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NFL Mailbag Week 3: Diese Stars könnten noch getradet werden

SPOX-Redakteur Adrian Franke beantwortet eure Fragen zu Woche 3 in der NFL.

Was macht das Liga-Mittelmaß aus - und wie kommt man da wieder raus? Welche Spieler könnten in den kommenden Wochen noch getradet werden? Und was fällt bei der Patriots-Offense auf?

SPOX-Redakteur Adrian Franke beantwortet wie gewohnt eure Fragen zum Spieltag. Auch diese Woche gibt es wieder einige zusätzliche Antworten im Video-Mailbag.

Los geht's mit einem Thema, das mehrere Teams in der Liga betrifft: Wie rutscht man eigentlich ins Liga-Mittelmaß - und, fast noch wichtiger, wie kommt man da wieder raus?

NFL Mailbag: Das verhasste Liga-Mittelmaß

Samu, MurphysLawyer: Du hast vor einigen Monaten bei den Bears noch von einem sportlichen "Niemandsland" gesprochen. kein Elite-QB, aber eine teure Defense die "zu gut" ist, einen hohen Draftpick zu bekommen. Sehen wir genau das vielleicht diese Saison bei den Steelers? Und mit dem wohl anstehenden totalen Kollaps von Big Ben, wie fest sitzt Mike Tomlin noch im Sattel?

Was den Tomlin-Teil der Frage angeht, denke ich, lässt sich das schnell beantworten: Tomlins Stuhl wackelt nicht, selbst wenn die Saison dieses Jahr komplett in die Hose geht. Und das nicht nur, weil er im April einen neuen Vertrag unterschrieben hat. Tomlin hatte noch nie eine negative Bilanz, die Steelers sind eine der stabilsten Franchises in dieser Hinsicht in der NFL, und ich gehe fest davon aus, dass man Tomlin den Übergang von Roethlisberger zu dessen Nachfolger zutraut.

Reingenommen habe ich die Frage vor allem für den ersten Teil, und weil man hier durchaus ein Muster feststellen kann.

Eine der wichtigsten Aufgaben eines GMs ist in meinen Augen das Self-Scouting, also die Analyse des eigenen Kaders, das realistische Einschätzen des eigenen Kaders, und dann das Treffen von Entscheidungen basierend auf dieser Einschätzung. Sind wir im Titelfenster? Sind wir im Rebuild? Welche Schritte müssen vorgenommen werden, um in unserem aktuellen Zustand den nächsten Schritt zu machen?

Die Teams, die im Niemandsland der NFL ankommen, kommen häufig eher von oben nach unten als andersherum, sprich: Es sind Teams, die hohe Ambitionen hatten, ihre Chance auf ein Titelfenster aber überschätzt haben, und dann irgendwann mit einem guten Kader und einem Quarterback-Fragezeichen dastehen.

So wie die Eagles dieses Jahr, die noch die Ausläufer eines Super-Bowl-Teams mit jährlichen Playoff-Ambitionen auf der einen, den offensiven Umbruch inklusive Quarterback-Suche auf der anderen Seite haben. Oder die Colts, die sich ein sehr gutes Gerüst aufgebaut haben, das aber jetzt nach und nach bezahlt werden muss - und eine Quarterback-Antwort gibt es bislang nicht.

Denver hatte jetzt einen sehr guten Saisonstart, alle drei Broncos-Gegner bislang (Giants, Jaguars, Jets) sind aber auch noch sieglos. Wie viel dieser Start wert war, wird sich dementsprechend erst zeigen müssen, und die Gefahr ist sicher auch hier gegeben, dass Bridgewater im Endeffekt das hohe Anfangslevel nicht beibehalten kann, und ein ansonsten starker Kader den Anschluss nach ganz oben wieder verliert.

Chicago war über mehrere Jahre in diesem Zustand, als man noch hoffte, dass Mitch Trubisky die Antwort sein kann. Und auch da sehen wir die Ausläufer nach wie vor, der Kader ist überteuert und hat gleichzeitig mittlerweile mehrere gravierende Lücken; die einzige perspektivische Hoffnung war letztlich die Tatsache, dass in einer Pre-Draft sehr stark eingeschätzten Quarterback-Klasse Justin Fields den Bears in den Schoß fiel.

Aber das ist letztlich - Uptrade hin oder her - auch Glück, und Stand jetzt sieht die Quarterback-Klasse im kommenden Draft deutlich weniger attraktiv aus. Für Teams, die im Mittelmaß angekommen sind, geht es letztlich darum, eine solche Chance zu ergreifen.

Vor allem aber: Unter dem Strich ist es immer der Quarterback. Man kann eine Elite-Defense aufbauen, die aber hat meist einen kurzfristigen Peak und wird nicht langfristig auf diesem Level sein. Man kann eine starke Receiver-Gruppe aufbauen - wie sie die Steelers beispielsweise haben -, das kann einem Matchup-Vorteile geben und individuelle Plays ermöglichen, aber es ist keine wöchentliche Baseline.

Man kann eine gute Offensive Line aufbauen, wie sie etwa Washington hat, aber auch dann braucht man immer noch einen Quarterback, der hinter dieser Line auch funktioniert; und wenn man wirklich oben mitspielen will, braucht man einen Quarterback, der in den einzelnen kritischen Momenten bestehen und Drives bei langem Third Down aufrechterhalten kann. In der modernen NFL kommt es immer auf den Quarterback zurück, und solange man keinen Top-Quarterback hat, sollte es das oberste Ziel sein, diesen zu finden. Auch wenn man einen soliden Starter hat, wie es die Chiefs damals für Mahomes machten, oder die 49ers jetzt für Trey Lance.

Letztlich ist das die mit Abstand beste Chance darauf, konstanten Erfolg zu haben. Und natürlich gibt es weitere kritische Bausteine um diesen Quarterback herum. Aber umgekehrt betrachtet ist die Gleichung relativ einfach: Der "einfachste" Weg, um ins Liga-Mittelmaß zu rutschen, ist, wenn man seine Quarterback-Situation falsch einschätzt und in ein Titelfenster investiert, das überhaupt nicht da ist.

Lange Antwort, aber im Kern: Ja, Pittsburgh hat seine Quarterback-Situation falsch eingeschätzt und seine Top-Draft-Ressource in einen Running Back investiert. Das ist generell ein fragwürdiges Investment, wenn man aber nicht mehr im Titelfenster ist, umso mehr. Die Defense ist - wenn in Bestbesetzung - viel zu gut, um einen hohen Draft-Pick zu ergattern, genau wie die offensiven Playmaker.

Das ist unter dem Strich der schleichende Schritt ins NFL-Mittelmaß wie im Bilderbuch. Um dieses Abrutschen aufzuhalten, braucht Pittsburgh eine neue Quarterback-Hoffnung. Und auf der Suche nach dieser sollte man so aggressiv sein wie es eben nötig ist.

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Die Antworten gibt's im Video-Teil des Mailbags!

Daniel: Was sollen die Pats mit der immer noch schwachen, aber viel zu teuren Offense machen?

Die Patriots-Offense hatten wir ja bereits nach Woche 1 als Thema, und für mich sind es die gleichen Probleme, die die Pats jetzt über die ersten drei Spiele begleiten:

  • Die Offensive Line ist längst nicht so dominant wie man im Vorfeld der Saison hoffen durfte.
  • Man hat zwar viel Geld in die beiden Tight Ends investiert, so wirklich gefährlich bekommen sie das Passspiel aber noch nicht über Jonnu Smith und Hunter Henry aufgezogen.
  • Mac Jones macht seine Rookie-Fehler, aber mit Blick auf die Rookie-Quarterback-Landschaft bisher ist er definitiv schon weiter als Lawrence, Wilson und Co. Trotzdem wird er in puncto Play-Calling extrem an der kurzen Leine gehalten.

Die Saints haben dann auch noch die beiden Mittel, mit denen New England den Ball konstanter bewegen wollte - Early Down Runs und Play Action - sehr konsequent verteidigt, teilweise waren sie bereits bei Jones, wenn der gerade erst den Play-Action-Handoff antäuschen wollte.

Was ich außerdem auffällig fand, war, dass die Patriots in einigen kritischen Momenten die Underneath-Räume nicht ausreichend besetzten. Jones musste so mehr schwierige Würfe anbringen als nötig gewesen wäre.

Ich denke, dass man Jones mehr zumuten kann, aber nicht in der Richtung, Second-Reaction-Plays zu machen oder die Offense zwangsläufig vertikaler zu öffnen. Gegen die Saints hat er sogar auffällig viele tiefe Bälle versucht, wenn auch nahezu ohne Erfolg. Natürlich kam einiges davon dann auch, als die Patriots bereits im hoffnungslosen Aufhol-Modus waren.

Wo ich aber viel mehr Spielraum für die Patriots sehe, ist der Umgang mit Early Downs. Weg von den Runs, weg von den Screens und hier das Playbook für Jones öffnen: Mit Option-Routes Underneath, Pass-Konzepten, die ihn den 8-12-Yard-Bereich attackieren lassen. Da sehe ich am ehesten den Rhythmus für die Offense mit Mac Jones, und da wäre auch die logische Rolle für die Tight Ends.

Bisher ist die Offense vorhersehbar, und ich finde nicht, dass man Jones bestmöglich hilft. Aktuell muss er viel zu viele Plays bei Third Down machen, und das ist so gar nicht sein Spiel. Die Patriots sollten sich von der Vorstellung eines dominanten Run Games verabschieden und Jones mehr Kontrolle Underneath bei Early Down geben.

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