SC-Trainer Christian Streich über seine Arbeit als Fußballlehrer

"Freiburg wird immer gegen den Abstieg spielen"

SID
Mittwoch, 25.04.2012 | 13:29 Uhr
Christian Streich hat gut lachen: Er hat den SC Freiburg vor dem Abstieg gerettet
© Getty
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Seit Jahresbeginn ist Christian Streich (46) Cheftrainer des SC Freiburg. Als der langjährige Leiter der Fußballschule nach seiner ersten Absage dann doch das Angebot zur Nachfolge des entlassenen Marcus Sorg annahm, waren die Breisgauer mit fünf Punkten Rückstand auf Platz 15 Tabellenletzter. Im dapd-Interview spricht Streich über die Bedeutung des nach neun Spielen ohne Niederlage seit Sonntag gesicherten Klassenverbleibs, seinen Gemütszustand und den ewigen Kampf gegen den Abstieg als lohnende Aufgabe.

Frage: Herr Streich, der SC Freiburg nimmt für sich in Anspruch, zu den besten 25 Fußballklubs in Deutschland zu gehören. Wieso war es dann so wichtig, dass Ihre Mannschaft die erste Klasse gehalten hat?

Christian Streich: Das hilft uns einfach enorm. Es macht uns stolz. Wir können den Menschen Freude bereiten. Die Leute freuen sich wahnsinnig, wenn sie Erste Bundesliga sehen können. Aber wenn wir abgestiegen wären, wäre die Welt nicht untergegangen.

Frage: Dann würden Sie vielleicht noch öfters gewinnen und den Menschen noch mehr Freude bereiten.

Streich: Statistisch gesehen schon. Aber man strebt ja immer nach sportlichem Erfolg, und das war in unserem Fall der Klassenerhalt.

Frage: Man kann nur erahnen, wie viele Steine durch das 0:0 in Hannover von Ihrem Herzen gefallen sind.

Streich: Ich kann das auch nicht so einfach beschreiben. Fußball ist nur ein Spiel. Es geht nicht um alles und um nichts Existenzielles. Das sage ich mir selber immer wieder. Es geht um Einordnung des Ganzen, die Vergegenwärtigung sollte immer sein. Aber ich habe so viel geschwätzt die letzten Monate, ich kann fast gar nicht mehr richtig sprechen. Ich bin auch...

Frage: ...emotional leer?

Streich: Nicht leer. Aber in so einem indifferenten Zustand. Das kenne ich von der Jugend, als wir so eine lange Saison hatten mit der Endrunde zur Deutschen Meisterschaft und Pokalendspiel. Als wir wirklich alles, was wir an Energie hatten, investierten. Ich kann jetzt auch noch nicht abschalten, auch wenn die Spannung nachlässt. Die Saison ist nicht vorbei, aber ich bin froh, wenn sie zu Ende ist. Ich brauche mal längeren Urlaub, ich hatte die letzten Jahre keinen, weil ich bei der A-Jugend und den Profis arbeitete, das hat sich oft überschnitten. Das waren sehr intensive fünf Jahre.

Frage: Es macht also keinen großen Unterschied zwischen einer Saison bei der A-Jugend und in der Bundesliga?

Streich: Es ist nicht anders. Für einen Trainer ist es egal, ob er in der Bundesliga, der Bezirksklasse oder bei der Jugend arbeitet. Der Unterschied besteht nur im medialen Interesse und dass man so in der Öffentlichkeit steht. Dass man in so kurzer Zeit von so vielen Leuten aufgrund des Namens und der Physiognomie erkannt und auch beurteilt wird. Davor hatte ich großen Respekt. Die Leute kennen einen ja trotzdem nicht. Sie tun, was ja völlig legitim ist, interpretieren und rein interpretieren. Aber es ist okay.

Frage: Sie werden als Rumpelstilzchen bezeichnet, als Energiebündel oder Kauz. Können Sie mit den Klischees und Schubladen, in die Sie gesteckt werden, leben?

Streich: Ich habe ja auch meine Schubladen, wie alle. Man hat sie, damit man einordnen kann. Wichtig ist, dass sie immer ein bisschen offen sind, um rausholen und umordnen zu können.

Frage: Jetzt werden Sie auch in die Schublade Retter gesteckt.

Streich: Das bin ich aber nicht. Weil ich allein nichts retten kann und alleine in einem großen Ozean ertrinke. Andersrum ist es doch genauso: Bei Misserfolg bin ich auch nicht allein verantwortlich.

Frage: Schmeicheln Ihnen die ganzen Lobeshymnen nicht?

Streich: Doch, sehr. Ich bin ja auch eitel, gar nicht zu knapp. Ich bin ein ganz normaler Mensch, und die meisten Menschen sind ja auch ein bisschen eitel, das muss ja auch nicht immer nur negativ sein.

Frage: Verspüren Sie jetzt so etwas wie Genugtuung, dass Sie den Klassenverbleib geschafft haben, nachdem Ihnen im Sommer ja Marcus Sorg vorgezogen worden war?

Streich: Gott bewahre. Überhaupt nicht. Präsident Fritz Keller und alle anderen wollten doch nur das Beste. Vielleicht haben Sie sich wegen mir gefragt: Hält der das aus? Ich war vielleicht von der Entscheidung ein bisschen enttäuscht damals. Aber jetzt Genugtuung? Null. Ich bin dankbar, dass diese Jungs so viel gemeinsam angepackt und auch uns Trainern Vertrauen und Zuneigung geschenkt haben.

Frage: Als Sie gekommen sind, ist der Toptorjäger gegangen. Durch den Verkauf von Papiss Cissé liegen ja zehn Millionen auf dem Konto.

Streich: Nein, nein, da gingen ja viele Steuern ab.

Frage: Ein bisschen blieb ja übrig. Haben Sie sich schon mal Gedanken gemacht, wie man das Geld investieren könnte?

Streich: Wir schauen nach Jungs, die zu uns passen könnten. Aber wir überstürzen nichts. Wir müssen erst mit den Spielern reden, die da sind. Wie sie damit umgehen, wenn sie eben nicht so viel spielen. Man muss ganz viele negative Dinge besprechen, um die Frage beantworten zu können: Reicht das Positive?

Frage: Vor einem Jahr haben sich Gladbach und Stuttgart ähnlich gerettet wie jetzt der SC Freiburg. In dieser Saison spielen beide oben mit. Kämpfen Sie in der neuen Saison auch um europäische Plätze?

Streich: Das sind ganz andere Voraussetzungen. Freiburg spielt in der ersten Liga immer gegen den Abstieg, aber das ist mehr als okay.

Frage: Spielt die Mannschaft den Fußball, der Ihnen vorschwebt, oder spielt sie so, dass der Abstieg verhindert werden konnte?

Streich: Wir probieren immer, noch ein bisschen besser zu werden, es gelingt aber nicht immer. Die Leute sagen, dass Sie sich unser Spiel gern ansehen. Das ist schon mal nicht schlecht. Was ich so mitkriege, sind sie auch oft angetan, wenn wir 0:0 spielen. Dann haben die Jungs ja nicht alles falsch gemacht. Gegen Bremen lagen wir in Rückstand, gegen Nürnberg auch 0:2 zurück. Aber Freiburg war nicht tot. Wir sind immer aufgestanden. Zu Boden gegangen und wieder aufgestanden. Fast wie ein Automatismus. Die Leute haben getobt.

Frage: Am Samstag kommt der 1. FC Köln, der auf dem Relegationsrang steht. Wird der SC trotz der Rettung mit 100 Prozent Einsatz spielen?

Streich: Dass wir nicht alles geben könnten, ist gar kein Thema. Das passiert nicht. Das sind Berufsfußballer, das sind gute Kicker, die wollen gewinnen. Respekt gegenüber Köln und jedem anderen Verein können wir nur zeigen, indem wir alles geben. Und das werden wir 100-prozentig tun. Das ist ein Gebot der Fairness.

Christian Streich im Steckbrief

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