"No Chance in Hell!"

Stone Cold Steve Austin (l.) mit seinem Lieblingsfeind Vince McMahon
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"Ich gehöre nicht in Country Clubs. Ich bin der Normalbürger schlechthin, bis heute. Ich fahre zwar ein schönes Auto und so, aber ein Hauptgrund für den Erfolg der WWE ist der, dass ich mich nicht verändert habe."

Wo andere ihr Unternehmen von oben steuern und vor allem darauf achten, dass die Kasse klingelt, ist McMahon im Herzen der zwölf Jahre alte Wrestling-Fan von damals geblieben. Der Unterschied: Jetzt darf er mitreden. Und das tut er. "Das schlimmste Geräusch in unserem Geschäft ist Schweigen. Das bedeutet, dass es ihnen egal ist." Das zu verhindern, ist seine Mission.

Und so gibt es keine noch so kleine Entscheidung in der riesigen Maschinerie WWE, in der ihr Vorsitzender seine Finger nicht im Spiel hat. Es gibt zwar ein Autorenteam, aber die letzte Entscheidung über die Storylines liegt bei McMahon. Neue Wrestler und ihre Gimmicks? Sie müssen erst einmal an McMahon vorbei.

Das gefällt nicht jedem: Als John Cena vor einigen Jahren den kinderfreundlichen, unbesiegbaren WWE-Helden gab, protestierten die Hardcore-Fans der Attitude Era lautstark, und nicht wenige waren der Meinung, dass der Chairman seinen Finger nicht länger am Puls der Zeit habe.

Ändern wird sich das jedoch nicht, entspringt McMahons Rolle als Übervater der Szene doch seinem Selbstverständnis. Er als der im Herzen Otto Normalverbraucher gebliebene weiß am Besten, was die Fans dieser "Daily Soap für Männer" sehen wollen: Muskelbepackte Helden, schöne Frauen, ein leicht zu verfolgender Plot - sowie jede Menge Kleinholz und blaue Flecken.

Zu seiner Ehrenrettung sei gesagt: McMahon bestimmt nicht nur - er macht auch jeden Scheiß mit. Ob er sich im "Kampf der Milliardäre" von Donald Trump den Schädel rasieren lässt, von Stone Cold eine Gartenschlauch-Bierdusche verpassen lässt oder auch selbst im Ring den Weg durch Holztische findet: keine halben Sachen eben.

"Ich habe keine Angst vor einem Fehlschlag. Ich mag es nicht, ich hasse es sogar. Aber ich habe keine Angst davor."

70 Jahre alt, steinreich und an der Spitze der Wrestling-Welt - doch eine einzige Erfolgsgeschichte ist die Laufbahn von McMahon nicht. Schon früh leistete er sich teure Fehlschläge wie ein Minor League Hockey-Team, welches in den 70ern nach nur einer Saison den Betrieb einstellen musste. Ein WWE-Restaurant in New York erwies sich als millionenschwerer Flop, und nur Hardcore-Fans erinnern sich noch an die XFL, seine 2001 gegründete Alternative zur NFL. Nach einem Jahr war Schluss, und selbst McMahon musste einen "kolossalen Fehlschlag" eingestehen.

Auch die WWE kämpft mit den Schatten ihrer Vergangenheit. Die mit Steroiden aufgepumpten Wrestler zahlen einen hohen Preis für den Ruhm, die harten Matches und den jahrelangen Zirkus ohne Offseason: Kaum ein Jahr vergeht ohne den frühen Tod eines Superstars - seien es Drogen, Herzprobleme oder Selbstmorde. McMahon selbst wurde in den 90ern vor Gericht angeklagt - er habe seine Wrestler angewiesen, Annabolika zu nehmen.

Was im Ring passiert - nun ja. Für jede gelungene Storyline finden sich ein halbes Dutzend Ideen, die spätestens heute einfach nur peinlich sind: Von derben Klischees bis hin zu rassistischen Gimmicks, Schlammcatchen mit leicht bekleideten Diven - die Liste ließe sich beliebig fortsetzen. Das kann auch mal ins Auge gehen: Nachdem McMahon seinen Superstar Bret "Hitman" Hart mit dem berühmten "Montreal Screwjob" bei dessen Abschied übers Ohr gehauen hatte, schlug der backstage wenig später zurück. Im wahrsten Sinne des Wortes.

"Bis er diese Erde verlässt, wird Vince McMahon über jeden Aspekt der Firma entscheiden." (Chris Jericho)

Wo geht die Reise also hin? Ihren Platz an der Popkultur-Sonne hat die WWE mittlerweile zementiert: Über die Pay-per-Views, ganz besonders WrestleMania, wird in Mainstream-Medien mittlerweile genauso berichtet wie in ESPN oder Sports Illustrated. Sportler, Schauspieler und Entertainer geben sich im Ring den Klappstuhl in die Hand.

Finanziell ging McMahon vor einiger Zeit ein großes Risiko ein, als er das WWE Network gründete, sich von den Kabelsendern lossagte und nun über das Internet direkt an den Endverbraucher vermarktet. Es könnte sich als teurer Fehler erweisen - oder als voller Erfolg und leuchtendes Beispiel für Nachahmer. Ganz so wie McMahon es gern hat.

Steht er dann immer noch an Spitze seines Babys? Körperlich hat er noch lange nicht nachgelassen: In der Zeitschrift Muscle and Fitness zeigte er sich vor kurzem muskelbepackt wie sonst nur seine Performer im Ring: 112 Kilo bei fünf Prozent Körperfett. "Der Fitnessraum ist meine Kirche. Das ist heiliger Boden", erklärte er.

Seinen Nachfolger hat er mit Schwiegersohn Triple H trotzdem bereits herangezogen. Der kennt das Business aus jahrzehntelanger eigener Erfahrung, doch es sind große Fußstapfen, die er zu füllen hat. Um es mit den Worten von Mr. McMahon zu sagen: "Ich habe Eier so groß wie Grapefruits - und du wirst am Sonntag die Kerne ausspucken."

Seite 1: Aus dem Wohnwagen an die Spitze der Wrestling-Welt

Seite 2: Entscheidungen, Fehlschläge und McMahons Zukunft

Alle WWE-Champions der Geschichte im Überblick