Samstag, 14.01.2012

Rückrundenvorschau: Hamburger SV

Hamburg: Suche Ideen, biete Stammplatz

Die Bundesligisten bereiten sich auf die Rückrunde vor. In den Tagen vor dem Start in die zweite Saisonhälfte beleuchtet SPOX alle 18 Klubs. Dieses Mal: der Hamburger SV

Spieler im Fokus: Ivo Ilicevic will in der Rückrunde mit dem Hamburger SV angreifen
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Spieler im Fokus: Ivo Ilicevic will in der Rückrunde mit dem Hamburger SV angreifen

So lief die Vorrunde

Begleitet von großen Hoffnungen nahm im Sommer mit Frank Arnesen endlich wieder ein Sportchef in Hamburg die Arbeit auf. Seine erste und wichtigste Aufgabe: Den Kader verjüngen und dabei viel Geld sparen. Mit Piotr Trochowski, Eljero Elia, Frank Rost, Ruud van Nistelrooy und Ze Roberto wurden umstrittene Leitwölfe und Symbolfiguren für das Scheitern der letzten Jahre abgegeben, dafür kamen unbelastete und hungrige Talente. Die meisten davon aus der Reserve des FC Chelsea, Arnesens letztem Arbeitgeber.

Mit dem Etikett "Umbruch" warben die Verantwortlichen für das Projekt und erbaten sich dafür Zeit und Geduld. Ihre eigene Geduld allerdings war bereits nach sechs Spieltagen aufgebraucht.

Mit nur einem Punkt und satten 17 Gegentoren war der HSV Tabellenletzter. Und vor allem: Es fehlte die Aussicht auf Besserung. Michael Oenning war es nicht gelungen, der Mannschaft eine spielerische Identität zu geben. Er orientierte sich stattdessen stark am Gegner und schraubte exzessiv an Personal und Taktik.

Auf atmosphärischer Ebene drohte der Umbruch zu scheitern, noch ehe er so richtig begonnen hatte; denn die neue Mannschaft offenbarte früh die alten Krankheiten: Unsicherheit, Verkrampfung, Lähmung. Also musste Oenning gehen.

Als Interimslösung übernahmen zunächst Rodolfo Cardoso und Frank Arnesen und holten in drei Spielen immerhin die ersten zwei Saisonsiege. Doch trotz der existenziell wichtigen Punkte geriet der Sportchef plötzlich selbst in die Schusslinie: Die Suche nach einem Nachfolger für Oenning ging einigen Kritikern nicht schnell und geradlinig genug.

Doch die verstummten am 10. Spieltag, als Thorsten Fink zum ersten Mal auf der Bank saß. Arnesen hatte ihn vom FC Basel losgeeist und damit offenbar ins Schwarze getroffen.

Zwar holte auch Fink in acht Spielen nur zwei Siege. Doch er verpasste der Mannschaft überraschend schnell eine Handschrift und damit eine sportliche Perspektive. Mit seiner starken Persönlichkeit gelang es ihm zudem, das Gesamtgefüge in der sportlichen Führung kompetent und glaubwürdig zu komplettieren. Im Duo mit Arnesen wirkt der Überbau des HSV nun plötzlich wieder stabil, geschlossen und leistungsfähig.

Das war gut

Unter Fink ist der HSV noch ungeschlagen, nach acht sieglosen Monaten platzte mit den Erfolgen gegen Hoffenheim und Nürnberg auch zuhause endlich der Knoten. Tatsächlich hat der neue Trainer in kurzer Zeit einen neuen Spirit und neues Selbstvertrauen entwickelt.

Die Mannschaft spielt leidenschaftlich und dennoch konzentriert und geschlossen. Trotz einer explizit offensiven und aktiven Ausrichtung hat der HSV seit dem 10. Spieltag nur noch sechs Gegentore kassiert - und kein einziges mehr nach einem Konter.

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Finks Klarheit und Konstanz in taktischen und personellen Fragen hat außerdem dazu geführt, dass sich einzelne Spieler stabilisiert haben. Nach schwachem Saisonstart ist Jaroslav Drobny ein echter Rückhalt geworden, Heiko Westermann und Jeffrey Bruma harmonieren immer besser im Abwehrzentrum.

Gökhan Töre hat sich mit Mut, Spielfreude und präzisen Standards zu einem der besten Vorbereiter der Liga entwickelt. Tomas Rincon hat seine Position gefunden und schließlich zahlt auch Paolo Guerrero das neue Vertrauen zurück.

Eine große Stärke des HSV war in der Hinrunde auch die gute Ausbeute nach eigenen Standards - das allerdings vor allem unter Oenning.

Das muss besser werden

Zweifellos hat Fink schon viel bewegt. Die nackten Zahlen aber könnten deutlich besser sein. Nüchtern betrachtet liegt Hamburg nach wie vor nur drei Punkte vor dem Relegationsplatz. Für die eigenen Ansprüche sind vor allem die drei Punkte aus den Heimspielen gegen Wolfsburg, Kaiserslautern und Augsburg zu wenig.

Die größten Probleme liegen dabei im Mittelfeld. Gegen den Ball spielt der HSV dort häufig noch zu passiv, gerade auf Außen hat der Gegner oft zu viel Zeit. Immer wieder entstehen so Gegentore nach Flanken oder Pässen in den Rücken der Abwehr. Auch noch in den Testspielen im Winter.

Nach vorne dagegen kommt noch zu wenig Input aus dem Zentrum, die Doppelsechs Rincon und Gojko Kacar kommt zusammen auf nur zwei Torbeteiligungen. Das Umschaltspiel gehört fast traditionell zu den größten Hamburger Schwächen, auch unter Fink hat sich daran wenig geändert.

Insgesamt wirkt die Offensive des HSV dadurch leicht eindimensional und berechenbar, fast alle Angriffe laufen über die Flügel - und enden allzu oft in unpräzisen Flanken. Kein anderes Team der Bundesliga erspielte sich in der Hinrunde weniger Großchancen als Hamburg.

Die vier Stürmer Mladen Petric, Guerrero, Marcus Berg und Heung-Min Son kommen zusammen auf nur neun Treffer aus dem Spiel heraus.

Spieler im Fokus

Gökhan Töre wird dem HSV bis Ende Februar verletzt fehlen. Bis dahin liegt die kreative Hauptlast im Mittelfeld auf Ivo Ilicevic. Dribbelstärke, Schnelligkeit, Übersicht und Torriecher bringt der 25-Jährige mit. Früher als erwartet muss er nun auch Verantwortung übernehmen. Im Trainingslager zeigte seine Formkurve jedenfalls nach oben.

Die zweite Schlüsselpersonalie ist der oft unterschätze Robert Tesche. Als offensiver Part der Doppelsechs überholte er in Marbella offenbar Gojko Kacar. Mit seinem Tempo, seiner Schusstechnik und seiner Kopfballstärke ist der 24-Jährige als Box-to-Box-Spieler eigentlich auch prädestiniert. Arbeiten muss er aber noch an seiner Präsenz und Handlungsschnelligkeit sowie an seiner Konstanz.

Prognose

Hamburg hat ein gewaltiges Auftaktprogramm. Die für die Stimmung wichtigen ersten Heimspiele gehen gegen Dortmund, Bayern und Bremen.

Dazwischen liegen komplizierte Auswärtsaufgaben in Berlin, Köln und Gladbach.

Sollte sich der HSV aus diesem Saisonstart Rückenwind und ein paar Punkte holen, ist zumindest der Angriff auf die Europa League ein realistisches Ziel. Das Mittelfeld der Liga ist extrem eng beisammen, auf Platz sieben fehlen nur vier Punkte.

Holt sich Hamburg, wie in der Hinrunde, aber gleich eine blutige Nase und punktet nicht zum Auftakt, wird das Thema Abstiegskampf lange erhalten bleiben.

Der HSV-Kader im Überblick

Alle HSV-Trainer seit dem Millenium
Frank Pagelsdorf war von 1997 bis 2001 Trainer in Hamburg. 51 Siege, 46 Remis und 45 Niederlagen standen in der Liga am Ende zu Buche
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Frank Pagelsdorf war von 1997 bis 2001 Trainer in Hamburg. 51 Siege, 46 Remis und 45 Niederlagen standen in der Liga am Ende zu Buche
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Sportdirektor Holger Hieronymus (r.) wurde als Interims-Trainer eingesetzt. Unter ihm gab es ein Remis und eine Niederlage - nach zwei Wochen kam dann der neue Trainer
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Sportdirektor Holger Hieronymus (r.) wurde als Interims-Trainer eingesetzt. Unter ihm gab es ein Remis und eine Niederlage - nach zwei Wochen kam dann der neue Trainer
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Kurt Jara übernahm das Ruder! Von 2001 bis 2003 leitete er die Geschicke des HSV. Und was waren das für dufte Frisuren damals
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Kurt Jara übernahm das Ruder! Von 2001 bis 2003 leitete er die Geschicke des HSV. Und was waren das für dufte Frisuren damals
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"Was für eine ..." tolle Zeit war das mit Klaus Toppmöller. 14 Siege, 5 Remis und 14 Niederlagen - und nach einem Jahr durfte er, auch dank Robert Hoyzer, wieder gehen
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"Was für eine ..." tolle Zeit war das mit Klaus Toppmöller. 14 Siege, 5 Remis und 14 Niederlagen - und nach einem Jahr durfte er, auch dank Robert Hoyzer, wieder gehen
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Amateur-Trainer Thomas Doll übernahm die Profis. In der Saison 2005/06 gewann er den UI-Cup und wurde Dritter in der Liga. Im Februar 2007 wurde er entlassen
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Amateur-Trainer Thomas Doll übernahm die Profis. In der Saison 2005/06 gewann er den UI-Cup und wurde Dritter in der Liga. Im Februar 2007 wurde er entlassen
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Huub Stevens führte den HSV in den UEFA-Pokal. Sein Vertrag lief bis zum Ende der Saison 2007/08, wo in seinem letzten Spiel der KSC mit 7:0 abgeschossen wurde
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Mit Martin Jol kam der nächste Niederländer. Obwohl sein Vertrag bis 2010 lief, verließ Jol den Verein bereits nach einem Jahr in Richtung Amsterdam. Die Suche ging wieder los
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Mit Martin Jol kam der nächste Niederländer. Obwohl sein Vertrag bis 2010 lief, verließ Jol den Verein bereits nach einem Jahr in Richtung Amsterdam. Die Suche ging wieder los
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Bruno Labbadia wurde gefunden. Er machte es wie zuvor in Leverkusen: Hinrunde top, Rückrunde flop. Drei Tage vor Ende der Saison wurde es dem HSV dann zu windig
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Man wurde kreativ beim HSV: Für Labbadia übernahm sein Techniktrainer interimsweise. Ricardo Moniz blieb mit einem Sieg und einem Unentschieden in der Liga ungeschlagen
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2010 übernahmen dann Armin Veh das Kommando. Nach einem Jahr voller Querelen und Chaos schmiss er jedoch selbst hin und machte von seiner Kündigungsoption gebrauch
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Co-Trainer Michael Oenning wurde zum Cheftrainer befördert. Ein Sieg, sechs Remis und sieben Niederlagen ergeben die schlechteste Trainerbilanz der Vereinsgeschichte
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Am 20. September 2011 übernahm Amateur-Coach Rodolfo Esteban Cardoso interimsweise die Zügel
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Am 20. September 2011 übernahm Amateur-Coach Rodolfo Esteban Cardoso interimsweise die Zügel
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17. Oktober 2011: Ex-Bayern Spieler Thorsten Fink übernimmt beim HSV. Knapp zwei Jahre später, am 17. September 2013 wird er entlassen
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Auf Fink folgte erneut Rodolfo Esteban Cardoso, der am 17. September 2013 zusammen mit Otto Addo interimsweise bis zum 24. September übernahm
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Auf Fink folgte erneut Rodolfo Esteban Cardoso, der am 17. September 2013 zusammen mit Otto Addo interimsweise bis zum 24. September übernahm
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Der Nächste, bitte! Bert van Marwijk durfte sich ab dem 25. September probieren. Lange hielt sich der Niederländer aber nicht. Am 15. Februar 2014 war schon wieder Schluss
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Mit Mirko Slomka, der am 17. Februar 2014 auf der HSV-Bank Platz nahm, sollte alles besser werden. Doch auch er hielt sich nur ein gutes halbes Jahr (15. September 2014)
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Und so gab's die Beförderung: Nach einem starken Saisonstart mit der U 23 überahm Joe Zinnbauer am 16. September den Posten von Slomka
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Überraschend kommt statt Thomas Tuchel Bruno Labbadia zurück zum HSV. Der 49-Jährige löst Interimstrainer Peter Knäbel ab. Sein Vertrag? Ligaunabhängig
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