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NFL

Top 5: Die wichtigsten Ereignisse der Divisional Round: Machen Brady und Rodgers Schluss?

SPOX-Redakteur Adrian Franke blickt zurück auf die Divisional-Runde - insbesondere aus der Perspektive der Verlierer.

2. Green Bay Packers: Kommt jetzt der große Knall?

Selbst mit etwas Abstand fällt es noch schwer, so richtig in Worte zu fassen, was da in Green Bay passiert ist. Dass die Packers am Ende ihrem eigenen Special Team, das es noch nicht einmal schaffte, beim entscheidenden Field Goal nach der Timeout elf Leute aufs Feld zu bringen , zum Opfer fallen, war dabei noch die am wenigsten überraschende Storyline aus alledem.

Dass Rodgers weiterhin die Niners nicht in den Playoffs schlagen kann und auch im vierten Anlauf unterliegt, hat zumindest Wert aus Storytelling-Perspektive. Dass eine abermals durchgewirbelte Packers-Line irgendwann doch Probleme mit der Niners-Front bekam, damit musste man rechnen.

Dass die Packers jetzt in drei Jahren unter Matt LaFleur jeweils 13 Spiele in der Regular Season gewonnen, es aber nie in den Super Bowl geschafft haben, wird zunehmend eine Storyline, über die Packers-Fans sicher nicht diskutieren wollen.

Green Bay über diese drei Jahre ist damit das Team mit den meisten Siegen in einem Dreijahresfenster aller Zeiten, das es nicht in den Super Bowl geschafft hat.

Green Bay: Eingeholt von der Receiver-Problematik

Was bei mir aber am meisten hängen geblieben ist, sind - auch wenn sich natürlich, und das ohne Frage ein Stück weit zu Recht, alles auf das Special Team stürzt - zwei Punkte. Einerseits die Tatsache, dass Green Bay nach dem ersten Drive nie wieder in seinen Rhythmus gekommen ist. Nach dem Opening Drive hatte Green Bay noch genau einen Drive mit mehr als sechs Plays, der Field-Goal-Drive im dritten Viertel.

Punkt 2 hängt direkt damit zusammen, und es ist ein Thema, das ich bei Green Bay bereits seit Jahren auf den Tisch bringe, spätestens zu den jährlichen Draft-Diskussionen rund um die Packers: Die Wide-Receiver-Thematik.

Aaron Jones hatte gegen die Niners zehn Targets, er führte - dank seines 75-Yarders vor der Halbzeitpause bei dem Coverage-Bust - die Packers in Receiving-Yards an. Davante Adams hatte elf Targets und neun Catches für 90 Yards.

Kein anderer Spieler hatte mehr als zwei Targets und kein anderer mehr als einen Catch.

Einzig Backup-Tight-End Dominique Dafney kam auf zwei Targets, die einzigen beiden Pässe, die nicht Jones oder AdaEhems fingen, schnappten sich Lazard für sechs und Lewis für 0 Yards Raumgewinn.

Ich denke schon, dass wir darüber sprechen müssen, dass Green Bays schematische Parameter abgesehen vom ersten Drive, bei dem die Niners noch softer in ihren Coverages saßen, quasi gar nicht griffen. Und dass LaFleur vielleicht früher von den Runs bei First Down hätte absehen, und sie durch das Quick Game hätte ersetzen müssen, welches Green Bay so häufig dieses Jahr geholfen hat.

Aber noch viel dringender müssen wir darüber sprechen, dass viel zu häufig keiner der anderen Receiver Separation kreiert hat. Dass keiner Plays gemacht hat. Dass gerade früh im Spiel, als San Franciscos Front noch nicht ganz so aktiv war, mehrfach der Druck zunahm, weil die Coverage so eng saß - und die Niners das, mit ihrer sicher nicht unschlagbaren Cornerback-Gruppe, das auch so spielen konnten.

Darüber, dass Rodgers an irgendeinem Punkt komplett in den Adams-Lock-Modus ging und andere offene Receiver wenn sie dann mal da waren, nicht mehr wahrnahm. Diese Tendenz hatte Rodgers in vergangenen Jahren bereits immer wieder mal gezeigt, unter LaFleur spielte er deutlich disziplinierter aus der Pocket. Das Spiel gegen die Niners war in der Hinsicht für ihn ein bitterer Rückfall, und das geht dementsprechend auch auf Rodgers' Kappe.

Die Niners doppelten Adams teilweise auch gerade bei Third Down, und dann gab es für Rodgers oftmals keine Alternativen.

Auch der kontroverse 2020er Draft holt Green Bay ein

Green Bay konnte dieses Jahr häufig Dinge mit Play-Designs lösen, und den besten Receiver der NFL zu haben ist natürlich ein enormes Pfund. Aber es ist denke ich nicht zu unfair, zu sagen, dass das Fehlen einer starken Nummer 2 im Passspiel Green Bay dieses Spiel auch gekostet hat.

Da komme ich dann auch zurück auf den damals intensiv diskutierten 2020er Draft, und dessen Auswirkungen. A.J. Dillon ist ein netter Role Player, die Vertragsverlängerung von Jones macht diesen Zweitrunden-Pick damals umso kurioser. Josiah Deguara ist bestenfalls ein Role Player.

Die Auswirkungen eines Drafts sieht man häufig erst mit Verspätung. Und selbstredend war es nicht der einzige Grund für das Aus am Samstagabend. Aber in meinen Augen haben auch die Entscheidungen in jenem Draft die Packers bei der Niederlage gegen San Francisco eingeholt.

Rodgers-Trade? Adams weg? Wie geht es weiter?

Jetzt fokussiert sich natürlich alles - viel früher als in Wisconsin erhofft - auf die Offseason. Kann man Davante Adams halten? Was wird aus Aaron Rodgers? Diese Fragen werden die nächsten Wochen in Green Bay prägen.

Adams kann man denke ich schneller abhandeln. Ich sehe kein Szenario, in dem die Packers - trotz wenig Cap-Spielraum - den besten Wide Receiver der NFL gehen lassen. Adams wird notfalls per Franchise Tag gehalten, alles andere würde mich sehr überraschen.

Rodgers ist da deutlich komplexer, allein weil man bei Rodgers für sich betrachtet erst einmal nichts ausschließen kann. Würde es mich wundern, wenn er morgen sein Karriereende verkündet? Nein. Würde es mich wundern, wenn er die Organisation öffentlich attackiert und danach seinen Trade forciert? Nein.

Würde es mich wundern, wenn er in Green Bay bleibt und - vermutlich mit einem neuen Vertrag - der Starting-Quarterback der Packers zum Saisonauftakt 2022 ist? Keineswegs.

Tipp: Rodgers bleibt in Green Bay - oder er hört auf

Doch mein Eindruck bei Rodgers war, und deshalb hatte ich die Prognose auch vor einigen Wochen schon einmal abgegeben, dass er sich nach all den Diskussionen in der Offseason im Laufe der Saison zunehmend wohler fühlte.

Die Chemie mit Matt LaFleur scheint zu passen, das Team kam ihm mit dem Randall-Cobb-Trade entgegen und Rodgers sprach zuletzt sogar öffentlich positiv über das Zusammenspiel mit GM Brian Gutekunst und darüber, wie ihre Beziehung gewachsen sei. Eine Beziehung, die er im August noch als "Work in Progress" bezeichnet hatte.

Ich habe den Eindruck, dass in Green Bay intern einige der Probleme, die zu Rodgers' Unzufriedenheit und schließlich der Explosion im vergangenen Frühjahr geführt hatten, gelöst wurden. Dass am Miteinander gearbeitet wurde, Rodgers auf die Art und Weise einbezogen wurde, wie er es sich gewünscht hatte, und man auf einem guten Weg ist.

Ehrlicherweise ist meine Prognose deshalb auch unverändert. In meinen Augen ging es ihm nie darum, Green Bay unbedingt zu verlassen, nachdem die Packers mit Jordan Love seinen potenziellen Nachfolger gedraftet hatten. Rodgers geht es in erster Linie darum, dass er einen Einfluss hat und dass seine Stimme gehört wird. Das hat sein Verhalten in den letzten Monaten mit Nachdruck untermauert.

Nach dem Spiel am Sonntag kündigte er an, dass er sich etwas Zeit nehmen, aber vor der Free Agency eine Entscheidung treffen wolle. Er sagte auch, dass er - wenig überraschend - nicht Teil eines Rebuilds sein werde, und die Packers haben nach den Saints die schwierigste Cap-Situation in der NFL: Stand jetzt wären sie knapp 40 Millionen Dollar drüber. Einiges an Cap-Akrobatik wird nötig sein, um nicht zu viel Talent zu verlieren.

Aber unmöglich ist das nicht. Ich denke, dass Rodgers entweder in Green Bay bleibt - oder seine Karriere beendet. Und die Tendenz geht für mich klar zu Ersterem.

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