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NFL: Aaron Donalds unwahrscheinlicher Aufstieg zum besten Verteidiger der Liga

Von Alex Weber
Aaron Donald steht mit den Los Angeles Rams zum zweiten Mal im Super Bowl.

Aaron Donald ist bereits seit einigen Jahren der wohl beste Defensiv-Spieler in der NFL. Auf individueller Ebene hat er in seiner Karriere schon fast alles erreicht, das Einzige was noch fehlt, um zu den ganz Großen aufzusteigen, ist ein Super-Bowl-Ring. Dabei wurde er auf seinem Weg bis ganz nach oben nicht immer gefeiert, sondern oft angezweifelt.

Im Vorfeld des Draft Days 2014 waren heutige Superstars wie Khalil Mack, Jadeveon Clowney, Mike Evans und Odell Beckham Jr. in aller Munde. Der heute wohl dominanteste Spieler der NFL, Aaron Donald, hingegen war eher eine Randnotiz.

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Der Defensive Tackle hatte sich nach vier Jahren im College und starken Auftritten für die Universität Pittsburgh für den Draft angemeldet. Er wurde zwar als Erstrundenpick gehandelt, doch im Vorfeld an das dreitägige Spektakel hörte man von den meisten Draft-Analysten immer wieder das Gleiche: Mit 1,85 Meter sei Donald für einen Defensive Tackle zu klein und könnte dadurch auf dem nächsten Level Schwierigkeiten bekommen.

Die Rolle des Underdogs ist für Donald nichts Neues. Als er die High School beendete, hatte er lediglich drei Angebote für ein Stipendium, um am College weiter Football zu spielen. Eins dieser Angebote kam aus Pittsburgh und so entschied er sich, in seinem Heimatstaat ans College zu gehen. In vier Jahren mit den Pittsburgh Panthers verpasste er kein einziges Spiel und produzierte 66 Tackles for Loss, 29,5 Sacks und 6 Forced Fumbles.

Nach vier starken Saisons bei den Panthers meldete er sich zum NFL Draft an und überzeugte auch im Pre-Draft-Prozess durch starke Leistungen im Senior Bowl, eine Art All-Star-Game der besten für den Draft zugelassenen Spieler. Beim NFL-Combine stellte er zudem einen neuen Rekord im 40-Yard-Dash auf, als er mit 4,68 Sekunden schneller lief als jeder andere Defensive Tackle vor ihm.

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Eigentlich brachte Donald alles mit, was die General Manager der NFL-Teams sehen wollen. Er lieferte im College ab, ist nie verletzt, spielintelligent und noch dazu ein herausragender Athlet. Trotzdem musste sich Donald am Abend des Drafts 2014 eine ganze Weile gedulden, bis er endlich seinen Namen hörte. Letztlich wählten ihn die Rams, die damals noch in St. Louis beheimatet waren, mit dem 13. Pick des Drafts aus.

"Diesen Rat würde ich sonst keinem einzigen Spieler geben"

In einem Interview mit ESPN erinnerte sich der damalige Defensive Line Coach der Rams, Mike Waufle, an Donalds College-Zeit zurück. "Viele mochten ihn nicht, weil er zu klein war. Aber ich habe damals gesagt, er ist der beste Spieler, den ich auf dieser Position je gesehen habe. Ich habe mich sehr dafür eingesetzt, dass wir ihn holen." Les Snead, seit 2012 GM der Rams und auch heute noch im Amt, erfüllte seinem Defensive Coordinator den Wunsch und zog Donald.

Waufle erklärte Donald in der Offseason, dass er viel über die richtige Technik und Grundlagen hören werde. Er riet ihm, dass er diese Dinge ausblenden und einfach nur spielen solle. Auf die Frage, ob er diesen Rat auch anderen Spielern geben würde, erklärte Waufle: "Niemals. Diesen Rat würde ich sonst keinem einzigen Spieler geben."

Dass Donald bereits als Rookie ein solches Vertrauen von seinen Coaches ausgesprochen bekam, rechnet der Defensive Tackle vor allem seinem Vater Archie Donald an. "Einen großen Teil meines Erfolgs und dem, was ich heute mache, habe ich meinem Vater zu verdanken", erzählte Donald in einem Interview mit ESPN. "Er hat mir die richtige Einstellung beigebracht und wie man richtig arbeitet. Ich sage immer, dass mein Vater mir beigebracht hat, wie man ein Profi ist."

Donalds Vater ist ausschlaggebend für seinen Weg zum Erfolg

Sein Vater spielte früher selbst Football, beendete seine Karriere aber in seinem ersten Jahr am College nach einer schweren Knieverletzung. Als sein jüngster Sohn Jahre später begann, Football zu spielen, deutete dieser früh großes Potenzial an, doch er arbeitete wenig an seinem Spiel und aß zu viel. Donald hat bereits öfter zugegeben, dass er als Kind faul war, doch sein Vater motivierte ihn, etwas aus seinem Talent zu machen.

Der 12-jährige Donald und sein Vater trafen sich von da an früh morgens im Keller ihres Hauses und stemmten für zwei Stunden lang Gewichte. Und das jeden Tag unter der Woche noch vor Beginn der Schule. "Am Anfang war Aaron noch ein wenig faul", erinnerte sich sein Vater zurück. "Dann hat er die Früchte seines Trainings gesehen. Und als er älter wurde, war er es, der mich jeden Morgen aufgeweckt hat, um zu trainieren."

Das trug letztlich schon früh in seiner NFL-Karriere Früchte, denn schon in seiner ersten Spielzeit in der NFL wurde er in den Pro Bowl gewählt und zudem als Defensive Rookie of the Year ausgezeichnet. Bereits nach seinem ersten Jahr war klar, dass ihn seine Größe auch in der NFL nicht daran hindern würde, gegnerische Quarterbacks zu terrorisieren. Im Jahr darauf legte er sogar seine erste All-Pro-Saison hin.

Donald spielt groß auf, doch sein Team enttäuscht

Bis heute ist AD99 in jeder seiner acht NFL-Saisons zum Pro-Bowler gewählt worden, seit seiner zweiten Spielzeit 2014 war er zudem jedes Jahr im All-Pro-Team und seit 2015 sogar jede Spielzeit als First-Team All-Pro. Für individuelle Erfolge sorgt Donald bereits seit seinem Rookie-Jahr, doch der Erfolg mit dem Team ließ zunächst einige Jahre auf sich warten.

Unter dem damaligen Head Coach Jeff Fisher hatten Donald und die Rams in seinen ersten drei Spielzeiten jeweils mehr Niederlagen als Siege auf dem Konto. Sie beendeten die Saison zweimal auf dem dritten Platz und einmal als Letzter der NFC West. Donald spielte zwar stark, doch dem Team fehlt um ihm herum schlichtweg das Talent, um die Playoffs zu erreichen.

Vor der Saison 2016 zogen die Rams von St. Louis nach Los Angeles um, doch von Hollywood-Glanz war auf dem Spielfeld auch in L.A. nichts zu sehen. Nach einer Blowout-Niederlage gegen die Atlanta Falcons und einer Bilanz von 4-9 wurde Fisher schließlich entlassen.

Mit Sean McVay kommt die Wende in Donalds Karriere

2017 dann sorgten die Rams in der Offseason für Schlagzeilen, als sie Sean McVay, der zuvor zwei Jahre lang Offensive Coordinator der Washington-Franchise war, zum jüngsten Head Coach in der Geschichte der NFL ernannten. Eine mutige Entscheidung, die sich im Nachhinein aber als goldrichtig für die Organisation herausstellen sollte. Gleich in McVays erstem Jahr erreichten die Rams die Playoffs. In der Wildcard Round war zwar schon wieder Schluss, doch es sollte erst der Anfang einer deutlich besseren Periode für Donald und die Rams sein.

Seit 2017 haben die Rams in vier der fünf Saisons unter der Leitung von McVay die Playoffs erreicht. Individuell lief es für AD99 seitdem sogar noch besser als in den drei Jahren zuvor. Donald wurde 2017 Defensive Player of the Year und nachdem er mit 20,5 Sacks im Jahr 2018 einen neuen Sack-Rekord für Defensive Tackles aufgestellt hatte, bekam er die Auszeichnung erneut verliehen. Vor ihm konnten bisher nur Lawrence Taylor und J.J. Watt den Award in aufeinanderfolgenden Jahren gewinnen. 2020 wurde er erneut als bester Defensiv-Spieler der Liga geehrt.

Sein Head Coach weiß um die Wichtigkeit Donalds für die Franchise und scheut sich nicht Lobeshymnen über den Defensive Tackle zu anzustimmen. "Es gibt keine einzige Sache, die dieser Typ nicht gut macht. Er ist der motivierteste Spieler, den ich je trainiert habe und er hat noch dazu der mit dem besten Instinkt", erklärte McVay in einem Interview mit The Athletic. "Auch für mich ist er eine große Motivation: Wenn er keinen Super Bowl gewinnt - Schande über mein Haupt."

Donald fehlt der Super-Bowl-Ring

Individuell hat Donald - bis auf den MVP-Award - schon alles gewonnen. Was ihm in seinem gut gefüllten Trophäen-Kabinett aber noch fehlt, ist ein Super-Bowl-Ring. 2018 war dieses Ziel für ihn zum Greifen nahe, als er mit seinem Team in Super Bowl LIII auf die New England Patriots traf. Trotz einer starken Defensiv-Leistung verloren die Rams das Spiel am Ende aber mit 3:13, doch Donald ließ sich davon nicht demotivieren- im Gegenteil.

Nach dem Spiel erklärte er, dass ihn diese Niederlage nur noch mehr motivieren würde, um besser zu werden. "Jetzt, wo ich so nah dran war, ist das nur eine zusätzliche Motivation für mich. Ich will noch härter an mir arbeiten. Dieses Mal haben wir verloren, aber ich werde einen Weg finden, um noch besser zu werden und wir werden hierher zurückkehren."

Damit sollte er Recht behalten. Die Rams stehen dieses Jahr erneut im Super Bowl und Donald hat gegen die Cincinnati Bengals nun erneut die Chance, sich endlich seinen Ring zu holen.

Aaron Donalds Regular-Season-Stats:

SaisonSpieleTacklesSacksTackles for LossForced Fumbles
14/1516489,0182
15/16166911,0220
16/1716478,0172
17/18144111,0155
18/19165920,5254
19/20164812,5202
20/21164513,5144
21/22178412,5194
Gesamt12744198,015023
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