Sportpsychologin und Ex-Tennis-Star Eva Pfaff im Interview

"Schwächen sind nicht erwünscht"

Von Interview: Andreas Lehner
Donnerstag, 12.11.2009 | 10:19 Uhr
Alleine im Schatten. In Deutschland leidet jeder fünfte Mensch an Depressionen
© Getty
Advertisement
Boxen
So03:00
Mayweather vs. McGregor - AUF DAZN!
Premier League
So17:00
Kracher am Sonntag: Liverpool-Arsenal
UEFA Europa League
Fenerbahce -
Skopje
Primera División
Real Sociedad -
Villarreal
Ligue 1
PSG -
St. Etienne
Championship
Bristol City -
Aston Villa
Primera División
Real Betis -
Celta Vigo
J1 League
Iwata -
Kobe
J1 League
Cerezo Osaka -
Kashima
Premier League
Bournemouth -
Manchester City
Championship
Burton -
Sheffield Wednesday
Ligue 1
Nantes -
Lyon
Serie A
Benevento -
Bologna
Serie A
Genua -
Juventus
Primera División
Alaves -
Barcelona
Premier League
Manchester United -
Leicester
Championship
Nottingham -
Leeds
Ligue 1
Amiens -
Nizza
Ligue 1
Bordeaux -
Troyes
Ligue 1
Caen -
Metz
Ligue 1
Dijon -
Montpellier
Ligue 1
Toulouse -
Rennes
Primera División
Levante -
La Coruna
Primera División
Girona -
Malaga
Premier League
Huddersfield -
Southampton (Delayed)
Serie A
AS Rom -
Inter Mailand
Primeira Liga
Rio Ave -
Benfica
Premier League
Newcastle -
West Ham (DELAYED)
Premier League
Watford -
Brighton
Premier League
Crystal Palace -
Swansea (DELAYED)
Eredivisie
Feyenoord -
Willem II
Eredivisie
Venlo -
Ajax
Premier League
Chelsea -
Everton
Ligue 1
Guingamp -
Strasbourg
Premiership
Ross County -
Rangers
Ligue 1
Angers -
Lille
Premier League
Liverpool -
Arsenal
Allsvenskan
Malmö -
Göteborg
First Division A
Gent -
Anderlecht
Serie A
Turin -
Sassuolo
Superliga
Nordsjälland -
Kopenhagen
Primera División
Espanyol -
Leganes
Primera División
Eibar -
Bilbao
Premier League
Zenit -
Rostow
Super Liga
Roter Stern -
Partizan
Premier League
Tottenham -
Burnley
Primera División
Getafe -
Sevilla
Serie A
Chievo Verona -
Lazio
Serie A
Crotone -
Hellas Verona
Serie A
Florenz -
Genua
Serie A
AC Mailand- Cagliari
Serie A
Neapel -
Atalanta
Serie A
Spal -
Udinese
Serie A
Palmeiras -
Sao Paulo
Ligue 1
Monaco -
Marseille
Primeira Liga
Braga -
Porto
Primera División
Real Madrid -
Valencia
Premier League
West Brom -
Stoke (Delayed)
WC Qualification South America
Venezuela -
Kolumbien
WC Qualification South America
Chile -
Paraguay
WC Qualification South America
Uruguay -
Argentinien
WC Qualification South America
Brasilien -
Ecuador
WC Qualification South America
Peru -
Bolivien
WC Qualification Europe
Dänemark -
Polen
WC Qualification Europe
Slowakei -
Slowenien
WC Qualification Europe
Tschechien -
Deutschland
WC Qualification Europe
Georgien -
Irland
WC Qualification Europe
Serbien -
Moldawien
WC Qualification Europe
Isreal -
Mazedonien
WC Qualification Europe
Spanien -
Italien
Serie B
Empoli -
Bari
WC Qualification Europe
Färöer Inseln -
Andorra
WC Qualification Europe
Weißrussland -
Schweden
WC Qualification Europe
Estland -
Zypern
WC Qualification Europe
Lettland -
Schweiz
WC Qualification Europe
Griechenland -
Belgien
WC Qualification South America
Bolivien -
Chile
WC Qualification South America
Kolumbien -
Brasilien
WC Qualification South America
Ecuador -
Peru
WC Qualification South America
Paraguay -
Uruguay
WC Qualification South America
Argentina -
Venezuela

Deutschland steht nach dem Tod von Robert Enke noch immer unter Schock. Auf einer Pressekonferenz hatten Teresa Enke und der behandelnde Arzt Dr. Valentin Markser erklärt, dass der Torhüter unter Depressionen litt und dies der Grund für seinen Suizid war. SPOX sprach mit Eva Pfaff, Sportpsychologin und ehemalige Weltklasse-Tennisspielerin, über den Druck im Profi-Sport und das Tabu-Thema Depressionen.

SPOX: Frau Pfaff, das Wort Depression kennt jeder. Können Sie uns erklären, was genau dahintersteckt?

Eva Pfaff: Zuerst muss ich vorausschicken, dass ich keine Therapeutin bin, aber durch mein Psychologiestudium und sportpsychologische Betreuung weiß, was eine Depression ist und welche Ausprägungen es gibt. Eine Depression gehört in den Bereich der Affektiven Störungen. Das Wort Affekt sagt eigentlich schon alles: es geht um emotionale Verstimmungen.

SPOX: Und welche Ausprägungen gibt es?

Pfaff: Da ist einerseits die unipolare Störung. Die Person befindet sich in einer negativen, depressiven Stimmung, ist unter anderem antriebslos und verliert die Freude und das Interesse am Leben. Diese Stimmungslage verläuft in mehr oder weniger langen Phasen, die durch Probleme oder Krisen ausgelöst werden können. Auf der anderen Seite gibt es die bipolare Störung, das bedeutet manisch-depressiv. Die Leute schwanken zwischen himmelhoch jauchzend und zu Tode betrübt.

SPOX: Robert Enkes behandelnder Arzt sagte auf der Pressekonferenz, dass es keine typisch endogene Therapie war. Was heißt das?

Pfaff: Endogen heißt von innen heraus, also genetisch veranlagt. Exogen bedeutet von außen, ausgelöst von äußeren Faktoren. Robert Enke hat in seinem Leben immer wieder persönliche und sportliche Krisen überstehen müssen, die ihm scheinbar innerlich sehr zugesetzt haben.

SPOX: Wie schaut das aus, wenn ein depressiver Mensch die Tür hinter sich zu macht?

Pfaff: Eine Depression beeinflusst das ganze Leben eines Betroffenen. Das beginnt schon beim Aufstehen. Die Patienten kommen kaum aus dem Bett, sitzen in einer Ecke, sind antriebs- und lustlos und haben tiefe und dunkle Gedanken. Das Zusammenleben mit einem Menschen in einer depressiven Phase ist sehr schwierig. Sie lassen sich kaum zu Aktivitäten bewegen. Wenn er, wie im Fall Enke, vom Training zurückkommt, hat er vielleicht etwas Schwung bekommen. Aber dieser Elan verflüchtigt sich schnell und die Betroffenen sacken wieder in sich zusammen.

SPOX: Sein Umfeld bezeichnete ihn im Nachhinein als sensibel.

Pfaff: Aus den Berichten über Robert Enke kann man schließen, dass er sensibler, aber auch verwundbarer als andere Sportler und andere Menschen war. Dafür spricht auch, dass er sich wegen Versagensängsten in Behandlung begeben hat. Mit Hilfe einer Psychotherapie will der Patient persönliche Probleme bewältigen. Obwohl diese Behandlungen generell der Diskretion unterliegen, ist es meines Erachtens sinnvoll, das direkte Umfeld in die Problematik einzuweihen.

SPOX: Also hätte sich Robert Enke öffentlich zu seiner Krankheit bekennen sollen?

Pfaff: Diese Frage ist für mich als Außenstehende nur schwer zu beurteilen. Ein öffentliches Bekenntnis bedeutet ja auch, eine Schwäche einzugestehen. In unserer Leistungsgesellschaft geht es um Stärke und in seinem Fall um die Nummer eins in Deutschland. Da macht es sich nicht gut, Schwächen preiszugeben.

SPOX: Zumal er auch Angst hatte, seinen Sport und seine Adoptivtochter zu verlieren.

Pfaff: Genau.

SPOX: Hat der Profi-Fußball, in dem es extrem um die von Ihnen angesprochene Stärke geht, negativ auf Enke eingewirkt? Als ehemalige Profi-Sportlerin kennen Sie den Druck.

Pfaff: Wenn man in der Öffentlichkeit steht, muss man stark sein und Leistung bringen. Das wird einfach verlangt. Schwächen sind in unserer Leistungsgesellschaft eher nicht erwünscht. Als Profi-Sportler hat man Bedenken, dass Schwächen ausgenutzt werden könnten. Insofern zeigt man Stärke, oder stellt sich stark dar. Welcher Trainer will schon einen Spieler, der sagt, mir geht's so schlecht? Gerade in einem Mannschaftssport, wo man in ein Team eingebettet ist, muss man für die Mannschaft und sich selbst seinen Mann stehen. Deshalb ist es bei manchen Themen schwierig, dem Umfeld die ganze Wahrheit zu eröffnen.

SPOX: Auch weil Depressionen noch immer ein Tabuthema in der Gesellschaft sind. Obwohl einer Statistik nach jeder fünfte Deutsche einmal im Leben an Depressionen leidet.

Pfaff: In der Gesellschaft muss ein Umdenken stattfinden. Wenn sich jemand zu seiner Krankheit bekennt, darf ihm aus dieser Schwäche kein Strick gedreht werden. Es ist schön und gut, dass Leistung gefordert wird, aber die Gesellschaft muss öfter mitmenschliche Züge zeigen. Wir sind alle keine Maschinen. Trotz aller Leistungsfähigkeit sind wir manchmal auch zerbrechlich.

SPOX: Warum haben die Psychologen bei Hannover und beim DFB nichts von seiner Krankheit gemerkt?

Pfaff: Ich habe viele Interviews gemacht als Sportjournalistin und viele Gespräche als Psychologin geführt. Da hat mir noch nie jemand die ganze Katastrophe erzählt. Es gibt immer Hemmschwellen, selbst wenn es einem ganz schlecht geht. Es gibt so gewisse Sätze, bei denen wir Psychologen hellhörig werden. Aber man muss bedenken, dass die Psychologen, die bei den Mannschaften tätig sind, nicht unbedingt therapeutisch geschult sind.

SPOX: Sondern?

Pfaff: Sportpsychologen rekrutieren sich aus dem Bereich der Sportwissenschaft und der Psychologie. Ein Psychiater ist ein Arzt, der Medikamente verschreiben kann. Ein reiner Sportpsychologe ist nicht befugt, therapeutisch zu arbeiten. Patienten mit Depressionen werden mit Medikamenten und psychotherapeutisch behandelt, das ist die gängige Methode.

SPOX: Teresa Enke hat gesagt, der Fußball sei sein Lebenselixier gewesen. Ist es für einen Leistungssportler noch schwieriger, weil er das Ende seiner Karriere immer vor Augen hat?

Pfaff: So lange es sportlich läuft, geht es dem Leistungssportler normalerweise gut. Depressive Verstimmungen variieren in ihrer Stärke und Ausprägung. Wenn Sport wie in Enkes Fall das Lebenselixier ist, hat er sich auf dem Platz sicher wohlgefühlt und die depressiven Symptome hinter sich gelassen. Sport wirkt quasi als Antidepressivum, aber die negative Grundstimmung bleibt in den negativen Phasen leider erhalten. Bei Enke lief es - bis zu seiner Krankheit - sportlich gut. Er war Nationaltorwart und hatte die Aussicht auf die WM im nächsten Jahr. Aber Krisen und Probleme können bei vulnerablen Personen schnell Auslöser für depressive Phasen sein. Leider kommen in diesen Krisenzeiten auch suizidale Gedanken auf.

SPOX: Sind Selbstmordgedanken ein ständiger Begleiter?

Pfaff: Suizidalität ist eines der Symptome bei Depressionen und daher müssen Gedanken und Pläne eines Selbstmords absolut ernst genommen werden.

Live-Reaktionen aus dem Netz: Das schreiben die Twitter-User

Hannover nimmt Abschied von Robert Enke

Werbung
Werbung
Werbung
Werbung