Zuschauerschwund in der DEL

Macht sich die NHL in Deutschland breit?

Von Alexander Klucke
Dienstag, 18.11.2008 | 13:17 Uhr
Zu selten sind die Stadien der DEL - wie hier die SAP-Arena in Mannheim - restlos ausverkauft.
© Getty
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Traditionell zu Saisonbeginn, explizit in den Monaten September und Oktober, beklagen die Verantwortlichen der DEL-Klubs geringes Zuschauerinteresse. So auch in diesem Jahr: Viele der bislang absolvierten Ligaspiele fanden vor halbleeren Rängen statt. Ist das die Chance für die NHL, eine European Division in Deutschland aufzubauen?
 

Der DEL gehen die Zuschauer aus. Als Grund für das Dilemma werden in erster Linie die für den Wintersport unfreundlichen Herbstmonate September und Oktober genannt.

Man könnte den Eindruck gewinnen, die Eishockeyfans schlendern in dieser Zeit lieber in kurzer Hose und T-Shirt durch sich langsam verfärbende Herbstwälder, als sich in eine Halle zu setzen und Sportlern auf gefrorenem Wasser zuzusehen.

Dieser Ansicht ist auch DEL-Pressesprecher Alexander Morel gegenüber SPOX: "Fakt ist, dass wir in den Monaten September und Oktober meistens schwächere Zahlen haben. Das war allerdings selten anders. Die Jahreszeit für Eishockey ist der Winter."

 

Eishockey könnte zur Randsportart werden

Allerdings mehren sich Stimmen, die das geringe Interesse der Zuschauer nicht nur auf die unpassende Jahreszeit beschränkt sehen, sondern strukturelle Probleme in der DEL ausgemacht haben, die die Fans abschrecken.

DEG Metro Stars-Geschäftsführer Elmar Schmellenkamp malt ein düsteres Bild: "Unter den jetzigen Bedingungen hat Eishockey in zehn Jahren keinen nennenswerten Stellenwert mehr", so Schmellenkamp in der Tageszeitung "Die Welt".

Diese Prognose fußt allgemein auf dem Modus und der zu großen Anzahl an Klubs in der DEL.

Ex-Fußballer Eichin will Abstieg zurück

Thomas Eichin, Geschäftsführer der Kölner Haie und Fußballinteressierten als torungefährlicher Abwehrspieler von Borussia Mönchengladbach ein Begriff, beziffert das Minus der Haie durch die fehlenden Zuschauereinnahmen gegenüber der "Rheinischen Post" auf "eine gute sechsstellige Summe".

Für Eichin liegt das Hauptproblem darin, dass die einzelnen Partien viel zu wenig Bedeutung haben. "Die Spieler und Trainer gehen läppisch mit dem Saisonbeginn um, weil sie denken, dass es erst im November, Dezember richtig losgeht", so der 42-Jährige.

Eine Lösung, die sowohl das Portemonnaie der Fans entlasten, als auch die Attraktivität der Spiele steigern könnte, wäre eine Reduzierung der DEL auf 12 Klubs und die Wiedereinführung der Auf- und Abstiegsregelung.

"Ich bin morgen bereit gegen den Abstieg zu spielen, auch wenn wir unten drin stehen", sagt Eichin und wähnt sich bei seiner Idee der Liga-Verkleinerung in prominenter Gesellschaft.

Reduzierung der Teams wird unterstützt

So sprechen sich auch Bundestrainer Uwe Krupp, DEB-Vizepräsident Erich Kühnhackl und Hannover Scorpions Coach Hans Zach für eine Änderung der DEL-Struktur aus.

Der Alpen-Vulkan wettert in der Online-Ausgabe der Zeitschrift "Sport-Bild" in gewohnter Manier: "In der Liga ist es inzwischen fünf nach zwölf. Ich rede mir doch seit Jahren den Mund fusselig und mahne an, wo es überall nicht passt. So wie die Liga jetzt aufgestellt ist, es ist doch nur blöd".

Der ehemalige DEB-Trainer hat die Patentlösung auch gleich schon parat: "Wir brauchen eine saubere Liga. Mit zwölf Mannschaften statt 16. Jeder spielt viermal gegen jeden. Der Letzte steigt ab. Fertig. Das wäre ideal", so der 59-jährige Zach.

DEL-Pressesprecher Morel widerspricht

Morel kann den von allen Seiten beobachteten Zuschauerschwund allerdings nicht ausmachen und sieht strukturelle Probleme nicht generell, sondern nur bei vereinzelten Klubs.

Welches Team hat einen Lauf in der DEL? Auch unterwegs top-informiert sein!

"Wir haben im Schnitt rund 5.500 Zuschauer pro Spiel, das sind sogar einige wenige Fans mehr als der Gesamtschnitt der Hauptrunde (rund 5.400) in der Vorsaison. Daher kann von rückläufigen Zahlen eigentlich nicht die Rede sein, das Gegenteil ist der Fall. Damit ist die Diskussion, dass wir ein strukturelles Problem haben, überflüssig. Die schwächeren Standorte haben in der Regel sportliche oder hausgemachte Gründe."

Große Unterschiede zwischen den Klubs

Vehement wehrt sich der DEL-Pressesprecher gegen das Einreden einer allgemeinen Krise in der Liga, die sich durch Strukturveränderungen beheben ließe.

"Bei strukturellen Problemen hätten sicher nicht fünf Klubs bessere und drei Klubs praktisch unveränderte Zahlen. Auch wäre der Gesamtschnitt nicht Ende Oktober schon besser als im gesamten Vorjahr", so Morel.

Zu Bedenken ist bei dem Gesamtschnitt der Liga allerdings, dass dieser durch die Eisbären Berlin nachhaltig positiv beeinflusst wird: Der Deutsche Meister spielt seit dieser Saison in der neu erbauten Multifunktionsarena O2-World und hatte in den bisherigen fünf Heimspielen einen um fast 10.000 Zuschauer höheren Zuspruch als in der vergangenen Spielzeit.

Eisbären beschönigen Statistik

Rechnet man zu Vergleichszwecken mit den Zahlen für die Eisbären aus der Vorsaison, so zeigt sich, dass der Schnitt ligaweit um etwa 500 Zuschauer zurückgegangen ist.

Die Statistik auf der DEL-Website weist - inklusive der Eisbären Berlin - derzeit fünf Teams mit besseren, vier Teams mit nahezu unveränderten und sieben Teams mit zum Teil deutlich schlechteren Zahlen aus.

Objektiv betrachtet fällt es angesichts dieser Daten schwer, nicht von einem gewissen Zuschauerschwund zu sprechen, auch wenn er im Vergleich zur Handball-Bundesliga noch moderat ausfällt. 

NHL hat ein Auge auf Deutschland geworfen

Inzwischen wurde auch die NHL auf den rückläufigen Publikumszuspruch in der DEL aufmerksam. Expansions-Befürworter sehen darin die Chance, eine NHL European Division ins Leben zu rufen.

Nach einem Bericht der "New York Times" wäre Deutschland aufgrund seiner Infrastruktur, den großen Hallen (fünf Eishockeyspielstätten fassen mehr als 12.000 Zuschauer), sowie der allgemeinen Akzeptanz in der Bundesrepublik für nordamerikanische Sportarten der einzige "brauchbare Kandidat" in Europa.

Ob neu aus dem Boden gestampfte europäische NHL-Teams allerdings für volle Hallen sorgen würden, bleibt doch äußerst fraglich.

Entwicklung muss abgewartet werden

Sicherlich wäre der Reiz des Neuen vorhanden und dieser könnte, wie auch bei der O2-World in Berlin sichtbar, kurzfristig für hohen Zuspruch durch erlebnisorientierte Zuschauer sorgen.

Doch eines dürfte dann auch klar sein: Zusätzliche Eishockeyspiele in Deutschland würden dem Fanaufkommen in der DEL, Strukturreform hin oder her, bestimmt nicht zuträglich sein.

Ob die DEL tatsächlich unter einem Zuschauerproblem leidet, lässt sich gegenwärtig ligaübergreifend nicht definitiv belegen. Hierzu muss abgewartet werden, wie sich die Zahlen im weiteren Verlauf der Hauptrunde entwickeln.

Sollte sich der Trend aus den Herbstmonaten jedoch fortsetzen, sollte über die angestrebten Reformen von Zach und Co. auch von Seiten der DEL zumindest einmal nachgedacht werden.

DEL: Daten und Fakten

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