"Das Schönste ist der Spirit, der hier herrscht"

Alexander Waske, Chef der "Schüttler Waske Tennis-University" in Offenbach
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tennisnet: Worauf kommt es Ihnen sonst noch an?

Waske: Mittwochs haben wir immer Spiele-Tag. Es ist mir wichtig, dass die Spieler sich überlegen, wie man taktisch etwas aufbauen kann, sich immer an neue Begebenheiten anzupassen. Der Gedanke für das X-mas-Battle kam daher, dass wir genau das fördern wollten. Der Tennisplatz ist zwar überall gleich groß, aber die Bedingungen sind bei jedem Turnier unterschiedlich. Jeder Bodenbelag ist anders. Der eine ist hoch, der andere tief, der eine trocken, beim einen Match ist hohe Luftfeuchtigkeit, dazu unterschiedliche Bälle... Ich muss mich jede Woche neu justieren.

tennisnet: Ist es Ihnen auch wichtig, den Spielern einen respektvollen Umgang mit den Fans mitzugeben? Sie hatten immer eine enge Beziehung zu Ihren Fans, wurden sehr geschätzt.

Waske: Ich war ja jahrelang selbst Fan. Bis 25 war ich kein Profi, sondern Student, da habe ich Turniere im Fernsehen geschaut. Einen Tommy Haas hatte ich bis dahin in meinem Leben nie live gesehen. Daher kommt das.

tennisnet: Stichwort Tommy Haas: Sie waren vor seiner Verletzung als Coach mit ihm unterwegs. Ist das weiterhin geplant, wenn er zurückkommt?

Waske: Im Moment nicht. Wir stehen aber in Kontakt. Er ist ja zweifacher Familienvater, jetzt noch Turnierdirektor in Indian Wells. Christian Groh, der viele Jahre mit ihm gearbeitet hat, wohnt dort. Das ist für ihn einfach zu nutzen. Wir haben nicht über nächstes Jahr gesprochen. Ich drück ihm natürlich die Daumen und hoffe, dass er bekommt, worüber wir oft gesprochen haben: seinen Abschluss. Dass er selbst noch gut spielend vom Platz gehen kann und nicht getragen werden muss.

tennisnet: Wie sieht Ihre Arbeit in Offenbach konkret aus, wie viel stehen Sie selbst auf dem Platz?

Waske: Ich gehöre diesem Laden und der Laden gehört mir. Ich bin jeden Tag hier, wenn ich nicht mit einem Spieler auf Tour bin. Nächstes Jahr werde ich viel mit Tatsuma Ito arbeiten, der will unter die Top 50 kommen. Er stand schon mal unter den ersten 60, war dann aber verletzt. Wir haben hier 30 Profis und 20 Jugendliche, und mit allen habe ich schon auf dem Platz gestanden. Jeder Spieler kann mich sofort ansprechen, wenn er ein Problem hat. Dennoch bauen wir momentan unsere professionellen Strukturen innerhalb des Teams weiter aus, um für die Zukunft gut aufgestellt zu sein.

tennisnet: Wie sehen Sie die Zukunft der TU?

Waske: Wir wollen unsere Kapazität vergrößern, da wir die meisten Wochen des Jahres komplett voll sind, zum Teil Spieler ablehnen müssen und noch gebündelter mit allen Teilen der TU arbeiten wollen. Außerdem wollen wir das Team und die Infrastruktur weiter auf höchstem Niveau verbessern. Unser Anteil an Vollprofis ist im Vergleich zu vielen anderen Akademien sehr hoch, aber wir wollen diese Profis auch selbst ausbilden. Das heißt: junge Spieler früh bekommen und ihnen früh unsere Werte beibringen, saubere Technik, Stabilisationstraining, Prophylaxe. Damit der Körper auf hohe Belastungen vorbereitet wird, um später Verletzungen zu vermeiden. Wir wollen in ein paar Jahren Spieler als Aushängeschild haben, die wir mit 8, 12 oder 14 bekommen haben und die dann zum erfolgreichen Profi werden.

Die Weltrangliste der Damen

tennisnet: Eine Geschichte, die Ihre TU bekannt gemacht hat, war die um Angelique Kerber, die 2011 hierhergekommen ist.

Waske: Die Angie hat damals sehr schlecht gespielt. In Wimbledon haben wir sie uns angeschaut. Das war anfangs schwierig, weil sie lieber viele Turniere spielen wollte. Genau das war aber der Punkt: Sie war nicht austrainiert, nicht fit. Gleichzeitig wollte sie ihren Ranglistenplatz nicht aufs Spiel setzen und wollte darum ITF-Turniere spielen. Wir haben immer gesagt: "Bleib hier!" Das ging Woche für Woche so. Nach der dritten Woche hat sie gesagt: "Okay, wir machen das so." Dann hat sie von Wimbledon bis kurz vor den US Open hier trainiert. Mit großem Erfolg. In Flushing Meadows hat sie direkt das Halbfinale erreicht. Nach diesem Trip war alles anders. Da hat sie Blut geleckt und gesagt: "Wenn das so gut funktioniert, will ich noch mehr davon!"

tennisnet: Ist es nicht kurios, dass sie gerade im Fitnessbereich große Probleme hatte und heute die fitteste Spielerin der Tour ist?

Waske: Das hat sie sich - großen Respekt dafür - über viele Jahre erarbeitet. Sie hat weitergemacht und versteht ihren Körper immer besser. Sie ist ans Limit gegangen. 2011 hat sie am 9. November mit der Vorbereitung begonnen und hat sieben Wochen lang gebolzt. 2012 war sie topfit und hat sich auf Platz fünf gespielt. Sie hat nicht nachgelassen und sich professionalisiert. Gerade Angie, die ein sehr emotionaler Typ ist, hat es dann geschafft, das Gejammere und die Abwinkerei abzustellen. Sie ist verdammt tough geworden. Sie ist ein tolles Beispiel dafür, wie man mit harter Arbeit und Talent nach ganz oben kommt.

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