieblingsfilm?

Akanji: Ich mag viele Filme gern, da ist es schwierig, sich auf einen festzulegen. Zuletzt hat mir Black Panther sehr gut gefallen. Als Schauspieler mag ich Denzel Washington unheimlich gerne.

Stimmt es, dass Embolo Ihr bester Kumpel ist?

Akanji: Ich habe nicht den einen besten Kumpel, sondern fünf, sechs sehr gute Freunde. Breel ist einer davon.

Wie haben Sie Embolo kennengelernt?

Akanji: Über die U20-Nationalmannschaft. Dort haben wir uns regelmäßig getroffen und mit der Zeit immer besser kennengelernt. Beim FC Basel haben wir später fast jeden Tag miteinander verbracht. Wir können wunderbar zusammen herumalbern, aber auch über tiefgründige Dinge oder Probleme sprechen. Eine echte Freundschaft eben.

Akanji: "Fußball hat immer am meisten Spaß gemacht"

Embolo ist in diesem Sommer nach Mönchengladbach gewechselt, nachdem er zuvor drei Jahre für Schalke aktiv war. Sie stehen seit Januar 2018 beim BVB unter Vertrag. Wie läuft es, wenn zwei beste Freunde im hitzigsten Spiel der Saison aufeinandertreffen?

Akanji: Wir haben in der Bundesliga leider nur einmal gegeneinander gespielt. Breel war nur in einem Derby dabei, weil er die anderen verletzungsbedingt verpasst hat. Vor dem Spiel haben wir uns Sprüche gedrückt und Späße gemacht. Aber als es losging, wollten beide gewinnen. Dafür haben wir alles gegeben.

Es war das 2:4 am 31. Spieltag der vergangenen Saison. Hat Sie dieses Spiel die Meisterschaft gekostet?

Akanji: Nein, nicht nur. Es war sicherlich ein entscheidendes Spiel, aber wir hatten zwischenzeitlich schon neun Punkte Vorsprung. Natürlich kann man rückblickend sagen, dass wir Meister geworden wären, wenn wir gegen Schalke gewonnen hätten. Ich glaube aber, dass die Bayern dann am Folgetag auch nicht 1:1 gegen Nürnberg gespielt hätten. Völlig unabhängig von der Meisterschaft ist es schade, dass wir dieses Derby verloren haben. Wir wollten unbedingt gewinnen.

Sie kommen aus einen Sportlerfamilie. Erzählen Sie.

Akanji: Mein Vater hat Fußball und Tennis gespielt, meine Mutter ebenfalls Tennis. Inzwischen spielt sie Volleyball. Meine Schwester Sarah spielt Fußball, meine andere Schwester Michelle war Leichtathletin.

Wie haben Sie Ihre Leidenschaft für den Sport entdeckt?

Akanji: Ich habe meinem Vater oft bei seinen Fußballspielen zugeschaut, bis ich es selbst mal ausprobieren wollte. Ähnlich war es bei den anderen Sportarten. Durch meine Eltern bin ich zum Tennis gekommen, durch Michelle zur Leichtathletik. Ich habe dann alle drei Sachen gleichzeitig gemacht. Als ich mit elf Jahren zum FC Winterthur gewechselt bin und mehr Trainingseinheiten hatte als zuvor beim FC Wiesendangen, war klar, dass ich nur noch zwei Sportarten durchziehen kann. Da habe ich mit Leichtathletik aufgehört. Als das Fußballtraining noch intensiver wurde, habe ich Tennis ebenfalls aufgegeben. Fußball hat mir immer am meisten Spaß gemacht.

Warum?

Akanji: Ich bin eher Teamsportler als Einzelkämpfer. Außerdem habe ich mich beim Tennis extrem geärgert, wenn ich Fehler gemacht habe. Ich konnte nie gut verlieren, auch nicht beim Kartenspielen oder anderen Dingen. Ich war früher ziemlich cholerisch, meine Mutter hat mich deshalb immer gewinnen lassen. (lacht) Irgendwann haben meine Schwestern gesagt: 'Das kannst Du nicht immer machen, der Manuel muss es auch lernen.' Heutzutage komme ich besser damit klar, aber ich verliere immer noch äußerst ungern, selbst im Training.

Manuel Akanji über sein Rechen-Talent

Sie sind ein Rechengenie, haben im Schweizer Fernsehen einen beeindruckenden Auftritt hingelegt. Woher kommt dieses Talent?

Akanji: Ich konnte schon als Kind gut mit Zahlen umgehen und Kopfrechnen, mir hat das Spaß gemacht. Wenn irgendwo ein Schild mit fünf verschiedenen Zahlen hing, habe ich mir daraus alle möglichen Rechenaufgaben gebastelt. So war es zum Beispiel auch mit Nummernschildern bei Autos. Und so wurde ich mit der Zeit immer besser. Mittlerweile mache ich das nicht mehr, aber das ist alles noch in meinem Kopf. Ich kann das auswendig. Von der vierten bis zur sechsten Klasse hatte ich zudem einen Lehrer, der regelmäßig Turniere im Kopfrechnen veranstaltet hat - Knockout-System. Dieser Wettbewerb hat mich zusätzlich motiviert. Ich war dann ziemlich gut und habe fast jedes Mal gewonnen.

Hatten Sie einen Plan B für den Fall, dass es mit dem Profifußball nichts wird?

Akanji: Ich habe nach der Schule in der Schweiz eine Ausbildung zum Kaufmann gemacht, mit der man viele Möglichkeiten hat. Meinen Eltern war die Ausbildung sehr wichtig. Im Sport weiß man ja nie, was passiert, es kann am nächsten Tag alles vorbei sein. Mittlerweile bin ich stolz, dass ich die Ausbildung durchgezogen habe - auch wenn ich währenddessen nicht immer so gedacht habe.

Wie schwer war es, die Ausbildung mit dem Fußball zu vereinen?

Akanji: Ich war 15 Jahre alt, als ich die Ausbildung begonnen habe. Damals habe ich beim FC Winterthur in der U16 gespielt und das zwei Jahre lang ganz normal durchgezogen. Im dritten Jahr bin ich auf eine Sportlerlehre umgestiegen. Das vorherige, klassische Modell war nicht mehr mit dem Training vereinbar, als ich in die erste Mannschaft gekommen bin. Dafür ging die Lehre dann ein Jahr länger, sprich vier statt drei Jahre. Das hat sehr gut funktioniert. Ich muss aber zugeben, dass ich nicht immer Lust hatte, nach dem Training noch zur Schule oder zur Arbeit zu gehen, während die anderen nach Hause gefahren sind.

Hat Sie diese Erfahrung geerdet, so dass Sie womöglich besser als andere Profifußballer zu schätzen wissen, dass Sie einen ganz coolen Job haben?

Akanji: Definitiv hat das geerdet. Ich finde es rückblickend sehr gut, dass meine Eltern so konsequent waren und mich dazu verdonnert haben, die Ausbildung abzuschließen. Wie gesagt: Heute bin ich da sehr stolz drauf. Wenn ich mal Kinder habe, will ich das ähnlich halten.

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