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NFL

Top 10: Die wichtigsten Erkenntnisse aus Woche 12 in der NFL

SPOX-Redakteur Adrian Franke blickt zurück auf Woche 12 in der NFL.

4. Arizona ist noch nicht so weit - und hat klare Baustellen

Im Endeffekt kann man zahlreiche Antworten auf die Frage finden, warum Arizona gegen ein Patriots-Team, das offensiv kaum etwas zustande brachte, am Ende verlor. Der Drop von Christian Kirk kurz vor der Halbzeitpause, welcher die Cardinals einen Touchdown kostete. Die beiden zugelassenen Big Plays im Special Team, und beim zweiten hatte Arizona sogar Glück, dass eine zweifelhafte Strafe die Pats einen Touchdown kostete.

Oder auch die abgefälschte Interception von Murray. Strafen zur Unzeit. Und natürlich die Entscheidung von Kliff Kingsbury, am Ende auf das Field Goal zu gehen, statt Vierter-und-Eins auszuspielen und auf den Sieg zu gehen.

Viele Kleinigkeiten, die unterstreichen, dass die Cardinals noch nicht "so weit" sind. An einem guten Tag kann Arizona fast jedem Team in der NFL Probleme bereiten, aber von der Liga-Spitze - geschweige denn den echten Titelanwärtern - sind die Cardinals noch mindestens ein, zwei Stufen entfernt.

Und so stellt sich natürlich die Frage: Was fehlt noch, um diese Stufen hochzuklettern? Gerade der letzte Kritikpunkt geht in die übergreifende Analyse: Kingsbury zeigt Woche für Woche eigentlich gute In-Game-Entscheidungen - bis es in die Crunchtime geht. Plötzlich wird er dann konservativ und sucht eine Sicherheit, wo er bis dahin im Spiel eigentlich den mutigen Weg gesucht hat.

Das ließ sich in mehreren Spielen dieses Jahr beobachten, und auch gegen die Pats: Er geht auf den Touchdown vor der Halbzeit, er spielt Vierter-und-Fünf aus, um auf den Ausgleich zu gehen - und wo eine Conversion bei Vierter-und-Eins das Spiel potenziell beendet hätte, wählt er das 45-Yard-Field-Goal. Obwohl das bereits mehrfach für ihn schiefgegangen ist, das Dolphins-Spiel und die Overtime gegen Seattle sollten eigentlich für den Lerneffekt genügen.

Cardinals: Klare Hausaufgaben für 2021

Hier muss Kingsbury sich verbessern, doch ein größeres Thema müssen die offensichtlichen offensiven Probleme sein. Murray lief zuletzt deutlich weniger, was einerseits mit seiner Schulterverletzung zu tun haben dürfte - auch weil die Scrambles überhaupt nicht kamen, insbesondere gegen New Englands Blitzes war das auffällig -, gleichzeitig aber betonten nach dem Patriots-Spiel Kingsbury und Murray unisono, dass sich New England defensiv gegen den Run auf Murray fokussierte. In der Red Zone, wo Arizona normalerweise bevorzugt Option-Plays einbaut, versuchten sie es aber auch fast gar nicht.

Das Problem dann? Es gibt keinen Plan B, und das entblößt offensive Defizite. Kingsbury versucht nach wie vor viel zu häufig, die Offense über das Kurzpassspiel zu öffnen. Das ist nicht zum ersten Mal in dieser Saison ein Thema, verlangt allerdings hohe Präzision und eine enorme Konstanz, die Murray als Passer noch nicht hat. Gleichzeitig wird die Aufgabe zusätzlich erschwert, da Defenses Arizona längst entsprechend spielen; die Cardinals komprimieren so selbst das Feld, alles ist eng, und wenn Murray dann - ob mit designten oder improvisierten Runs - als Runner kein Faktor ist, wird jedes First Down schwierig.

2021 wird das dritte Jahr für Kingsbury und Murray sein. Das ist das Jahr, in dem es keine Ausreden geben sollte, in dem man den angesprochenen Schritt machen sollte. Individuelles Talent ist unbestreitbar vorhanden, doch sind auch die Baustellen klar. Kingsburys Offense muss vertikaler werden, um die Box zu entlasten und auch, um gemäß der individuellen Stärken der eigenen Offense zu spielen. Sie muss flexibler werden, um mehr Probleme lösen zu können. Ein veritabler Nummer-2-Receiver dürfte eine Offseason-Priorität sein.

Die individuelle Qualität von Hopkins und die Improvisationsfähigkeiten von Murray sollten die Kirsche auf der Torte sein, nicht der Motor der Offense.

Arizona kann noch immer in die Playoffs kommen, und gerade für Murray und Kingsbury könnte das nochmal ein wichtiger Schritt in der Entwicklung sein. Aber man sollte sich nicht von den Highlights dieser Saison blenden lassen, wenn man die allgemeine Entwicklung dieses Teams beurteilt. Die ist da, wenn man auf die letzten zwei Jahre zurückblickt - aber die Cardinals haben auch noch einen weiten Weg vor sich. Das Patriots-Spiel hat das abermals untermauert.

5. San Francisco: Zu gut für einen hohen Pick

Womöglich hatte sich der eine oder andere Niners-Fan spätestens mit den Verletzungen von Garoppolo, Bosa und Kittle bereits mit dem Gedanken an eine verlorene Saison angefreundet. Ein Top-10-Pick im kommenden Draft in Aussicht, vielleicht die Chance, hier den Quarterback der Zukunft zu finden. Doch während optimistische Cardinals-Fans gegen die Patriots ihren Weckruf bekamen, erhielten diese Niners-Anhänger einen Weckruf der ganz eigenen Art: Dieses Team ist zu gut gecoacht, um in der Draft-Reihenfolge einfach so hoch zu klettern.

Der eindrucksvolle Auftritt gegen die Rams unterstrich das. Dabei mangelte es nicht an individuellen Fehlern, im Gegenteil: San Francisco hatte in der ersten Hälfte zwei Turnover und ließ dann noch einen Fumble-Return-Touchdown zu. Letzteres ermöglichte es den Rams erst, die Partie noch zu drehen. Aber die Rückkehr von Deebo Samuel war ein riesiger Faktor, seine Qualitäten nach dem Catch sind mit Nick Mullens auf Quarterback umso wichtiger. Richard Shermans Comeback stabilisierte die Secondary merklich und früh im Spiel konnte San Francisco den Ball auch gut nach außen laufen.

Auf die 49ers wartet mit Buffalo in der kommenden Woche gleich die nächste harte Aufgabe, und natürlich gibt es mit Mullens klare Limitierungen. Letztlich ist immer schon Alarmstufe Gelb, wenn Mullens bei einem langen Second Down ins Dropback Passing Game gehen muss. Dass gerade die rechte Seite der Offensive Line dabei immer wieder wackelte, half wenig.

Aber der größere Takeaway dieser Partie waren die Limitierungen bei den Rams. Jared Goff hatte eine desolate Partie: Die Interception zu Sherman war ein Wurf aus Play Action bei First Down ins absolute Nichts, komplett zwischen zwei mögliche Targets, wo nur Sherman stand. Goff warf außerdem einen Pick Six zu Rookie-D-Liner Javon Kinlaw, die Niners setzten Goff exzellent unter Druck, ließen im Run Game abgesehen von einem Big Play durch Cam Akers fast nichts zu und spielten beeindruckend enge Coverage.

Und da war er eben wieder, der "schlechte" Jared Goff. Den man gegen Miami gesehen hatte, den man im ersten Spiel gegen die 49ers gesehen hatte, den man in Phasen gegen Tampa Bay gesehen hatte. Die Rams sind auch nach Woche 12 noch nicht leicht zu greifen, weil die Offense je nach Matchup ein Kandidat für enorme Leistungsschwankungen ist - eine Aussage, die man in der Regel eher über Defenses tätigen würde. Und das hängt letztlich ganz konkret mit Goffs Leistungsschwankungen zusammen, primär bedingt durch die Frage, wie sehr eine Defense ihn unter Druck setzen und nach dem Snap verwirren kann.

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