"Es wird keine Rücksicht genommen"

Von Interview: Benedikt Treuer
Dienstag, 20.01.2015 | 13:50 Uhr
34. Spieltag der Saison 2012/13: Schiedsrichter Drees stellt BVB-Keeper Weidenfeller vom Platz
© getty
Advertisement
Primera División
Live
Real Betis -
FC Barcelona
Serie A
Live
Inter Mailand -
AS Rom
Ligue 1
Live
Lyon -
PSG
Serie A
Juventus -
CFC Genua
Premier League
Swansea -
Liverpool
Primera División
Eibar -
Malaga
Coupe de France
Nantes -
Auxerre
League Cup
Bristol City -
Man City
Premiership
Partick Thistle -
Celtic
Coupe de France
Epinal -
Marseille
Copa del Rey
FC Sevilla -
Atletico Madrid
Coupe de France
PSG -
Guingamp
Serie A
Lazio -
Udinese
Copa del Rey
Alaves -
Valencia
Serie A
Sampdoria -
AS Rom
League Cup
Arsenal -
Chelsea
Coupe de France
Monaco -
Lyon
Copa del Rey
Real Madrid -
Leganes
Indian Super League
Kalkutta -
Chennai
First Division A
Brügge – Oostende
Coupe de France
Straßburg -
Lille
Copa del Rey
FC Barcelona -
Espanyol
A-League
Melbourne Victory -
FC Sydney
Ligue 1
Dijon -
Rennes
Primera División
Bilbao -
Eibar
Primera División
La Coruna -
Levante
Championship
Bristol City -
QPR
Primera División
Valencia -
Real Madrid
Ligue 1
PSG -
Montpellier
Serie A
Sassuolo -
Atalanta
Primera División
Malaga -
Girona
Ligue 1
Angers -
Amiens
Ligue 1
Guingamp -
Nantes
Ligue 1
Metz -
Nizza
Ligue 1
St. Etienne -
Caen
Ligue 1
Toulouse -
Troyes
Primera División
Villarreal -
Real Sociedad
Serie A
Chievo Verona -
Juventus
Primera División
Leganes -
Espanyol
Eredivisie
Utrecht -
Ajax
Eredivisie
Feyenoord -
Den Haag
Ligue 1
Lille -
Strassburg
Serie A
Turin – Benevento
Serie A
Neapel – Bologna
Serie A
Crotone -
Cagliari
Serie A
Florenz -
Hellas Verona
Serie A
CFC Genua -
Udinese
Premiership
Ross County -
Rangers
Primera División
Atletico Madrid -
Las Palmas
Ligue 1
Bordeaux – Lyon
First Division A
Lüttich – Anderlecht
Serie A
AC Mailand -
Lazio
Primera División
FC Sevilla -
Getafe
Primera División
FC Barcelona -
Alaves
Serie A
AS Rom -
Sampdoria
Ligue 1
Marseille -
Monaco
Primera División
Celta Vigo -
Real Betis
Primeira Liga
Belenenses -
Benfica
Coppa Italia
Atalanta -
Juventus
Premier League
Huddersfield -
Liverpool
Coupe de la Ligue
Rennes -
PSG
Premier League
West Ham -
Crystal Palace (Delayed)
Premier League
Swansea -
Arsenal (Delayed)
Coppa Italia
AC Mailand – Lazio
Premier League
Tottenham -
Man United
Coupe de la Ligue
Monaco -
Montpellier
Primeira Liga
Sporting -
Guimaraes
Premier League
Man City -
West Brom (Delayed)
Premier League
Everton -
Leicester (Delayed)
Premier League
Stoke -
Watford (Delayed)
Premier League
Southampton -
Brighton (Delayed)
Premier League
Chelsea -
Bournemouth (Delayed)
Premier League
Newcastle -
Burnley (Delayed)
Indian Super League
Mumbai City – Jamshedpur
Premier League
Burnley -
Man City
Premiership
Kilmarnock -
Celtic
Championship
Leeds -
Cardiff
Serie A
Sampdoria -
FC Turin
Premier League
Arsenal -
Everton
Premier League
Man United -
Huddersfield
Serie A
Inter Mailand -
Crotone
Premier League
West Brom -
Southampton (DELAYED)
Premier League
Bournemouth – Stoke (DELAYED)
Premier League
Brighton -
West Ham (DELAYED)
Premier League
Leicester – Swansea (Delayed)

Er verantwortete den ersten regenbedingten Spielabbruch der Bundesliga-Geschichte und bewahrte Hoffenheim 2013 durch eine mutige Entscheidung vor dem möglichen Abstieg. In zehn Jahren Bundesliga hat Dr. Jochen Drees Höhen und Tiefen erlebt - persönlich und im gesamten deutschen Schiedsrichterwesen. Im Interview mit SPOX spricht der Allgemeinmediziner über Zweifel an der Professionalisierung, den Videobeweis und öffentlichen Druck.

SPOX: Dr. Drees, Sie sind der erste Schiedsrichter, der je ein Bundesligaspiel wegen Regens abgebrochen hat. War das einer der kuriosesten Tage Ihrer Karriere?

Dr. Jochen Drees: Ganz bestimmt. Wie man schon aus der Statistik lesen kann, passiert so etwas nicht so häufig. Ich habe auch erst im Nachhinein zugetragen bekommen, dass es wohl schon Abbrüche wegen Nebels oder Schnee gab, jedoch nicht wegen Regens. Das war sicherlich kurios.

SPOX: Was hat Sie überhaupt dazu gebracht, Schiedsrichter zu werden?

Drees: Mein natürliches Interesse und die Liebe zum Fußball waren der Grundantrieb. Als ich selbst noch aktiv gespielt habe, hat mich eine Verletzung dazu gezwungen, eine Pause einzulegen. Zufälligerweise bot die regionale Schiedsrichtergruppe zu der Zeit einen Lehrgang an. Ich habe diesen Kurs belegt und bin dann Schiedsrichter geworden. Im Laufe der Zeit habe ich gemerkt, dass ich das wohl besser kann, als selbst Fußball zu spielen und so bin ich dabei geblieben.

SPOX: Hauptberuflich arbeiten Sie heute in einer Gemeinschaftspraxis als Allgemeinmediziner. Wie ist das zeitlich mit Ihrer Schiedsrichtertätigkeit vereinbar?

Drees: Durch An- und Abreise zu den Spielen fallen mir öfters Arbeitstage in der Praxis weg, so dass ich gezwungen bin, Termine umzulegen oder Kollegen zu bitten, mich zu vertreten. Das ist nicht immer unproblematisch. Es ist eine Frage der Organisation, aber das funktioniert normalerweise ganz gut.

SPOX: Sollte es Profi-Schiedsrichter geben, um solche Überschneidungen zu vermeiden?

Drees: Ich zweifle an, dass die Leistungen zwangsläufig besser werden, wenn man das Schiedsrichterwesen professionalisiert. So, wie wir es derzeit in Deutschland machen, ist es nach meinem Gefühl ein sehr vernünftiger und zielführender Weg: Wir versuchen, das Umfeld der Schiedsrichter möglichst professionell zu gestalten. Jemanden gänzlich vom Fußball abhängig zu machen, bringt Probleme mit sich.

SPOX: Welche zum Beispiel?

Drees: Was macht derjenige denn, wenn er sich verletzt oder schlechte Leistungen bringt und keine Spiele mehr leiten kann? Jeder hat mal eine schlechte Phase, so wie es bei den Spielern auch der Fall ist. Da ist es gut, wenn man ein Rückzugsgebiet hat, das einem eine Grundunterstützung gibt - finanziell wie psychisch.

SPOX: Inwiefern psychisch? Muss man als Schiedsrichter eine hohe Leidensfähigkeit mitbringen?

Drees: Ich würde nicht sagen, dass man leidensfähig sein muss, jedoch unbedingt kritikfähig. Ein Schiedsrichter, der von sich annimmt, dass er der Beste ist und ihm nichts passieren kann, weil er immer tolle Spiele macht, der hat von Anfang an verloren. Dass es auch einmal Situationen gibt, die von Leiden geprägt sind, insofern, dass sie einem selbst leidtun oder unglücklich laufen, kommt leider immer wieder einmal vor. Solange die Kritik sachlich und inhaltlich fundiert ist, können wir die Anregungen in die nächste Spielleitung mit einbauen.

SPOX: Wie sieht konkret die Vorbereitung auf ein Spiel aus?

Drees: Wir treffen uns am Vorabend mit dem Gespann am Spielort und gehen bei einem gemeinsamen Essen das bevorstehende Spiel durch. Das ist sehr theoretisch. Wir unterhalten uns vor allem über das, was in den letzten Wochen passiert ist und was in Schiedsrichterkreisen bezüglich des Regelwerks aktuell im Fokus steht. Am Tag des Spiels gibt es noch eine Vorbesprechung, in der wir uns auf die anstehende Partie einstimmen.

SPOX: Da sprechen Sie sicher auch über den Wandel, dem sich der moderne Fußball dieser Tage auch in Deutschland unterzieht. Nach dem Freistoßspray wurde nun auch die Einführung des Hawk-Eye-Systems beschlossen. Wie stehen Sie diesen Neuerungen gegenüber?

Drees: Ich bin schon seit vielen Jahren Anhänger der Torlinientechnologie, in welcher Art auch immer diese schließlich durchgeführt wird. Wichtig ist, dass sie technisch zweifelsfrei funktioniert, denn die Frage "Tor oder nicht Tor" ist eine ganz entscheidende und sehr beeinflussende im Spiel. Wenn es 5:0 steht, ist das 5:1 in den meisten Fällen sicherlich unerheblich. Beim Stand von 0:0 hat ein entsprechendes Tor aber eine sehr weitreichende Konsequenz. Durch die Geschwindigkeit im Spiel lassen sich manche Fälle mit dem menschlichen Auge nicht hundertprozentig auflösen. Daher ist es sinnvoll, auf ein solches System zurückgreifen zu können. Jedoch muss es unmittelbar helfen, es darf dadurch nicht zu Verzögerungen im Spielablauf kommen.

SPOX: Das heißt, der Videobeweis wäre nicht in Ihrem Sinne?

Drees: Bezüglich des Videobeweises bin ich skeptisch. Dafür gibt es zwei Gründe: Erstens wäre die Unmittelbarkeit nicht gegeben, so dass diese Einführung direkt auf das Spiel einwirken würde. Wenn wir zur Entscheidung erst eine Pause machen müssten, um die Situation an einem Fernseher außerhalb des Spielfelds anzusehen, würde das Spiel dadurch eine andere Richtung erhalten. Das wäre auch so, wenn ein Oberschiedsrichter die Situation von der Tribüne aus beurteilen würde.

SPOX: Und zweitens?

Drees: Wenn man am Wochenende eine strittige Szene in Sportsendungen sieht, hat man teilweise in zwei, drei verschiedenen Sendungen auch zwei oder drei unterschiedliche Wertungen. Es gibt einfach Situationen, die trotz drei, fünf oder acht Kameraeinstellungen nicht zweifelsfrei geklärt werden können. Diesen subjektiven Einfluss kann man auch technisch nicht vollständig ausmerzen. Ich glaube daher nicht, dass der Videobeweis zielführend und hilfreich für uns wäre.

SPOX: Spiegelt das die generelle Meinung in der Schiedsrichtergilde wider?

Drees: Es existiert ein sehr vielfältiges Meinungsbild. Viele können sich so etwas in gewissen Situationen oder Fragestellungen durchaus vorstellen. Ein Beispiel sind Abseitssituationen, die man am Fernseher besser auflösen kann. Ich glaube trotzdem, dass die Tendenz dahin geht, dass die meisten den Videobeweis eher kritisch ansehen und - zumindest im Moment - ablehnen.

Seite 1: Drees über Zweifel am Profi-Schiri, Leidensfähigkeit und Videobeweis

Seite 2: Drees über Konsequenzen eines Pfiffs, Aggressivität und öffentlichen Druck

Werbung
Werbung
Werbung
Werbung