Klopp zum BVB - passt das?

Den FC Bayern im Hinterkopf

Von Haruka Gruber
Dienstag, 20.05.2008 | 08:14 Uhr
Doll, Klopp
© Imago
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München - In gebotener Eile das Wichtigste vorneweg. Thomas Doll ist als Trainer von Borussia Dortmund zurückgetreten. Die Überraschung hält sich in Grenzen. Als Abfindung erhält er 500.000 Euro.

Ebenfalls keine Breaking News mehr: Jürgen Klopp gilt gemeinhin als DER Topfavorit auf die Nachfolge. Mit Leo Beenhakker, Mirko Slomka, Ronald Koeman oder Jean Tigana gebe es zwar ausreichend viele Kandidaten, doch im Umfeld des BVB wird eben nur ein Name gehandelt: Jürgen Klopp.

Es passt ja auch zu gut: Hier der junge, ambitionierte, im Winter selbst von den Bayern umworbene Trainer, der nach dem verpassten Bundesliga-Aufstieg des FSV Mainz 05 seinen Weggang verkündet hat. Dort der BVB, der sportlich vor sich hin darbend, finanziell nichtsdestotrotz potente Traditionsverein.

Klopp zu Dortmund. Das passt. Zumindest auf dem ersten Blick.

Tut sich Klopp einen Gefallen?

Aber nach etwas Brainstorming poppen plötzlich Zweifel auf. Das Dortmund mit Klopp nicht viel falsch machen würde, erscheint nach dessen hervorragender Arbeit in Mainz offensichtlich. Aber würde sich umgekehrt Klopp einen Gefallen tun, nach Dortmund zu wechseln? Zu einem Verein, der in 17 Monaten drei Trainer verschliss?

Fünf Denkanstöße für Klopp, warum er sich das mit der Unterschrift beim BVB reiflich überlegen sollte.

1. Hort der Hysterie

Tja, die Sache mit dem Kleingedruckten. Dortmund wuchert mit einem tollen Stadion, einem vom Namen her gut bestückten Kader, einigen Millionen für Neuzugänge und der Teilnahme am UEFA-Cup. Doch Vorsicht: Wer als Trainer in Dortmund anheuert, muss sich gleichzeitig auch mit weitaus unerfreulicheren Rahmenbedingungen anfreunden.

Mit Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke etwa, der zwar ein guter Betriebswirt ist, sich aber häufig in sportliche Belange einmischt. Oder auch mit Michael Zorc, dem Sportdirektor mit dem wenig glücklichen Händchen bei Transfers. Ganz zu schweigen von der teils hysterischen, teils hypernervösen Grundstimmung in und um den Verein.

2. Ist der Ruf erst ruiniert...

Thomas Doll: Weichgespülter Dauerquassler ohne taktisches Konzept, dafür mit einer Vorliebe für sinnloses Dauerrotieren. Jürgen Röber: Überfordert, ohne psychologisches Know-how, von den Führungsspielern nicht akzeptiert.

Man kann getrost davon sprechen, dass der Ruf der beiden Ex-BVB-Trainer ruiniert ist, nachdem sie in Dortmund scheiterten. Röber sucht seitdem vergeblich nach einem Job, auch Doll wird nur schwer zu vermitteln sein. Frage an Jürgen Klopp: Ist es das Risiko wert?

3. Warum keine Kreativpause?

Er gestikuliert, er schreit, er zetert, er leidet: Klopps Coachingstil ist extrem aufreibend. Daher ein Vorschlag: Vielleicht mal ein Jahr aussetzen, den Akku aufladen, nach 18 Jahren in Mainz bei anderen Klubs hospitieren, neue Ideen sammeln.

Dass er den TV-Experten-Job nach der EM aufgibt, zeigt, dass er gewillt ist, etwas vom Gaspedal zu gehen. Zumal eine selbst gewählte Kreativpause seinem Marktwert mit Sicherheit nicht schaden wird. Wer sich rar macht, macht sich interessant. Nachzufragen bei Jürgen Klinsmann.

4. Prädestiniert für Leverkusen

Auch für den Fall, dass Klopp sich gegen eine Pause entscheidet, wird er sich wohl kaum Hals über Kopf in eine neue Aufgabe stürzen. Denn auch wenn er an der Seitenlinie mit seiner emotionalen Attitüde nicht den Anschein macht: Er agiert außerhalb des Platzes höchst rational. Interessenten wie Red Bull Salzburg gab und gibt es zuhauf, doch Klopp will einen Klub finden, der hundertprozentig zu ihm passt.

Warum sollte er sich demnach ausgerechnet für Dortmund entscheiden? Wenn Klopp etwas Geduld aufbringt, eröffnen sich womöglich sehr viel interessantere Möglichkeiten. Wie wär's mit Leverkusen, wo Michael Skibbe zur Disposition steht? Der Bayer-Kader wäre prädestiniert für Klopps Offensivfußball, zumal es in der Führungsetage deutlich ruhiger und professioneller zugeht als beim BVB.

5. Der FC Bayern lockt

Vom Interesse des FC Bayern an Klopp war schon die Rede gewesen. Wäre Klinsmann nicht zum FCB gegangen, "dann hätten wir sicher über Jürgen Klopp nachgedacht", so Manager Uli Hoeneß.

Aber was nicht ist, kann ja noch werden. Kaum einer erwartet, dass Klinsmann länger als zwei, drei Jahre in München bleiben wird, weil er den Trainerjob einfach wie ein kurz- bzw. mittelfristiges Projekt begreift. Motto: Die Bayern reformieren, in der europäischen Spitze etablieren, Mission accomplished, die nächste Aufgabe bitte.

Daher gilt es, sich bereits jetzt für die Post-Klinsmann-Ära in Position zu bringen. Klopp wäre mit Sicherheit einer der Anwärter auf die Nachfolge - vorausgesetzt, bis 2010, 2011 läuft seine Karriere weiter so erfolgreich wie bisher. Dafür unerlässlich: Ein Verein, in dem sich Klopp in Ruhe und ohne Störmanöver weiterentwickeln kann. Leverkusen würde die Prämissen erfüllen. Aber Dortmund?

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