Gastkolumne von Sascha Roolf

Schluss mit der Preistreiberei

Von Sascha Roolf
Donnerstag, 27.09.2012 | 14:17 Uhr
Dortmunds Fans protestierten jüngst in Hamburg gegen die Preistreiberei bei Tickets
© Imago
Advertisement
Boxen
So03:00
Mayweather vs. McGregor - AUF DAZN!
Premier League
So17:00
Kracher am Sonntag: Liverpool-Arsenal
League Cup
Sheffield Utd -
Leicester
League Cup
Cheltenham -
West Ham
League Cup
Blackburn -
Burnley
Copa do Brasil
Flamengo -
Botafogo
Copa do Brasil
Cruzeiro -
Grêmio
UEFA Europa League
Fenerbahce -
Vardar Skopje
Primera División
Real Sociedad -
Villarreal
Ligue 1
PSG -
St. Etienne
Championship
Bristol City -
Aston Villa
Primera División
Betis -
Celta Vigo
J1 League
Iwata -
Kobe
J1 League
Cerezo Osaka -
Kashima
Premier League
Bournemouth -
Manchester City
Championship
Burton -
Sheffield Wednesday
Ligue 1
Nantes -
Lyon
Serie A
Benevento -
Bologna
Serie A
Genua -
Juventus
Primera División
Alaves -
Barcelona
Premier League
Manchester United -
Leicester
Championship
Nottingham -
Leeds
Ligue 1
Amiens -
Nizza
Ligue 1
Bordeaux -
Troyes
Ligue 1
Caen -
Metz
Ligue 1
Dijon -
Montpellier
Ligue 1
Toulouse -
Rennes
Primera División
Levante -
La Coruna
Primera División
Girona -
Malaga
Premier League
Huddersfield -
Southampton (Delayed)
Serie A
AS Rom -
Inter Mailand
Primeira Liga
Rio Ave -
Benfica
Premier League
Newcastle -
West Ham
Premier League
Crystal palace -
Swansea
Eredivisie
Feyenoord -
Willem II
Eredivisie
Venlo -
Ajax
Premier League
Chelsea -
Everton
Ligue 1
Guingamp -
Strasbourg
Premiership
Ross County -
Rangers
Ligue 1
Angers -
Lille
Premier League
Liverpool -
Arsenal
Allsvenskan
Malmö -
Göteborg
First Division A
Gent -
Anderlecht
Serie A
Turin -
Sassuolo
Primera División
Espanyol -
Leganes
Premier League
Zenit -
Rostow
Serie A
Chievo Verona -
Lazio
Serie A
Crotone -
Hellas Verona
Serie A
Florenz -
Genua
Serie A
AC Mailand- Cagliari
Serie A
Neapel -
Atalanta
Serie A
Spal -
Udinese
Ligue 1
Monaco -
Marseille
Primeira Liga
Braga -
Porto
Primera División
Real Madrid -
Valencia
WC Qualification South America
Venezuela -
Colombia
WC Qualification South America
Chile -
Paraguay
WC Qualification South America
Uruguay -
Argentinien
WC Qualification South America
Brasilien -
Ecuador
WC Qualification South America
Peru -
Bolivien
WC Qualification Europe
Dänemark -
Polen
WC Qualification Europe
Slowakei -
Slowenien
WC Qualification Europe
Tschechien -
Deutschland
WC Qualification Europe
Georgien -
Irland
WC Qualification Europe
Serbien -
Moldawien
WC Qualification Europe
Isreal -
Mazedonien
WC Qualification Europe
Färöer Inseln -
Andorra
WC Qualification Europe
Weißrussland -
Schweden
WC Qualification Europe
Estland -
Zypern
WC Qualification Europe
Griechenland -
Belgien

Finanz-Experten sorgten in der Sommerpause für Aufsehen und attestieren: Die Eintrittskarten in der Bundesliga sind zu billig. 100 Millionen Euro sollen den deutschen Erstligisten laut Prognosen so jedes Jahr durch die Lappen gehen. Fan-Vertreter Sascha Roolf blickt in seiner Gastkolumne etwas über den Tellerrand der Zahlen hinaus und nennt Gründe für falsche Vergleiche und günstige Dauerkarten.

Beim Vergleich der durchschnittlichen Ticketpreise in Europa werden teilweise Äpfel mit Birnen verglichen. Die englischen und spanischen Stadien sind reine Sitzplatzstadien. Diese Plätze sind naturgemäß teurer. In Deutschland drücken die größeren Stehplatzbereiche den Durchschnitt. Betrachtet man allein die Sitzplatzpreise schrumpfen die Unterschiede schon beträchtlich.

Die Statistikseite "Statista.com" kommt übrigens schon für die Saison 2010/2011 bei zwölf Vereinen auf durchschnittliche Eintrittspreise von 30 bis 40 Euro pro Einzelticket. Je nachdem, welcher Statistik man glauben mag, sind wir vom Preisniveau her gar nicht mehr so weit von der Spitzenklasse entfernt.

Wer Eintrittspreise mit Spanien und England vergleicht, muss das dann zwangsläufig auch mit der gebotenen Qualität tun. Und die sportliche Qualität im deutschen Fußball ist unter der der beiden genannten Ligen angesiedelt. Das zeigen die Europapokalwettbewerbe doch sehr deutlich. Trotzdem ist er der Zuschauerstärkste, weil er seinen Charakter als Volkssport noch nicht verloren hat.

Das Gesamtpaket stimmt einfach

Die aktuelle Preispolitik sorgt noch dafür, dass sich möglichst viele Gesellschaftsschichten einen Stadionbesuch leisten können. Erhöht man die Preise, verändert man die Zuschauerzusammensetzung und steigert den Druck, qualitativ zu Spanien und England aufzuschließen. Gelingt das nicht, werden die Vereine sehr schnell ihre Vormachtstellung in der Zuschauergunst verlieren.

Der deutsche Fußball hat es geschafft, auch ohne eine große Ansammlung internationaler Topstars und ohne Europapokalerfolge in Serie unglaublich viele Zuschauer anzuziehen. Dazu zählen sogar etliche Fans aus England, die regelmäßig Bundesligaspiele besuchen, weil ihnen das Gesamtpaket von Eintrittspreis, Stadionerlebnis und sportlicher Darbietung so gut gefällt. Warum man das aufs Spiel setzten sollte, indem man auf der Einnahmenseite anderen Ligen hinterherhechelt, ist mir schleierhaft.

Warum nicht einfach die Preistreiberei beenden?

Nicht nur warum, sondern auch wofür? Es wird gerne darauf gepocht, dass die Profivereine heutzutage Wirtschaftsunternehmen seien und dementsprechend handeln müssten.

Aber was produzieren sie? Wo forschen und entwickeln sie? Auf welchen fremden Geschäftsfeldern expandieren sie? Letztendlich kommt der Großteil der Einnahmeerhöhungen, und dazu gehören auch die Erhöhungen von Eintrittspreisen, einer kleinen Gruppe von Topathleten zu Gute.

Es betrifft nicht einmal alle Fußballprofis, sondern nur die absolute Leistungsspitze. Sie sind absolute Fachleute und als Entertainer in der Sportwelt haben sie hohe Einkommen verdient. Besteht wirklich die Notwendigkeit, Eintrittspreise regelmäßig und in manchen Jahren sogar recht drastisch zu erhöhen, um Millionensprünge im Gehaltsgefüge zu ermöglichen?

Vermutlich ist es für die Vereine wesentlich einfacher, Preiserhöhungen gegenüber ihren Fans durchzudrücken, als sich untereinander darauf zu verständigen, die endlosen gegenseitigen Preistreibereien einzustellen.

Vereine und Fans teilen sich Vor- und Nachteile

Abschließend möchte ich auch noch einmal auf Herrn Biermanns Forderungen zu einer weiteren Verteuerung der Dauerkarten eingehen. Für mich wird hier viel zu einseitig auf entgangene Mehreinnahmen der Vereine, die eine erfolgreiche Saison gespielt haben, eingegangen.

Bei einer Dauerkarte teilen sich Fans und Vereine die Vor- und Nachteile gleichermaßen. Die Fans finanzieren den Vereinen einen nicht unerheblichen Millionenbetrag zinsfrei vor und, was am wichtigsten ist, sie kaufen vor der Saison ein Produkt, dessen Qualität sie nicht kennen.

Läuft die Saison gut und die Tickets werden knapp, sind sie im Vorteil. Wird es eine schlechte Saison, haben sie keine Möglichkeit mehr darauf zu reagieren. Das ist dann der Vorteil der Klubs. Anders als beim Verkauf von Tageskarten bedienen sie eine Grundnachfrage, die völlig unabhängig vom Tabellenstand ist, und generieren so sichere Einnahmen.

Vertrauen sollte honoriert werden

Wie sehr der Tageskartenverkauf und somit die Tageseinnahmen vom sportlichen Verlauf abhängig sind, konnte man in der vergangenen Saison in Hoffenheim beobachten. Im Jahr 2007 gab es auch in Dortmund einige Spiele, die nur knapp über 60.000 Zuschauer ins Stadion gelockt haben.

Bei 50.000 Dauerkarte sind also gerade mal um die 10.000 Tageskarten verkauft worden (teilweise an Schulklassen verschenkt, teilweise zu Ramschpreisen bei McDonalds angeboten) - inklusive der Gästefans. Ohne Dauerkarten wären sehr wahrscheinlich noch deutlich mehr Plätze leer geblieben.

Dauerkarten in ihrer jetzigen Form und ihrem aktuellen Preisniveau sind also für die Vereine viel mehr, als nur verschenkte Mehreinnahmen bei sportlichem Erfolg. Sie sind ein solider Grundstock, bei dem die Fans das Risiko der möglichen Enttäuschung tragen. Etwas, das von den Vereinen weiterhin honoriert werden sollte.

Sascha Roolf (34, Dortmund) ist Fan von Borussia Dortmund und engagiert sich im Fanbündnis "Kein Zwanni - Fußball muss bezahlbar sein". Außerdem ist er Redaktionsmitglied beim Fanzine "Schwatzgelb.de".

Der Bundesliga-Spielplan

Werbung
Werbung
Werbung
Werbung