Formel 1

Falsches Spiel mit Nico Rosberg

Von Alexander Mey
Nico Rosberg wehrt sich energisch gegen seinen vermeintlichen verbalen Fehltritt
© Getty

Der Europa-GP in Valencia war sportlich das bisher langweiligste Rennen der Saison. Da lohnt sich ein Blick neben die Rennstrecke auf allerhand kuriose Randgeschichten. Die Top 8 aus Valencia.

Platz 8: Der geheimnisvolle Herr Vettel

Sebastian Vettel hat gewonnen - mal wieder. Dass er der schnellste Mann im Feld ist, ist beim besten Willen kein Geheimnis mehr. Also hat sich der Weltmeister in Valencia andere Wege gesucht, um für ein wenig Spannung zu sorgen.

Zum ersten Mal nach dem Qualifying, als er sich weit über das Ferrari-Cockpit von Fernando Alonso beugte und lange hineinstarrte. Aber was wollte er dort? Seine Auflösung: "Ich wollte mir mal Fernandos Lenkrad angucken. Vielleicht hat er ja etwas Besonderes."

Ein zweites Mal sorgte er in der Pressekonferenz für Stirnrunzeln, als er beim obligatorischen Gruß in die Heimat sagte: "Da spielt die Zahl 5 eine ganz große Rolle." Was für eine 5? Die Auflösung folgte wenig später. Vettel feiert sein fünfjähriges Abi-Jubiläum. Glückwunsch!

Platz 7: Bye, bye Bernie!

Bernie Ecclestone fand den Europa-GP offensichtlich auch nicht fürchterlich spannend. Denn einige Journalisten haben ihn dabei erwischt, wie er 20 Runden vor Schluss die Strecke in seinem Privatwagen verlassen hat.

Vielleicht musste er ja nach Los Angeles und seiner Tochter Petra beim Umzug helfen. Schließlich hat die 22-Jährige laut "Bild" dort die Villa von Hollywood-Produzent Aaron Spelling gekauft. 5250 Quadratmeter, Hubschrauber-Landeplatz, Kino, Wasserfall - alles, was man als junges Mädchen eben so zum Spielen braucht. Preis: Angeblich 85 Millionen Dollar. Wenn da mal nicht der Papa ein paar Cent beigesteuert hat...

Platz 6: Alonso macht jetzt in Brillen

Wenigstens in einem Punkt hat Fernando Alonso Sebastian Vettel ausgestochen. Er macht nicht wie der Deutsche Werbung für Anti-Schuppen-Shampoo. Alonso hat sich entschlossen, für die Brillen-Trendmarke Oakley zu werben.

Seine Begründung: "Ich habe mich für Oakley entschieden, weil es sich dabei um eine seriöse Marke handelt, die seit vielen Jahren einen auserwählten Kreis von Spitzenathleten auf der ganzen Welt unterstützt." Da darf der Doppel-Weltmeister natürlich nicht fehlen.

Platz 5: Schumi vs. Irvine

Das waren noch Zeiten, als Michael Schumacher bei Ferrari mit Teamkollege Eddie Irvine den Fußboden aufgewischt hat. Rein sportlich, versteht sich. Irvines Stärken liegen eher im verbalen Bereich. Den letzten Beweis dafür lieferte er im Vorfeld des Europa-GP.

Gegenüber "Autosport" sagte er über Schumacher: "Der Junge hat einfach sein Talent verloren. Es ist lustig: Man sieht ihn auf der Strecke Sachen machen, die nicht besonders clever aussehen, weil er so langsam ist."

Schumis lässige Reaktion: "Wir kennen Eddie. Er ist immer gut für eine Schlagzeile. Das ist okay." Sprach es und freute sich innerlich sicher riesig darüber, dass Irvine 1999 im letzten Rennen nicht erster Ferrari-Champion seit 20 Jahren geworden ist.

Platz 4: Wasser für die Gridgirls

Heiß war es am Sonntag in Valencia. 30 Grad. Der Asphalt lag sogar bei knapp 50 Grad. Da kann man schon mal einen heißen Fuß kriegen. Besonders, wenn man von Beruf Gridgirl ist und sich in der Startaufstellung die Beine in den Bauch steht.

Aber für Abhilfe wurde gesorgt. Die Gridgirl-Betreuerin - so etwas gibt es wirklich - ging mit einer Sprühflasche durch die Staraufstellung und sprühte ihren Mädels Wasser auf die Füße. Eine reizende Geste.

Platz 3: Lauda goes Hollywood

Nicht Aaron Spelling, sondern ein Mann mit einem deutlich seriöseren Ruf in Hollywood als der "Beverly Hills 90210"-Erfinder, wird das Drehbuch für die Verfilmung des WM-Titelkampfs 1976 zwischen Niki Lauda und James Hunt schreiben. Peter Morgan, für "Die Queen" und "Frost/Nixon" für den Oscar nominiert, hat den Vertrag unterzeichnet.

Das bestätigte Lauda der "Kleinen Zeitung" und ließ es angesichts seines Feuerunfalls damals auf dem Nürburgring nicht an Selbstironie fehlen: "Jetzt fehlen nur noch ein Regisseur und ein junger Schauspieler, der mit zwei Ohren beginnt und mit einem aufhört."

Platz 2: Die Statistik des Jahres

Unser Nachbericht zu Sebastian Vettel quillt ja nun wirklich fast über vor Statistiken und Rekorden. Aber auf diese Zahl sind wir nicht gekommen: Vettel hat in dieser Saison 408 von 499 Rennrunden geführt. Das sind fast 82 Prozent.

Auf Platz zwei: das Safety Car! Das lag 40 Runden lang ganz vorne. Erst danach folgt Jenson Button mit 31 Runden. Deutsche Doppelführung also: Vettel vor Bernd Mayländer!

Platz 1: Falsches Spiel mit Nico Rosberg

War das ein Aufreger: Nico Rosberg vergleicht Frauen-Fußball mit Paralympics. Frauen-WM gucken sei ja so ähnlich wie Paralympics gucken, lief es sogar über die Nachrichtenagenturen.

Offenbar eine ganz miese Nummer eines Journalisten, die Rosberg nicht auf sich sitzen lässt. Da ihm augenscheinlich das Wort im Mund umgedreht wurde, postete Rosberg das komplette Transcript des Pressegesprächs auf seiner Homepage. Und dabei kommen die Journalisten extrem schlecht weg.

Auszüge gefällig? Bitte schön:

"Journalist A: Das ist ja die kritische Frage, was soll ich mit Frauen-Fußball anfangen? Oder was soll ich überhaupt mit Frauen-Sport anfangen?

Journalist C: Frauen überhaupt?

Journalist A: Nein, nein, nein. Aber verstehst du die Frage: Was hat Frauen-Sport überhaupt für eine Berechtigung?

Die Gruppe: Boah!!!

Journalist D: Jetzt outet sich hier aber jemand.

Journalist A: Ich will doch beim Sport die denkbar beste Leistung erleben. Wenn eine Frau von der Grund-Konstitution her weniger Leistung bringen kann, interessiert mich das schon nicht. Nicht weil sie eine Frau ist, sondern weil die Leistung nicht Spitze ist...

Journalist C: Hast du einmal Männer-Kunstschwimmen gesehen?

Journalist A: Das geht ja auch vize-versa.

Journalist im Hintergrund: Ich glaube, das haben einmal zwei Schwuchteln versucht...

Nico: Aber es gibt doch auch Paralympics, die man sich auch ansieht. Das ist doch so, dass dort ein Mensch nicht die ganz große Leistung bringen kann, aber unter sich sind sie alle ähnlich und deswegen ist es trotzdem spannend.

Journalist A: Sehr guter Einwand.

Journalist im Hintergrund: Frauen sind eigentlich grundsätzlich behindert.

Journalist A: Gute Einwände kommen nur, wenn Fragen pushy waren. Ja. Jetzt schreiben wir: Rosberg findet Frauen-Fußball wie Paralympics. (Allgemeines Gelächter)"

Stand in der Fahrer- und Konstrukteurs-WM

Werbung
Werbung
Werbung
Werbung