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WWE WrestleMania 38 - Rapper Eko Fresh im Interview: "Wir mussten die Satellitenschüssel drehen, um Wrestling zu schauen"

Eko Fresh im Wrestling-Ring an der Seite von WWE-Superstar Cesaro.

Es ist wieder WrestleMania-Time! Am Wochenende steigt das größte Wrestling-Event des Jahres und Rapper Eko Fresh ist als einer der prominentesten WWE-Fans in Deutschland schon heiß, wie er im Interview verrät. Der 38-Jährige schwelgt gemeinsam mit SPOX in Erinnerungen an die goldenen 90er-Jahre im Wrestling und er erzählt, was für ihn bis heute die Faszination ausmacht.

Eko Fresh erklärt außerdem, warum er sich eine bestimmte WrestleMania-Ausgabe noch heute vor dem Einschlafen anschaut, warum er dankbar ist, mit dem Undertaker aufgewachsen zu sein und auf welches Match er sich bei WrestleMania 38 besonders freut.

Weitere Themen: Tim Wieses WWE-Ausflug und Diskussionen, die in der Rap- und Wrestling-Szene identisch verlaufen.

Am Wochenende steht WrestleMania 38 im AT&T Stadium in Arlington, Texas an. Wie viel würden Sie geben, um live vor Ort zu sein?

Eko Fresh: Sehr viel! Es ist immer noch ein Traum von mir, eines Tages bei WrestleMania live dabei zu sein. Es steht immer noch auf meiner Bucket-Liste der Dinge, die ich in meinem Leben einmal erleben will. Aber ich werde mich noch ein wenig gedulden müssen. Ich will nämlich jetzt unbedingt, dass mich mein Sohn Elijah begleiten kann. Er wird in diesem Jahr erst sechs Jahre alt. Er ist noch nicht groß genug, um so eine lange Reise anzutreten und so eine lange Veranstaltung durchzuhalten. Aber ich bin dabei, ihm meine Wrestling-Leidenschaft mitzugeben und dann wird der Tag kommen, an dem ich mit ihm gemeinsam bei WrestleMania sein werde. Das wird der Hammer.

Wie viele unserer Generation sind Sie in den 90er-Jahren zum großen Wrestling-Fan geworden. An was erinnern Sie sich am meisten zurück?

Eko Fresh: Ich erinnere mich vor allem, dass es gar nicht so einfach war für mich, Wrestling zu schauen. Wir hatten zuhause kein Kabel-Fernsehen, aber das Gute war, dass mein Onkel Kabel hatte, weil er türkisches Fernsehen empfangen wollte. Also bin ich immer zu meinem Cousin und wir haben uns Wrestling reingezogen. Eigentlich war das aber verboten, weil es meinem Onkel zu gewalttätig war. Also mussten wir es immer heimlich machen. Und wir mussten dafür extra die Satellitenschüssel drehen. Das können sich die jungen Leute heute gar nicht mehr vorstellen, aber das war wirklich so, man musste früher die Schüssel drehen.

Ich weiß.

Eko Fresh: (lacht) Auf jeden Fall wurden wir dann einmal auch erwischt. Puh, da gab es richtig Ärger. In der Zeit hat mich das Wrestling-Fieber richtig gepackt. Mein Cousin und ich haben sogar versucht, Szenen nachzustellen, wir sind mit eigener Einlaufmusik ins Zimmer gekommen und haben uns gegenseitig auf der Matratze Suplexes gegeben. Liebe Kinder, das sollte man nicht machen, das ist zu gefährlich. Wir haben uns einfach alles reingezogen, was möglich war. Ich muss vor allem an WrestleMania 9 im Caesars Palace in Las Vegas denken, wo sich die Arena in ein römisches Kolosseum verwandelte. Ich war so fasziniert von dieser Welt, die dort dargestellt wurde. Ich habe mir die Videokassette von WrestleMania 9 immer und immer wieder angeschaut, das kann man sich gar nicht vorstellen. Ehrlich gesagt schaue ich es mir sogar heute noch ab und zu an vor dem Einschlafen, das beruhigt mich einfach und gibt mir ein gutes Gefühl. (lacht)

Bei WrestleMania 9 verlor Bret Hart seinen Titel an Yokozuna, weil dessen Manager Mr. Fuji ihm Salz in die Augen streute.

Eko Fresh: Das ging eigentlich gar nicht, weil Bret Hart mein erster ganz großer Held war. Der Hitman war mein Liebling! Damit war ich in den 90ern ja nicht alleine in Deutschland, Bret Hart war der große Star, als Wrestling im Free-TV lief und sich viele das angeschaut haben in Deutschland. Er war total over. Was ich am schönsten finde: Ich habe es nie bereut, so ein großer Hitman-Fan gewesen zu sein und so mit ihm mitgefiebert zu haben. Bis heute nicht. Es ist heute immer noch genauso cool wie damals, Bret Hart abgefeiert zu haben. Einfach weil er so ein guter Typ ist und bis heute immer die richtigen Werte verkörpert hat.

Eko Fresh: So habe ich zum Wrestling zurückgefunden

Zwischendurch haben Sie dann den Draht zum Wrestling aber verloren. Wie kam das?

Eko Fresh: Das lag daran, dass ich Feuer und Flamme für Rap war. Ich konnte mich so gut mit Rap identifizieren, es ist wie eine Berufung für mich. Als ich damit angefangen habe, war es gar nicht so einfach an Infos heranzukommen und sich amerikanischen Content zu besorgen. Es war teuer, sich ordentliche Mucke zu besorgen und hören zu können. Ich habe mich aber komplett reingesteigert in den Rap und auch ganz früh schon alles ganz genau analysiert. Das war dann auch mein großer Vorteil, als ich als Jugendlicher entdeckt und plötzlich berühmt wurde. Ich war so tief in der Rap-Szene drin und habe alles schon beherrscht, weil ich mein ganzes Leben danach ausgerichtet habe. Naturgemäß war dann wegen meiner Liebe zum Rap einfach kein Platz mehr für Wrestling.

Irgendwann ist die Liebe zum Wrestling aber neu entfacht worden. Was war der Auslöser?

Eko Fresh: Ich hatte so um 2005 herum damals eine interessante, teilweise auch nicht ganz einfache Phase in meinem Leben. Ich war ein bekannter Rapper, ich war viel unterwegs, aber ich habe gespürt, dass mir etwas fehlt. Ich habe mich nach einem Hobby gesehnt, das mir die Möglichkeit gibt, in meine eigene kleine Welt abzutauchen. In eine Welt, in der auch nicht jeder um mich herum mitreden kann. Ich hatte damals eine kleine Videothek bei mir zuhause, ich habe es geliebt, DVDs zu sammeln. Und irgendwann bin ich beim Stöbern auf altes Wrestling-Material gestoßen und dachte mir: Hey, das kennst du doch, da war ja mal was.

Aber Sie waren ja zu dem Zeitpunkt dann völlig raus.

Eko Fresh: Absolut. Ich hatte zwar immer mal wieder die bekannten Gesichter schon registriert, weil ich sie zum Beispiel auf Videospielen sah, ich kannte The Rock zum Beispiel schon, bevor ich ihn das erste Mal im Ring gesehen habe. Das Gleiche galt für Stone Cold Steve Austin. Ich wusste, das sind die Neuen, aber mehr auch nicht. Und meine DVD-Leidenschaft hat mich dann zurück zum Wrestling gebracht. Ich habe mir erstmal die alten Pay-per-Views angeschaut, um wieder ein Gefühl zu entwickeln und mich in die alte Zeit zu beamen und dann habe ich mir alle Pay-per-Views besorgt, um alles nachzuholen. Ich musste ja meine großen Wissenslücken schließen. In der Zeit habe ich unfassbar viel Wrestling geschaut. Das war Wahnsinn. Und recht teuer.

"Ich hatte wenigstens mal einen Stuhl in der Hand"

Wer waren die Charaktere, die Sie dann wieder heiß gemacht haben auf Wrestling?

Eko Fresh: Ich muss sofort an die späte Zeit von Eddie Guerrero denken, der ja dann leider viel zu früh verstorben ist. Rey Mysterio und Batista kamen zu der Zeit hoch, das waren krasse Jungs. Und dann kam ein gewisser John Cena als neuer Shootingstar auf die Bühne. Cena hat mich begeistert. Alleine schon mit seinem Style, er kam ja am Anfang mit Hip-Hop-Klamotten in den Ring, so hatte ich sofort Zugang zu ihm. Er war zwar kein lupenreiner Rapper, wenn man es ganz streng nimmt, aber auf der anderen Seite konnte Cena wirklich richtig gut rappen. Er konnte freestylen, er hatte gute Punchlines und er hat das Rapper-Entertainment-Gimmick großartig verkörpert. Ich bin auch zu meinen ganzen Freunden und habe gesagt: "Hey, schaut mal, da ist so ein cooler Rapper." Fanden sie auch ganz witzig, aber so begeistert wie ich waren sie dann doch nicht. Aber mich hat Cena gepackt.

Die Frage nach der Faszination des Wrestlings ist ja eine, die immer kommt. Wie würden Sie das für sich beschreiben?

Eko Fresh: Das ist echt eine richtig gute Frage, die so schwer zu beantworten ist. Ich tue mich immer total schwer damit, das in die passenden Worte zu fassen, oder es Kumpels, die es selbst nicht erlebt haben, zu erklären. Du musst das selbst erlebt und gefühlt haben, sonst verstehst du es nicht. Du verstehst sonst nicht, wie einzigartig Wrestling ist. Es gibt eigentlich nichts auf der Welt, was mir so einen Nervenkitzel beschert. Ich schaue mir auch gerne mal einen guten Boxkampf an, oder einen UFC-Fight, aber für mich ist das nicht mit dem Unterhaltungsfaktor beim Wrestling zu vergleichen. Wrestling ist wie eine Soap für Männer. Ich finde gerade den schauspielerischen Faktor enorm. Das ist wie ein Live-Schauspiel. Die Leistungen, auch gerade am Mikrofon, sind echt genial teilweise. Das musst du erstmal schaffen. Also wenn es gut gemacht und gut inszeniert ist, geht einfach nichts über einen geilen Wrestling-Abend. Du musst dich nur darauf einlassen.

Sie durften sogar mal in einem WWE-Ring stehen.

Eko Fresh: Ja, das war während einer Deutschland-Tour der WWE. Da ist wirklich ein Kindheitstraum in Erfüllung gegangen für mich. Die WWE ist bei solchen Geschichten immer sehr vorsichtig, aber immerhin durfte ich in den Ring und mich mit Cesaro abfeiern lassen. Wobei die Fans ja immer sehr kritisch sind, wenn so Außenseiter wie ich dann in den Ring dürfen. Jeder hat ja diesen Traum, das mal machen zu dürfen. Aber sie haben mich leben gelassen. (lacht) Und ich hatte zur Not ja mit Cesaro jemanden an meiner Seite, der mir den Rücken gestärkt hat. Ich durfte auch schon mal die Ringglocke läuten, ich durfte sogar schon mal ganz leicht eingreifen. Ich hatte wenigstens mal einen Stuhl in der Hand, aber Jack Swagger hat ihn mir dann weggenommen.

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