Donnerstag, 28.01.2010

SPOX-Kommentar-Panel

"Dann ist die Bundesliga der große Sieger"

In regelmäßigen Abständen diskutieren SPOX, Experten und Prominente das aktuelle Fußball-Geschehen. Nach dem Transfer-Coup Ruud van Nistelrooy zum Hamburger SV geht es diesmal um den (gewachsenen?) Stellenwert der Bundesliga im Ausland. Gastkommentatoren sind Patrick Barclay, Chief Football Kommentator von "The Times", Stefano Pasquino, Inter-Experte von "Tuttosport" und Ricardo Moar, Sportdirektor von Deportivo La Coruna.

Van Nistelrooy erzielte 95 Tore in 150 Ligaspielen für ManUnited und 46 in 68 Spielen für Real Madrid
© Getty
Van Nistelrooy erzielte 95 Tore in 150 Ligaspielen für ManUnited und 46 in 68 Spielen für Real Madrid

von Patrick Barclay (The Times)

Patrick Barclay
Patrick Barclay

Beim Stichwort Bundesliga denke ich sofort an das Stadion von Dortmund: dieser riesige Fußballpalast zeigt mir, dass in Deutschland Fußball ein Spiel der Massen geblieben ist. Es gibt Stehtribünen, Bier, die Eintrittspreise sind vernünftig. 20 Euro kostet das durchschnittliche Ticket in Deutschland, in der Premier League bekommt man dafür nicht mal ein Kind ins Stadion.

Deswegen haben wir im Schnitt 36.000 Zuschauer und die Bundesliga knapp 42.000. Auch die Tatsache, dass jedes Spiel der Nationalmannschaft im Free-TV zu sehen ist, beweist, dass die Prioritäten noch stimmen. Bei uns in England heißt es, das ist nicht mehr machbar.

Wegen den Vereinsstrukturen und Lizenzauflagen in Deutschland hatte man in den vergangenen Jahren gegenüber England und Spanien natürlich Nachteile. Wer sportliche Werte über den Kommerz stellt, hat es auf dem freien Markt schwer, das ist die Kehrseite der Medaille. Ich glaube aber, dass in Europa langsam ein Umdenken einsetzt. Falls die UEFA mit ihrer "financial fairplay"- Initiative ernst macht, wird die Bundesliga der große Sieger sein.

Dortmund wäre vor ein paar Jahren fast pleite gegangen, aber im Großen und Ganzen wird sauber gewirtschaftet. Gut, ohne das Geld von Investoren wird so schnell niemand den FC Bayern einholen können, aber ist das so schlimm? im Gegensatz zur Premier League können auch Außenseiter deutscher Meister werden.

Ich denke, der deutsche Vereinsfußball wird auf Grund seiner Nachhaltigkeit bald wieder eine größere Rolle spielen. Für mich ist das nur eine Frage der Zeit. Und ich persönlich würde mich über diese Entwicklung sehr freuen.

von Stefano Pasquino (Tuttosport)

Stefano Pasquino
Stefano Pasquino

Die Bundesliga zieht immer mehr Interesse auf sich. Nicht nur Ruud van Nistelrooy, auch Franck Ribery und Arjen Robben belegen das. Und Luca Toni ging ja direkt nach dem WM-Sieg zu den Bayern. Die Transfers von Top-Spielern aus Spanien und Italien sind ein Signal für die gestiegene Qualität der Bundesliga. Van Nistelrooy wird nicht der letzte große Transfer sein.

Auch in den italienischen Medien findet die Bundesliga immer größere Beachtung, Toni hat da eindeutig als Türöffner fungiert. Dazu kommt mit Ribery ein Spieler und Typ, der die Herzen der Fans höher schlagen lässt.

Sportlich ist die Serie A allerdings noch vorne. Es gibt einfach noch mehr hochqualitative Spieler und die Meisterschaft ist schwieriger. Beim nicht-sportlichen Teil hat die Bundesliga allerdings die Nase vorn. Wunderschöne Stadien, die so gut wie immer voll sind, bieten dem Produkt Bundesliga eine ideale Bühne. Viele Probleme, die es in Italien gibt, treten in Deutschland nicht auf.

In Italien ist der mediale Druck riesig, das macht die Arbeit von uns Journalisten nicht unbedingt leichter. Die Mannschaften sind sehr abgeschottet, es ist schwierig, an die Spieler heranzukommen.

Und was van Nistelrooys Potenzial betrifft: Wir haben hier in Mailand das Beispiel Filippo Inzaghi vor der Haustür. Nach dem Derby am Sonntag hat Jose Mourinho gesagt, er war sehr froh, dass Leonardo Inzaghi nicht eingewechselt hat. Es gibt Spieler, die kennen kein Alter - so wie Pippo und Ruud. Van Nistelrooy wird auch mit 50 Jahren noch seinen Torinstinkt haben. Im Strafraum wird er immer seine Tore machen, die Frage wird sein, wie es um seine Gesundheit bestellt ist. Wenn er fit ist, trifft er.

von Ricardo Moar (Sportdirektor Deportivo La Coruna)

Ricardo Moar
Ricardo Moar
© Getty

Die Bundesliga wird in Spanien immer gleich gesehen. Die Meinung der Spanier über den deutschen Fußball ist unabhängig von ausländischen Stars, weil der Charakter des deutschen Fußballs immer von deutschen Spielern geprägt wird. Ordnung und taktische Disziplin geht in der Bundesliga vor Spektakel. An dieser Sichtweise wird sich in Spanien nichts ändern.

Aber auch gerade deswegen spielt keine spanische Mannschaft gerne gegen deutsche Teams. Die Bundesliga hat seit jeher einen gewissen Wert und genießt Anerkennung. Der Respekt ist vorhanden, aber Bewunderung gibt es nicht.

Die Bundesliga hat keine Weltstars - mit Ausnahme von Ribery. Es wird auch in Zukunft vorkommen, dass Spieler wie van Nistelrooy in die Bundesliga wechseln. Robben und van Nistelrooy sind sehr gute Spieler, aber keine Weltstars. Die spielen woanders. Alleine der FC Barcelona hat sechs, sieben Weltstars, in Deutschland spielt nur einer. Hätte der FC Bayern zwei, drei Offensivspieler von Barcelona, könnten sie jedes Jahr die Champions League gewinnen.

Die Bayern sind auch die einzige Mannschaft, die in Spanien Schrecken verbreitet. Vor allem über Schweinsteiger wird viel gesprochen. Er gehört derzeit zu den besten defensiven Mittelfeldspielern der Welt.

Dass Leverkusen Tabellenführer der Bundesliga ist, interessiert hier nicht. Leverkusen ist ein viel zu kleiner Klub, der 1. FC Köln ist in Spanien bekannter.

von Florian Bogner (SPOX)

Florian Bogner
Florian Bogner

Ich falle gleich mal mit der Tür ins Haus: Ich glaube nicht, dass der Transfer von Ruud van Nistelrooy der Bundesliga im Ausland mehr Aufmerksamkeit bescheren wird. Dafür war der Holländer einfach viel zu lange von der Bildfläche verschwunden, dafür ist seine körperliche Verfassung mit zu vielen Fragezeichen versehen. Außerdem ist er schon 33 und geht deswegen für mich nicht mehr als Weltstar durch.

Mehr Respekt verdient man sich in Spanien, Italien und England immer noch über die direkten Duelle, sprich: In der Champions League und in der Europa League. Bayern hat mit seinem 4:1 in Turin aufhorchen lassen, das war eine echte Machtdemonstration.

Aber dass Bayern zu den Top Ten in Europa gehört und hin und wieder auch mal einen guten Tag erwischt, ist nicht neu. Um der Bundesliga international mehr Gewicht zu geben, müssen auch die anderen deutschen Vereine Ergebnisse liefern. Noch ist es ja drin, dass die Bundesliga die Serie A in der UEFA-Fünfjahreswertung überholt.

Im Februar spielt jetzt Wolfsburg gegen Villarreal, Stuttgart gegen Barcelona und Hamburg gegen Eindhoven. Dort verdient man sich Respekt. Und wenn van Nistelrooy am 12. Mai im Europa-League-Finale in Hamburg gegen den FC Liverpool das entscheidende Tor schießt, ändere ich meine Meinung gerne.


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