Freitag, 12.03.2010

McLaren nutzt Lücke im Reglement

So funktioniert McLarens Schnorchel-Trick

Es klingt ein bisschen nach James Bond, was Jenson Button und Lewis Hamilton da in ihren Boliden anstellen. Mit einer kleinen Fußbewegung können sie den McLaren auf der Geraden angeblich bis zu zehn Stundenkilometer schneller machen. Völlig legal - wie die FIA am Donnerstag entschied. SPOX erklärt, wie das System funktioniert und warum die anderen Teams jetzt ein Problem haben. Droht der Formel 1 der Brawn-Effekt?

Red-Bull-Pilot Sebastian Vettel schaut sich den Schnorchel am McLaren ganz genau an
© Getty
Red-Bull-Pilot Sebastian Vettel schaut sich den Schnorchel am McLaren ganz genau an

Die Saison hatte noch nicht einmal begonnen, da gab es bereits Aufregung um einen angeblich flexiblen Heckflügel am McLaren - und einen möglichen Zusammenhang mit dem "Schnorchel" getauften Lufteinlass an der Front. Ferrari und Red Bull hatten die FIA damit beauftragt, die Konstruktion auf einen möglichen Regelverstoß hin zu überprüfen.

Noch vor dem ersten Rennen ist die Entscheidung gefallen - der McLaren ist legal.

Red Bull will System kopieren

"Wir haben nichts anderes erwartet", so Teamchef Martin Whitmarsh gegenüber "Autosport". "Wir haben alle Teile unseres Systems offen mit der FIA diskutiert - und sie waren von Anfang an einverstanden." Auch Red Bull hat sich bereits mit der Entscheidung abgefunden: "Es ist unwahrscheinlich, dass wir dagegen Protest einlegen", so Red-Bull-Teamchef Christian Horner. "Wir entwickeln lieber unsere eigene Version."

Nur bei Renault reagiert man angefressen. Geschäftsführer Bob Bell bezeichnete das McLaren-System gegenüber der "BBC" als "absolut lächerlich" und "illegal".

Die besten Bilder vom Saisonauftakt in Bahrain
Michael Schumacher ist zurück - und schaut vor dem ersten Training gleich mal an er Ferrari-Box vorbei
© Getty
1/14
Michael Schumacher ist zurück - und schaut vor dem ersten Training gleich mal an er Ferrari-Box vorbei
/de/sport/diashows/1003/formel1/bahrain-gp/Training/bahrain-gp-freitag-training-michael-schumacher-comeback-fernando-alonso-ferrari.html
Kleiner Plausch unter Weltmeistern: Michael Schumacher (l.) trifft Fernando Alonso
© Getty
2/14
Kleiner Plausch unter Weltmeistern: Michael Schumacher (l.) trifft Fernando Alonso
/de/sport/diashows/1003/formel1/bahrain-gp/Training/bahrain-gp-freitag-training-michael-schumacher-comeback-fernando-alonso-ferrari,seite=2.html
Zwei weitere Weltmeister: Jenson Button (l.) und McLaren-Teamkollege Lewis Hamilton
© Getty
3/14
Zwei weitere Weltmeister: Jenson Button (l.) und McLaren-Teamkollege Lewis Hamilton
/de/sport/diashows/1003/formel1/bahrain-gp/Training/bahrain-gp-freitag-training-michael-schumacher-comeback-fernando-alonso-ferrari,seite=3.html
Und die Freundin eines Weltmeisters: Jessica Michibata, die Lebensgefährtin von Jenson Button
© Getty
4/14
Und die Freundin eines Weltmeisters: Jessica Michibata, die Lebensgefährtin von Jenson Button
/de/sport/diashows/1003/formel1/bahrain-gp/Training/bahrain-gp-freitag-training-michael-schumacher-comeback-fernando-alonso-ferrari,seite=4.html
Adrian Sutil (l.) will erst noch Weltmeister werden. Hier holt er sich Tipps von Kumpel Lewis Hamilton
© Getty
5/14
Adrian Sutil (l.) will erst noch Weltmeister werden. Hier holt er sich Tipps von Kumpel Lewis Hamilton
/de/sport/diashows/1003/formel1/bahrain-gp/Training/bahrain-gp-freitag-training-michael-schumacher-comeback-fernando-alonso-ferrari,seite=5.html
Sebastian Vettel im neuen Blockbuster: Liebling, wir haben das Red Bull geschrumpft
© Getty
6/14
Sebastian Vettel im neuen Blockbuster: Liebling, wir haben das Red Bull geschrumpft
/de/sport/diashows/1003/formel1/bahrain-gp/Training/bahrain-gp-freitag-training-michael-schumacher-comeback-fernando-alonso-ferrari,seite=6.html
Auf der Strecke hatte Vettel dann Probleme mit den Bremsen - sie mussten gewechselt werden
© Getty
7/14
Auf der Strecke hatte Vettel dann Probleme mit den Bremsen - sie mussten gewechselt werden
/de/sport/diashows/1003/formel1/bahrain-gp/Training/bahrain-gp-freitag-training-michael-schumacher-comeback-fernando-alonso-ferrari,seite=7.html
Schumi im Silberpfeil: Gleich wird er erstmals in dieser Saison auf die Strecke gehen
© Getty
8/14
Schumi im Silberpfeil: Gleich wird er erstmals in dieser Saison auf die Strecke gehen
/de/sport/diashows/1003/formel1/bahrain-gp/Training/bahrain-gp-freitag-training-michael-schumacher-comeback-fernando-alonso-ferrari,seite=8.html
Um 8.08 Uhr war es soweit: Das Comeback von Michael Schumacher war perfekt
© Getty
9/14
Um 8.08 Uhr war es soweit: Das Comeback von Michael Schumacher war perfekt
/de/sport/diashows/1003/formel1/bahrain-gp/Training/bahrain-gp-freitag-training-michael-schumacher-comeback-fernando-alonso-ferrari,seite=9.html
Am Ende fuhr der Rekordweltmeister die drittschnellste Zeit
© Getty
10/14
Am Ende fuhr der Rekordweltmeister die drittschnellste Zeit
/de/sport/diashows/1003/formel1/bahrain-gp/Training/bahrain-gp-freitag-training-michael-schumacher-comeback-fernando-alonso-ferrari,seite=10.html
Tagesschnellster wurde sein Teamkollege Nico Rosberg
© Getty
11/14
Tagesschnellster wurde sein Teamkollege Nico Rosberg
/de/sport/diashows/1003/formel1/bahrain-gp/Training/bahrain-gp-freitag-training-michael-schumacher-comeback-fernando-alonso-ferrari,seite=11.html
Lewis Hamilton belegte am Ende den zweiten Platz
© Getty
12/14
Lewis Hamilton belegte am Ende den zweiten Platz
/de/sport/diashows/1003/formel1/bahrain-gp/Training/bahrain-gp-freitag-training-michael-schumacher-comeback-fernando-alonso-ferrari,seite=12.html
Ups. Da wurde Bruno Senna etwas unorthodox von Kamui Kobayashi überholt
© Getty
13/14
Ups. Da wurde Bruno Senna etwas unorthodox von Kamui Kobayashi überholt
/de/sport/diashows/1003/formel1/bahrain-gp/Training/bahrain-gp-freitag-training-michael-schumacher-comeback-fernando-alonso-ferrari,seite=13.html
Da kann Fernando Alonso nur die Hände über dem Kopf zusammen schlagen...
© Getty
14/14
Da kann Fernando Alonso nur die Hände über dem Kopf zusammen schlagen...
/de/sport/diashows/1003/formel1/bahrain-gp/Training/bahrain-gp-freitag-training-michael-schumacher-comeback-fernando-alonso-ferrari,seite=14.html
 

Bis zu zehn Stundenkilometer schneller

Doch worum geht es bei dem Flügel-Streit überhaupt? Ganz einfach: um Topspeed. Bis zu zehn Stundenkilometer soll der MP4-25 auf der Geraden wegen des umstrittenen Systems schneller sein - und das, ohne dadurch in den Kurven an Grip zu verlieren.

Und so funktioniert's: Durch den Schnorchel an der Front wird der Fahrtwind in den Fußraum geleitet. Vermutlich auf Höhe der Pedale hat der Schacht dann eine Öffnung, durch die im Normalbetrieb die Luft ins Cockpit strömt, um den Fahrer zu kühlen. Doch auf der Geraden verschließen die Piloten mit ihrem Fuß die Lüftung - und leiten den Fahrtwind durch einen Schacht vorbei am Tank, hoch zur Airbox und durch die Haifischflosse Richtung Heckflügel.

Der umstrittene Schnorchel am McLaren
Der umstrittene Schnorchel am McLaren
© Getty

Das Ergebnis: Der Luftstrom auf den Flügel reißt ab, der Anpressdruck sinkt und das Auto wird auf der Geraden schneller. Um wie viel schneller genau - darüber gehen die Angaben auseinander. Während der britische Technik-Experte Craig Scarborough von drei bis vier Stundenkilometern ausgeht, sprechen andere Experten von bis zu zehn.

Wie eine Hand vor der Airbox

In jedem Fall ein enormer Vorteil. Denn in den langsamen Streckenabschnitten nehmen die Fahrer ihren Fuß wieder von der Öffnung und der Bolide hat wieder vollen Anpressdruck. So können Button und Hamilton mehr Flügel fahren und auf der Geraden dennoch mithalten.

Und: Es ist völlig legal. Wie Brawn im Vorjahr mit dem Doppel-Diffusor, hat McLaren jetzt nur eine Lücke im Reglement ausgenutzt. Laut FIA sind lediglich flexible Aerodynamik-Teile verboten - und McLarens Konstruktion ist statisch. Das einzige bewegliche Teil ist das Bein des Fahrers. "Und das ist so, als würde der Pilot auf der Geraden die Hand vor die Airbox halten", so SKY-Kommentator Jacques Schulz. Kurz: das kann man nicht verbieten.

"Deshalb werden sich die anderen Teams genau anschauen, was wir am Auto haben", glaubt Whitmarsh. "Ich glaube, dass sie sich überlegen, wie sie so ein System hinkriegen. Allerdings glaube ich nicht, dass unsere Lösung von allen verstanden wird."

McLaren so überlegen wie Brawn?

Und selbst wenn. Dann stehen die Teams vor einem weiteren Problem. Sie dürfen wegen der Sicherheitsauflagen der FIA nicht einfach nachträglich eine Öffnung ins Chassis schneiden. Ein derartig modifizierter Bolide muss von der FIA erneut abgenommen werden - inklusive Crashtest. Einige Experten vermuten sogar, dass dieser Prozess die komplette Saison dauern könnte. Viel zu lange für Red Bull und Co.

Das weiß auch Horner. "Wir müssen uns etwas anderes einfallen lassen", so der Red-Bull-Teamchef. "Aber Ingenieure sind kreative Menschen. Denen wird schon etwas einfallen."

Allerdings wird das noch einige Zeit in Anspruch nehmen. Zeit, in der McLaren eventuell wichtige WM-Punkte einfahren kann - so wie Brawn GP im Jahr zuvor.

Freies Training: Bestzeit für Mercedes - aber nicht für Schumi

Jan-Hendrik Böhmer

Diskutieren Drucken Startseite
Trend

Breitere Reifen, breitere Autos. Wir die Formel 1 durchs neue Reglement spannender?

Michael Schumacher wurde 1997 mit einem zwei Meter breiten Ferrari Weltmeister in der Formel 1
Ja
Nein
Interessiert mich nicht

www.performgroup.com

Copyright © 2016 SPOX. Alle Rechte vorbehalten.