Augsburgs Daniel Baier

Der zweite Bildungsweg

Von Stefan Rommel
Dienstag, 08.10.2013 | 12:06 Uhr
Augsburgs Ersatzkapitän Daniel Baier (r.) und sein Trainer Markus Weinzierl
© getty
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Seine Karriere schien in einer Sackgasse zu enden - jetzt ist Daniel Baier für seine Mannschaft unverzichtbar. Seine enorme Qualität in der Defensive wie in der Offensive macht ihn zu einem der am meisten unterschätzten Spieler der Liga.

Als Relikt aus einer anderen Zeit ist ihm noch seine Rückennummer geblieben. Bei seinem zweiten Anlauf beim FC Augsburg hat sich Daniel Baier vor drei Jahren die Nummer zehn geschnappt.

Was damals ein kleines Signal nach außen darstellen sollte, fand in der praktischen Umsetzung aus dem Feld zunächst keinen Niederschlag.

Kopf und Herz der Mannschaft

Beim damaligen Zweitligisten vertraute Trainer Jos Luhukay auf ein 4-4-2-System ohne zentralen Spielmacher und Dani Baier war ein wenig wie ein Dirigent ohne Kapelle.

Erst nach dem Aufstieg 2011 und der Umstellung auf ein Spielsystem mit einem klaren zentralen offensiven Mittelfeldspieler rückte Baier in die Mitte des Spiels. Dorthin, wo er sich am wohlsten fühlt. Aber (noch) nicht dorthin, wo er seine Qualitäten am besten einbringen kann.

Erst seine Rückstufung eine Linie weiter nach hinten machte Baier zum Kopf seiner Mannschaft. Und zu ihrem Herzen. Es gibt in der Bundesliga nur wenige Mannschaften, die so abhängig von einem einzelnen Spieler sind wie der FC Augsburg von Daniel Baier.

Zu Beginn "falsch" eingesetzt?

Natürlich hat Trainer Markus Weinzierl aus einer Ansammlung ehemaliger Zweit- und Drittligaspieler, vermeintlich Gescheiterten, ein paar Internationalen und zwei, drei hoffnungsvoller Leihspieler eine ziemlich ordentliche Gruppe gebastelt. Vielleicht sind die spektakulärsten Figuren Spieler wie Sascha Mölders, weil er erdigen Fußball spielt und so ankommt bei den Fans.

Oder Halil Altintop, der immerhin die Erfahrung von über 300 Erstligaeinsätzen mit bringt. Oder Alex Manninger, der zwölf Profistationen in fünf Ländern absolviert hat und beim FC Arsenal und Juventus Turin unter Vertrag stand.

Daniel Baier hat mal bei den Münchener Löwen und beim VfL Wolfsburg gespielt und darf sich offiziell auch deutscher Meister nennen. Das allerdings war eher eine Kapriole des Schicksals: Baier absolvierte in der Meister-Saison unter Felix Magath keine einzige Partie.

In Augsburg erschien er vom ersten Tag an als wichtig. Die Sache war nur, dass er seiner Ausbildung und seinem Naturell entsprechend zu weit vorne eingesetzt wurde. Erst mit der Zeit rückte er näher an die eigene Abwehr und von den Außenbahnen ins Zentrum. Im 4-2-3-1 unter Luhukay an der Seite von Haime Hosogai war er ein wichtiger Faktor. Wirklich unverzichtbar ist er aber erst seit Winter dieses Jahres.

Systemumstellung bringt exponierte Stellung

Der FC Augsburg war praktisch schon abgestiegen, als seinem Trainer Markus Weinzierl ein ganz entscheidender Kniff gelang. Entgegen so ziemlich jeder Regeln löste Weinzierl die Doppel-Sechs beim FCA auf, er beließ mit Baier keinen klassischen Abräumer, sondern einen Kreativspieler auf dem Bewacherposten vor der Abwehr und verstärkte sein Mittelfeld zudem mit spielstarken Akteuren wie Jan Moravek, Ja-Cheol Koo, Tobias Werner oder dem Koreaner Dong-Won Ji.

Ein brisantes Manöver für eine Mannschaft, die tief im Abstiegskampf steckte. Der FCA scherte sich aber wenig um alte Weisheiten, wonach im Abstiegskampf die Betonung auf "Kampf" lag und suchte und fand allmählich spielerisch sein Glück. "Die Systemumstellung auf ein 4-1-4-1 im Winter hat uns stabilisiert", sagt Baier rückblickend.

Starkes Gesamtpaket

Dass er dabei nicht nur auf dem Papier die zentrale Verantwortung fast aller wichtigen Entscheidungen trägt, verschweigt Baier. Sein Gesamtpaket auf Technik und Übersicht aus seiner Zeit als Offensivspieler gepaart mit einer starken Intuition und beeindruckend schnell gelernter Antizipationsgabe macht ihn zu einer so dominanter Sechs wie nur wenige sonst im deutschen Profifußball.

Baier hat ein ausgesprochen gutes Gespür dafür, wann er herausrücken oder doch seine Position halten soll. Er ist sehr geschickt darin, den Gegner von hinten so anzulaufen, dass dem wenige Fluchtmöglichkeiten und noch weniger Zeit bleiben, er kann das Spiel des Gegners so entweder aufhalten oder zumindest entscheidend verzögern.

Seine Technik und Spielübersicht ermöglichen es ihm auch unter großem Druck die richtigen Entscheidungen zu treffen, aus brenzligen Situationen helfen ihm schnelle Drehungen, die wiederum sein tiefer Körperschwerpunkt erst möglich machen. Es sind viele kleine Dinge, die sehr unscheinbar wirken - die Baier aber perfekt beherrscht und vor allen Dingen klug einsetzt.

Selbstredend bleiben Weltklassespieler aus München oder Dortmund in ihren Möglichkeiten und Anlagen auch für ihn als Einzelspieler unerreichbar. Im Gros ihrer überragend besetzten Kader sind sie aber leichter ohne großen Qualitätsverlust zu ersetzen. Ein längerer Ausfall Baiers würde den FC Augsburg dagegen in allergrößte Bedrängnis bringen.

Dank an Felix Magath

Auf der Position vor der Abwehr müsse man so leidensfähig sein wie kein anderer Feldspieler, hat Patrick Vieira mal erklärt. Dass einer wie Baier gerade dort seinen Durchbruch geschafft hat, war so eher nicht zu erwarten. Vor über zehn Jahren gab er bereits sein Debüt in der Bundesliga. Dann verschwand erst 1860 in der Versenkung und später auch Baier. Das Engagement in Wolfsburg wurde schnell zur Sackgasse, der Neustart in Augsburg und in der zweiten Liga ein erster Glücksfall. Jos Luhukay und Markus Weinzierl waren die nächsten beiden.

Trotzdem ist Baier auch heute noch jenem Mann dankbar, der ihn damals vom TSV 1860 zum VfL Wolfsburg geholt hat. "Ohne Felix Magath wäre ich heute nicht der, der ich bin. Er hat mir gezeigt, dass es im Fußball nicht immer nur aufwärts geht. Ich habe mich Tag für Tag angeboten, im Training Gas gegeben und mich der Situation gestellt, auch wenn ich nicht immer im Kader stand. Er wollte, dass ich jeden Tag meinen inneren Schweinehund überwinde."

Seine Mitspieler Lars und Sven Bender, Marcel Schäfer, Benny Lauth und Fabian Johnson wurden nach ihrer Zeit bei den Löwen zu Nationalspielern. Baier versuchte den Neustart in der zweiten Liga und wurde erst später glücklich.

Verlängerter Arm des Trainers

"Mit Kritik muss man leben und umgehen, wobei es heutzutage oft extrem in beide Richtungen geht. Man wird schnell hochgejubelt, aber auch ebenso schnell abgeschrieben", hat er im Gespräch mit SPOX mal erzählt. "Ausblenden kann man das nicht, aber ich beurteile meine Leistungen selbstkritisch, um mich zu verbessern."

Mittlerweile ist er so weit, dass er neben Kapitän Paul Verhaegh beim FCA so etwas wie der verlängerte Arm des Trainers auf dem Feld ist. "Der Trainer fragt mich nach meiner Meinung, schenkt mir am meisten Vertrauen", sagt Baier, der die Struktur im Augsburger Spiel bestimmt.

So wie bei ihm defensive wie offensive Qualitäten die Symbiose bilden, ist er in Weinzierls Überlegungen das entscheidende Puzzlestück für den Aufschwung der einst belächelten Schwaben. "Dass wir lange Zeit unterschätzt und belächelt wurden, haben wir wahrgenommen und das hatte mich anfangs auch gestört. Aber wir haben mit bescheidenen Mitteln viel erreicht."

Der FC Augsburg im Überblick

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