Sami Hyypiä im Interview

Hyypiä: "Ballack ist noch nicht soweit"

Von Interview: Carsten Germann
Freitag, 10.09.2010 | 13:15 Uhr
Sami Hyypiä absolvierte über 300 Spiele für Liverpool und über 100 Länderspiele für Finnland
© Imago
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Alter Finne! Über den Spruch dieses Sommers von Lena Meyer-Landrut kann Sami Hyypiä nur schmunzeln. Der 37-Jährige erlebt in der Bundesliga bei Bayer Leverkusen gerade seinen sechsten Frühling. Im Interview spricht Hyypiä über seine Identifikation mit der Werkself, Medien-Theater um Michael Ballack und seine Jugendliebe FC Liverpool.

SPOX: Sami Hyypiä, was können wir von Bayer Leverkusen in dieser Saison erwarten - insbesondere in der Europa League?

Sami Hyypiä: Wir wollen natürlich so gut es geht abschneiden und in allen Wettbewerben eine gewichtige Rolle spielen. Natürlich auch in der Europa League. Mal sehen, was daraus wird. In der Bundesliga waren wir in der vergangenen Saison ja schon unter den ersten Vier. Klar, dass wir uns da nicht verschlechtern wollen.

SPOX: Mittlerweile besingen die Fans Sie und Ihr Spiel in einem eigenen Song. Eine besondere Ehre für Sie?

Hyypiä: Wenn die Fans dich mögen, dann ist das immer etwas Besonderes, eine tolle Sache. Ich habe diese Erfahrung ja auch in Liverpool gemacht. Ich fasse das als Anerkennung meiner Arbeit und meiner Identifikation mit dem Klub auf. Ich bin sehr gerne in Leverkusen. Das scheint bei den Fans auch so rüberzukommen.

SPOX: Wie wichtig ist die Rückkehr von Michael Ballack zu Bayer 04?

Hyypiä: Michael muss natürlich erst einmal richtig fit werden. Aber er setzt schon jetzt Akzente. Er ist ein sehr erfahrener Spieler, der stets auf Top-Niveau agiert hat. Davon profitiert eine so junge Mannschaft wie die unsrige, auch wenn er körperlich noch nicht ganz da ist, nicht ganz da sein kann. Wenn er erst seinen Verletzungsrückstand aufgeholt hat, wird jeder sehen, wie wichtig er für uns ist.

SPOX: Wie sehen Sie die massive Medienberichterstattung um Michael Ballack? Seit seiner Rückkehr gab es ja fast keinen Tag ohne eine Meldung über ihn. Wirkt sich das auf das Team aus?

Hyypiä: Dem Team macht das nichts aus, wir können das alles richtig einschätzen. Aber manchmal fragt man sich schon, was das alles soll. Eigentlich sind wir doch nur dazu da, um Fußball zu spielen.

SPOX: Wie würden Sie die momentane Situation bei Ihrem früheren Klub FC Liverpool beschreiben? Macht es Ihnen Angst, wenn beispielsweise Investoren aus China um die Reds buhlen?

Hyypiä: Liverpool ist, nachdem ich den Klub verlassen habe, sozusagen meine Privatangelegenheit. Dementsprechend gehe ich auch mit Fragen nach dem FC Liverpool um...

SPOX: ... also ist der Klub für Sie eine Herzensangelegenheit?

Hyypiä: Schon, weil ich seit meiner Kindheit ein großer Liverpool-Fan bin.

SPOX: Stehen Sie demnach noch in regelmäßigem Kontakt mit Ihren früheren Teamkollegen wie Jamie Carragher oder Steven Gerrard?

Hyypiä: Natürlich. Das ist doch klar, wenn man so lange Zeit miteinander verbracht hat.

SPOX: Wenn Sie einen Spieler des FC Liverpool nach Leverkusen holen könnten, wer könnte das sein?

Hyypiä: Wir haben selbst eine sehr gute Mannschaft, mit der wir auch ohne Spieler aus Liverpool viel erreichen können.

SPOX: Sie sind jetzt etwas mehr als ein Jahr in Deutschland. Wo sehen Sie die Unterschiede zwischen der Premier League und der Bundesliga?

Hyypiä: Die Bundesliga ist eine interessante Liga, weil sie viel ausgeglichener ist als die Premier League. Dort können nur vier, maximal fünf Mannschaften wirklich um den Titel mitspielen. In Deutschland sieht das anders aus, auch wenn Bayern München eigentlich immer der Top-Favorit ist. Besonders auffällig ist für mich aber, dass in Deutschland sehr viele junge, deutsche Spieler nicht nur zum Einsatz kommen, sondern auch feste Eckpfeiler ihrer Mannschaften sind. In der Premier League hat es der englische Nachwuchs schwerer.

SPOX: Sie, Michael Ballack, aber auch Ruud van Nistelrooy waren feste Größen in der englischen Premier League. Raul, ein Star aus der der spanischen Primera Division, kam nun ebenfalls nach Deutschland. Wird die Bundesliga "A country for old men", ein Zuhause für alternde Stars?

Hyypiä: Ich glaube nicht, dass das Alter eine Rolle spielt, sondern die Qualität. Wer ein gewisses Niveau nicht erreicht, wird auch nicht in der Bundesliga spielen können.

SPOX: Sie haben schon öfters betont, dass Sie sich in der Bundesliga sehr wohl fühlen. Aber wie gut ist eigentlich Ihr Deutsch?

Hyypiä: Mir geht es wirklich sehr gut hier. Ich verstehe sehr gut Deutsch - und am Sprechen arbeite ich.

Sami Hyppiä im Steckbrief

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