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Taktikecke


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31.05.2011 um 18:11 Uhr
Geschrieben von possessionplay
Interessante Teams 2010/11 [1]
Mit dem Champions-League-Finale ist die Saison 2010/2011 auf Vereinsebene nun größtenteils vorüber. Anlass genug, einmal aus taktischer Sicht einen Blick auf die Teams zu lenken, die zwar nicht so im Rampenlicht stehen wie Real Madrid, Manchester United oder das alles überstrahlende FC Barcelona, dafür allerdings sehr interessant, erfolgreich und/oder innovativ gespielt haben. In diesem Doppel-Blog wird nun jeweils ein Team aus Deutschland, England, Spanien, Italien, Frankreich, Portugal und den Niederlanden vorgestellt.

1. FC Nürnberg
Zugegeben – es war eine verdrehte Saison in der Bundesliga, aber es konnte ja nicht von ungefähr kommen, dass Teams wie Hannover, Mainz und eben Nürnberg die internationalen Plätze besetzt hielten. Mainz schaffte es mit jungen Talenten und ihrer taktischen Wandlungsfähigkeit in die Europa League, während Hannover dies mit Kontern nach Ballgewinnen im Mittelfeld gelang.

Doch Nürnberg blieb nicht so in Erinnerung und wurde lange Zeit gar nicht wahrgenommen. Ausschlaggebend für ihren Erfolg waren vor allem ihr abgestimmtes Mannschaftskonstrukt, die vielen gut aufspielenden Jungspieler sowie die Anpassungsgabe von Trainer Dieter Hecking.

Vor allem in den Spielen gegen stärkere Gegner überraschte Hecking mit interessanten Hybrid-Systemen und geschickten Verteidigungsstrategien. Gegen Schalke lenkte man die Königsblauen geschickt auf außen und nutzte bei Ballgewinnen das unorthodoxe System aus, während man es gegen Bayern schaffte, das Zentrum dicht zu bekommen und auf den Außenbahnen mitzuhalten.

Zudem trug auch der recht konstante Saisonverlauf dazu bei, dass Nürnberg nicht so wahrgenommen wurde wie Mainz und Freiburg, die bestimmte starke Phasen hatten, oder Kaiserslautern, die Aufsteiger waren. Vielleicht ist dies aber auch gut so – denn daher sind die Erwartungen nach den Abgängen von absoluten Schlüsselspielern wie Ekici, Schieber und Gündogan nicht so hoch (auch wenn Hecking immer wieder solche Talente, von denen man erneut bereits einige verpflichten konnte, fördern konnte).

FC Blackpool
Es mag verwundern, dass es sogar ein nach dem Aufstieg direkt wieder abgestiegener Verein in die Auswahl geschafft – bis man hört, dass die Philosophie von Trainer Ian Holloway sich an der von Barca orientierte. In der Hinrunde funktionierte dieser Stil auch wunderbar. In einem 4-2-1-3 mit sehr offensiv eingestellten Außenverteidigern, einem durchaus aggressivem Pressing und Ballbesitzfußball überraschte der krasse Außenseiter die Premier League und befand sich bis zur Winterpause im gesicherten Mittelfeld.

Das 4-4-2, welches in England immer noch das Standard-System ist, hatte große Probleme mit den Tangerines. Diese hatten nicht nur eine nominelle Überzahl in der Spielfeldmitte, sondern in diesem Bereich mit dem defensiv wachsamen David Vaughan, Elliot Grandin, der von der Zehner-Position nach außen driftete und Räume schuf, und Charlie Adam, der diese nutzen und mit Kreativität füllen konnte sowie mit seinen Verlagerungen und wunderbaren Diagonalpässen den Spielaufbau extrem bereicherte, gutes Personal.

Doch in der Rückserie brach Blackpool ein. Zum einen verloren Schlüsselspieler wie Adam ihre Form oder verletzten sich und zum anderen stellten sich die Gegner nun immer besser auf Blackpool ein. Sie störten den Spielaufbau früher, machten die Räume zwischen den Linien für Adam enger oder spiegelten die Mittelfeldanordnung und nutzten Schwächen wie auf der RV-Position oder bei langen Bällen hinter die Abwehr gezielt aus. Hinzu kam, dass Blackpool die eigenen Stärken wie das Passspiel oder die Bewegungen der Sturmreihe nicht mehr so umsetzen konnte.

Auch wenn Holloway zum Ende hin noch einige neue und alternative taktische Möglichkeiten ausprobierte und man in den letzen Spielen auch noch einmal stärker wurde, gelang der Klassenerhalt aber nicht. Dennoch wird man Blackpool in guter Erinnerung behalten, Fans und Mannschaft sind auf das Geleistete durchaus stolz.



FC Villarreal
Die Mannschaft, die nicht mit einem, sondern mit zwei „r" geschrieben wird, hat sich in den letzten Jahren national unter den absoluten Top-Teams festgesetzt und international sein Ansehen immer weiter verbessert. Die Sympathien, die man gesammelt hat, beruhen zwar auch auf den Erfolgen des gelben U-Boots – dieses Jahr gelang in der Liga souverän Platz 4 und in der Europa League scheiterte man nach tollen Leistungen erst an Porto – aber vor allem auf dem Stil, mit dem die Erfolge zustande kommen.

Trainer Juan Garrido hat eine sehr flexible Mannschaft aufgeboten, die sowohl das Spiel gestalten, als auch kontern konnte, aber meistens – gerne auch durch Pressing – den Weg nach vorne suchte. Dies geschah in einem 4-2-2-2-System – einer Mischung aus der uns bekannten europäischen und der mit 2 DM und 2 OM gespielten südamerikanischen Variante.

Die beiden defensiven Mittelfeldspieler bauten zwar das Spiel von hinten auf, waren aber hauptsächlich auf Absicherung bedacht und blieben deshalb recht tief, um mit den IV einen starken Abwehrblock zu schaffen. Dies war nötig, weil sowohl die beiden Außenverteidiger viel für die Offensive taten als auch aufgrund der Aufgaben für die äußeren Mittelfeldspieler.

Diese Mittelfeldspieler – meistens waren es Santi plus Cani oder Valero – zogen gerne von der Außenposition nach innen, um dort eine Spielmacherposition einzunehmen, während einer oder beide Stürmer sich auf die Außen bewegte. Dies brachte dem Gegner Zuordnungsprobleme und Fluss in das eigene Spiel, zudem viel Kreativität in der Mitte und Anspielstation auf außen.

Kein Wunder also, dass Villarreal sehr unterhaltsame Spiele mit vielen Toren bot, aber auch den großen Teams Probleme bereitete. Real Madrid stand am Rande einer Heimniederlage und das Spiel im Camp Nou bezeichnete Zonalmarking als das unterhaltsamste und beste Spiel des zweiten Halbjahres 2010.

Doch die Defensivstärke litt bisweilen etwas – und so passte Garrido vor allem in der Rückserie häufiger an, indem er das Nach-Innen-Ziehen nicht mehr ganz so extrem gestalten ließ und mehr auf die Schnelligkeit und Beweglichkeit seiner Top-Stürmer Nilmar und vor allem Rossi vertraute. Spiele von Villarreal zu schauen, hat in den meisten Fällen viel Spaß gemacht.



Teil 2
Aufrufe: 9967 | Kommentare: 1 | Bewertungen: 6 | Erstellt:31.05.2011
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possessionplay
31.05.2011 | 18:39 Uhr
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31.05.2011 | 18:39 Uhr
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