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Blender und Verschwörungstheorien

Von Maurice Kneisel/Walandi Tsantiridis
Die acht Raw-Superstars haben nur ein Ziel: Den Koffer und somit ein WWE-Championship-Match
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In der Nacht von Sonntag auf Montag (1.45 Uhr im LIVE-TICKER) findet in der Allstate Arena in Chicago die nächste WWE-Großveranstaltung Money in the Bank statt. Auf dem Programm steht dabei neben den beiden Leitermatches von Raw und SmackDown unter anderem auch der heiß erwartete Main Event zwischen WWE-Champion John Cena und CM Punk. Die SPOX-WWE-Experten Maurice Kneisel und Walandi Tsantiridis analysieren die Match-Card und müssen sich darauf einigen, uneinig zu sein.

SmackDown-MitB-Ladder-Match: Cody Rhodes vs. Daniel Bryan vs. Heath Slater vs. Justin Gabriel vs. Kane vs. Sheamus vs. Sin Cara vs. Wade Barrett

Kneisel: Die beiden Leiter-Matches bieten recht unterschiedliche Voraussetzungen: Während das Raw-Match sehr prominent besetzt ist, hat das SmackDown-Pendant zwar weniger große Namen zu bieten, dafür aber einige hocklassige Worker. Gabriel, Slater, Kane und Daniel Bryan haben derzeit nicht das Standing, um zu gewinnen. Sin Cara wird den Spot-Monkey geben und einige krasse Dives im sowie aus dem Ring zeigen. Als Favoriten sehe ich drei Heels: Sheamus, Cody Rhodes und Wade Barrett. Sheamus steckt allerdings schon mitten in der Hauptfehde um den Welt-Schwergewichts-Titel und braucht den Koffer nicht. Cody hat im vergangenen Jahr eine enorme Entwicklung durchlaufen und zuletzt einen merklichen Push erhalten. Trotz wiederholter Attacken auf Randy Orton scheint er aber mehr mit Ted Dibiase, Daniel Bryan und Ezekiel Jackson beschäftigt zu sein und sollte sich erstmal den Intercontinental-Championship sichern, bevor er Richtung Main Event schielt. Ich erwarte Wade Barrett als Sieger, da sein Weg nach dem Split des Corre und dem Verlust des IC-Titels nun Richtung Welt-Schwergewichts-Titel gehen muss.

Tsantiridis: Dieses Match wird sicherlich den Pay-Per-View eröffnen. 1. Ein altbewährtes WWE-Konzept sieht vor, eine Veranstaltung mit einem der beiden Main Events zu eröffnen, ähnlich zu No Way Out mit den Auscheidungskammer-Matches. 2. Dieses Match hat schlichtweg nicht denselben Stellenwert wie das RAW-Gegenstück. Bei der Chancenlosigkeit Gabriels, Slaters, Bryans, Kanes und Sin Caras stimme ich meinem Vorredner vorbehaltlos zu. Welch Erlösung, dass hier die Halle nicht für ein Sin-Cara-Match abgedunkelt wird. Vielleicht sieht er dann die Spots, die er vergeigt. Als Sieger setze ich eindeutig auf Cody Rhodes. Klasse Gimmick und hervorragende Entwicklung in den letzten Monaten. Zunächst bringt er die Programme mit Ezekiel Jackson und Ted Dibiase zu Ende, danach kann er um den Welt-Schwergewichts-Titel gegen seinen Ex-Legacy-Boss Randy Orton ran.

The Big Show vs. Mark Henry

Tsantiridis: Ich bin vom Push Mark Henrys begeistert. Wie bei seinem Push 2003 bei RAW - ironischerweise mit dem derzeitigen SmackDown!-GM Teddy Long als Manager an seiner Seite - ist er ist endlich wieder in der Rolle, in die er gehört. Natürlich profitiert Henry von dem derzeitigen Mangel an SmackDown!-Main-Eventern, jedoch füllt er diese Position hervorragend aus. Seine Aufgabe besteht darin, durch seine Kraftaktionen das Publikum zu beeindrucken, für technische Leckerbissen sind andere gedacht. Mit seinem World's Strongest Slam gegen Big Show durch das Kommentatorenpult und der Aktion, bei der Henry Show durch den Käfig beförderte, hat er dies auch eindrucksvoll demonstriert. Für den PPV sehe ich es als dringend notwendig an, dass der Push von Henry mit einem Erfolg gegen Big Show fortgesetzt wird. Mein Tipp: Mark Henry mit Ausrufezeichen.

Kneisel: Sag bloß, dir hat der Cool-Aid-Man aus Raw-Zeiten nicht zugesagt? Mich hat es immer wieder fasziniert, wie viele Pops Henry rausholte, indem er einfach nur die Arme in die Luft warf. Jetzt ist er wieder mächtig aggro und hat seinen Job zuletzt nicht übel gemacht. Vor allem der von dir angesprochene World's Strongest Slam bei Capitol Punishment hat mir gefallen. Aber rechtfertigt das den nächsten Push für einen der schwächeren Worker im Kader? Meiner Meinung nach nicht, denn - Main Eventer-Mangel hin oder her - den Welt-Schwergewichts-Titel wird Mark sich eh nie holen, dafür hat SmackDown genügend talentierte Heels im Roster. Big Show hat zwar seine besten Zeiten auch hinter sich und soll offiziell jüngere Superstars over bringen, ein Alberto Del Rio konnte zuletzt aber trotz tatkräftiger Mithilfe von Henry nur mit Hängen und Würgen gegen ihn gewinnen. Rein von der Logik würde ich Henry vorne sehen, aber da SmackDown mit Christian und Sheamus sowie Barrett und Rhodes genügend potentielle Main Eventer in der Hinterhand hat, erwarte ich hier den obligatorischen Feel-Good-Moment und somit einen Sieg für Big Show.

Diven-Championship-Match: Kelly Kelly vs. Brie Bella

Kneisel: Unsere aktuelle Diva des Monats gegen ihr Pendant aus dem Mai. Die Matchzeit wird die Fünf-Minuten-Marke wohl kaum überschreiten, hoffentlich wird es ähnlich kurzweilig wie die letzten Aufeinandertreffen der Beiden bei Raw. Längere, höherklassige Divenmatches werden uns derzeit leider eh nur bei Superstars geboten. Hinsichtlich der Siegerin ist die Geschichte für mich klar: Kelly hat den Gürtel gerade erst gewonnen und ist beim Publikum over wie eh und je. Twin Magic in allen Ehren, die Blondine wird den Diven-Championship so schnell nicht wieder hergeben. Von daher lautet mein Tipp: Kelly Kelly.

Tsantiridis: Hier muss ich dem Kollegen Kneisel Recht geben: Hochklassiges können wir nicht erwarten. Das Match dient eher als Puffer nach dem ersten Spotfest. Eine Matchstory können wir ebenfalls ausschließlich, Eye-Candy steht im Vordergrund. Der Push von Kelly Kelly wird weitergeführt, wobei ich in diesem Zusammenhang einmal erwähnen möchte, wie sehr Kharma den Shows fehlt. Sie hatte es alleine geschafft, der ganzen Diven-Division einen höheren Stellenwert zu verpassen. Mein Tipp geht an Kelly Kelly.

Raw-MitB-Ladder-Match: Alberto Del Rio vs. Alex Riley vs. Evan Bourne vs. Jack Swagger vs. Kofi Kingston vs. R-Truth vs. Rey Mysterio vs. The Miz

Tsantiridis: Im Normalfall würde ich in diesem Match auf Alberto Del Rio als Sieger setzen. Für den SummerSlam scheint ein Aufeinandertreffen mit John Cena bereits geplant zu sein. Die kommenden Houseshows werden mit den Beiden im Main Event beworben, bis zum SummerSlam können sie sich noch aufeinander abstimmen. Allerdings braucht der Mexikaner hierfür den Koffer nicht, da er bereits ein Titelmatch inne hat. Von den anderen Teilnehmern sehe ich keinen eindeutigen Favoriten auf den Sieg. Bourne und Kingston sollen für die Spots sorgen, Rey Mysterio benötigt keinen Koffer, um von heute auf morgen wieder im Titelrennen zu sein. The Miz und Jack Swagger - immerhin zwei ehemalige Money-in-the-bank-Gewinner - haben durchaus Aussichten auf den Erfolg. Da der All-American American in den letzten Wochen auch wieder vernünftig dargestellt wird, tippe ich auf Jack Swagger als Sieger.

Kneisel: Swaggers zweiter Koffergewinn in Folge? So sehr ich mich darüber auch freuen würde, aber das kann ich mir absolut nicht vorstellen. Ich sehe auch nicht, inwiefern er in den letzten Wochen vernünftig dargestellt wurde - eine Niederlagenserie gegen Dauerjobber Evan Bourne ist nicht unbedingt eines ehemaligen Welt-Schwergewichts-Champions würdig. Allerdings wurde er im Vorfeld von WrestleMania letztes Jahr auch nicht besser gebookt. Wo ich dir absolut zustimme, ist, dass Bourne und Kofi Kingston in erster Linie für spektakuläre Spots in diesem Match stehen, auch von Rey werden wir sicher ein paar Highlights geboten bekommen. Den Koffer sichern sich in der Regel eher Heels, da das Einlösen des Vertrags gegen einen schon angeschlagenen Gegner nicht gerade als Face-Aktion wahrgenommen wird. Von daher sehe ich R-Truth und The Miz vorne, Riley ist nur als Gegenpol zu letzterem im Match. Und auch, wenn dies ein gewichtiger Faktor sein könnte, bin ich trotzdem fest davon überzeugt, dass The Miz sich zum zweiten Mal den Koffer holt. Den Grund erfahrt Ihr in meinem Kommentar zum WWE-Championship-Match.

Welt-Schwergewichts-Champion-Titel-Match: Randy Orton vs. Christian

Kneisel: Die Fehde zwischen Randy Orton und Christian fing sehr stark an, insbesondere auch, da die beiden im Ring überraschend gut harmonieren. Keine Frage, die Matches bei den vorangegangenen Pay-per-Views waren allesamt überzeugend. Trotzdem hat sich die Storyline aus meiner Sicht langsam ausgelutscht, weswegen ich mir einen Three-Way mit Sheamus gewünscht hätte. Der Ire hätte dem Match nicht nur durch seine Stellung als Tweener in dieser Konstellation gut getan, sondern auch seinen eigenen Charakter weiter entwickeln können. Stattdessen wurde dem Eins-gegen-Eins-Match die Klausel beigefügt, dass Christian den Gürtel auch im Falle einer Disqualifikation oder einer fehlerhaften Schiedsrichterentscheidung erhält. So schwer es auch vorstellbar ist, dass Captain Charisma tatsächlich zum zweiten Mal Champion wird - durch diese Regelung sowie ein mögliches Eingreifen von Sheamus bieten sich genügend Szenarien, in denen ein Titelwechsel stattfinden kann, ohne Ortons Standing zu schaden. Mein vielleicht zu optimistischer Tipp: Christian wird neuer Welt-Schwergewichts-Champion.

Tsantiridis: Hier muss ich dem Kollegen Kneisel entschieden widersprechen. Randy Orton und Christian harmonieren nicht gut zusammen. Es liegt einzig und allein an Christian, dass Orton im Ring glänzt, denn Christian leistet derzeit die Arbeit seines Lebens. Er könnte jede Woche mit einem Besen im Ring stehen und einen Klassiker auf die Matte zaubern. Wie bei seiner Fehde 2005 gegen John Cena steht Christian jetzt kurz vor dem endgültigen Durchbruch zum Superstar. Ich hoffe, dass ihm dieses Mal der entscheidende, nachhaltige Schritt an die Spitze gelingt. Als Heel kann er wieder das Tempo des Matches bestimmen und Orton sicherlich zu einer weiteren guten Leistung tragen, damit dieser zum Ende des Matches seine Signature-Moves durchziehen kann. Die Ansetzung schreit förmlich nach einem Eingreifen von Sheamus, was ein Triple-Threat-Match um den Titel beim SummerSlam zur Folge haben sollte. Mein Tipp: Sieg für Randy Orton.

WWE-Champion-Titel-Match: John Cena vs. CM Punk

Tsantiridis: Zunächst einmal möchte ich klarstellen, dass CM Punk mit seiner Promo bei RAW vor zwei Wochen sicherlich nicht das Rad neu erfunden hat. In meinen Augen hat er sich und seinen Anhang für das Unternehmen verraten. Er gehört zu dem Teil der Superstars, die die Nicht-Cena-Fraktion im Publikum anspricht. Diesen Status hat er dazu missbraucht, besagte Zuschauerschicht zum Kauf des PPV zu blenden. Und es hat funktioniert. Zumindest überhäuft sich das MySPOX-WWE-Forum mit Lobpreisungen für CM Punk. Im Endeffekt füllt er nur die Position aus, die Edge 2006 inne hatte: Kontrollierte Kontroverse schüren. Positiv an dieser Storyline bleibt jedoch, dass Punk seinen Marktwert ungemein gesteigert hat. Er hatte für dieses PPV-Match seinen Vertrag extra verlängert. Ob es daher so clever ist, ausgerechnet jetzt die WWE zu verlassen, bleibt dahin gestellt. Eine viel bessere Verhandlungsposition kann er nicht bekommen. An dieser Stelle sollte sich jeder Cena-Kritiker einmal vor Augen halten, dass John niemals sein Unternehmen in so eine Position befördern würde. Daher ist auch sein Status in den Shows für mich unantastbar. Die Geschichte mit Vince McMahon zeigt darüber hinaus eine weitere Facette seines Charakters. Dementsprechend ist der Zweck der Punk-Promos erfüllt. Das Publikum in CM Punks Heimatstadt Chicago wird sicherlich dem Match seinen Stempel aufdrücken (ähnlich wie bei WrestleMania 22 zwischen John Cena und Triple H). Trotzdem geht mein Tipp an John Cena.

Kneisel: Um The Miz zu zitieren: "Really?" Haben wir uns alle nur von Punk blenden lassen, der nichts anderes als PPV-Verkäufe im Sinn hat? Da stellt sich mir doch die Frage: Wenn er die Liga tatsächlich verlässt, wonach es aussieht - was hat er dann davon? Keine Frage, die Promos sollten das Interesse an Money in the Bank anheizen - und das mit Erfolg. Seit dem Angriff des Nexus auf Raw hat die WWE keine so intensive und fesselnde Storyline mehr gefahren und ich freue mich seit drei Wochen wie verrückt auf diese Veranstaltung. Von daher kann ich gut damit leben, wenn CM seine Position genutzt hat, um auch seine Fans zu täuschen, denn ich hatte unglaublich viel Spaß dabei. Viel entscheidender ist, ob das Match diese Erwartungen überhaupt erfüllen kann. In meiner Analyse habe ich diverse Szenarien aufgezeigt, wie der Main Event aus meiner Sicht enden könnte. Klar ist, ein Sieg für Cena nähme dem ganzen Aufbau den Wind aus den Segeln. Andererseits, verlässt Punk die Liga tatsächlich, dann wird er den Titel definitiv nicht mitnehmen dürfen. So sehr ich auch hoffe, dass er bleibt - ich glaube nicht daran. Daher lautet mein Tipp: CM Punk gewinnt den Titel und wird anschließend vom Money in the Bank-Sieger entthront.

Alle kommenden WWE-Termine in der Übersicht

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