Augsburg-Star Engelhardt im Interview

Kein Engel, ein Tier!

Von Interview: Florian Regelmann
Donnerstag, 05.03.2009 | 09:33 Uhr
Brett Engelhardt ist einer der Fan-Lieblinge in Augsburg - und auf dem Eis ein Tier
© Imago
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Exklusiv Die Augsburger Panther sind eine der großen Überraschungen der DEL-Saison. Bis zum letzten Spieltag war sogar ein Platz unter den Top 6 möglich, doch am Ende reichte es nur für Rang zehn. In den Pre-Playoffs (Best-of-five) trifft das Team von Coach Larry Mitchell auf die Grizzly Adams Wolfsburg. Vor dem ersten Spiel sprach SPOX mit Augsburgs Tough-Guy Brett Engelhardt über harte Hits, Brett Favre und eine Hochzeit auf Jamaika.

SPOX: Wissen Sie eigentlich, was der erste Teil Ihres Nachnamens bedeutet?

Brett Engelhardt: Nein, nicht wirklich.

SPOX: Engel ist das deutsche Wort für "angel". Wie kann ein Engel 114 Strafminuten haben?

Engelhardt (lacht): Ich bin kein Engel auf dem Eis. Ich muss hart spielen. Das ist die einzige Chance, die ich habe, um irgendwie einigermaßen gut zu sein. Wenn ich soft spielen würde, das ginge gar nicht. Wobei ich mal festhalten will, dass 50 Minuten aus zwei Hits resultierten. Wenn man die abzieht, bin ich gar nicht so ein böser Bube.

SPOX: Aber auf dem Eis sind Sie manchmal schon wild unterwegs.

Engelhardt: Ich bin ein bisschen ein Tier, das stimmt. Aber das deutsche Eishockey hat mich gezähmt und relaxed. Hier kannst du nicht so hart spielen wie bei uns zu Hause in Amerika. Wenn du das machst, sitzt du nur noch auf der Strafbank.

SPOX: Ihr Name klingt deutsch. Wir könnten Sie gut im Nationalteam gebrauchen...

Engelhardt: Ich habe deutsche Wurzeln, aber das liegt fünf Generationen zurück. Mit einem deutschen Pass wird das leider nichts.

SPOX: Wie ist es für einen US-Boy, in Augsburg zu spielen und zu leben?

Engelhardt: Augsburg ist toll. Es ist eine schöne Stadt mit sehr freundlichen Menschen. Unsere Fans sind einfach großartig. Ich habe die Chance gehabt, einige kennenzulernen und etwas mit Ihnen abzuhängen, das hat viel Spaß gemacht.

SPOX: Würden Sie nicht eine Metropole wie Hamburg, Köln oder Berlin vorziehen?

Engelhardt: Da mache ich eigentlich keinen Unterschied. Mir gefällt es, hier in einer kleineren Stadt zu leben. Aber ich mag auch die großen Citys. Im Sommer wohne ich ja in Toronto.

SPOX: Aber ursprünglich kommen Sie aus Wisconsin.

Engelhardt: Das ist richtig. In Wisconsin gibt es witzigerweise viele Deutsche. Das war schon immer so. Insofern war es für mich keine große Umstellung, als ich nach Deutschland gekommen bin.

SPOX: Sie haben für die Green Bay Gamblers gespielt. Wenn man an Green Bay denkt, denkt man sofort an die Packers.

Engelhardt: Ich bin ein riesengroßer Packers-Fan. Wenn man dort aufwächst, geht es gar nicht anders. Ich war früher häufig bei den Spielen und durfte mir sogar mal die Kabine anschauen. Und Brett Favres Platz habe ich gesehen. Das war cool.

SPOX: Stichwort Brett Favre. Wie war es, ihn im Jets-Trikot zu sehen in der letzten Saison?

Engelhardt: Das hat mir ja nicht so gut gefallen. Er gehört in ein Packers-Jersey. Das war schon ein seltsamer Anblick bei den Jets.

SPOX: Hört er jetzt wirklich auf oder kommt er ein weiteres Mal zurück?

Engelhardt: Oh, nein, bitte nicht! Wenn Schluss ist, ist Schluss. Ich hoffe sehr, dass er das jetzt kapiert hat.

SPOX: Gemeine Frage: Favre ist eine Legende, Sie haben es nie in die NHL geschafft. Warum nicht?

Engelhardt (lacht): Hey, ich habe immerhin zwei Preseason-Spiele für die Detroit Red Wings gemacht. Das ist doch nicht so schlecht.

SPOX: Stimmt. Und Sie waren immerhin Teil eines Lemieux-Trades...

Engelhardt: ...ja, nur leider wurde ich nicht für Mario, sondern für Francois Lemieux von Montreal nach Detroit getradet. Ich hatte leider bis jetzt nur einen NHL-Vertrag und habe nie wirklich eine Chance gehabt zu zeigen, was ich kann.

SPOX: Hoffen Sie noch, dass es klappen könnte?

Engelhardt: Ich weiß es ehrlich gesagt nicht. Klar wäre es schön, wenn ein Klub interessiert wäre und sich melden würde, aber dann müsste ich ja Augsburg verlassen.

SPOX: Zurück in die AHL wollen Sie aber nicht. Dann doch lieber die DEL als in Hamilton oder Grand Rapids zu spielen, oder?

Engelhardt: Ich muss sagen, dass es mir auch in der AHL viel Spaß gemacht hat. Die beiden Ligen sind total verschieden, das kann man nicht miteinander vergleichen. Am liebsten wäre mir, die DEL würde in den USA spielen. Das heißt nicht, dass es mir hier nicht gefällt, aber zu Hause ist eben zu Hause.

SPOX: Ihre Hochzeit haben Sie aber nicht daheim gefeiert.

Engelhardt: Nein, meine Frau Ronda und ich haben auf Jamaika geheiratet. Wir wollten eine Zeremonie im kleinen Kreis und dann haben wir uns für Jamaika entschieden. Und gleich im Anschluss dort die Flitterwochen verbracht. Das war eine wunderschöne Zeit.

SPOX: Ihre Frau war im College eine herausragende Eishockeyspielerin, wer ist denn besser?

Engelhardt (lacht): Sie bringen mich in Teufels Küche. Das ist eine schwierige Frage. Wahrscheinlich ist sie ein Stück besser. Wenn sie gegen Frauen spielt, ist sie besser, als wenn ich gegen Männer spiele. Sagen wir es so.

SPOX: Die Playoffs stehen vor der Tür. Was kann Augsburg erreichen?

Engelhardt: Wenn wir so spielen, wie wir es können, sind wir eine großartige Mannschaft. Wir müssen unser Potenzial in den Playoffs über 60 Minuten abrufen und jeden einzelnen Shift Gas geben. Dann haben wir gute Chancen, gegen Wolfsburg zu gewinnen. Wenn wir gut sein wollen, sind wir gut.

SPOX: Aber eine Meisterschaft mit Augsburg ist eher unrealistisch.

Engelhardt: Wer sagt das? Das sind die gleichen Experten, die gesagt haben, dass wir Letzter werden würden. Was haben die schon für eine Ahnung! Es ist alles möglich.

SPOX: Wenn Augsburg weit kommen will, muss Dennis Endras zweifelsfrei eine tragende Rolle spielen. Was halten Sie vom jungen Keeper?

Engelhardt: Über Dennis kann ich nur gute Dinge sagen. Er ist unglaublich reif für sein Alter und hat meiner Meinung nach eine große Karriere vor sich. Ich würde ihm auch irgendwann den Sprung in die NHL zutrauen.

Die Tabelle der DEL nach der Vorrunde

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