Dienstag, 14.01.2014

Viele Fragezeichen beim BVB-Strategen

Ilkay Gündogan: Das Rätsel

Ilkay Gündogan von Borussia Dortmund plagt sich seit fünf Monaten mit einer ungewöhnlichen Verletzung herum. Ungewöhnlich ist auch das lange Zögern des deutschen Nationalspielers, wenn es um die Verlängerung seines bis 2015 datierten Vertragss beim BVB geht. Sollte sich Gündogan gegen die Borussia entscheiden, wäre dies ein Schock.

Die Personalie Ilkay Gündogan sorgt beim BVB derzeit für Sorgenfalten
© getty
Die Personalie Ilkay Gündogan sorgt beim BVB derzeit für Sorgenfalten

Es sei ganz nett gewesen, sagt Andreas Schlumberger im Gespräch mit SPOX. Er habe auch Zeit gehabt, ein wenig für sich selbst zu trainieren, das habe er in seiner Nürnberger Zeit mit Javier Pinola schon einmal so gemacht. Der Athletiktrainer von Borussia Dortmund verbrachte die Zeit vom 23. bis 30. Dezember in Dubai. Das taten auch einige weitere Spieler des BVB, doch Schlumberger reiste mit einem speziellen Auftrag ins Emirat.

Er sollte Ilkay Gündogan begleiten und mit ihm weiter daran feilen, das Trainingspensum zu steigern. Gündogan hatte bereits vor den Weihnachtstagen wieder mit der Mannschaft trainiert, doch seine Verletzung sendet immer wieder unliebsame Signale in verschiedene Bereiche seines Körpers.

Die Blessur ist ein Rätsel, das nur schwer zu lösen ist. Das Länderspiel im vergangenen August in Kaiserslautern gegen Paraguay war der Auslöser, damals war noch von einer Stauchung der Wirbelsäule die Rede.

Weiterhin "ziehende Schmerzen"

Mit der Zeit kamen noch weitere Begrifflichkeiten dazu. Nervenwurzelreizsyndrom, Überlastungsreaktion in der Lendenwirbelsäule oder Wirbelgleiten beispielsweise. Der Rücken sei sein wunder Punkt, gibt Gündogan zu. Das Problem: Die Erfahrungswerte mit einer solchen Verletzung tendieren gen Null, anders als etwa bei einem Kreuzbandriss. Die Ausfallzeit scheint aber offenbar ähnliche Ausmaße anzunehmen.

Seit fünf Monaten ist er nun schon außer Gefecht. Wie sehr das Comeback trotz der gesteigerten Intensität wirklich in Sichtweite ist, kann niemand genau sagen. Der 23-Jährigen klagt noch immer über "ziehende Schmerzen in Hüfte, Wade und Schienbein".

Im Trainingslager in La Manga geht es für Gündogan darum, die Belastung zu dosieren. Deshalb absolviert er auch ein eigens auf ihn zugeschnittenes Programm. "Das, was ich mache, geht ganz gut. Aber es wird Phasen geben, in denen ich mich erst an die Belastung gewöhnen muss. Ich bin noch nicht topfit und nicht komplett schmerzfrei. Doch ich bin sicher, dass wir das geregelt bekommen", sagt er.

Schnell wieder in Topform?

Allerdings macht ihm derzeit eine Bronchitis zu schaffen, Bettnachbar Oliver Kirch ist vorsichtshalber schon einmal aus dem Doppelzimmer ausgezogen. Sobald Gündogan davon genesen ist, geht es weiter im Takt, damit er diesen auch bald wieder im Spiel des BVB vorgeben kann. Dass ihn die Borussia in der Top-Form des vergangenen Jahres zurücksehnt, ist offensichtlich.

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Allerdings ist dies die nächste offene Frage: Wie schnell wird ein fitter Gündogan auch wieder das Selbstbewusstsein ausstrahlen können, das er für sein Spiel und die Präsenz im Gebiet zwischen Abwehrkette und Offensivreihe braucht? Nach einer solch langen Ausfallszeit ist momentan eher nicht davon auszugehen, dass Gündogan beim Großteil der Aufgaben in der Rückrunde eine sofortige Hilfe darstellt.

Er wird sich langsam in der Hoffnung herantasten müssen, in der Crunchtime, wenn es um die Titel und die WM-Teilnahme geht, wieder auf sein altes Leistungsniveau zu kommen. Stand jetzt bleibt noch vollkommen unklar, wie viele Minuten der deutsche Nationalspieler zu den 57 hinzufügen wird, die er bislang in dieser Bundesligasaison abriss.

Wilde Gerüchte um Zukunft

Die unklare Situation um Gündogan ist dazu auch abseits der Aufbaumaßnahmen ein Thema, das schon eine Weile schwelt und nicht an Fahrt gewinnen will. Dortmund möchte seit geraumer Zeit den bis 2015 datierten Vertrag mit ihm verlängern und mindestens genauso lange ranken sich die wildesten Gerüchte um seine Zukunft.

Die kürzlich aufgekommene Meldung, Gündogan wechsle zur nächsten Saison im Tausch mit Karim Benzema zu Real Madrid, wird in La Manga mit lautem Lachen aufgenommen. Der Flachs blühte kurzzeitig sogar so weit, dass Benzema ja womöglich die "BVB 3" genannte Auswahl um Co-Trainer Peter Krawietz und Dolmetscher Massimo Mariotti verstärken könnte, die am Montagnachmittag gegen die die versammelte Presse antrat. Der Franzose war letztlich nicht vonnöten, die Journalisten brachen trotz komfortabler Führung auch so ein.

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BVB will Hängepartie vermeiden

Wie sich Gündogan entscheiden wird, bleibt ein weiteres Rätsel. Die Verhandlungen werden in Spanien nicht aufgenommen, wie Sportdirektor Michael Zorc bekannt gab. "Für Ilkay ist es ein wichtiger Aspekt, dass er zuerst richtig einsteigt. Doch wir werden demnächst die Gespräche mit der Familie aufnehmen, haben ein sehr gutes Verhältnis. Ich glaube, es gibt viele Argumente, die für Borussia Dortmund sprechen", sagt Zorc.

Doch die Zeit drängt. Eine Hängepartie, die in der Öffentlichkeit ähnliche Ausmaße annimmt wie bei Robert Lewandowski, soll dringend vermieden werden. "Die andere Seite muss Verständnis dafür entwickeln, dass wir Klarheit benötigen", macht Zorc daher deutlich.

Es scheint, als mache sich Gündogan ernsthafte Gedanken, ob seine Zukunft weiterhin beim BVB und nicht vielleicht doch bei einem der europäischen Schwergewichte, die an ihm interessiert zu sein scheinen, liegen soll. Anders ist sein Zögern kaum zu deuten. Auch die Aussagen der Dortmunder Verantwortlichen machen nicht den Eindruck, dass sie sich beim Ausgang dieser Angelegenheit sicher seien. Was jedoch sicher ist: Einen ablösefreien Wechsel wie bei Lewandowski wird es nicht geben.

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Neue Varianten auf der Sechs

Sollte sich Gündogan also gegen den BVB entscheiden, wird ihn der Verein verkaufen wollen. Ein solches Votum wäre zweifelsohne ein Schock für den Klub sowie ein fatales Signal an die umworbene Belegschaft, die unter Trainer Jürgen Klopp zwar immer einen, aber noch nie zwei Leistungsträger abgeben musste - zumal dann gleich zwei sehr empfindliche Positionen betroffen wären.

Dortmund müsste sich dann im Sommer sowohl im Sturm als auch bei den Sechsern - auch Sebastian Kehls Zukunft (auslaufender Vertrag) ist noch unklar - komplett neu aufstellen, die Statik seines Spiels auf lange Sicht gesehen verändern müssen. Klopp positionierte Henrikh Mkhitaryan beim 2:0-Testspielsieg gegen Standard Lüttich deutlich tiefer auf dem Spielfeld, der Armenier ähnelte einer Acht - zumindest ein hauchzarter Wink in die Richtung, der Gündogan-Position neue Impulse einzuverleiben.

Vielleicht werden sie beim BVB aber auch Xabi Alonso ein Dankesschreiben schicken. Der verlängerte in diesen Tagen nämlich seinen Vertrag bei Real Madrid - und spielt auf derselben Position wie Ilkay Gündogan.

Ilkay Gündogan im Steckbrief

Jochen Tittmar

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Jochen Tittmar(Redakteur)

Jochen Tittmar, Jahrgang 1982, arbeitet seit 2008 in der Fußball-Redaktion für SPOX.com. Aufgewachsen in der Nähe von Stuttgart, ging es für ihn nach dem Studium der französischen sowie englischen Literatur und Sprache an der Universität Konstanz mit einem Praktikum beim Kicker weiter. Bei SPOX verantwortet er u.a. die Berichterstattung über Dortmund und Schalke. Zudem koordiniert er redaktionelle Projekte.

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