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Top 5: Die wichtigsten Erkenntnisse aus Woche 7 in der NFL

SPOX-Redakteur Adrian Franke blickt zurück auf Woche 7 in der NFL.
© getty
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Für wen geht der Blick nach Week 7 Richtung Offseason?

Wir kommen der Saison-Mitte immer näher, und dieser Spieltag mit wenigen echten Topspielen hat für mich ganz besonders unterstrichen, wie trostlos es teilweise im Liga-Mittelfeld sein kann - aber eben auch, welche Chancen hier liegen können.

Offseason-Strategien sind ein faszinierendes Thema, und mit Blick auf die anstehende Trade-Deadline - bis zum 2. November dürfen noch Trades durchgeführt werden - bekommen wir einen ersten Teil dieser Gesamt-Gleichung bereits jetzt: Hier werden die ersten Weichen gestellt. Wer fängt an, Ressourcen für die kommende Offseason zu sammeln? Wer macht das Gegenteil? Und selbst die GMs, die die Füße stillhalten, obwohl sie vielleicht in die eine oder andere Richtung tendieren sollten, verraten uns etwas über die Strategie des Teams.

Das, rein chronologisch betrachtet, erste Kernproblem mit Rebuilds - insbesondere wenn wir in das Hier und Jetzt schauen, also die erste Weichenstellung in Form der Trade-Deadline - ist die Frage der Job-Sicherheit. Ein GM, dessen Stuhl potenziell wackelt, wird deutlich weniger gewillt sein, während der Saison seine wenigen Stars noch abzugeben; häufig würde er damit nichts anderes machen, als seinem Nachfolger Ressourcen zu verschaffen.

Was dabei herauskommt, ist dann häufig ein Abstrampeln für den sechsten oder siebten Saisonsieg, um irgendwie über Wasser zu bleiben - was das beste Rezept ist, um eine Franchise perspektivisch ins Niemandsland zu führen.

Das macht es so schwierig, zumindest in manchen Fällen, jetzt bereits einen Umbruch zu starten, insbesondere, wenn man mit ganz anderen Ambitionen in die Saison gegangen ist. Obwohl das für einige Teams exakt der richtige Schritt wäre.

Aber für welche Teams gilt das eigentlich? Die Jets oder die Jaguars, die gerade am Anfang eines (erneuten) Neustarts stehen, sind hier nur bedingt attraktive Optionen. Houston ist ohnehin mittendrin. Wie könnte das konkret bei einigen Teams, die hier in Frage kommen, aussehen?

Diese Teams sollten schon jetzt den Neustart-Knopf drücken

Denver Broncos (3-4): Über die Carolina Panthers und deren Entscheidung für Sam Darnold habe ich in den letzten beiden Wochen genug geschrieben; grundsätzlich würde ich die Panthers auch mit in diese Liste zählen, wenngleich die Situation in Carolina angesichts des garantierten Gehalts von Sam Darnold für 2022 etwas schwieriger wird. Die Panthers waren auch Käufer und nicht Verkäufer bisher in dieser Saison, Carolina steuert so ein wenig ins Nichts. In diese Kategorie gehören für mich derzeit auch die Steelers mit ihrem Versuch, ein letztes Jahr aus Big Ben herauszubekommen.

Denver hat zwar auch die Quarterback-Übergangslösung in Person von Teddy Bridgewater, nachdem man das Drew-Lock-Experiment bereits vor Saisonstart aufgegeben hatte. Aber Bridgewater ist nach der Saison Free Agent, und ich gehe fest davon aus, dass Denver genug von Experimenten und Übergangslösungen hat, und sehr aggressiv auf dem Trade-Markt sein wird, falls etwa ein Aaron Rodgers tatsächlich zu haben ist.

Die gute Nachricht aus Broncos-Sicht - neben der Tatsache, dass man in Bridgewater nicht mittel- oder gar langfristig investiert hat - sind die Spieler, die Trade-Value einbringen könnten. Kyle Fuller, auch wenn er in Denver in Ungnade zu fallen scheint, dürfte etwas einbringen, auf Cornerback ist Denver ohnehin tief besetzt. Auch Von Millers Vertrag läuft nach der Saison aus, genau wie der von Safety Kareem Jackson und Running Back Melvin Gordon.

Das Spiel gegen Cleveland hat für mich untermauert, dass Vic Fangio spätestens nach Saisonende nicht mehr Coach in Denver sein wird. Die Defense schaffte es gegen diese von Ausfällen dezimierte Browns-Offense nicht, das Run Game zu stoppen, nachdem über die letzten Wochen die Secondary immer wieder Big Plays abgab. Die Offense ist längst im Mittelmaß angekommen, das aber musste man erwarten - dass die Defense wackelt dagegen nicht.

Denver ist somit ein spannender Fall für das eingangs erwähnte Problem: Der neue GM George Paton sitzt naturgemäß sicher im Sattel - Head Coach Vic Fangio keineswegs. Startet Paton jetzt den Ausverkauf, wäre sein Head Coach vermutlich für den Rest des Jahres die berüchtigte "Lame Duck".

Miami Dolphins (1-6): Bevor Dolphins-Fans die Mistgabeln rausholen, ich will damit nicht sagen, dass man Tua jetzt schon aufgibt. Nicht zuletzt weil er dafür auch seit seiner Rückkehr zu gut spielt. Deshalb würde ich auch nicht Gesicki abgeben, oder Waddle, oder die Offensive Line noch weiter rupfen - auch wenn man hier sagen muss, dass ich nicht weiß, ob das dann wirklich ein Downgrade wäre.

Aber dennoch würde ich allerspätestens mit diesen Pleiten gegen Jacksonville und Atlanta sagen, dass die Saison aus sportlicher Perspektive gelaufen ist, und dass die Dolphins sich darauf einstellen müssen, einen weiteren Rebuild einzuleiten. Die Frage ist nur noch, wer diesen durchführt - und wie drastisch er ausfällt.

Miami hat bereits dahingehend gezockt, dass man im Uptrade für Jaylen Waddle seinen eigenen First-Round-Pick 2022 nach Philadelphia schickte, und nicht den der 49ers. Hier haben die Dolphins ohne Netz und doppelten Boden auf sich selbst gesetzt. Ein Learning daraus sollte sein, dass man dieses Risiko nicht wiederholt und sich für das durchaus realistische Szenario absichert, dass man einen erneuten Umbruch einleiten muss.

Die Dolphins haben aus ihrem reichen Draft-Kapital - so scheint es aktuell - nicht genug gemacht, um ein neues Grundgerüst aufzubauen und die Wahrscheinlichkeit, dass Tua nicht die Antwort ist, ist an diesem Punkt größer als die Chance, dass er ein Top-10-Quarterback werden kann. Spieler wie Xavien Howard, Byron Jones, DeVante Parker oder auch Will Fuller könnten als Trade-Kandidaten dabei helfen, neues Kapital anzusammeln.

Washington Football Team (2-5): Die Idee, dass man über eine gesamte Saison eine Elite-Defense stellen kann und die Offense dann nur "gut genug" sein muss, war immer extrem riskant. Und da spreche ich bewusst nicht von der gigantischen Variablen, die Ryan Fitzpatrick als Starter über eine volle Saison darstellt - Fitzpatrick hat den Großteil der bisherigen Saison verpasst, eine echte Bewertung ist hier dementsprechend kaum möglich.

Doch der grundsätzliche Plan für sich betrachtet hatte schon sehr wenig Spielraum für Fehler. Dass Washington jetzt eine der schwächsten Defenses in der NFL über die ersten sieben Spiele stellt, führt den Plan komplett ad absurdum und war in dem Ausmaß nicht zu erwarten. Gegen Green Bay gab es hier zwar wieder mal ein Lebenszeichen, doch war dafür die offensive Achterbahnfahrt auf Hochtouren.

Vielleicht würde Washington mit Fitzpatrick ein wenig besser dastehen, aber die ganze Idee mit Fitzpatrick war immer, dass er nur eine Elite-Defense ergänzen und die Playmaker konstant in Szene setzen muss. Washington sollte sich, nicht nur weil Fitzpatrick ohnehin nur für ein Jahr verpflichtet wurde, nach einer ernsthaften Quarterback-Option umsehen, solange die Defense noch halbwegs bezahlbar ist.

Ein Spieler wie Charles Leno könnte echten Trade-Value einbringen, falls Washington Munition braucht, um in der kommenden Offseason aktiv zu werden. Und sind Ron Rivera und Co. bereit, ihre teuer aufgebaute Defensive Line - die perspektivisch noch viel teurer werden wird - aufzubrechen, sollte sich der richtige Trade anbieten?

Natürlich gäbe es hier noch weitere Beispiele. Detroit etwa könnte durchaus noch weiteres Tafelsilber in Draft-Ressourcen verwandeln, nachdem dieser Prozess bereits in der vergangenen Offseason begonnen hat. Houston ist ebenfalls weiterhin mittendrin in diesem Vorgang und dürfte bei jeder Trade-Anfrage zumindest interessiert zuhören.

Aber Washington, Denver, Miami, diese Teams sind mit gewissen Ambitionen in die Saison gegangen und müssen aus verschiedenen Gründen einer harschen Realität ins Auge sehen: Aktuell ist man auf bestem Wege, im Niemandsland der Liga zu versacken. Und es sind drastische Schritte notwendig, um diesem Treibsand zu entkommen.

New York Giants (2-5): Für mich der spannendste Fall dieser Liste, weil ich - und ich hätte vor zwei Jahren nie gedacht, dass ich diesen Satz einmal über Daniel Jones schreibe - dem Quarterback perspektivisch am meisten zutraue. Jones hatte letzte Woche gegen die Rams sein mit weitem Abstand schlechtestes Saisonspiel, aber diese Offense ist schlicht individuell extrem dezimiert, und hat eben nicht das Scheme oder den Play-Caller, um das zu kompensieren. Mittlerweile fehlt auch noch Andrew Thomas in der Offensive Line, insofern weiß ich nicht, wie viel wir aktuell von Jones' Auftritten mitnehmen können, oder sollten.

Wo ich eine sehr deutliche Schlussfolgerung habe, ist die Ebene über Daniel Jones. Wo genau macht dieses Giants-Team unter Joe Judge Fortschritte? Die Defense ist eine massive Enttäuschung, nicht einmal Dinge wie Physis oder Disziplin, für die Judge vermeintlich stehen kann oder will, sind bei diesem Team auf der positiven Seite.

Ich sehe hier keine Entwicklung, das In-Game-Management ist nicht gut - wenn ich einen Case für Judge entwerfen müsste, würde es mir schwerfallen, Argumente außerhalb etwas wie "Kontinuität" zu finden.

Und Kontinuität ist natürlich auch nicht hilfreich, wenn es kontinuierlich nirgendwohin geht.

Denken wir das weiter, stünde die Frage im Raum, ob die Giants auch eine perspektivische Diskrepanz zwischen GM und Head Coach haben - oder ob beide wackeln. Kritik an Dave Gettleman über die letzten Jahre war meist sehr gerechtfertigt, man muss ihm aber zugutehalten, dass er eine ziemlich starke Offseason hatte, im Draft und in der Free Agency. Und wir wissen, dass Teambesitzer John Mara nicht gerade bekannt dafür ist, mit eiserner Faust zu regieren.

Es würde mich deshalb nicht wundern, wenn Gettleman noch einen weiteren neuen Head-Coach-Verpflichtungsprozess anführen darf. Der müsste dann aber nach dieser Saison stattfinden, und dafür könnte New York jetzt den Rebuild auf dem Trade-Markt einleiten. Der Sieg gegen ein Panthers-Team, das gerade komplett implodiert, sollte daran eigentlich nichts ändern. Wird er aber vermutlich.