Donnerstag, 01.03.2012

Nach Gala-Auftritt mit der Elftal

Robben: Keine ideale Situation in Deutschland

Der niederländische Fußballstar Arjen Robben hat nach dem Gala-Auftritt im Länderspiel gegen England in London (3:2) seine Zukunft bei Bayern München offen gelassen.

Arjen Robben wechselte 2009 von Real Madrid zum FC Bayern München
© Getty
Arjen Robben wechselte 2009 von Real Madrid zum FC Bayern München

So glücklich hatte Arjen Robben schon seit Monaten nicht mehr dreingeschaut. Der Fußballstar strahlte nach seiner Gala auf dem "heiligen Rasen" des Londoner Wembleystadions über beide Ohren und machte wie ein Künstler nach getaner Arbeit eine Verbeugung vor den Oranje-Fans.

"Das war ein großartiger Abend. Ich habe es genossen. Ich hatte die ganzen Tage soviel Spaß beim Team. Wenn man so toll in Szene gesetzt wird, ist es angenehm, mal ein paar Tage weg zu sein aus Deutschland", sagte Robben, nachdem er mit zwei Treffern beim 3:2 (0:0) in England zum Matchwinner aufgestiegen war.

Robben: Die Kritik war nicht gerechtfertigt

Es war wie eine Befreiung für Robben nach all dem Theater bei den Bayern. Die Egoismus-Vorwürfe, die auch von höchster Stelle durch "Kaiser" Franz Beckenbauer geäußert worden waren, hatten den sensiblen Flügelspieler schwer gekränkt.

Dazu kam neben seinen vielen kleinen und großen Verletzungen noch hinzu, dass er bei Trainer Jupp Heynckes zuletzt nicht immer gesetzt war.

"Meiner Meinung nach ist die Kritik nicht gerechtfertigt. Wenn ich schlecht spiele, ist sie berechtigt, aber in Deutschland wird gleich ein persönlicher Krieg geführt", monierte Robben.

Keine ideale Situation bei Bayern

So lässt Robben fast schon trotzig seine Zukunft bei den Bayern offen. War vor ein paar Monaten die Unterschrift unter einen neuen Kontrakt fast nur noch Formsache, ist der Superstar nachdenklich geworden.

"In Deutschland ist es im Augenblick keine ideale Situation. Trotzdem haben wir es dort fantastisch. Aber natürlich geht mir auch durch den Kopf, welche Möglichkeiten es geben könnte", sagte Robben. Es dürften nicht ganz einfache Verhandlungen werden für Sportdirektor Christian Nerlinger und Präsident Uli Hoeneß.

Hoeneß war nach dem letzten Spiel gegen Schalke 04 (2:0) in der Causa Robben ohnehin schon der Kragen geplatzt. "Diese Scheiß-Diskussion, ob er ein Alleinunterhalter ist, hat dazu geführt, dass er jetzt den Ball abspielt, obwohl er alleine gehen müsste. So kann man auch ein Fußballspiel von außen beeinflussen", schimpfte der Weltmeister von 1974.

60-Meter-Solo und Siegtreffer in letzter Minute

Bei "Oranje" gab es dagegen keine Diskussionen um Robben, und prompt drehte der 28-Jährige bei seinem ersten Länderspiel seit Juni 2011 (0:0 in Brasilien) groß auf. Beim Führungstor legte Robben ein 60-Meter-Solo über den Platz hin und setzte den Ball unhaltbar für Joe Hart in die Maschen (58.).

Und als die Engländer gerade den 0:2-Rückstand aufgeholt hatten, war es wieder Robben, der den Ball in der letzten Minute in den oberen Torwinkel schlenzte.

Wembley sah einen wiedererstarkten Robben, wie ihn die Bayern auch gerne wieder hätten. Für Heynckes ist dies nur eine Frage der Zeit. "Er wird noch sehr wertvoll für uns werden. Er muss aber auch für die Mannschaft arbeiten und nicht nur spektakulär spielen", sagte der Bayern-Coach vor dem schweren Auswärtsspiel bei Bayer Leverkusen am Samstag (15.30 Uhr).

Leverkusen war für Robben am Mittwochabend aber noch ganz weit weg. Der Held des Abends war in Gedanken bereits bei der EM. "Es wird für uns eine schwere Gruppe, mit Deutschland, Portugal und Dänemark die härteste", sagte der 54-malige Nationalspieler und genoss die Londoner Nacht.

Am Donnerstag war für Robben aber schon wieder der Münchner Alltag angesagt. Nach seinem "Wohlfühlurlaub" bei der Elftal begab er sich auf direktem Weg nach Köln. Dort absolvieren die Münchner ein Kurztrainingslager vor dem Leverkusen-Spiel. Und da will Robben dort anknüpfen, wo er in Wembley aufgehört hatte. "Ich muss wieder mein Ding durchziehen."

Arjen Robben im Steckbrief

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