Hoffenheim unter Markus Gisdol

Zeit für Neues

Von Stefan Rommel
Dienstag, 20.08.2013 | 10:18 Uhr
Unter Trainer Markus Gisdol geht es für 1899 Hoffenheim wieder bergauf
© getty
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Das Hoffenheim von Markus Gisdol nimmt schon früh in der Saison konkrete Konturen an. Nach dem Beinahe-Exitus erfindet sich 1899 neu - nach dem Vorbild von Ralf Rangnick.

Den letzten großen Fehler begingen die Verantwortlichen kurz vor dem Weihnachtsfest. 1899 Hoffenheim war längst zu einem einzigen großen Widerspruch verkommen.

Früher gab es eine Menge Geld, eine vernünftige Idee und attraktiven Fußball. Dann verschwand erst die Kreativität, dann der schöne Fußball. Das Geld blieb, und trotzdem bahnte sich das Chaos seinen Weg. Zur Hälfte der Saison 2012/13 erfüllte Hoffenheim alle Kriterien, die ein Absteiger bedienen muss.

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Es dürfte deutschlandweit nicht viele Beobachter gegeben haben, die Hoffenheim nicht ein Verschwinden aus der ersten Liga gewünscht hätten. Dafür hatten die Kraichgauer in den Jahren davor zu viel Staub aufgewirbelt, die Traditionalisten verletzt und jede Menge Euros ausgegeben, die der Klub in den paar Jahren seiner Ligazugehörigkeit unmöglich selbst hatte erwirtschaften können.

Verheerende Zustände vor Gisdols Übernahme

Dann saß da plötzlich nach drei verschlissenen Trainern einer wie Frank Kramer auf der Bank. Aber vom Verein nicht als dauerhafte Lösung akzeptiert, sondern als Platzhalter. Dabei hätte Kramers gute Arbeit den Verantwortlichen in Hoffenheim doch sehr geläufig sein müssen, der 40-Jährige war schließlich schon fast anderthalb Jahre Trainer der zweiten Mannschaft.

Aber Kramer bekam keine Chance, vielmehr griffen die bekannten Reflexe im Abstiegskampf: Mit Marco Kurz sollte es ein Feuerwehrmann mit dem Augenmerk fast komplett auf der Defensivarbeit richten. Wie schon diverse andere Überlegungen des handelnden Andreas Müller ging auch diese völlig daneben. Und Frank Kramer: Entschied sich, nachdem er in zwei Spielen regelrecht verbrannt wurde, nach zwei Jahren in Hoffenheim zur Rückkehr nach Fürth.

Eigentlich war im Frühjahr schon fast alles gelaufen, nicht nur tabellarisch. Dann hatte einer eine Idee, die hieß Markus Gisdol. Er fand vor: Eine Ansammlung überdurchschnittlicher Einzelkönner, aber keine Mannschaft. Einen über die Maßen unausgegoren zusammengestellten und aufgeblähten Kader. Spieler, die ihr Einzelschicksal pflegten und statt Ertrag nur Aufwand bedeuteten. Keinerlei (ideologische) Verknüpfungspunkte oder Visionen unter den Entscheidungsträgern. Eine zerfledderte Scoutingabteilung, auseinandergerupft vom ehemaligen Manager Andreas Müller. Eine starke Jugendarbeit im Hintergrund - aber keinerlei Durchlässigkeit zu den Profis. Eine verheerende Außendarstellung des gesamten Vereins.

Konzept, Fleiß und Glück

1899 Hoffenheim stand auf dem vorletzten Tabellenplatz, das war das nach außen hin deutlichste Zeichen des steten Niedergangs. Vielleicht haben es ihm die meisten als Fatalismus ausgelegt, seine Arbeit unabhängig der Hoffenheimer Ligazugehörigkeit definieren zu wollen. Aber jetzt, wo Markus Gisdol seit einem Dutzend Pflichtspielen im Amt ist, darf man seine Worte von damals getrost als die Wahrheit betrachten.

Gisdol hat Hoffenheim nicht nur in der Liga gehalten. Es war neben einem Haufen Fleiß, Akribie und Können ganz sicher auch eine große Portion Glück dabei, wie der Klassenerhalt zustande kam. Gisdol hatte sich in seiner zeit als Trainer der U 23 schon für den Cheftrainerposten vorgestellt, mit einem ausformulierten Konzept in der Tasche. Nur wollte ihm da niemand so recht zuhören.

Als es dann plötzlich doch losging, musste er nicht lange nachfragen oder sich in einem neuen Umfeld erst orientieren. Im Hintergrund rauschten seine Ideen durch die Gremien, unter der Aufsicht und dem Einfluss von Bernhard Peters waren plötzlich Dinge möglich, die vorher entweder nicht angestoßen wurden oder aber auf halber Strecke ermatteten. Mit Direktor für Sport- und Nachwuchsförderung Peters wusste der ehemalige Amateurtrainer einen Gleichgesinnten an seiner Seite. Und er erwischte in Alexander Rosen als Leiter Profifußball einen zwar unbekannten, aber enorm fleißigen und pfiffigen Kompagnon. Der zufälligerweise exakt auf Gisdols Linie mitschwimmt, ohne lediglich ein Abnicker zu sein.

"Wichtig ist die Art und Weise, wie wir Fußball spielen wollen. Das aktive, aggressive Spiel gegen den Ball und das schnelle Umschalten. Wichtig ist auch, dass wir Stück für Stück junge Spieler einbauen. Wenn wir das bei ein oder zwei pro Saison schaffen, können wir uns die Hand geben", beschreibt Rosen den neuen, alten Hoffenheimer Weg. Die Rhetorik hätte genauso gut auch von Gisdol stammen können.

Keine Rücksicht auf Verluste

Es sind weit mehr als nur die nackten Ergebnisse, die aus Hoffenheim innerhalb von nicht mal 150 Tagen einen ziemlich neuen Verein gemacht haben. Als Gisdols Vorgänger Kurz und Manager Müller am 2. April gehen mussten, hatte sich der einstige Vorzeigeschurke längst den Ruf einer veritablen Skandalnudel erarbeitet. Es soll sogar hartnäckige Kritiker gegeben haben, die so etwas wie Mitleid für Hoffenheim empfanden.

Gisdol und Rosen blieb kaum Zeit für die Kaderplanung, also wurde kaum Rücksicht auf Verluste oder große Namen gemacht. Das Duo sortierte gleich rigoros, aber ehrlich aus. Spieler, die keine Zukunft mehr im Verein hatten, wurde dies sofort und unmissverständlich mitgeteilt. Einige dieser Spieler sind bereits veräußert, der Rest verdingt sich abgekapselt vom eigentlichen Kader in der Trainingsgruppe 2. Eine ungewöhnliche Maßnahme, handwerklich für einen Trainer aber fast nicht anders zu lösen.

Auf der anderen Seite blickten sich der ehemalige U-23-Trainer und der ehemalige Leiter des Nachwuchsleistungszentrums bei der zweiten Mannschaft und in der Jugend um. "Es war klar, dass wir weniger Spieler von Extern als in den letzten Transferperioden verpflichten wollten", sagt Rosen.

Dafür rückten Jens Grahl, Tim Paterok, Patrick Schorr, Niklas Süle, Robin Szarka, Jeremy Toljan, Vincenzo Grifo, Ahmed Sassi und Kenan Karaman in den Profikader auf, der ausgeliehene Tobias Strobl wurde aus Köln zurückbeordert und vom KSC Nachwuchshoffnung Kevin Akpoguma geholt. Beim entscheidenden letzten Saisonspiel in Dortmund standen fünf Spieler im Kader, die vor Gisdol noch in der U 23 oder in der Jugend unterwegs waren.

Erinnerungen an die Ära Rangnick

Zugekauft wurde nach Anforderung: Ein spielstarker (Tarik Elounoussi) und ein wuchtiger, kopfballstarker Stürmer (Modeste), dazu bekam der unzufriedene Firmino mehr Verantwortung aufgetragen und spielt die zentrale Figur in der Mittelfeldoffensive.

Einiges in Hoffenheim erinnert an die Tage von Ralf Rangnick. Mit Rangnicks Weggang begann der Absturz der einstigen Überflieger. Jetzt scheinen die Kraichgauer nach zahlreichen Irrungen endlich auf einem vernünftigen Weg. Es wird wieder ein ganzheitliches Modell entwickelt, das seinen Namen auch verdient.

"Wir haben über die letzten Wochen unseren Spielstil gefunden, den Hoffenheim in der Tat schon mal gespielt hat. Da gibt es definitiv Parallelen", sagt Andreas Beck, der schon zu Rangnicks Zeiten da war und den Niedergang der letzten Monate und Jahre miterlebt hat.

"Man sieht: Wenn man einen ganz klaren Plan vom Trainer bekommt, sind auch solche Ausnahmenergebnisse möglich. Wir sind absolut dankbar für die Möglichkeiten, die der Trainer geschaffen hat." In Hoffenheim hat sich eine lernwillige und talentierte Truppe mit einem Trainer zusammengetan, der einen Plan nicht nur in der Theorie sein eigen nennt, sondern diesen auch umzusetzen vermag.

1899 Hoffenheim in der Übersicht

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