Zum Trainingsauftakt: Viel Neues beim HSV

Der Klinsmann von Hamburg

Von Daniel Börlein
Montag, 07.07.2008 | 16:57 Uhr
© Getty
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München - Martin Jol hat wahrlich keinen Grund, sich zu beschweren.

Klar, mit dem, was der FC Bayern seinem neuen Trainer Jürgen Klinsmann dort in München zur Verfügung stellt, kann der HSV nicht ganz konkurrieren. Perfekte Bedingungen fand Jol zum Trainingsstart am Montag in Hamburg aber allemal vor.

Fleißig wurde bei den Norddeutschen in der Sommerpause daran gearbeitet, den Verein weiter zu professionalisieren. Der Kraftraum wurde von 130 auf 280 Quadratmeter erweitert, ein Analysezentrum, in dem sich Trainer und Spieler an Computerterminals über Laufleistung, Ballkontakte und Zweikampfwerte informieren können, eingerichtet.

Analysen in der Pause

Für die medizinische Abteilung wurden zusätzliche Behandlungsräume geschaffen, in der Umkleidekabine Beamer und Leinwand installiert. "Wenn der Trainer es wünscht, kann er den Jungs schon in der Pause bestimmte Szenen vorspielen", erklärt Sportdirektor Dietmar Beiersdorfer.

Jeder Stein wird umgedreht, überall noch etwas zu verbessern versucht. Genauso wie bei Klinsmann und den Bayern. Und wie beim Rekordmeister muss der neue Trainer nun auch in Hamburg den gestiegenen Erwartungen gerecht werden.

Sieben Personen im Trainerstab

Wie Jol das schaffen will? Genauso wie Klinsmann! Beispiele gefällig?

Insgesamt sieben Personen umfasst der Trainerstab des 52-Jährigen, darunter neben einem gewöhnlichen Co- und Torwarttrainer auch einen Athletiktrainer, einen Technik- und Individualtrainer, einen Konditionstrainer, einen Leistungsdiagnostiker und mit Jols Bruder Cornelius noch einen persönlichen Assistent für den neuen Coach.

"Auf dem Platz braucht man Spezialisten, um zu gewinnen. Das gilt auch für den Trainingsplatz", so Jol in der "Welt". Der Niederländer will nichts dem Zufall überlassen, schließlich "gilt es für uns, jeden Spieler zu verbessern." Genauso wie Klinsmann eben.

Training in Gruppen

Abseits des Platzes will Jol diese Verbesserungen erreichen, in dem er durch spezielle Maßnahmen Führungsstärke, Persönlichkeit und Selbstdisziplin seiner Spieler fördert.

Auf dem Platz legt Jol Wert darauf, "extrem viel mit Ball" zu arbeiten und lässt sein Team deshalb nach amerikanischem Vorbild in einzelnen Mannschaftsteilen arbeiten. Genauso wie Klinsmann eben. Das Ziel: Eine perfekte Ballbeherrschung und Passspiel in höchstem Tempo.

Starke EM-Auftritte

Jol ist also Hamburgs Klinsmann. Mit einem Unterschied allerdings, einem entscheidenden noch dazu. Denn während der Kollege in München seinen Kader schon beisammen hat, vielleicht sogar noch namhaft verstärken darf, weiß Jol längst nicht, wer ihm zum Saisonstart tatsächlich zur Verfügung steht. Der EM sei Dank.

Dort nämlich spielten sich etliche HSV-Profis ins Blickfeld internationaler Top-Klubs. Rafael van der Vaart, Joris Mathijsen und Nigel de Jong glänzten mit den Niederlanden, Ivica Olic mit Kroatien, David Jarolim überzeugte bei den Tschechen.

Ob aus diesem Quintett tatsächlich einer Hamburg verlässt, ist derzeit offen. Bislang äußerte lediglich van der Vaart Wechselabsichten. "Ich plane mit ihm", sagt Jol fast trotzig. Auch für seine anderen EM-Teilnehmer gilt das natürlich.

Mathijsen "würde wechseln"

Dennoch sollte der Niederländer auch einen Plan B parat haben, schließlich sind die Hamburger ein gebranntes Kind. Vor einem Jahr zog sich das Transfer-Hickhack um van der Vaart bis in die Saison hinein und nahm fast groteske Züge an, 2006 verließ Khalid Boulahrouz den HSV noch im August Richtung Chelsea.

Läuft's bei Mathijsen, Olic und Co. nun genauso? "Ivica hat einen Vertrag bis 2009", sagt Olic-Berater Gordon Stipic. "Den wird er eigentlich erfüllen."

Von der Insel sollen allerdings bereits Liverpool und Manchester City ihr Interesse bekundet haben. Olic selbst fühlt sich in Hamburg zwar wohl, sagt aber auch: "Bei einem großen Verein in England zu spielen, ist mein Traum."

Ähnlich hört sich das bei Mathijsen an: "Sollte ein absoluter Top-Klub kommen, würde ich wechseln." Und Jol hätte doch einen Grund, sich zu beschweren.

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