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NFL

Top 5: Die wichtigsten Erkenntnisse der Wildcard Round: Wie geht es weiter für die Verlierer?

SPOX-Redakteur Adrian Franke blickt nach der ersten Playoff-Runde vor allem auf die Verlierer - und deren Prognose für die Zukunft.

5. Pittsburgh Steelers: Wer beerbt Big Ben?

Bei vermutlich keinem Team war das Playoff-Aus eine bessere Versinnbildlichung der gesamten Saison. Pittsburgh verlor am Ende deutlich gegen die Chiefs, aber lange sah es nicht danach aus. Die ersten fünf Drives der Chiefs endeten so: Punt, Punt, Interception, Punt, Fumble-Return zum Touchdown durch die Steelers-Defense.

An diesem Punkt stand es 7:0 und beide Teams hatten bereits je fünf Drives absolviert, in den meisten Spielen wäre wenig später Halbzeit gewesen. Doch Kansas City hatte noch drei weitere Drives im zweiten Viertel, alle drei endeten mit Touchdowns und die Partie war zur Pause beim Stand von 7:21 gelaufen.

Die Steelers-Defense hatte Pittsburgh nicht nur eine Chance gegeben, sie hatte sogar den ersten Touchdown aufgelegt. Doch die eigene Offense brachte in der ersten Halbzeit insgesamt keine 50 Yards zustande, die ersten vier Drives zusammengerechnet brachten sieben Yards Raumgewinn ein und nahmen 7:28 Minuten von der Uhr.

An irgendeinem Punkt bricht der Damm, wenn man der Chiefs-Offense immer wieder neue Gelegenheit gibt, und genau das passierte dann. Die Drives Nummer sechs bis 11 brachten allesamt Touchdowns ein, erst spät im Spiel kam dann noch ein Lebenszeichen der Steelers-Offense.

Eine Offense, die sich im mutmaßlich letzten Spiel von Ben Roethlisberger so verabschiedete, wie sie das ganze Jahr über gespielt hatte: Mit sehr vielen schnellen Pässe, einem äußerst zähen Run Game und minimalem Spielraum für Fehler, da man konstant in Third Down lebt und der nächste Punt schon um die Ecke wartet.

Die Staffelstabübergabe und der Neustart für die gesamte Offense war überfällig. Jetzt wird es spannend sein zu sehen, in welche Richtung die Steelers offensiv gehen wollen.

Die Steelers und Tomlin als Culture-Paradebeispiel?

Bei Pittsburgh muss man genauso deutlich den Hut davor ziehen, dass Mike Tomlin dieses Team in die Playoffs geführt hat, wie man es hinterfragen muss, warum man der Meinung war, dass eine weitere Saison mit Ben Roethlisberger der richtige Ansatz ist. Beide diese Dinge können ja gleichzeitig zutreffen.

Pittsburgh fasziniert mich insofern, als dass die Steelers das zu haben scheinen, was so viele Teams - gerade zu dieser Zeit des NFL-Kalenders mit den großen Head-Coaching-Suchen - verzweifelt haben wollen: Die Culture, diese Mentalität, Spiele zu gewinnen, die man nicht gewinnen sollte. Und das nicht einmal oder zweimal, die Steelers waren meisterhaft darin, sich durchzuwurschteln, ein besseres Wort fällt mir dafür kaum ein.

Was also steht nach dieser Steelers-Saison, neben der Erkenntnis, dass Mike Tomlin ein sehr guter Head Coach ist und die Steelers als Organisation deutlich zu lange an Big Ben festgehalten haben?

Ich würde damit anfangen, dass Tomlin und dessen Beitrag sicher nicht zu unterschätzen sind, aber dass auch die Steelers gute Spieler brauchen, um Spiele zu gewinnen. Und die hat Pittsburgh, und das in einigen kritischen Spots: Der Pass-Rush ist der offensichtliche Part, ich mag auch die Skill-Position-Gruppe. Freiermuth war ein guter Pick für diese Offense.

Pittsburghs Quarterback-Frage: Veteran oder Rookie?

Und da beginnt denke ich auch die Diskussion über die nächsten Schritte und die Prognose. Die Steelers sind kein Team, das einen bewussten Rebuild einleitet. Das Festhalten an Big Ben könnte als ein Hinweis darauf verstanden werden, der Trade für Minkah Fitzpatrick in einer vermeintlich verlorenen Saison damals als ein anderer.

Pittsburgh wird jetzt nicht den radikalen Neustart wagen und vielleicht wird man nicht einmal ein bewusstes Übergangsjahr einlegen, deswegen bin ich auch skeptisch was einen Quarterback im Draft angeht - der dann vermutlich direkt starten müsste.

Sicher, Kenny Pickett wäre eine tolle Story, aber hier erwarte ich ohnehin, dass Pickett bereits vom Board ist, wenn die Steelers im Draft an der Reihe sind. Und ich vermute eben auch nicht, dass Pittsburgh bewusst diesen Weg einschlagen wird.

Winston, Mariota oder Garoppolo als Big-Ben-Erbe?

Ich erwarte hier, auch wenn es bereits einige Gerüchte Richtung Draft rund um die Steelers gibt, eher einen erfahrenen Quarterback. Marcus Mariota, Jimmy Garoppolo, vielleicht Jameis Winston - so eine Lösung halte ich angesichts der DNA der Franchise im Moment für wahrscheinlicher.

Ein Veteran, bei dem man genau weiß, was man sich einkauft, der sofort starten kann und der einem in mehreren Bereichen schlagkräftigen Team die Chance gibt, direkt wieder kompetitiv zu sein.

Welchen Weg die Steelers hier auch wählen, ich bin sehr gespannt darauf, zu beobachten, wie das dann die Struktur der Offense beeinflusst. Hier haben - auch durchaus zurecht - die Offensive Coordinators in Pittsburgh in der jüngeren Vergangenheit einiges an Kritik eingesteckt, aber ich bleibe dabei, dass eine Offense früher oder später zwangsweise die Identität des eigenen Quarterbacks annimmt.

Das konnte man hier denke ich auch beobachten. Dass Roethlisberger nicht von der Hand zu weisende Limitierungen an diesem Punkt seiner Karriere hat, dürfte außer Frage stehen; ein neuer Quarterback könnte dann auch nicht nur individuell, sondern auch schematisch neue Türen öffnen.

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