Mittwoch, 14.07.2010

30 Millionen für neue Spieler

Magath gewinnt Machtkampf auf Schalke

Bahn frei für Felix Magath: Der Schalke-Coach bekam nach einem Gespräch mit Aufsichtsratsboss Clemens Tönnies grünes Licht, den Kader für etwa 30 Millionen Euro zu verstärken.

Felix Magath (l.) ist seit Sommer 2009 auf Schalke verantwortlich
© Getty
Felix Magath (l.) ist seit Sommer 2009 auf Schalke verantwortlich

Bayern-Jagd statt Konsolidierung: Trainer Felix Magath kann bei Schalke 04 nun doch nach Herzenslust auf dem Transfermarkt zuschlagen.

"Das war ein sehr konstruktives Gespräch, in dem wir uns einvernehmlich darauf geeinigt haben, dass wir das eingenommene Geld aus der vergangenen Saison in die Mannschaft investieren", sagte der Aufsichtsratsvorsitzende Clemens Tönnies dem "RevierSport" nach einem Treffen mit Magath am Mittwoch.

Somit hat man sich für die riskantere Formel "Investieren und damit Konsolidieren" entschieden. Tönnies: "Damit ist eine Basis gelegt, um den sportlichen Erfolg des FC Schalke 04 aus dem Vorjahr als erneutes Ziel für die kommende Spielzeit formulieren zu können."

Alle Zusatzeinnahmen stehen für Investitionen zur Verfügung

Eine Kampfansage an Doublegewinner Bayern München, der die entscheidenden Spiele der vergangenen Saison um Meisterschaft (2:1) und DFB-Pokal (1:0 im Halbfinale) auf Schalke gewonnen hatte.

Magath hatte in den vergangenen Tagen auf den Verein Druck ausgeübt, man müsse investieren, wenn man im Kampf um die Fleischtöpfe mithalten wolle. Eine Summe wurde von Tönnies nicht genannt, doch Magath dürften aufgrund der vergangenen Saison, die man als Vizemeister abschloss und sich damit direkt für die Champions League qualifizierte, deutlich mehr als die zunächst von Tönnies avisierten 10 Millionen Euro zur Verfügung stehen.

"Wir haben uns darauf verständigt, dass Magath alle Zusatzeinahmen aus dem kommenden Jahr für Investitionen für Verstärkungen zur Verfügung stehen" so Tönnies. Die Einnahmen aus der Champions League dürften bei rund 20 Millionen Euro liegen.

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Mehr Neuzugänge sollen folgen

Jetzt könnte man die große Fußball-Welt nach Schalke holen. Gehandelt wird zum Beispiel der spanische Rekordtorschütze Raul von Real Madrid. Dazu sind der niederländische WM-Teilnehmer Ibrahim Afellay vom PSV Eindhoven und Zvjezdan Misimovic von VfL Wolfsburg im Gespräch. Sechs Neuzugänge hat man bereits, darunter Christoph Metzelder (Real Madrid) und Tim Hoogland (FSV Mainz 05).

"Hinter Bayern München ist in der Bundesliga nur noch ein Platz frei, der die Teilnahme an der Champions League garantiert. Um diesen Rang kämpfen sieben, acht Mannschaften, und wenn wir unser Team nicht weiter verstärken, dann sehe ich schwarz, dass wir wieder ganz vorne dabei sind", hatte Magath vor der Übereinkunft mit Tönnies argumentiert.

"Das Risiko, das eingenommene Geld sinnvoll anzulegen und dafür qualitativ sehr gutes Personal zu holen, ist aus meiner Sicht geringer, als wenn man nur mittelmäßige Spieler holt, weil man den Verein weiter entschulden will."

Mitglieder fielen Magath in den Rücken

Das sahen die Bosse ein. "Felix Magath und sein Team haben außergewöhnliche sportliche Erfolge erreicht, von denen wir vor einem Jahr noch nicht einmal zu träumen gewagt hätten", meinte Tönnies.

Doch der Spagat ist groß. Das Großunternehmen Schalke 04 mit seinen zahlreichen Tochtergesellschaften drückt 250 Millionen Euro Verbindlichkeiten, erst vor einem Jahr konnte ein drohender Liquiditätsengpass nur durch den Verkauf von Anteilen an der eigenen Arena an eine Stadttochter verhindert werden.

Auf der Jahreshauptversammlung des Traditionsvereins am 10. Mai hatten die Mitglieder den Antrag auf eine Satzungsänderung verweigert, die dem Manager im Rahmen eines vorher festgelegten Budgets bei Transfers weitestgehend freie Hand gelassen hätte.

Tönnies: "Unsere Schnitzel sind da unten"

Magath hatte auf dieses Misstrauensvotum äußerst verstimmt reagiert und Tönnies mit öffentlichen Forderungen sowie angeblichen Verhandlungen mit seinem früheren Klub Hamburger SV sowie dem aufstrebenden Regionalligisten Red Bull Leipzig unter Druck gesetzt.

"Felix Magath und ich sind völlig einer Meinung, dass wir schon allein wegen der größeren sportlichen Herausforderung durch die Champions League etwas für die Mannschaft tun müssen. Meine Aufgabe als Vorsitzender des Aufsichtsrats ist es aber auch, die Konsolidierung des FC Schalke weiter voran zu treiben. Dass dies am besten mit Erfolgen auf dem Rasen zu erreichen ist, habe selbst ich verstanden. Unsere Schnitzel sind da unten", sagte der Fleischspezialist.

Schalke: Warum Magath auf Heldt setzt


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