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"You can't see me" – Na Gott sei Dank!

Von Maurice Kneisel/Sven Spingler
John Cena wird häufig für die PG-Ausrichtung der WWE verantwortlich gemacht
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Spingler: Ich muss dir Recht geben, Santino war noch nie lustig, Hornswoggle genauso wenig. Doch man muss anmerken, dass die Ratings in den Shows mit hohem Comedy-Anteil meistens stimmten. Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein HHH über Santino lachen muss, allerdings scheint er den Nerv der Zeit zu treffen und vor allem den der Zielgruppe, auf die die WWE zur Zeit nun mal abzielt. Der WWE fehlt der große Gegenspieler. Solange Ratings in der Region bleiben, in der sie momentan sind, muss man auch gar nichts ändern. TNA, ROH & Co. schön und gut, aber alles keine Gefahr für den Branchenprimus. Und da die WWE an der Börse ist, geht es eben in erster Linie um das liebe Geld.

Kneisel: Ja ja, das liebe Geld. Deswegen bekommt Cena alle drei Monate einen frisch gefärbten Satz Klamotten spendiert, Sin Cara darf weiter durch die Gegend botchen, weil er Masken an die Kiddies bringt und Zack Ryders Standing scheint sich langsam aber sicher auch wieder zu bessern. Alles nachvollziehbar und aus meiner Sicht auch nicht wirklich schlimm. Ob man Cena nun mag oder hasst - es macht in jedem Fall Spaß, auf ihn zu reagieren. Das ist eben mein Problem mit Horny, den findet doch jeder über Zwölf einfach nur ätzend, oder? Santino ist ein Phänomen, schau dir alleine die Pops bei seinem Entrance in der Night of Champions-Pre-Show an. Du hast die Konkurrenz erwähnt und ich denke, das ist eben der springende Punkt: Keinen ernstzunehmenden Gegner zu haben, bedeutet eben auch, dass man sich nicht übermäßig bemühen muss, um vorne zu bleiben. Das war zur Hochzeit der WCW mit den Monday Night Wars komplett anders. Ich habe aber das Gefühl, dass Triple H hinter den Kulissen vieles in die richtige Richtung treibt. Wie gefallen dir seine Neuerungen bislang?

Spingler: Mit HHH könnte durchaus mehr Wind ins stockende WWE-Getriebe kommen. Alles, was er bisher bei NXT gemacht hat, gefällt mir. Ich freue mich jede Woche auf die neue Ausgabe. Dort wird alles richtig gemacht, was bei RAW und SmackDown fehlt. Mehr Promos, weniger Random-Matches. Auch dass jeder neue Superstar mit Hype-Videos angekündigt werden soll, finde ich verständlich. Zudem hat man das Gefühl, dass er weiß, wie man neue Stars kreiert, was Vince, der doch zusehends auf das Hier und Jetzt schaut, immer mehr abgeht. Was wäre, wenn Cena nicht nur ein paar Wochen, sondern plötzlich sechs Monate ausfallen würde? Das wäre momentan der Worst Case für die WWE. Hierbei sind mir aber auch Jim Ross und vor allem JBL bei Night of Champions positiv aufgefallen. JBL weiß, wie er vom Pult aus Performer over bringt, hinzu kommt, dass er Cole als Heel-Character direkt verdrängt hat. Nichts gegen Lawler oder Booker T als Kommentatoren, aber ihnen fehlt doch das gewisse Etwas, wodurch das Big Time Feeling aufkommt. Daher kann man nur hoffen, dass JBL nach seiner Kilimanjaro-Besteigung schnell wieder Vollzeit kommentiert. Das würde dir doch sicher auch gefallen.

Kneisel: Ich bin heilfroh über die positiven Meldungen zu Jerry Lawlers gesundheitlichem Zustand und habe mich auch darüber gefreut, ihn wieder vor der Kamera zu sehen. Allerdings habe ich mich zu seiner Leistung am Mikro ja schon häufiger geäußert - ihm scheint einfach das Feuer abhanden gekommen zu sein, seit er den Face geben muss und Jim Ross nicht mehr an seiner Seite hockt. Ganz anders JBL, da gebe ich dir vollkommen Recht. Teilweise ist er bei RAW zwar etwas übers Ziel geschossen, wenn er Cole grundsätzlich bei JEDEM Satz ins Wort gefallen ist. Aber wie du schon anmerkst: Er weiß, wie man Wrestler als Kommentator over bringt und das ist eine Qualität, die leider vielen seiner Kollegen abgeht. JBL muss der WWE am Pult unbedingt erhalten bleiben, keine Frage. Außerdem ist so eine Bergbesteigung natürlich auch eine schöne Sache für die WWE, der ihre Außendarstellung doch immer so wichtig ist... manchmal etwas zu sehr, oder?

Spingler: Stimmt. Die WWE achtet sehr auf ihre Außendarstellung. Deswegen sind sie auch an unzähligen Kampagnen beteiligt. Gegen Krebs, Be A Star und vieles mehr. Vor zehn Jahren hätte man fast meinen können, es wäre der WWE egal gewesen, was andere von ihnen dachten. Doch heute haben sie sensible Sponsoren und eben eine McMahon, die Senatorin werden will. Auch auf dem Gebiet der Schmerzmittel will die WWE Vorreiter sein. Die Wellness Policy hat strikte Regeln und es geht (fast) keinem gut, der dagegen verstoßen hat. Obwohl Randy Orton schon dreimal positiv getestet wurde, bekam er nach dem Ablauf seiner Suspendierung einen Push. Sicherlich eine Ausnahme aufgrund seines Standings und der Wichtigkeit für die WWE, aber doch unfair gegenüber Leuten wie Dolph Ziggler, die auch ohne Hilfsmittel hart an sich arbeiten und das brutale Programm durchstehen. Trotzdem ist das der richtige Schritt in die richtige Richtung. Einem Kurt Angle oder Edge nicht mehr das medizinische grüne Licht zu geben, war auf der einen Seite sicher ein herber Verlust, auf der anderen Seite muss man seine Athleten aber einfach schützen und besser kontrollieren. Hier hat die WWE aus ihrer Vergangenheit gelernt.

Kneisel: Die Wellness Policy der WWE wird immer wieder hinterfragt, aber im Vergleich zu früher ist sie doch eine deutliche Verbesserung. Natürlich muss man das Ganze skeptisch sehen, wenn ein Rey Mysterio erst Monate später suspendiert wird oder man Leute wie Ezekiel Jackson und David Otunga sieht. Hier kann man aber tatsächlich sogar etwas Positives in Lindas Ambitionen finden: nämlich dass man mittlerweile eben bemüht ist, Negativschlagzeilen um jeden Preis zu verhindern. Und die Popularität der "schmächtigen" Wrestler wie Daniel Bryan, CM Punk oder dem von dir angesprochenen Dolph Ziggler werden in Zukunft hoffentlich noch weiter zum Umdenken führen. Es ist sicher nicht alles Gold, was glänzt, aber hierin kann man definitiv eine Chance für ein besseres Produkt in der Zukunft erkennen.

WWE: Alle Champions auf einen Blick

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