Rückrundenvorschau: Hertha BSC

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Von Jochen Tittmar
Sonntag, 15.01.2012 | 19:19 Uhr
Michael Skibbe (3.v.r.) während einer seiner ersten Einheit als Trainer von Hertha BSC
© Getty
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Die Bundesligisten bereiten sich auf die Rückrunde vor. In den Tagen vor dem Start in die zweite Saisonhälfte beleuchtet SPOX alle 18 Klubs. Dieses Mal: Hertha BSC.

So lief die Vorrunde

Würde man die Hinserie des Aufsteigers in einer Kurve beschreiben, würde diese eine leichte Abwärtsbewegung zeichnen. Hertha fand sich recht schnell in der Beletage zurecht, angesichts des bundesligaerprobten und eingespielten Kaders war dies jedoch auch keine allzu große Überraschung.

Positiv ist dennoch natürlich die Tatsache, dass man seit dem 4. Spieltag immer zwischen den Tabellenplätzen acht und zwölf pendelte, nie mehr als zwei Partien in Folge verlor und somit auf Kurs Klassenerhalt blieb.

Die angestrebte Vertragsverlängerung von Trainer Markus Babbel zog sich durch große Teile der Vorrunde und gipfelte in einem vermeidbaren und unsäglichen Streit, auf dessen Höhepunkt sich Babbel und Manager Michael Preetz öffentlich der Lüge bezichtigten. Babbel, der seinen Abschied zum Saisonende ankündigte, verlor diesen Zwist.

Auch sportlich machte sich dies bemerkbar: Hertha BSC gestaltete keines der letzten sechs Hinrundenspiele erfolgreich und hat auf den Relegationsplatz lediglich einen Vorsprung von vier Zählern.

Immerhin gelang ohne Babbel der Jahresabschluss. Erstmals seit fünf Jahren stehen die Berliner wieder unter den letzten Acht im DFB-Pokal.

Das war gut

Die nackten Zahlen zeigen, dass sich der Verein zügig in der neuen Umgebung akklimatisierte und vor allen Dingen das Zeug hat, das Saisonziel Klassenerhalt zu erreichen. Ungeachtet der mitunter engen Tabellenkonstellation in der Bundesliga sind 20 erzielte Punkte eine ordentliche Basis für die Rückserie. Insgesamt haben nur vier Teams weniger Niederlagen zu Buche stehen, zudem ist die Hertha mit über 50 Prozent gewonnenen Zweikämpfe das sechsbeste Team in dieser Kategorie.

Mit Siegen gegen Stuttgart und sowohl in Dortmund als auch in Wolfsburg bewies die Mannschaft, dass sie an guten Tagen auch personell besser besetzte Teams schlagen kann. Vor allem in Auswärtspartien, in denen man nicht selbst das Spiel machen musste, zeigte das Team, dass es in der Lage ist, ein defensivtaktisches Konzept stringent und mit der nötigen Kompaktheit umzusetzen. Zudem stimmen Kampfgeist und Moral innerhalb der Truppe, das zeigte nicht erst das mit zehn Mann erkämpfte 1:1 in Hoffenheim am 17. Spieltag inmitten der Hochphase des Babbel/Preetz-Clashs.

Das muss besser werden

Bei einem Tabellenelften lassen sich naturgemäß genügend Ansatzpunkte finden, an denen es zu feilen gilt. Der Mannschaft gingen vor allem in Heimspielen (nur neun Punkte aus acht Auftritten) mitunter die nötige Dominanz und Zielstrebigkeit im offensiven Kombinationsspiel ab.

Ihr fällt es zudem schwer, über 90 Minuten eine stabile Leistung ohne Schwankungen auf den Rasen zu bringen. So lässt sich bisweilen konstatieren, dass nicht immer alle Spieler das für die Bundesliga erforderliche Niveau erreichen - der Dreier beim BVB lieferte diesbezüglich immerhin eine beachtenswerte Ausnahme.

Außerhalb des Spielfelds hat sich der Klub durch den Streit mit seinem Ex-Trainer eine unnötige Baustelle geschaffen, die die Mannschaft in ihrer Leistung wenig überraschend beeinflusste. Mit Michael Skibbe stellte Preetz in seiner zweieinhalb Jahre währenden Amtszeit bereits den vierten Coach vor. Gepaart mit einer realistischen Zukunftsplanung muss in diesen Bereich unbedingt Ruhe und letztlich Kontinuität rein, um den Hauptstadtklub auf Dauer in der höchsten Spielklasse zu etablieren.

Spieler im Fokus

Was Verletzungen angeht, wurde Adrian Ramos seit Saisonstart nicht unbedingt vom Glück verfolgt. Ständige Wehwehchen ließen bislang nicht zu, dass der Kolumbianer in seiner zweiten Bundesligasaison die nötige Konstanz in seinen Leistungen erreichte. Da der bald 26-Jährige seine Klasse bereits unter Beweis gestellt hat, ist die Quote von vier Toren daran gemessen einfach zu mickrig. Sein "Problem": Während Pierre-Michel Lasogga als echter Strafraumstürmer durchgeht, wurde Ramos seine Flexibilität zum Verhängnis.

Neben der Position als einzige Spitze (sechs Mal) kam er bei seinen 13 Startelfeinsätzen insgesamt sieben Mal auf einer der Positionen in der offensiven Dreierreihe zum Einsatz. Dort mangelte es teilweise an der Bindung zu den Mitspielern, sein Zug zum Tor blieb aus. Als einer der Großverdiener und Leistungsträger im Team ist Ramos im neuen Jahr gefordert, seine Torgefährlichkeit schnellstmöglich wieder zu entdecken.

Prognose

Nachdem sich der neue Übungsleiter im Trainingslager im türkischen Belek einen intensiven Überblick über sein neues Team verschaffte, kündigte er an, wenig am bisher Bestehenden ändern zu wollen. "Wir bleiben bei drei offensiven Mittelfeld-Spielern und zwei defensiven", verriet Skibbe, dass sich sein taktisches Konzept nicht von dem von Vorgänger Babbel unterscheiden wird. Weitermachen lautet stattdessen das Motto, auch wenn Skibbe selbstverständlich Verbesserungsbedarf sieht. So lag der Schwerpunkt der Trainingsübungen zuletzt auf der Umschaltbewegung in beide Richtungen sowie auf "klugen Spielverlagerungen", um gerade im Olympiastadion das Heft des Handelns noch fester in der eigenen Hand zu halten.

Negativ könnte sich zum Auftakt das Fehlen des rotgesperrten Kreativspielers Raffael auswirken, der an elf von 24 Treffern direkt beteiligt war. Das ist Chance wie Risiko zugleich, da sich in der kurzen Zeit unter Skibbe zuletzt enttäuschende Akteure wie Ronny, Tunay Torun oder Änis Ben-Hatira hervorgetan haben. Gelingt es Skibbe mit seinem Kader, einen unerwarteten Katastrophenstart ins neue Jahr zu vermeiden und nebenbei an den erwähnten Stellschrauben erfolgreich zu arbeiten, wird die Hertha nichts mit den letzten drei Tabellenrängen zu tun haben. Vorsicht ist aber dennoch geboten.

Hertha BSC: Der Kader im Überblick

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