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13.03.2012 um 14:49 Uhr
Einmal Profi und zurück
Das Hobby zum Beruf machen, und dabei reich und berühmt werden. Die Traumfabrik Profifußball erschafft Bilderbuchkarrieren am laufenden Band. Doch nur wenige Talente schaffen es bis an die Spitze – und bleiben dort.

Ich stehe im Spielertunnel. Das Kind an meiner schweißnassen Hand. Trippeln auf der Stelle. Dann die Musik, der Tross setzt sich in Bewegung. Geht dem gleißend hellen Gewitter aus Blitzlichtern entgegen durch das große Tor. Tosender Applaus. Ab jetzt volle Konzentration. Die Welt besteht nur noch aus Grün und den einundzwanzig Mann um mich herum.

Davon träumte Quirin Löppert. Als Zwölfjähriger verspricht er sich selbst: „Ich will Profi werden und werde alles versuchen und mein Bestes geben." Zu diesem Zeitpunkt hat er schon für verschiedene Jugendteams der SpVgg Unterhaching gespielt und ist Kapitän der U13 des FC Bayern München. Heute verteidigt der Abwehrspezialist beim Fünftligisten SV Heimstetten. Knapp hat er zuletzt mit seinem Team die Klasse halten können.

Mit sechs Jahren beginnt Quirin das Kicken bei seinem Heimatverein, der SpVgg Unterhaching. Sein Vater erkennt das Talent und meldet seinen Sohn zu einem Probetraining beim deutschen Rekordmeister an – mit Erfolg! Als Zehnjähriger wechselt Quirin zum FC Bayern. Natürlich hofft auch er auf eine Profikarriere. Wie so viele Jungs in seinem Alter. Für die meisten bleibt es beim Traum, nur wenige der jungen Talente schaffen es tatsächlich bis in die Bundesliga. Quirin weiß schon als kleiner Junge, wie schwer der Weg ist. „Man träumt davon, wo es mal hingehen könnte, aber man bleibt natürlich auch immer realistisch. Wenn man in der E-Jugend bei Bayern ist, heißt das noch gar nichts."

Quirin ist fortan total auf den Fußball fokussiert. Das Gefühl, etwas zu verpassen, hat er nicht, auch wenn die Freizeit knapp bemessen ist. Mit zwölf Jahren wechselt er sogar in die „Fußball-Klasse" des Münchner Theodolinden-Gymnasiums, eine sogenannte „Partnerschule des Leistungssports". Noch mehr Fußball. Doch Quirin will sich unbedingt weiter verbessern, nimmt die zusätzliche Anstrengung in Kauf. „Als Stress nimmt man das so bewusst eigentlich gar nicht war, aber ich denke schon, dass das irgendwie an einem zehrt."

Quirin will ganz nach oben. Doch zunächst muss er nach fünf Jahren das rote FCB-Trikot an den Nagel hängen. Seine Trainer sagen, er sei zu schmächtig. Aber der Teenager sieht die Aussortierung nicht als großen Rückschlag an. Er kehrt zur SpVgg Unterhaching zurück. Hier wird er sofort wieder zum Stammspieler und Kapitän. Quirin durchläuft problemlos alle Jugendteams. Dank seines starken Willens und seines großen Ehrgeizes gelingt ihm auch der schwierige Übergang in den Herrenbereich. Quirin weiß, dass es jetzt ernst wird. Die zweite Mannschaft ist lediglich ein Sprungbrett in den Profibereich. „Das muss man als Perspektive sehen. Es rutscht immer mal wieder einer hoch. In der U23 darfst du dich nicht lange aufhalten. Maximal zwei Jahre, dann muss es irgendwie weitergehen." Mit zwanzig Jahren schafft er es dann in den Kader der Profimannschaft der SpVgg Unterhaching, die von Werner Lorant trainiert wird. „Es ging dann alles recht schnell. So kann’s gehen im Fußball."

Allein, er spielt kaum und muss viel Lehrgeld in der drittklassigen Regionalliga bezahlen. So endet das Abenteuer Profifußball für ihn nach einem Jahr recht schnell. Er spielt fortan wieder in der zweiten Mannschaft und beginnt, als Alternative zum Profisport Latein auf Lehramt zu studieren. Das Abitur hat der realistische Träumer zum Glück schon in der Tasche. Eine Saison lang führt er die junge Truppe der Spielvereinigung als Kapitän an – am Ende steht der Abstieg aus der viertklassigen Regionalliga.

Doch dann ein überraschendes Angebot aus Liechtenstein. Der FC Vaduz bekundet sein Interesse an dem talentierten Innenverteidiger. Liechtenstein, nicht gerade das Fußballmekka, aber dennoch ein gutes Angebot, das Profifußball bedeutet. Vaduz spielt in der zweiten Schweizer Liga und wird von Weltmeister Pierre Littbarski trainiert. Das ist es, was Quirin sich erträumt hat. Er unterschreibt – sein Studium bricht er ab. Anfangs kann sich der deutsche Jungspund auch hier nur schwer durchsetzen. Gerade als es anfängt besser zu laufen und er ein paar Spiele von Anfang an bestreitet, verletzt er sich an der Hüfte. Quirin muss operiert werden. „Man weiß ja, dass so etwas im Fußball immer kommen kann", sagt er nüchtern. Die Rückrunde ist für ihn gelaufen. Zum Ende der Saison muss er den FC Vaduz verlassen – sein Vertrag wird nicht verlängert.

Quirin will unbedingt weiter Profifußball spielen. Die Atmosphäre, das Zusammenspiel mit erfahrenen Spielern, die Geschichten, die man in der Kabine zu hören bekommt – all das fasziniert ihn. Die Begeisterung schwingt noch heute in seiner Stimme mit. Zwar hat er erfahren, wie schwierig es ist, einen neuen Verein zu finden. Aber dass überhaupt kein Angebot in Sicht ist, enttäuscht ihn dann doch.

Er ist nun erstmals ohne Verein. Eine Anlaufstelle findet er bei der Vereinigung der Vertragsfußballspieler, die jedes Jahr in der Sommerpause ein Trainingscamp für vereinslose Fußballer veranstaltet. Quirin ist einer von 26 Fußballern, die das Camp nutzen, um sich fit zu halten und sich anderen Vereinen zu präsentieren. Er arbeitet noch einmal hart, will noch eine Chance. Doch er bekommt sie nicht! Es kommt kein Probetraining zustande. Quirin zweifelt nicht an sich, glaubt an seine Stärke. Trotzdem gibt er zu: „Man resigniert leider auch ein bisschen." Der junge Innenverteidiger bekommt nun die Schattenseiten des Profifußballs zu spüren. „Das Fußballgeschäft, das ist ein Drecksgeschäft. Es kann so oder so laufen. Du kannst da oben auf der Welle mitschwimmen, dann ist es der schönste Beruf der Welt. Aber es kann auch dreckig sein."

Er muss ohne neuen Verein zu seiner Familie nach München zurückkehren. „Schade", sagt er heute dazu, ohne dass man ihm die Wehmut wirklich ansieht. Die schönen Erinnerungen überdecken mittlerweile die Enttäuschungen von damals. An die Europa-League Qualifikation mit dem FC Vaduz oder die Auslandsreisen mit dem FC Bayern. Die Saison 2011/12 absolviert der 24-jährige weiter beim SV Heimstetten. Auch vor leeren Rängen. Er fühlt sich dort wohl und genießt das Gefühl, einfach auf dem Platz zu stehen und zu spielen. Auch wenn er die Hoffnung auf eine Profikarriere noch nicht ganz aufgegeben hat, so mag er doch nicht alles darauf setzen. „Ich habe alles versucht was in meiner Macht stand, nur leider kann man im Fußball nicht alles beeinflussen." Deshalb studiert er wieder, Sportwissenschaft an der TU München. Damit bleibt ihm eine zweite Chance im Profigeschäft Fuß zu fassen: als Trainer.
Aufrufe: 5329 | Kommentare: 1 | Bewertungen: 6 | Erstellt:13.03.2012
ø 9.8
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NothaltebuchtD_DK
16.03.2012 | 21:18 Uhr
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16.03.2012 | 21:18 Uhr
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Die Regionalliga, in der Löppert gespielt hat, ist keine Profiliga. Und ob die zweite Schweizer Liga eine Profiliga ist, weiß ich nicht.

Der Rest war klasse.

Am Ende: 9 Punkte!
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