1. FSV Mainz 05: Ein ganz normaler Bundesligist

Von Jochen Tittmar
Tuchel und seine Neuen: Junior Diaz, Shawn Parker (von den Amateuren) und Chinedu Ede (v.l.n.r.)
© Getty

Seit der Rückkehr in die Bundesliga 2009 hat der 1. FSV Mainz 05 vor jeder Saison zahlreiche neue Spieler verpflichtet. Nun geht man bewusst den anderen Weg: Das eingespielte Grundgerüst der Vorsaison steht und soll sich weiter entwickeln - und dabei taktisch flexibel bleiben.

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Deutschlandweite Schlagzeilen blieben aus. Dennoch erschütterte ein handfester Eklat die Vorbereitung des 1. FSV Mainz 05 auf die neue Spielzeit. Beim teaminternen Minigolfturnier im österreichischen Bad Tatzmannsdorf reichte es für Trainer Thomas Tuchel nur zu einer jämmerlichen Platzierung irgendwo im Mittelfeld. "Das ist ein Skandal. Ich bin nicht an meinem Talent, sondern an meiner Überheblichkeit gescheitert. Nachdem ich am ersten Loch nur einen Schlag gebraucht habe, dachte ich, ich habe das Ding schon gewonnen", maulte der Coach im Anschluss.

Es blieb jedoch der einzige Aufreger während des Trainingslagers, ansonsten gehen die Dinge bei den 05ern einen sehr gemäßigten und vor allem ruhigen Weg. Man hätte zum Trainieren auch in Mainz bleiben können, meinte Tuchel, aber man wollte bewusst "andere Rahmenbedingungen schaffen und ein bisschen Abwechslung haben, damit die Jungs das Trainingsgelände in Mainz nicht irgendwann nicht mehr sehen können."

Transferplus erwirtschaftet

Tuchels Jungs sind bis auf zwei Ausnahmen dieselben des Vorjahres. In Linksverteidiger Junior Diaz und Offensivspieler Chinedu Ede rekrutierte man lediglich zwei Neuzugänge, in den Jahren zuvor heuerten seit dem Aufstieg 2009 jeweils über zehn Neue am Bruchweg an.

Verbunden mit den Einnahmen auf Abgabenseite steht derzeit ein Plus von rund 1,3 Millionen Euro - und kein Leistungsträger hat den Verein verlassen.

"Unser Umbruch fand vor der letzten Saison statt. Jetzt haben wir mit Mohamed Zidan nur einen Abgang aus dem Stamm der Rückrundenmannschaft und großes Vertrauen in eine eingespielte und funktionierende Mannschaft", sagt Manager Christian Heidel zu "Sport1".

Heidel: "Wir müssen nicht mehr Angst haben"

Diese Fakten zeigen nicht nur, dass Mainz finanziell jederzeit in der Lage ist, nötige Korrekturen am Kader vorzunehmen. Vielmehr hat sich der Klub, der nun in seine vierte Saison in Folge im Oberhaus geht, mit einem nachhaltigen Konzept in der Bundesliga etabliert.

1. FSV Mainz 05: Der Kader im Überblick

In diesem Jahr schlägt der Verein bewusst den Weg ein, mit dem vorhandenen Kader zu arbeiten. Denn: "Wir müssen nicht mehr Angst haben, dass uns ein Spieler wegläuft. Wir bauen ein junges Team mit Perspektive auf und sind gut aufgestellt", so Heidel.

So hat Tuchel mittlerweile eine Kernmannschaft geformt, die die Abläufe "total verinnerlicht" hat und weiterhin großes Entwicklungspotential besitzt. Das Team ist gespickt mit polyvalenten Akteuren, die die komplexen taktischen Vorstellungen des Trainers - an das Stichwort Matchplan sei hier erinnert - je nach Stärken und Schwächen des Gegners neu interpretieren können. Kernmannschaft ist bei Tuchel jedoch nicht gleich Stammelf, der Coach wird sein Spielermaterial auch in Zukunft so flexibel auswählen, dass es an jedem Wochenende zu Änderungen bei Personal und Taktik kommen kann.

4-4-2 mit Raute oder 4-2-3-1?

Was die Grundordnung angeht, darf jedoch davon ausgegangen werden, dass der FSV vermehrt zwei Varianten spielen wird: Das 4-4-2 mit Raute oder das mittlerweile klassische 4-2-3-1. Tuchel hält sich in dieser Frage verständlicherweise bedeckt, auch wenn er in den meisten Testspielen auf die Rautenformation zurückgegriffen hat.

"Es geht darum, jeden Spieler auf der Position einzusetzen, auf der er dem Team am meisten helfen kann", erklärt der Coach. Aufgrund der hohen Flexibilität seiner Spieler wird Tuchel bis zum Start der Pflichtspiele noch genau abwägen, wen er wo spielen lässt.

Ein Jan Kirchhoff wäre in der Raute beispielsweise zentraler Sechser, im 4-2-3-1 würde er in die Innenverteidigung rücken. Ähnliche Überlegungen müssen bei der Besetzung des Sturms angestellt werden. Tuchel nennt dort Anthony Ujah, der für ihn "nie ein Positionsspieler" werde und somit nur als zweite Spitze neben Adam Szalai auflaufen könnte.

Tuchel sieht positives Fazit

Da Tuchel jedoch ein eingespieltes Team anleitet und daher auf bewährte Muster zurückgreifen kann, dürfte sich die grundsätzliche Herangehensweise nicht sehr vom Vorjahr unterscheiden. Heißt: Dominanten Mannschaften setzt Mainz - vor allem auswärts - eine auf schnelle Konter fußende Raute mit drei Sechsern entgegen, die bei Ballgewinn drei Anspielstationen (der Zehner und beide Stürmer) in der Offensive besitzt.

In dieser Anordnung, das haben die Vorbereitungspartien gezeigt, ist das Bespielen von defensiv eingestellten Teams allerdings die größere Baustelle. Zu viel Ballgeschiebe, Torungefährlichkeit und eine latente Konteranfälligkeit waren die Folge.

Dennoch zog Tuchel ein positives Zwischenfazit der Vorbereitungsphase, mahnt aber auch an: "Diese Saison geht es darum, Dinge, die wir kennen, besser und konsequenter zu machen als letzte Saison, gelernte Sachen bis ans Limit auszuschöpfen und mit einer Grundüberzeugung und einem Siegeswillen auszufüllen."

Klassenerhalt als Basisziel

Doch sollte dieses Limit nicht in steter Regelmäßigkeit erreicht werden - Mainz 05 wäre dennoch weit davon entfernt, ein Kandidat für den Abstieg zu sein. Heidel sieht den Erhalt der Klasse zwar "auf Jahre als Basisziel" des Vereins an, doch die personelle Kontinuität und nachhaltige Arbeit der Verantwortlichen während der letzten Jahre erlaubt es längst, den Mainzern eine sorgenfreie Saison im gesicherten Mittelfeld der Bundesliga zu prognostizieren.

Und Heidel, in Bezug auf den eigenen Verein oftmals vorsichtig, um ja keine überzogene Erwartungshaltung zu schüren, gibt immerhin zu: "Ich habe ein sehr gutes Gefühl."

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