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Taktikecke


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27.12.2012 um 16:10 Uhr
Geschrieben von vanGaalsNase
Taktik-Jahresrückblick 2012 I
Bereits zum 3. Mal in Folge wird auf spox ein Jahresrückblick über die taktischen Eigenheiten & Entwicklungen gegeben. Während der Rückblick von 2010 vorwie-gend von der veränderten Wahrnehmung der Fußballtaktik in der Öffentlichkeit handelte, wurde 2011 ein Ranking der zehn wichtigsten Trends erstellt. In 2012 sollen die drei wichtigsten Entwicklungen ohne Rangfolge erläutert & logisch nach-vollzogen werden. Dabei werden sich notwendige Verknüpfungen untereinander & mit weiteren Trends (z.B. falsche Neun, abkippender Sechser, Abkehr vom 4-2-3-1 hin zur Doppelspitze) zeigen & es wird deutlich, dass sich viele davon bereits im letzten Jahr herauskristallisierten. Gemein ist allen Strömungen, dass sie keine Neuigkeiten im Fußball darstellen, sondern alte Ideen in neuem Gewand.

1. Dreierkette
Schon im vergangenen Jahr gab es vermehrt Mannschaften, die anstelle der Vierer- eine Dreierkette praktizierten. Insbesondere der SSC Neapel sorgte damit in der Serie A für einiges Aufsehen. Als schließlich auch der FC Barcelona regelmäßig auf eine Dreierkette umstellte, wurde aus diesem taktischen Mittel ein Trend, der auch bei der EM erfolgreich von der italienischen Nationalmannschaft aufgegriffen wurde.

a) offensiv
Mit der Dreierkette reagierten die Teams u.a. auf die seit 2011 fortschreitende Abkehr vom 4-2-3-1, wobei nur ein Stürmer die beiden Innenverteidiger einer Viererkette beim Spielaufbau unter Druck setzt. Stattdessen agieren viele Mann-schaften wieder häufiger mit zwei Stürmern (rotes Team), die bei gegnerischem Ballbesitz beide IV am ruhigen Spielaufbau hindern & so früh für viel Gefahr sorgen.
Mittels einer diagonal versetzten Doppelspitze kann der Gegner im Spielaufbau in eine bestimmte Richtung gedrängt werden (hier nach rechts), was es dem Defensivverbund ermöglicht, den Ball in einen derart engen Raum zu leiten, dass der Gegner ihn nicht mehr sichern kann.

Stehen aber drei Spieler anstelle von zweien auf der hintersten Linie (ausgehend vom 3-4-3 des FC Barcelona), während sie das Spiel nach vorne einleiten, sind sie von gegnerischen Angreifern nur schwer unter Druck zu setzen; insbesondere, wenn sich ein zentraler Mittelfeldspieler vor dem mittigen Verteidiger postiert & sich die beiden vorderen Mittelfeldspieler auf den Halbpositionen diagonal nach hinten fallen lassen, sodass eine 3-3-Stellung entsteht:

Um eine solche Dreierkette auch situativ entstehen zu lassen, lässt sich der Sechser zwischen die Innenverteidiger der Viererkette fallen.
Gerade der FC Barcelona nutzt dieses Mittel des abkippenden Sechsers immer wieder, um den eigenen Spielaufbau gegen hoch verteidigende Gegner (mit Doppelspitze) zu vereinfachen. Auch die übrigen Spieler müssen sich umordnen. So bewegen sich die beiden IV weiter Richtung Seitenaus, die AV schieben sich nach vorn, die Spitze lässt sich fallen & die Flügelspieler bewegen sich ins vordere Zentrum.

b) defensiv
Bei gegnerischem Ballbesitz müssen sich ein oder gar beide Flügelspieler nach hinten begeben, um dort eine Vierer- oder Fünferkette zu bilden. Damit ist die Dreierkette bei gegnerischem Ballbesitz in den taktischen Grundlagen kaum von der Viererkette zu unterschieden. Allerdings müssen die Außenbahnspieler entsprech-end mehr laufen, was negative Auswirkungen auf die Kondition haben kann.

Ein weiterer Grund für das Einsetzen von Dreierketten kann das Verteidigen gegen die sogenannte falsche Neun sein. Diese lässt sich regelmäßig Richtung Ball fallen, um für Kurzpässe anspielbar zu sein und eine Überzahl im Zentrum zu erzeugen. Dadurch verlässt sie vorne den Raum, sodass die gegnerischen Innenverteidiger der Viererkette beschäftigungslos bleiben, sich aber wieder großen Druck gegenüber-sehen, wenn nachrückende Angreifer den Raum neu besetzen, welchen die falsche Neun zuvor verlassen hat.

Agiert die defensive Mannschaft gegen eine falsche Neun mit einer Dreierkette (hier im 3-5-2 der Squadra Azzurra), ist die Mitte wegen den nur einfach besetzten Außenbahnen stark verengt. Auf diese Weise kann dort eine Überzahl des Gegners mithilfe der falschen Neun kaum entstehen. Ferner ist es möglich, die sich fallen lassende Neun durch einen Verteidiger der Dreierkette verfolgen zu lassen
Die falsche Neun bewegt sich zum Ball (blaue Pfeile) und wird vom zentralen Verteidiger in Manndeckung verfolgt. Den dadurch freiwerdenden Raum besetzt der ballfernere der beiden übrigen Verteidiger, während sich der ballferne Außenspieler nach hinten begibt, um wieder eine Dreierkette zu erzeugen (rote Pfeile).

c) Zusammenfassung
Die jetzige Dreierkette unterscheidet sich deutlich von derjenigen, die vor dem Siegeszug der Viererkette Mitte der 2000er Jahre praktiziert worden ist, weshalb sie keinen Rückschritt zu einem konservativen Verteidigungssystem darstellt, sondern eine Alternative, die insbesondere Auswirkungen auf das Offensivspiel hat. So kann sie etwa situativ durch einen abkippenden Sechser erzeugt werden, welcher die Möglichkeiten für einen kontrollierten Spielaufbau erweitert. Auch wird eine Dreierkette nicht zwingend mit Manndeckung gespielt, weshalb der zentrale Verteidiger kein Libero ist (der Libero ist der Wortherkunft nach "frei" von Mann-deckungsaufgaben). Denn wie sich zeigte, kann auch dieser Manndeckung betreiben. Stattdessen richten sich die Verhaltensmuster der heutigen Dreierkette bei gegnerischem Ballbesitz - wie auch die Viererkette - primär nach dem Ort des Balles.


2. Rückkehr von Mann- und Raumdeckung
Wegen des Fortschritts im allgemeinen Passspiel (in den letzten 4 Jahren stieg die Quote an Pässen um mehr als 50 je Spiel an) und des häufigen Abschlusses durch die Mitte (siehe 3. Flanken), was Folgen des spanisch-katalanischen Tiqui-taca waren, wurden Verteidigungsstrategien entwickelt, die sich weg vom aktiven und ballorientierten Pressing hin zu einem eher passiven Deckungsverhalten nahe des eigenen Sechzehners entwickelten. Diese passive Verteidigungsvariante bedient sich Elementen der Raum- und/oder der Manndeckung.


weiter zu Teil 2
Aufrufe: 9414 | Kommentare: 1 | Bewertungen: 14 | Erstellt:27.12.2012
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KOMMENTARE
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Loenz
29.12.2012 | 08:44 Uhr
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Loenz : Wie immer
29.12.2012 | 08:44 Uhr
0
Loenz : Wie immer
sind deine Taktische Blogs aller erste Sahne und sehr gut beschrieben.
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