Sonntag, 28.03.2010

Peter-John Lee im Interview

"Noch nie von Big Bang gehört"

Droht der DEL der Verlust der zwei Aushängeschilder? Wie die "Bild am Sonntag" berichtet, haben die Eisbären Berlin und Adler Mannheim den Ausstieg aus der DEL beschlossen, um sich einer neuen Europaliga mit 30 bis 35 der besten europäischen Eishockey-Klubs anzuschließen. Während Mannheim gesprächsbereit ist, schließt Eisbären-Geschäftsführer Peter-John Lee bei SPOX den "Sensationsplan" (BamS) aus.

Ex-NHL-Profi Peter-John Lee (450 Spiele) ist seit 2005 Geschäftsführer der Eisbären
© Imago
Ex-NHL-Profi Peter-John Lee (450 Spiele) ist seit 2005 Geschäftsführer der Eisbären

SPOX: Die "Bild am Sonntag" berichtet über einen möglichen Ausstieg von Adler Mannheim und Ihren Eisbären Berlin aus der DEL, um an einer neu zu gründenden internationalen Liga teilzunehmen. Stimmt das?

Peter-John Lee: Nein, ein Ausstieg kommt nicht in Frage. Wir sind sehr stolz darauf, in Deutschland zu spielen. Der DEL-Betrieb und der Wettkampf um die deutsche Meisterschaft sind die Basis und bleiben die klare Nummer eins für uns.

SPOX: Es heißt aber, dass die Eisbären und die Adler bereits eine Absichtserklärung unterzeichnet hätten, um an der neuen Liga teilzunehmen.

Lee: Das stimmt nicht, wir haben nichts unterschrieben.

SPOX: Angeblich hat die Liga aber bereits einen Projektnamen: "Big Bang".

Lee: Big Bang... davon habe ich noch nie etwas gehört.

SPOX: An dem Bericht ist demnach nichts dran?

Lee: Wir stehen in Gesprächen mit einigen europäischen Top-Klubs. Es geht in den Diskussionen aber darum, dass es schön wäre, in der Preseason ein hochkarätiges Turnier zu organisieren, um einerseits neue Einnahmequellen zu erschließen und andererseits den Spielern die bestmögliche Vorbereitung zu gewährleisten.

SPOX: Es geht also nicht um die Gründung einer neuen Liga?

Lee: Nein. Es geht explizit um ein Vorbereitungsturnier in den Wochen vor dem Saisonstart, das mit den besten Teams aus Deutschland, Schweden, Tschechien oder der Schweiz in einem K.o.-Format ausgetragen werden soll. Uns ist es wichtig, dass sich die Mannschaften international auf höchstem Niveau messen können, nachdem es der Weltverband IIHF zu unserem großen Bedauern nicht geschafft hat, eine funktionierende Champions League zu etablieren.

SPOX: Kennen Sie Hakan Loob?

Lee: Ja, warum?

SPOX: Weil der ehemalige NHL-Star als Drahtzieher bereits drei Millionen Euro in das Projekt "Big Bang" investiert hat, so die "BamS".

Lee: Ich kenne ihn gut. Er kam beispielsweise in Berlin vorbei, um sich unsere Halle anzusehen und über gemeinsame Visionen zu sprechen. Bei solchen Gesprächen geht es aber eher um allgemeine Dinge und nicht spezielle Projekte.

SPOX: Warum ist Loob so sehr daran interessiert, sich mit Teams wie den Eisbären zu unterhalten?

Lee: Man muss sich austauschen, um die verschiedenen Entwicklungen einschätzen zu können und um auf neue Ideen zu kommen.

SPOX: Geht das konkreter?

Lee: Loob ist General Manager vom schwedischen Spitzenklub Färjestads BK und sucht wie wir nach neuen Modellen, um unseren Sport zu finanzieren. Nur ein Beispiel: In der NHL stammen 40 Prozent der Spieler aus Europa. Färjestads alleine hat sechs Spieler an die NHL verloren - ohne einen Cent zu sehen, obwohl der Verein die komplette Ausbildung übernommen hat. Das ist ein Zustand, der nicht länger tragbar und vor allem finanzierbar ist. Ein Wettbewerbsnachteil, den wir durch das eingangs beschriebene Vorbereitungsturnier versuchen zu kompensieren.

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Interview: Haruka Gruber

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