Tayfun Korkut und Hannover

Voll im Trend?

Von Stefan Rommel
Donnerstag, 02.01.2014 | 12:23 Uhr
Tayfun Korkut beerbt bei den Niedersachsen den entlassenen Mirko Slomka
© getty
Advertisement
Erlebe
deinen Sport
live
J1 League
Sa12:00
Kawasaki -
Kobe
CSL
Sa13:35
Jiangsu Suning -
Shanghai SIPG
Allsvenskan
Sa16:00
Malmö -
Eskilstuna
CSL
So13:35
Tianjin Quanjian -
Guangzhou Evergrande
Serie A
So21:00
Flamengo -
Sao Paulo
Serie A
Di01:00
Fluminense -
Chapecoense
J1 League
Mi12:00
Kawasaki -
Urawa
J1 League
Sa12:00
Vissel Kobe -
Vegalta Sendai
CSL
Sa13:35
Beijing Guoan -
Guangzhou Evergrande
Serie A
So00:00
Corinthians -
Ponte Preta
J1 League
So11:30
Urawa -
Nigata
CSL
So13:35
Tianjin -
Shandong
Serie A
So21:00
Cruzeiro -
Palmeiras
Serie A
Mo00:00
Santos -
Sao Paulo

Mit Tayfun Korkut hat sich Hannover für einen Trainer ohne großen Namen und Bundesligaerfahrung entschieden und bestätigt damit einen Stil, der offenbar mehr und mehr zur Normalität wird.

Der erste verkündete Trainerwechsel des Jahres 2013 hatte es in sich: Mitte Januar zauberten die Bayern mit Pep Guardiola den begehrtesten Trainer der Welt aus dem Hut, der Spanier sollte dann ab Juli die Geschicke von Jupp Heynckes übernehmen.

Es ist bis zum Jahresende so einiges passiert, acht Trainer mussten ihren Platz räumen. Zuletzt erwischte es in Hannover Mirko Slomka. Sein Nachfolger ist das Gegenstück zum Welt-Trainer Pep Guardiola: Ein nahezu Unbekannter, ohne Erfahrungen als Cheftrainer im Profibereich.

Die Wahl Tayfun Korkuts hat überrascht, weil bei vielen Betrachtern immer noch die alten Reflexe anspringen - dabei bestätigt die "mutige Entscheidung", wie sie Hannovers Sportdirektor Dirk Dufner nennt, nur einen längst ausgewachsenen Trend in der Liga.

Alte Hasen nicht mehr gebraucht

Vor wenigen Tagen hat Thomas Doll einen Vertrag in Ungarn unterschrieben. Doll soll helfen, die angeschlagene Größe Ferencvaros Budapest wieder nach vorne zu bringen. Davor war Doll in Saudi-Arabien angestellt, bei Al-Hilal Riad. In der Bundesliga war er zuletzt vor über fünfeinhalb Jahren tätig, eine Rückkehr offenbar ausgeschlossen. Die Perspektiven auf einen Job in Deutschlands Eliteklassen haben sich verändert.

Wie Doll ergeht es derzeit auch ehemaligen Institutionen wie Jürgen Röber, Klaus Augenthaler oder Wolfgang Wolf. Friedhelm Funkel wurde vor ein paar Wochen vom TSV 1860 München erlöst, Lothar Matthäus befindet sich seit Jahren in der Dauerschleife. Dass jetzt ein Trainer wie Tayfun Korkut - zwar auch ein ehemaliger Profi und Internationaler, aber als Trainer ohne jegliche Meriten - eine Anstellung in der Bundesliga bekommt, ist ein klarer Fingerzeig.

Damit füllt Korkut die Liste der Trainer in der Liga weiter auf, die ohne entsprechende Berufserfahrung ins Getümmel Bundesliga geworfen wurden. Sami Hyypiä, Markus Weinzierl, Thomas Tuchel, Markus Gisdol, Thomas Schneider und Christian Streich hatten keine Erfahrungen als Cheftrainer eines Erstligisten. Jens Keller ging es vor seinem Schalke-Engagement in Stuttgart ebenso. Der 1. FC Nürnberg hat sich mit Gertjan Verbeek für einen Trainer entscheiden, der in Deutschland ebenfalls kaum bekannt war.

Korkut nicht die erste Wahl?

In der laufenden Saison schaffte es nur Bert van Marwijk vom Karussell der ehemals üblichen Verdächtigen noch zurück in die Liga. Letzte Saison war es Marco Kurz, der sich bei 1899 Hoffenheim versuchen durfte und fulminant scheiterte. Lorenz-Günther Köstner war in Wolfsburg immerhin noch ein paar Wochen der Platzhalter für Dieter Hecking.

Ganz so mutig, wie Dufner die Wahl Korkuts jetzt verkauft, dürfte sie bei allem Respekt aber nicht gewesen sein. Dass die Hannover zunächst Thomas Schaaf und den Schweizer Murat Yakin im Kopf hatten, gilt als verbrieft. Auch vom Interesse an Andre Breitenreiter von Zweitligist SC Paderborn war die Rede. Das relativiert den Griff auf Korkut, der zuletzt als Co-Trainer beim türkischen Verband tätig war und davor lediglich Erfahrungen im Jugendbereich in Hoffenheim und Stuttgart gesammelt hatte. Interessant: Korkut war offenbar auch zunächst als Slomka-Assistent vorgesehen. Jetzt also die Chefrolle.

"Wir sehen in der Zusammenarbeit mit Tayfun Korkut eine tolle Perspektive. Ich habe die große Zuversicht, dass wir gemeinsam erfolgreich sein werden", sagt Dufner, der als Sportdirektor in Hannover nach der Slomka-Beurlaubung erstmals so richtig im Rampenlicht stand.

"Bewusste Entscheidung für die Zukunft"

Die Gemengelage in Hannover ist speziell. Slomka war vor nicht einmal einem Jahr sogar noch als potenzieller Nachfolger für Jupp Heynckes bei den Bayern gehandelt worden. Er hat 96 erst vor dem Abstieg bewahrt, dann zweimal in den internationalen Wettbewerb geführt und somit die erfolgreichste Zeit des Klubs in der ersten Liga verantwortet.

Aber Slomka konnte auf verschiedenen Ebenen nicht mehr so liefern wie erwünscht. Die Ergebnisse in der Liga blieben aus, Hannover findet sich nach der Hälfte der Spielzeit näher an den Abstiegsplätzen denn am internationalen Geschäft wieder. Das Saisonziel Europa League ist jetzt schon kaum mehr machbar.

Dazu gab es zuletzt hinter den Kulissen immer wieder Reibereien. Slomkas Reputation nach außen war stets makellos, intern und bei vereinzelten Medien eckte er aber immer wieder an. "Diese Verpflichtung ist eine bewusste Entscheidung für die Zukunft von Hannover 96", sagt Dufner. Ihm ist nicht verborgen geblieben, dass Hannover in den letzten Jahren kaum Spieler aus der eigenen Jugend an der Profikader heranführen konnte: Ein großer Kritikpunkt auch an Slomkas Arbeit.

"Mit Tayfun Korkut haben wir uns für einen jungen, top ausgebildeten und hoch motivierten Trainer entschieden, der uns mit seiner Persönlichkeit und seiner Vita voll überzeugt hat", hofft Dufner diesbezüglich nun auf eine Wende.

Tayfun Korkut hat lange an seinen Referenzen gewerkelt. Der gebürtige Stuttgarter tingelte Jahre durch die Klubs in Europa, besonders in Spanien holte sich Korkut Inspiration und Eingebung.

Denken wie ein spanischer Trainer

"Ich war bei Villarreal, ich war bei meinem Ex-Klub Espanyol Barcelona, Valencia und auch beim FC Barcelona. Ich bin ein Jahr lang nur durch die Gegend gereist, um zu hospitieren und zu lernen", sagte er im SPOX-Interview. "Ich hatte das Ziel, etwas Neues zu sehen und Sachen zu festigen, von denen ich ohnehin überzeugt war. Das hat mich angeschoben, wie ein spanischer Trainer zu denken und somit das spielerische Element in den Vordergrund zu stellen."

Seine Kontakte im In- und Ausland können sich sehen lassen. Unter anderem ist Korkut auch heute noch im Austausch mit seinen ehemaligen Trainer Joachim Löw und Vicente del Bosque. An der umfangreichen Präsentation, mit der er in Hannover überzeugen konnte, hat er jahrelang getüftelt.

Korkut passt ins Profil

Die Verzahnung von Profi-, sowie Amateur- und Jugendbereich hat in den Klubs der Bundesliga in den letzten Jahren einen immer höheren Stellenwert bekommen. Früher arbeiteten die einzelnen Teilbereiche in einem Klub für sich, die Berührungspunkte beschränkten sich auf den verbalen Austausch der einzelnen Trainer.

Mittlerweile ist der Spielbetrieb als gesamte Einheit zu betrachten, mit dem Ziel, die Durchlässigkeit auf die jeweils höhere Stufe zu verbessern. Hauptverantwortlich hierfür wird immer mehr der Cheftrainer der Profis. Insofern ist passt Korkut mit seiner Vita und den Erfahrungen an der Basis im Jugendbereich (in Spanien und Deutschland) ins Profil. Die Vertragslaufzeit bis Sommer 2016 ist moderat gewählt und stimmt mit der von Vorgänger Slomka überein.

Wie schnell der 39-Jährige zu überzeugen weiß, konnte man während seiner kurzen Amtszeit in der Türkei erahnen. Die zusammen mit Abdullah Avci verpasste WM-Qualifikation wurde Korkut nicht zur Last gelegt, eher im Gegenteil.

In der öffentlichen Wahrnehmung war er der richtige Trainer für den erforderlichen Neuaufbau, die Fans forderten seinen Verbleib. Der Verband entschied sich aber gegen Korkut. Stattdessen wurde Fatih Terim zurückgeholt. Seitdem läuft die dritte Amtszeit des Imperators in der Türkei.

Tayfun Korkut im Steckbrief

Werbung
Werbung
Werbung
Werbung