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WWE @ Spox


Gründer: Biedel | Mitglieder: 355 | Beiträge: 118
Von: AbraKagawa
12.10.2020 | 210 Aufrufe | 1 Kommentare | 0 Bewertungen Ø 0.0
Collision in Korea
Das größte Wrestling-Event
Wie Nordkorea das größte Wrestling-Event aller Zeiten abhielt:

Herzlich Willkommen zur zweiten WrestleFiles (@WrestleFiles auf Twitter) Themenwoche! Dieses Mal präsentiert von mir allein und dieses Mal geht es um World Championship Wrestling. Ruhe in Frieden. Zur Eröffnung unserer Themenwoche schauen wir zurück auf das größte Wrestling-Event in der langen Historie von WCW. Aber nicht nur das, es ist das größte Wrestling-Event, das jemals stattfand! Und es fand ausgerechnet in Nordkorea statt. Wie es dazu kam und warum das kaum jemand weiß? Lest es hier nach:

Ausgangssituation

Wir schreiben das Jahr 1994 und ein gewisser japanischer Politiker steckte in einer großen Krise, denn ihm wurden Verbindungen zur Yakuza nachgewiesen. Dieser gewisse japanische Politiker war niemand geringeres als Antonio Inoki trainiert vom Gründervater des japanischen Wrestlings überhaupt, dem legendären Rikidozan und selbst Gründer von einer eigenen Wrestling-Liga namens New Japan Pro Wrestling. Nach der Gründung im Jahr 1972 gelang es Inoki einen nach dem anderen Topstar aus den Staaten nach Japan zu holen wie z.B. Hulk Hogan, Karl Gotch, Stan Hansen oder Vader. Nach und nach etablierte sich NJPW als die Nummer 1 Liga in Japan und Inoki entwickelte eine Faszination für das aufstrebende Mixed Martial Arts. Nach und nach holte Inoki viele MMA-Stars in die Liga und es entstand ein ganz neuer Wrestling-Stil, von dem der ein oder andere schonmal gehört haben könnte: Strong Style! 1989 gründete Inoki zudem seine eigene Partei, die Sport- und Friedenspartei und wurde anschließend auch ins Japanische Oberhaus (vergleichbar mit dem US-Senat oder unserem Bundestag) gewählt. Und nun war diese Politikkarriere eben in großer Gefahr.

Doch nicht nur diesem Politiker ging es nicht gut. Nein, einem Politiker in Nordkorea erging es noch viel schlechter. Das Ende der Sowjetunion hatte das Land in eine tiefe Krise geschickt und unzählige Leute hungerten und wurden obdachlos. Zudem hatte dieser Politiker, der große Führer Kim Il-Sung, massive gesundheitliche Probleme. Am 8. Juli 1994 erlitt der gefeierte und geliebte Führer einen Herzinfarkt und konnte auch von den besten Ärzten des Landes nicht mehr gerettet werden und verstarb. Von ihm übernahm sein Sohn Kim Jong-Il und er fand sich in einer brisanten Situation wieder. Das Land lag am Boden und im Gegensatz zu seinem Vater genießte er noch nicht das große Ansehen wie sein Vorgänger und hatte eine Machtdemonstration dringend nötig.

Kommen wir zum dritten Mann im Bunde: Eric Bischoff der Boss von World Championship Wrestling, der die Liga stabilisiert hat und im kommenden Jahr erstmals schwarze Zahlen mit der Liga schreiben sollte. Nach der Verpflichtung von Hulk Hogan im selben Jahr wollte Bischoff nun mehr und das waren die Einschaltquoten, die die große Konkurrenz aus Stamford einfuhr und dazu waren Easy E alle Mittel recht. Daher zögerte dieser auch nicht lange als ihn Antonio Inoki von seinem großen Plan erzählte: dem größten Wrestling-Event aller Zeiten. In Nordkorea! Bischoff konnte zwar nicht seinen Topstar für die Reise gewinnen, aber andere namhafte Stars und gar Boxlegende Mohammed Ali und so konnte Inoki dem nordkoreanischen Staatsoberhaupt schon bald seinen Plan vorlegen und dieser willigte ein. Damit war der Grundstein für das internationale Sport- und Kultur-Festival für den Frieden gelegt. Ja, das war wirklich der Name.

Das Event

Also kündigte man schon bald für den 28. & 29. April 1995 das obenstehende Event an und dazu die Stars von WCW und NJPW. Doch als diese in den hochwahrscheinlich verwanzten Flugzeugen im Land ankamen bot sich ihnen schon bald eine bizarre Kulisse. Doch wer waren eigentlich die Stars, die im April 1995 nach Nordkorea reisten? Hier die Matchcards der beiden Abende:

28.04.1995 Tag 1:

  • Yuji Nagata besiegte Tokimitsu Ishizawa (4:28 Minuten)
  • Bull Nakano und Akira Hokuto besiegten Manami Toyota und Mariko Yoshida (8:34 Minuten)
  • Hiroshi Hase besiegte Chris Benoit (10:10 Minuten)
  • Masahiro Chono und Hiro Saito besiegten El Samurai und Tadao Yasuda (8:06 Minuten)
  • Too Cold Scorpio besiegte Shinjiro Otani (2:37 Minuten)
  • Kensuke Sasaki besiegte Masa Saito (8:34 Minuten)
  • IWGP Heavyweight Title Match: Scott Norton vs. Shin'ya Hashimoto (c) endete ohne Sieger via Time Limit Draw (20 Minuten)

29.04.1995 Tag 2:

  • Hiro Saito besiegte Yuji Nagata (5:29 Minuten)
  • Akira Hokuto besiegte Bull Nakano (8:04 Minuten)
  • Black Cat besiegte El Samurai (4:58 Minuten)
  • Chris Benoit besiegte Too Cold Scorpio (6:02 Minuten)
  • Masahiro Chono und Scott Norton besiegten Takayuki Iizuka und Akira Nogami (8:40 Minuten)
  • Road Warrior Hawk besiegte Tadao Yasuda (2:21 Minuten)
  • Steiner Brothers (Rick Steiner und Scott Steiner) besiegten Hiroshi Hase und Kensuke Sasaki (11:51 Minuten)
  • Antonio Inoki besiegte Ric Flair (14:54 Minuten)

Die Matchdaten stammen von den wunderbar genauen Kollegen von genickbruch.com. Vorbeischauen lohnt sich!

Nun da wir wissen, wer sich zu dieser Zeit in Nordkorea befand, können wir ja fortfahren und ihr seht, es waren durchaus namhafte Wrestler, allem voran natürlich der vielleicht Größte aller Zeiten: Ric Flair. Jenem Nature Boy und seinen Mitreisenden wurden im Vorfeld des Events also Kulissen als Alltag verkauft, Nordkorea als Gewinner des zweiten Weltkriegs präsentiert und die Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki als glatte Lüge untergejubelt. Widerworte waren nicht erwünscht und wären sehr sicher bestraft worden.

Ein ganz besonderes Lied von den speziellen Maßnahmen in Nordkorea konnte Scott Norton singen. Dieser telefonierte eines Abends mit seiner Frau und diese warf ihm vor, in Asien auf einem Party-Trip zu sein und dauernd betrunken zu sein und wahrscheinlich fremdzugehen (man kennt es ja liebe Herren der Schöpfung). Dieser hatte genug von den Anschuldigungen und schrie ins Telefon: You dont understand what kind of sh*thole were in! Daraufhin war das Telefon tot und Norton fand sich in einem Verhörungszimmer wieder und war wahrscheinlich selbst ziemlich überrascht, dass er mit einer Verwarnung davonkam und sein Match am nächsten Tag bestreiten konnte und lebendig in die vereinigten Staaten zurückkam.

Und damit kommen wir auch endlich zum Event. Die Eröffnung war bombastisch und schon am ersten Tag fanden sich gut 150.000 Zuschauer im Stadion 1. Mai wieder. Diese präsentierten eine im wahrsten Sinne des Wortes bombastische Chroreographie von zwei Raketen, die in Nordkorea starteten und auf Japan und den USA landeten. Und spätestens jetzt wird wahrscheinlich auch euch das Problem mit diesem Event klar: hier sitzt eine riesige Menschenansammlung, die von klein auf darauf konditioniert wurde, Japan und die USA zu hassen und wahrscheinlich noch nie ein Pro-Wrestling Match in ihrem Leben gesehen hatte und diese Menschenansammlung schaut Japanern und Amerikanern beim Pro-Wrestling zu. Es wurde still. Mucksmäuschenstill. Am ersten Tag und auch am zweiten Tag als nochmal mindestens 20.000 Zuschauer mehr im Stadion waren. Doch Antonio Inoki hatte einen Masterplan:

Es gibt einen Grund, warum ich erwähnt habe, dass Antonio Inoki von Rikidozan trainiert wurde. Denn Rikidozan mag der Gründervater vom japanischen Wrestling sein. Doch Rikidozan ist gebürtiger Nordkoreaner und kümmerte sich auch nach seinem großen Erfolg in Japan rührend um die Menschen in seinem Heimatland, auch wenn er das dortige Regime verachtete. Nach Rikidozans Tod im Dezember 1993 nutzte das Regime seine Beliebtheit und instruierte ihn als nordkoreanischen Held, der im Ringkampf einen nach dem anderen Japaner und Amerikaner abschlachtete. Nun kommt also sein Schützling zum Ring, der in seinem Namen gegen den bösen, arroganten Amerikaner Ric Flair antritt. Inoki wurde frenetisch bejubelt und Ric Flair war einfach Ric Flair. Ein Mann der schon mehrmals knapp dem Tod entkam und der waschechte Aufstände in der Karibik verursachte, einfach weil er der beste Heel auf dem Planeten ist. Nachzulesen hier bei den Kollegen von Genickbruch: Klick!

Die Auswirkungen

Auf nationaler Ebene wurde das Event ein großer Erfolg. Antonio Inoki bezwang im Namen des großen Rikidozan den bösen Amerikaner und Kim Sung-Il gelang seine erste große Machtdemonstration auf dem Weg dahin das Land zumindest aus dieser existentiellen Krise zu holen. Außerhalb der Grenzen Nordkoreas musste man sagen, dass es eine große Enttäuschung war. Weder die amerikanischen noch die japanischen Medien hatten Interesse an einem Event in Nordkorea und so fand das Event fast schon unbemerkt statt. WCW strahlte einen Teil der Matches am 4. August desselben Jahres, also erst drei Monate später (!) auf PPV aus und erreichte eine unterdurchschnittliche Buyrate. Die positive Publicity für Antonio Inoki blieb ebenso aus und er wurde als Abgeordneter nicht wiedergewählt. Doch wenigstens die Konkurrenz von der WWE hat aus diesem Fehler gelernt und sieht gut 23 Jahre später von Reisen in Ländern mit fragwürdigen Regierungen ab. Haha, viel Spaß beim nächsten Crown Jewel!

Und das war der erste Teil der WCW Themenwoche. Am kommenden Mittwoch widmen wir uns dem größten PPV, der niemals war: WCW Big Bang. Bis dahin passt auf euch auf und happy Miro Day!

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KOMMENTARE
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DerLutz
12.10.2020 | 16:40 Uhr
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DerLutz : 
12.10.2020 | 16:40 Uhr
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DerLutz : 
Man merkt dass es damals noch nicht die sozialen Medien von heute gab, sonst hätte man beide Ligen direkt zu machen können. Der Unterschied zu den Saudi Events der WWE ist, dass die Saudis die Waffen der Amis (und teilweise von uns) kaufen und gleichzeitig ihr Öl verkaufen. Somit sind sie ja gar nicht so böse :D

Was sich somit nicht geändert hat, ist die Geldgeilheit der Menschen. Mehr ist immer besser und egal wessen Blut daran hängt.

Auch wenn es damit nichts zu tun hat, fühlt sich der Untergang der WCW damit besser an
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