Mittwoch, 15.09.2010

Begründeter Verdacht oder haltlose Anschuldigungen?

FC Bayern zeigt UEFA-Chefermittler Limacher an

Der FC Bayern München ist durch einen zwielichtigen Mitarbeiter der UEFA offenbar völlig zu unrecht in den Verdacht geraten, ein UEFA-Cup-Spiel verkauft zu haben. Die Münchner reagierten darauf mit zwei Strafanzeigen - und fordern ein Statement von UEFA-Präsident Michel Platini.

Der FC Bayern München stellt Strafanzeige gegen UEFA-Mitarbeiter Peter Limacher
© Getty
Der FC Bayern München stellt Strafanzeige gegen UEFA-Mitarbeiter Peter Limacher

Aufregung an der Säbener Straße vor dem Champions-League-Auftakt gegen den AS Rom (20.30 Uhr im LIVE-TICKER und auf Sat.1). Nach Recherchen des Magazins "Stern" ist der UEFA-Chefermittler Peter Limacher bei Untersuchungen bezüglich Spielmanipulationen offenbar einem Hochstapler aufgesessen.

Es geht vor allem um den Vorwurf, der FC Bayern habe im Mai 2008 das Halbfinal-Rückspiel im UEFA-Cup bei Zenit St. Petersburg (0:4) für einen Millionenbetrag verkauft.

Bei dem Hochstapler handelt es sich um einen Münchener Kroaten namens Robin Boksic. Er gehört zum Umfeld der Brüder Sapina, die in Deutschland bekannt wurden als Drahtzieher im Schiedsrichter-Skandal um Robert Hoyzer. Robin Boksic wird von Chefermittler Limacher als "UEFA-Investigator" beschäftigt. Er gibt sich darüber hinaus laut "Stern" als Agent des Bundesnachrichtendienstes (BND) aus.

Wie der "Stern" in seiner neuen, am Donnerstag erscheinenden Ausgabe berichtet, schickte Limacher seinen nach eigenen Aussagen "besten Mann" auch zur Fußball-WM nach Südafrika.

Hochstapler als WM-Gesandter

Dem Weltverband FIFA erzählte Boksic dort, mehrere Nationalteams seien bestochen. Belege lieferte er nicht, er verwickelte sich zudem in zahlreiche Widersprüche.

Die FIFA-Sicherheitsleute identifizierten Limachers Gesandten binnen weniger Tage als Hochstapler.

Anlass für Vorermittlungen im Fall des FC Bayern boten 2008 mehrere Zitate aus Abhörprotokollen der spanischen Justizbehörden von russischen Mafioso, die sich brüsteten, den Münchener Klub mit "50 Millionen" bestochen zu haben.

Die Sache verlief aus Mangel an Beweisen allerdings im Sande.

Beweise für Bayerns Käuflichkeit?

Gegenüber dem spanischen Staatsanwalt Jose Grinda und mehreren "Stern"-Journalisten behaupteten Limacher und Boksic aber weiterhin, es gebe gerichtsfeste Belege für die Käuflichkeit des FC Bayern. Sie gaben an, der UEFA lägen Kontoauszüge mit Summen in achtstelliger Höhe auf ein Konto des FC Bayern vor.

Es habe bereits Hausdurchsuchungen bei Präsident Uli Hoeneß, Finanzvorstand Karl Hopfner und bei einem Bayern-Spieler gegeben.

In der Wohnung des Spielers habe man neben einer Million US-Dollar auch Kokain gefunden. Gegenüber dem "Stern" wie auch der spanischen Staatsanwaltschaft blieb das Ermittler-Duo allerdings über Monate Belege schuldig.

Kleinkrimineller aus dem Wettmilieu

Nach Recherchen des Magazins ist Limachers einzige Quelle Robin Boksic - ein 32 Jahre alter Kleinkrimineller aus dem Wettmilieu, gegen den in Deutschland und Kroatien mehrere Anzeigen wegen Betrugs anhängig sind.

UEFA-Disziplinarchef Peter Limacher war es auch, der im Mai 2010 dafür sorgte, dass Franck Ribery wegen seiner Roten Karte das Champions-League-Finale verpasste. Der FC Bayern zeigte sich von den Anschuldigungen der UEFA erschüttert. Diese seien "völlig aus der Luft gegriffen".

Auf Basis der "Stern"-Veröffentlichung kündigte die Vereins-Führung an, gegen Limacher und Boksic juristisch vorzugehen.

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