"Die mussten mich erstmal googlen"

Montag, 31.10.2016 | 13:41 Uhr
Torsten Frings trug als Spieler insgesamt elf Jahre lang das Trikot des SV Werder Bremen
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Torsten Frings arbeitete zuletzt als Co-Trainer bei den Profis von Werder Bremen. Nach der Beurlaubung von Chefcoach Viktor Skripnik musste auch der 39-Jährige gehen. Im Interview spricht Frings über seine letzte Station als Spieler beim FC Toronto, den Abschied von Borussia Dortmund und die Pläne für seine weitere Zukunft als Trainer.

SPOX: Herr Frings, Sie unterstützen seit einigen Wochen Atli Hatami mit seiner Modemarke "Fame Couture". Wie wurden Sie auf ihn aufmerksam?

Torsten Frings: Wir haben uns 2006 in einem Modegeschäft kennengelernt, in das ich gerne gegangen bin. Anschließend haben wir uns auch privat getroffen und so ist daraus letztlich eine Freundschaft entstanden. Wir sind dann mal in seinem Büro zusammengesessen, mich hat diese Materie einfach interessiert. Mittlerweile unterstütze ich ihn dabei, sein Label noch etwas bekannter zu machen.

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SPOX: Das hat geholfen, viele andere prominente Sportler tragen die Klamotten.

Frings: Ich würde seine Sachen auch nicht anziehen, wenn sie mir nicht gefallen würden. Seine Mode wurde aber schon vor mir von einigen Sportlern getragen. Ich fand sie dann eben auch cool und irgendwann hat er mir dann ein paar T-Shirts zukommen lassen. Mit der Zeit bin ich immer wieder von Kollegen darauf angesprochen worden. Der Stil passt ja auch zu dieser Generation.

SPOX: Nach Ihrem Aus als Co-Trainer bei Werder Bremen hätten Sie theoretisch wieder mehr Zeit, mit Hatami zusammen zu arbeiten. Diese Pause hatten Sie nach dem Ende Ihrer aktiven Spielerkarriere nicht, sondern sind gleich bei Viktor Skripnik und der Bremer U23 eingestiegen. Wieso?

Frings: Ich kann nicht nichts tun, ich muss immer etwas machen. Diese Frage hat sich letztlich nie gestellt. Ich hatte bei Werder einen Anschlussvertrag, dank dem ich ein 24-monatiges Trainee-Programm durchlaufen konnte, das im Rahmen meiner Trainerausbildung stand. Ich habe also in Ruhe, aber trotzdem relativ zügig meine Lizenzen gemacht und hatte dann das Glück, bei Viktor meine ersten Schritte zu gehen. Dass wir so urplötzlich die Profis übernehmen würden, war ja niemandem klar.

SPOX: Wann stand fest, dass Sie dem Fußball auf jeden Fall erhalten bleiben würden?

Frings: Ich bin nicht so der Büro-Typ. Mir war schon immer klar, dass ich auch nach der Karriere auf dem Platz stehen möchte - und zwar als Trainer. Der Lehrgang zum Fußballlehrer war sehr hart, zumal in diese Zeit auch die Beförderung zum Bundesligateam fiel. Da blieb die Familie schon etwas auf der Strecke. Es hat sich aber gelohnt.

SPOX: Diese Art der Verschnaufpause hatten Sie ja womöglich schon mit Ihrer letzten Profistation beim FC Toronto in Kanada. Wie angenehm war das Leben dort für Sie, fernab des gewohnten Rampenlichts?

Frings: In Toronto war Fußball seinerzeit noch kein so großes Thema, dort konnte ich nach den intensiven Vorjahren wunderbar abschalten. Das war mir auch bewusst, denn ich bin früher als großer Nordamerika-Fan mehrfach im Jahr dort gewesen. Da konnte man unmittelbar nach Weltmeisterschaften durch New York laufen und kein Mensch hat dich erkannt. Dass es in Toronto dann letztlich so ruhig zugeht, hat mich allerdings auch überrascht. (lacht)

SPOX: War es Ihnen zu ruhig?

Frings: Eigentlich nicht, es war eher genau richtig so. Ich bin dort wieder ein ganz normaler Mensch geworden, der Promi-Status hat nie gezogen. Ich bin an Diskotheken und Restaurants abgewiesen worden. Es war irgendwie ein schönes Gefühl, sich nicht sicher sein zu können, ob man irgendwo hineinkommt. Das kannte ich aus Deutschland gar nicht mehr. Für mich persönlich war es wunderbar, auf diese Art wieder herunter zu kommen.

SPOX: Wie sah Ihr privater Alltag in dieser Anonymität aus?

Frings: Ich führte ein vollkommen normales, bürgerliches Leben - ohne unter Beobachtung zu stehen. Ich habe zunächst meine Sprachkenntnisse vertiefen müssen, bin dort aber wie jeder andere auch in den Supermarkt oder ins Kino gegangen. Der einzige Unterschied war eben, dass ich dort gutes Geld verdient habe und lediglich ein Mal pro Tag trainieren musste. Das war sehr entspannend. Inzwischen hat sich der Fußball in der MLS natürlich auch weiterentwickelt.

SPOX: Der Kontakt kam damals über Jürgen Klinsmann zustande, der sportlicher Berater des Klubs war.

Frings: Genau. Ich habe zunächst über Monate mehrere Gespräche mit Werder darüber geführt, wie es mit mir weitergehen könnte. Ich wollte aber noch nicht aufhören und dachte, mit 34 Jahren ist der Zeitpunkt fürs Ausland gekommen. Ich hatte Angebote aus Spanien oder von den beiden Glasgower Klubs, doch das reizte mich nicht mehr. Im Grunde kam nur die MLS in Frage. Ich wollte unbedingt in einer Großstadt wohnen und mein Leben etwas genießen. Als ich dann das erste Mal dorthin flog, bin ich gar nicht mehr nach Hause zurückgekehrt.

SPOX: Wie anders war es als MLS-Spieler im Vergleich zu Ihrer Zeit in der Bundesliga?

Frings: Man hört viel von der Liga, aber kann es sich nicht vorstellen, wenn man es nicht einmal selbst erlebt hat. Die Reisen waren sehr anstrengend. Das unterschätzt man sicherlich, sie machen dich fix und fertig. Da fliegt man mal eben sechs Stunden in der Holzklasse nach Los Angeles, hat dort drei Stunden Zeitunterschied, spielt Fußball und fliegt anschließend zum nächsten Ziel. Aber: So konnte ich viel vom Land sehen. Es gibt Schlechteres, als ein Auswärtsspiel in New York und dabei noch die Zeit zu haben, sich dann auch die Stadt etwas anschauen zu können.

SPOX: Wie sind Sie jetzt in Deutschland wieder mit der höheren Intensität und dem "alten" Status umgegangen?

Frings: Mir hat die zweijährige Toronto-Erfahrung schon sehr gut getan, um auch diese Dinge viel leichter aushalten zu können. Natürlich hat das im Vergleich zu den Zeiten als Spieler abgenommen, aber ich bekomme das auch gar nicht mehr so unmittelbar mit wie früher.

Seite 1: Frings über sein Mode-Engagement, die Anonymität in Toronto und anstrengende MLS-Reisen

Seite 2: Frings über Probleme mit Magath, den Abschied vom BVB und Pläne für seine Zukunft

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