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NHL

"Wir fühlen uns immer benachteiligt"

Von Philipp Dornhegge
MVP Henrik Sedin (l.) und sein Bruder Daniel (2.v.r.) sind die wichtigsten Offensivspieler der Canucks
© Getty

Vancouver Canucks

Championships (Letzter Titel): -

Das sagt SPOX: Wer schon im Vorjahr als Meisterschaftskandidat galt und dann zur ohnehin guten Defense noch Dan Hamhuis und Keith Ballard dazu bekommt, der ist 2011 zumindest Mitfavorit. So einfach ist die Rechnung. Die Offense passt sowieso, Roberto Luongo im Tor ist eine absolute Stütze. Die Tatsache, dass er das Kapitänsamt im Sommer abgab, zeigt aber auch, dass er mit seinen Leistungen zuletzt nicht restlos glücklich war und sich erstmal voll auf sich konzentrieren will. Der neue Goalie-Coach Roland Melanson soll ihm dabei helfen. Das kann sich eigentlich nur positiv auswirken.

Das sagt Barry Melrose: Ich glaube, dass die Canucks den Titel gewinnen werden. Sie waren im Vorjahr schon das zweitbeste Team im Westen und haben jetzt Hamhuis und Ballard in der Defense dazu bekommen. Über die Sedins muss man nicht viel sagen, Leute wie Kesler und Co. können immer für Tore sorgen. Kanadas größte Hoffnung seit langer Zeit.

Calgary Flames

Championships (Letzter Titel): 1 (1989)

Das sagt SPOX: Calgary hat sich im Sommer nur sehr gezielt verstärkt. Unter anderem wurde Free Agent Olli Jokinen von den Rangers zurück geholt, der in New York einen ordentlichen Eindruck hinterließ. Zudem wurde Ian White, der während der Saison gekommen war, weiterverpflichtet. Insbesondere von Whites Arbeitseinstellung war das Flames-Management begeistert. Der Verteidiger sollte für wichtige Punkte von der Blue Line sorgen, denn die Offense ist wacklig. Einzig Jarome Iginla verdient das Prädikat Extraklasse. Allerdings ist der Rightwinger so konstant, erfahren und schlicht und ergreifend gut, dass er die Flames zumindest phasenweise allein tragen kann. Dass das Team 2010 die Playoffs verpasste, war für die Fans in der Provinz Alberta ein Schock. Einer, den sie 2011 vermutlich nicht erleben werden.

Das sagt Barry Melrose: Die Flames sind wahrscheinlich das zweitbeste kanadische Team. Aber der Abstand zu Vancouver ist schon sehr groß. Calgary gefällt mir, weil Mikka Kiprusoff dort im Tor steht - einer der besten Goalies der Liga. Das Scoring macht mir Sorgen, Jarome Iginla muss eine fantastische Saison spielen, wenn die Flames etwas reißen wollen. Aber mit einem Kiprusoff im Tor hat man immer eine Chance zu gewinnen.

Ottawa Senators

Championships (Letzter Titel): -

Das sagt SPOX: Die Bausteine für einen Playoff-Platz - vielleicht sogar mehr - sind definitiv vorhanden: Abgezockte Veteranen im Angriff, Talent im Tor. Defensiv drückte im Vorjahr bisweilen der Schuh, kein Playoff-Team kassierte in der Regular Season mehr Tore. Mit Sergej Gonchar hat man sich deshalb einen weiteren erfahrenen Akteur ins Team geholt. Der ehemalige Champion soll nicht nur den Laden hinten dicht halten, sondern auch die Angriffe initiieren: "Unser Ziel ist es, in der kommenden Spielzeit viel mehr den Puck in unseren Reihen zu halten", erklärt Coach Cory Clouston die Taktik. "Mit Sergej haben wir einen Topverteidiger, der uns dabei helfen wird." Gonchar selbst träumt schon vom Titel: "Viel fehlt uns nicht."

Das sagt Barry Melrose: Ein solides und erfahrenes Team, das mit Sicherheit um die Playoffs spielen wird. Mit Pascal Leclaire, Brian Elliott und den AHL-Talenten Robin Lehner und Mike Brodeur haben sie gute Torleute. Von Jason Spezza und Daniel Alfredsson erwarte ich allerdings mehr als im Vorjahr.

Montreal Canadiens

Championships (Letzter Titel): 24 (1993)

Das sagt SPOX: Für NHL-Verhältnisse hat sich bei den Canadiens nicht viel getan, das Gerüst steht. Mike Cammalleri, Brian Gionta und Co. sind in der Offense weiter für Tore zuständig, P.K. Subban sollte nach seiner Coming-Out-Party beim tollen Playoff-Lauf der Habs weitere Fortschritte machen. Jeff Halpern ist der prominenteste Neuzugang und sollte zusätzliche Erfahrung bringen. Allerdings kann man in dieser Liga für gewöhnlich nur so weit kommen, wie einen der Goalie trägt. Und da wird man den Abgang von Jaroslav Halak schmerzlich spüren. Eine Überraschung wie im Vorjahr ist deshalb fast ausgeschlossen.

Das sagt Barry Melrose: Das Scoring dürfte kein Problem sein, das Power-Play der Canadiens ist auch richtig gut. Aber man sieht schon in der Vorbereitung, dass Goalie Carey Price Probleme hat. Mir kann keiner erzählen, dass er zum Saisonstart einfach den Schalter umlegt und plötzlich das Tor vernagelt. Will Montreal wirklich in den Playoffs weit kommen, dann geht das nur mit einem überragenden Price.

Toronto Maple Leafs

Championships (Letzter Titel): 13 (1967)

Das sagt SPOX: Die Leafs haben vor allem eine Baustelle: Special Teams. Sowohl im Power-Play als auch im Penalty-Kill war kein Team 2009/2010 schlechter. Das ist umso überraschender, wenn man bedenkt, dass Toronto eins der besten Penalty-Differentials der Liga hat, sprich sich deutlich mehr Überzahl-Situationen erspielte als zuließ. Die Tatsache, dass die Maple Leafs selten in Führung gingen - und, wenn doch, diese Führung oftmals schnell und leichtfertig wieder hergaben - war ein weiteres Problem. Vom neuen Kapitän Dion Phaneuf muss in punkto Scoring mehr kommen, im Draft konnte man sich auch keine Supertalente sichern. Es geht allenfalls langsam bergauf in Toronto.

Das sagt Barry Melrose: Sie werden besser sein als im Vorjahr, aber ihnen fehlt immer noch die Durchschlagskraft vor dem Tor. Auch die Goalie-Situation gefällt mir nicht. Jean-Sebastian Giguere hat noch nicht viele Spiele für Toronto gemacht und muss zeigen, was er kann. Keine Frage, mit Dion Phaneuf, Mike Komisarek und Tomas Kaberle haben sie eine sehr solide Verteidigung, aber wie gesagt: Wer macht die Tore? Ich sehe die Maple Leafs nicht in den Playoffs.

Edmonton Oilers

Championships (Letzter Titel): 5 (1990)

Das sagt SPOX: Die Oilers planen langfristig. Allein in diesem Jahr durfte Edmonton in den ersten beiden Draft-Runden vier Spieler wählen. Auf keinem Spieler ruhen so große Erwartungen wie auf Taylor Hall, dem Nummer-Eins-Pick. "Er ist unglaublich schnell", ist Center Shawn Horcoff begeistert. "So einem Kerl muss man einfach den Puck geben." Die Fans im Rexall Place werden Hall lieben, so viel ist sicher. Auch wenn er aus Calgary kommt. Die Youngster Jordan Eberle (Draft-Pick 2008) und Magnus Paajarvi (Draft-Pick 2009) sollen ebenfalls die Zukunft der Franchise prägen. Die Preseason gab in der Beziehung durchaus Anlass zu großer Hoffnung. Rechnet man auch noch Topscorer Dustin Penner hinzu, dann merkt man schnell, dass sich in Edmonton einiges tut. Erstes Opfer der Jugendbewegung ist Verteidiger Sheldon Souray. Der oft verletzte 33-Jährige wurde aussortiert. Die Oilers werden Spaß machen, viele Tore erzielen und wahrscheinlich wie in der Vorsaison auch viele kassieren. Aber immerhin werden sie mit fliegenden Fahnen untergehen - und dabei ihre Anhänger von der Zukunft träumen lassen.

Das sagt Barry Melrose: Wenn ich ein Oilers-Fan wäre, würde ich hoffen, dass das Team in dieser Saison Letzter wird und so 2011 wieder einen hohen Draftpick bekommt. Genau so haben es Pittsburgh und Washington vor einigen Jahren auch gemacht. Das Talent ist jetzt schon da in Edmonton, die besten Jahre hat das Team aber noch vor sich.

Finals-Tipp: Vancouver vs. Washington

Das sagt SPOX: Grundsätzlich ist die NHL unberechenbarer als die anderen US-Sportarten. Jedes Jahr tauchen ein oder mehrere Teams in den Playoffs auf, die eigentlich niemand auf der Rechnung hat. Das wird wohl auch in diesem Jahr so sein. Läuft jedoch alles normal, dann ist Detroit im Westen Vancouvers härtester Konkurrent. Im Osten sind die Penguins einmal mehr Mitfavorit auf die Finals. Letzten Endes erhalten aber die Canucks und die Caps die SPOX-Stimme, weil beide ihre Schwachstellen ausgemerzt zu haben scheinen, ohne ihrer Stärken beraubt worden zu sein.

Das sagt Barry Melrose: Pittsburgh ist stark, aber ich habe das Gefühl, dass die Capitals es allen beweisen wollen. Sie werden mehr Defense spielen, offensiv sind sie sowieso bärenstark. Vancouver ist im Westen reif für die Finals - und wird den Titel holen.

Sleeper-Pick: Die L.A. Kings

Das sagt SPOX: Wie sich die Kings in der ersten Playoff-Runde 2010 gegen die vermeintlich übermächtigen Canucks zur Wehr gesetzt haben, war schon beeindruckend. Zu jeder Zeit konnte man sehen, dass die Kalifornier einen klaren Plan verfolgen, den die junge Truppe konsequent umgesetzt hat. Irgendwann hat sich zwar die Klasse der Sedins durchgesetzt, und Roberto Luongo entschied das Goalie-Duell gegen den offensichtlich müden Jonathan Quick für sich, aber man sah Talent, Teamgeist und die richtige Arbeitseinstellung. Verteidiger Willie Mitchell war offenbar ebenfalls sehr angetan und wechselte im Sommer die Seiten.

Das sagt Barry Melrose: Sie haben ein Jahr Erfahrung dazu gewonnen, mit Olympiasieger Drew Doughty den besten jungen Verteidiger auf diesem Planeten und sehr solides Goaltending mit Jonathan Quick.

"ESPN"-Experte Barry Melrose wurde am 15. Juli 1956 in Kelvington/Saskatchewan geboren. Als Verteidiger spielte Melrose in der NHL für die Winnipeg Jets (79-80), Toronto Maple Leafs (80-83) und Detroit Red Wings (83-84). Als Headcoach war er bei den L.A. Kings und den Tampa Bay Lightning angestellt.

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